Die National Federation Party (dt.: „Nationale Föderationspartei“) ist eine Partei in Fidschi. Sie wurde im November 1968 von Ambalal Dahyabhai Patel (A. D. Patel) gegründet und entstand als Zusammenschluss der Federation Party und der National Democratic Party. Obwohl sie ihrem eigenen Anspruch nach offen für alle Bürger von Fidschi war, bestand die Mitgliederschaft anfangs fast ausschließlich aus Indo-Fijians (Findians), deren Vorfahren hauptsächlich als Indentured Labourers zwischen 1879 und 1916 nach Fidschi gekommen waren. Erst bei der Parlamentswahl in Fidschi 2018 erlebte die Partei einen bedeutenden Kurswechsel, nachdem sie zahlreiche Fidschianer als Kandidaten aufstellte.
Geschichte Gründung und die Konferenz 1965
Die Gründung der Federation Party war eine direkte Folge der Auseinandersetzung zwischen Zuckerrohr-Farmern und der Colonial Sugar Refining Company (CSR) 1960 im Bezug auf einen neuen Zuckerrohr-Vertrag (cane contract). In den Wahlen zum Legislative Council 1963 trat die Partei unter dem Banner der Citizens Federation an. Die beiden Parteien wurde dann als Federation Party am 21. Juni 1964 mit A.D. Patel als Präsident und Sidiq Koya als Vizepräsident konstituiert. Die Vereinigung erfolgte rechtzeitig vor der Wahl zur Verfassungsgebenden Konferenz 1965. Dort sollte ein Plan für die Unabhängigwerdung von den Briten ausgearbeitet werden. Die britische Regierung entschied ein Cross-Voting als Kompromiss zwischen den fidschianischen und den europäischen Delegierten auf der einen Seite und den Indern auf der anderen Seite durchzuführen; neun der 36 Sitze im Legislative Council sollten durch Allgemeines Wahlrecht (universal suffrage) bestimmt werden, aber zugeordnet zu Ethnien, aufgeteilt gleichmäßig unter Fidschianern, Indiern und „General Electors“ (Caucasians/Europäern, Chinesen und anderen Minderheiten). Das Legislative Council wurde auf 36 Mitglieder aufgestockt, davon waren 14 Fidschianer (9 gewählt auf kommunaler Basis, 3 auf Basis von Cross-Voting und zwei nominiert durch das Great Council of Chiefs), 12 Inder (9 gewählt auf kommunaler Basis, 3 auf Basis von Cross-Voting) sowie 10 Europäer (7 gewählt auf kommunaler Basis, 3 auf Basis von Cross-Voting). Einige der unstrittigen Vorschläge der Federation Party wurden auch akzeptiert. Es wurden eine Public Service Commission, Police Service Commission und Judicial and Legal Services Commission eingerichtet und eine Bill of Rights erstellt.
1966 bis zum Tod von A.D. Patel Der Ausgang der Constitutional Conference war ein Hauptthema während der Wahlen, welche die ersten allgemeinen Wahlen mit Parteien in Fidschi waren. Es wurde erwartet, dass die Federation Party wenigstens drei Cross-Voting-Sitze in der Western Division gewinnen würden, da dort die Mehrheit der indischen Einwohner lebten. Die Partei errang jedoch nur 9 indische kommunale Sitze. Die Alliance Party dagegen gewann 22 Sitze, aber drei Unabhängige und die zwei Abgeordneten des Council of Chiefs schlossen sich an, so dass sie auf eine Gesamtstärke von 27 Mandaten kam. Ratu Kamisese Mara von der Alliance Party wurde Chief Minister und A.D. Patel wurde Oppositionsführer.
Ethnische Spannungen eskalierten nach der Einführung des Systems der Verantwortungsbewußten Regierung (responsible government) 1967, als Patels Erzrivale, der Häuptling Kamisese Mara von den Lau-Inseln, am 20. September zum Chief Minister ernannt wurde. Maras Alliance Party war eine Koalition aus der einheimischen und der europäischen Faktion, mit minimaler Teilhabe der Indo-Fijians. Patel und die NFP wurden in die Opposition verbannt. Als Protest gegen die Weigerung der neuen Regierung eine zweite Verfassungskonferenz einzuberufen, führte Patel die neun Abgeordneten der Federation Party im September 1967 in einem Mass Walkout (Streik) an. Das Fehlen in zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsperioden des Legislativrates führte zum Verlust ihrer Sitze und erzwang Nachwahlen. Die anschließenden Nachwahlen waren von inter-ethnischer Gewalt geprägt. Alle neun Abgeordneten der Federation Party wurden mit größerem Stimmenanteil wiedergewählt und gewannen 78,55 % der abgegebenen Stimmen. Patel gewann mit 7903 gegen 2772 Stimmen für Manikam Pillai. Es gab Demonstrationen von Fidschianern und Aufrufe, die Pachtverträge für einheimisches Land nicht zu verlängern. Extreme Elemente forderten sogar die Deportation von Indo-Fijianern aus Fidschi. Die Beziehungen zwischen den indo-fidschianischen und indigenen Gemeinschaften waren auf einem neuen Tiefpunkt.
Bildung der National Federation Party Im November 1968 schloss sich die Federation Party mit der National Democratic Party zur „National Federation Party“ zusammen. Patel und Koya wurden Präsident, respektive Vizepräsident, der fusionierten Partei. Apisai Tora und Isikeli Nadalo, beide einheimische Fidschianer, waren führende Persönlichkeiten in der NDP, und die Fusion brachte zum ersten Mal bekannte Fidschianer in die Partei. Der Versuch, sich als multirassische Partei zu positionieren, führte jedoch nicht zu einer nennenswerten Wahlunterstützung in der indigenen fidschianischen Gemeinschaft. Der NFP gelang es nie, bei irgendeiner Wahl zehn Prozent der Stimmen der Fidschianer zu bekommen. Es gelang ihr jedoch nach der Unabhängigkeit im Jahr 1970 aufgrund von Kreuzabstimmungen in den umgestalteten Wahlkreisen mehrere Fidschianer in das spätere Repräsentantenhaus zu bringen.
NFP unter der Führung von Sidiq Koya Weniger als ein Jahr nach der Gründung der NFP starb Patel plötzlich am 1. Oktober 1969. Sein Stellvertreter, Siddiq Moidin Koya, folgte ihm als Parteivorsitzender nach.
Zusammenarbeit von NFP und Alliance für die Unabhängigkeit Die Partei spielte eine wichtige Rolle in den Verhandlungen, die 1970 zur Unabhängigkeit Fidschis vom Vereinigten Königreich führten. Ihre ursprüngliche Forderung nach einem universellen Wahlrecht drohte den Unabhängigkeitsprozess zum Stillstand zu bringen, aber auf einer Konferenz in London im April 1970 verhandelte Sidiq Koya schließlich ein Kompromiss mit Kamisese Mara, dem Vorsitzenden der Alliance Party, der wichtigsten der von ethnischen Fidschianern dominierten Parteien. Gemäß diesem Kompromiss würden ethnischen Fidschianern und Indo-Fidschianern jeweils 22 Sitze zugeteilt, wobei 12 Sitze kommunale Wahlkreise (die Wähler umfassen, die als Mitglieder einer bestimmten ethnischen Gruppe registriert sind) und weitere 10 nationale Wahlkreise repräsentieren (verteilt nach ethnischer Zugehörigkeit, aber gewählt durch universelles Wahlrecht). Das Abgeordnetenhaus sollte über 52 Mitglieder verfügen. Weitere 8 Sitze waren für allgemeine Wahlmänner (Europäer, Chinesen und andere Minderheiten) reserviert; 3 davon waren „kommunal“ und 5 „national“ zugeordnet.
Da zum ersten Mal in der Geschichte Fidschis die Führer beider großen ethnischen Gruppen zusammenarbeiteten, verlief der Übergang zur Unabhängigkeit friedlich und die Euphorie der Unabhängigkeit hielt einige Zeit an. Sidiq Koya reiste mit dem Premierminister nach Indien und zu den Vereinten Nationen, und es gab Pläne für eine Koalitionsregierung. Es gab jedoch auch innerhalb der National Federation Party (NFP) Personen, die mit der engen Beziehung zwischen Sidiq Koya und Ratu Kamisese Mara nicht zufrieden waren. Der Anführer dieser Fraktion war Raojibhai Dahyabhai Patel (R.D. Patel), der aber vorerst keinen offenen Widerspruch äußerte.
Wahlen 1972 Die ersten allgemeinen Wahlen seit der Unabhängigkeit wurden im Mai 1972 abgehalten. Ethnische Spannungen, die für die allgemeinen Wahlen von 1966 und die Nachwahlen 1968 so charakteristisch gewesen waren blieben aus. Die NFP gewann nur 19 der 52 Sitze im Repräsentantenhaus, während die Alliance Party ihren Anteil an indischen Stimmen sogar noch steigerte. Nach der Wahl wurde RD Patel, einer von Koyas Kritikern innerhalb der NFP, zum Sprecher des Repräsentantenhauses gewählt.
Verschlechterung der Beziehung zwischen Koya und Mara Ab Mitte 1975 verschlechterte sich die Beziehung zwischen Koya und Mara. Dies lag zum einen an der Ankündigung des Bildungsministers, dass die Regierung die Schulgebühren für nichtethnische Fidschianer nicht subventionieren werde. Sidiq Koya nannte dies „eine eklatante rassistische Ungerechtigkeit“ („a blatant piece of racial injustice“). Zweitens, als ein ehemaliges Bündnismitglied einen Antrag stellte, in dem die Rückführung von Menschen indischer Herkunft nach Indien gefordert wurde, war Koya mit der gemessenen Reaktion der Bündnisregierung nicht zufrieden und beschuldigte sie, „Elemente zu haben, die legal das tun wollten, was der Parteivorsitzende der Fijian Nationalist Party, Sakeasi Butadroka, versucht illegal zu tun.“ Drittens lehnte der Premierminister die Empfehlungen der Royal Commission ab, welche empfahl das Wahlsystem zu verändern. Er behauptete, dass die Umsetzung der Empfehlung zu Blutvergießen im Land führen würde.
Spaltung in der NFP Da die NFP nicht in der Lage war, nennenswerten Einfluss auf die Abstimmung von ethnischen Fidschianern zu nehmen, blieb die Partei in den Jahren nach der Unabhängigwerdung in der Opposition. In den Wahlen im März 1977 gelang es der NFP jedoch aufgrund einer Spaltung in der Gruppe der ethnischen Fidschianer eine Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erringen. Interne Spannungen verhinderten jedoch, dass die Partei eine Regierung bilden konnte, da die Partei an Fragen um die Führung und die Zuteilung von Ministerposten auseinanderbrach. Der Generalgouverneur Ratu Sir George Cakobau ernannte den unterlegenen Premierminister Mara erneut und ordnete Neuwahlen für September desselben Jahres an. Die Ereignisse führten zur Fidschianischen Verfassungskrise 1977.
Die NFP unter der Führung von Jai Ram Reddy In den Vorgezogenen Wahlen im September erlitt die NFP eine schwere Niederlage, nachdem sie sich in zwei Gruppierungen aufgespalten hatte: die National Federation Party - Dove faction und die National Federation Party - Flower faction. Koya verlor seinen Sitz im Parlament an Jai Ram Reddy, der der neue Parteiführer wurde. Koyas Dove faction hatte nur 3 Sitze errungen im Gegensatz zur Flower faction, welche 12 Sitze bekam.
Reddy verfolgte eine Politik, die Koya bereits versucht hatte, nämlich von Moderation (Mäßigung), indem er versuchte, mit der Allianzpartei zusammenzuarbeiten, um Veränderungen herbeizuführen, anstatt auf die spaltende Politik von AD Patel und von Koya zurückzugreifen. Er verbrachte eine kurze Zeit der „Flitterwochen“ mit der Allianz und es gab erneut Gespräche über eine Koalition. Die Beziehungen zwischen beiden Seiten verschlechterten sich jedoch schnell, da die Allianz ihre große Mehrheit nutzte, um Gesetze durchzusetzen, die als anti-indisch angesehen wurden. Nachdem Reddy 1980 die Politik der Allianz kritisiert hatte, Kronland nur für die Nutzung durch ethnische Fidschianer zu reservieren, sprachen er und Mara nicht mehr miteinander.
Die NFP kam bei den Wahlen 1982 wieder zusammen und hätte die Wahl beinahe gewonnen, da sie in einer Koalition mit der Western United Front (WUF) 24 Sitze gewann. Reddys Meinungsverschiedenheiten mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses der Allianz führten zu seinem Streik im Dezember 1983 und zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament im April 1984.
Sidiq Koyas Zweite Amtszeit als Parteiführer Sidiq Koya, der 1982 mit der wieder vereinten NFP ins Parlament zurückgekehrt war, wurde nach Reddys Rücktritt zum Vorsitzenden gewählt. Er war jedoch bald in Kontroversen verwickelt und wurde beschuldigt, seine eigenen Anhänger bei wichtigen Ernennungen innerhalb der Partei zu bevorzugen. Er schloss den NFP-Jugendflügel von einer Sitzung des Arbeitsausschusses aus und verursachte damit weitere Vorwürfe diktatorisch zu handeln.