Smart EQ ist eine 2018 begründete Submarke der Automarke Smart für elektrisch angetriebene Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor, analog zu Mercedes-Benz EQ, beides Marken des Automobilherstellers Mercedes-Benz AG. Der zugehörige Slogan lautet „Electric Intelligence“. Die ab 2009 bei Smart und ab 2014 in der Mercedes-Benz B-Klasse verwendete Bezeichnung electric drive (ED) für die elektrisch angetriebenen Varianten wurde mittlerweile ersetzt.
Hintergrund Die mindestens 175 kg schweren Akkupakete für EQ-Fahrzeuge stammen aus der Fabrik der Mercedes-Benz-Group-Tochter Deutsche Accumotive im sächsischen Kamenz. Die verwendeten Lithium-Ionen-Akkumulator-Zellen werden von meist koreanischen Produzenten zugekauft, obwohl die Daimler AG bis 2015 ebenfalls in Kamenz mit Li-Tec Battery einen eigenen Zellhersteller besaß, und 2009 auch von Tesla eingekauft hat. Die Zellen von ehemaligen Mietfahrzeugen werden seit 2016 in Batterie-Speicherkraftwerken in einem „zweiten Leben“ weiter genutzt.
Der zweisitzige Smart Fortwo (450) wurde 1998 nur mit Ottomotor vorgestellt, obwohl das Konzept ebenso wie die Mercedes-Benz A-Klasse auf Elektroantrieb und Batterie im doppelten Boden (Sandwich-Bauweise) ausgelegt war. Sowohl alle Smart fortwo- und forfour-Modelle der Baureihen 450, 451 und 453 als auch die Mercedes A-Klasse Baureihen 168 und 169 gehen auf das gemeinsame Konstruktionsprinzip der NAFA-Konzeptstudie (NAFA = „Nahverkehrsfahrzeug“, auch „Vesperwägele“) aus dem Jahr 1981 zurück.https://www.welt.de/print/wams/motor/article125332826/Die-Geschichte-eines-kleinen-Autos.html In Kalifornien wurden auch elektrisch angetriebene Smart erprobt. Dort zwang in den 1990er Jahren der Gesetzgeber die Hersteller dazu, Null-Emissions-Autos anzubieten. Als dies gelockert wurde, verschwanden auch die E-Autos wieder.
Smart baute seit 2012 mit dem fortwo Cabrio das (bis zum MG Cyberster ab 2023) einzige Elektro-Cabrio auf dem Markt und hatte 2019/2020 mit der Auflage und Produktion der jüngsten Modellpflege für fortwo und fourfour als erster konventioneller PKW-Hersteller den Übergang zum reinen Elektroauto-Produzenten abgeschlossen. Smart ließ zuletzt nur noch an zwei Standorten in Europa im Auftrag fertigen. Im lothringischen „Smartville Hambach“ wurde weiterhin der zweisitzige Smart EQ fortwo produziert, seit Verkauf der Fabrik allerdings durch Ineos Automotive, und im unterkrainischenNovo mesto wurde bei der Renault-Tochter Revoz der viersitzige Smart EQ forfour als Renault-Twingo-Abkömmling hergestellt – Letztgenannter allerdings nur bis zum 31. Dezember 2021.
Die vollständige Verlagerung der Produktion nach China zum neuen Joint-Venture-Partner Geely ab 2022 wurde bereits 2020 angekündigt. Den Anfang im neuen Portfolio macht dabei mit dem Smart #1 das erste Smart-SUV im B-Segment (ein Kleinwagen mit vergleichbaren Dimensionen wie der Smart forfour) auf Basis der SEA-Plattform („Sustainable Experience Architecture“) von Geely und dem weiterentwickelten Konzept des Smart formore aus dem Jahr 2006.
Fortwo 450 Electric Drive (ED1, 2006) mini|Polizei-ED1 in London, 2008
Der erste elektrische Smart, als Kleinserie für einen Flottenversuch, hatte die 250 cm lange originale Karosserie des Typs 450, in der Version nach dem Facelift. Ab 2006 wurden in London in einem Großversuch 100 Smart getestet. Der später als ED 1 bezeichnete erste Flottenversuch mit einer Elektroversion hatte einen 30-kW-Motor, womit das Fahrzeug ca. 100 km/h erreichte. Als Reichweite wurde bis zu 115 Kilometer angegeben. Als Antriebsbatterie wurde eine – bereits in anderen Automobilen erprobte – Hochtemperatur-Zebra-Batterie (Natrium-Nickelchlorid-Zelle) verwendet, deren Kapazität mit 13,5 kWh angegeben wurde.
Elektro-Umbauten auf Basis des 450
Der Smart war bereits in den 1990er Jahren auch für Elektroantrieb konzipiert, mit Platz im Unterboden für ein einteiliges Akkupaket, und Details wie Symbole für Zapfsäule und Ladesäule in der Tankanzeige. Zu kaufen gab es bis Mitte 2012 allerdings keine elektrischen Smart ab Werk. Mehrere kleinere Hersteller rüsteten Verbrenner-Smart auf Elektroantrieb um, teils in wenigen Tagen.City 25/30/75. Technikdokumentation eines Smart-Umbaus auf Elektroantrieb, Website Firma Turn-E, abgerufen am 1. Februar 2012., Angaben zum Umrüst-Kit und Effizienzvergleich, Website Firma BEA-tricks, abgerufen am 20. Januar 2012. Es gab auch Versionen, die an einem Solarcarport direkt geladen werden konnten, insbesondere wenn 48V-Technik verbaut war.
Fortwo 451 ED 2 (2009–2011) mini|Carsharing ED2 in Amsterdam, 2011
Die nächste Flottenversuchs-Version ED 2 basierte auf der nun 269 cm langen Baureihe 451 und hatte einen 150 kg schweren Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 16,5 kWh. Akku und Motor wurden von Tesla Motors hergestellt. Das mit Wasserkühlung versehene Akkupaket bestand dabei aus 1600 teslatypischen Rundzellen und kam auf 20 kW Dauer- und 30 kW Peakleistung.So fährt der Elektro-Smart, AutoBild, 15. Dezember 2009, abgerufen am 12. Februar 2012.Auto Motor und Sport, Heft 6 vom 25. Februar 2010. Die Spitzengeschwindigkeit des Smart ED 2 beträgt 112 Kilometer pro Stunde, der Energiebedarf liegt bei zirka 12 kWh/100 km. Diese Fahrzeuge wurden ab Ende 2009 im Smart-Werk im französischen Hambach in insgesamt 2100 Exemplaren produziert.
Die Smart ED 2 wurden zunächst im E-Mobility Berlin genannten Flottenversuch zur Elektromobilität in Zusammenarbeit mit RWE eingesetzt. Weitere Exemplare wurden als Flottenfahrzeuge verleast und später beim Carsharinganbieter car2go eingesetzt. Kaufen konnte man dieses Modell nicht. Aus 1000 der gebrauchten Akkus wurde in Lünen ein 13-MWh-Stromspeichermedia.daimler.com Weltweit größter 2nd-Use-Batteriespeicher geht ans Netz gebündelt, angeblich der weltweit größte Speicher aus gebrauchten Batterien.
Fortwo 451 ED 3 (2012–2015) mini|Car2Go-ED-3 in Stuttgart, 2013 mini|Antriebsstrang des ED mit Differentialgetriebe und Elektromotor. Das Rohr links ist die Radaufhängung. mini|Smart-ED, Blick in den Motorraum. Im Vordergrund ein Ladegerät
Auf der IAA 2011 wurde ein Modell des Fortwo Electric Drive vorgestellt, das ab 2012 zu kaufen war. Der Smart ED 3 basiert auf dem 451 mit Facelift-Karosserie, unterscheidbar unter anderem an den Stoßfängern sowie dem Smart-Logo im Kühlergrill anstatt darüber. Dieses Modell hatte nun einen zusammen mit Bosch als EM-motive entwickelten Elektromotor SMG180/120 In: bosch-presse.de, 29. August 2013., dessen maximales Drehmoment im Smart mit 130 Nm angegeben wird. Der Lithium-Ionen-Akku, hergestellt in Kamenz bei den Daimler-Töchtern Li-Tec Battery (Zellherstellung) und Deutsche Accumotive (Montage) hat eine Kapazität von 17,6 kWh,Smart fortwo electric drive: Batterien von ACCUmotive, E-Motor von EM-motive, elektroniknet.de, 16. August 2011. womit eine Reichweite von über 140 Kilometern möglich ist. Das 175 kg schwere Akkupaket vom Typ E18-1 besteht aus 93 Pouchzellen (3 Module mit je 31 Zellen) und verfügt über ein wasserbasiertes Thermomanagement zum Kühlen und Heizen. Aus dem Stand kann der Wagen in 4,8 Sekunden auf Tempo 60 beschleunigen, Tempo 100 wird nach 11,5 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 125 km/h., smart.de. Siehe auch Smart ed / E-Bike: Schneller Elektroflitzer stern.de, 16. August 2011. Die Brabus-Varianten weisen etwas bessere Werte auf, da die Software mehr Spitzenleistung und Geschwindigkeit freigibt.
Ab Mitte 2012 war der Smart ED 3 als Coupé und Cabriolet auf dem Markt erhältlich. Der serienmäßige Motor darf kurzzeitig per Kickdown maximal 55 kW leisten, die Dauerleistung über 30 Minuten ist bedingt durch die Batteriekapazität mit 35 kW angegeben. Bei dem Sondermodell Brabus ist die Spitzenleistung auf 60 kW gesteigert. Die Werte sind durch das Akkusystem vorgegeben, nicht durch den Motor, denn in anderen Autos darf der SMG180 wesentlich mehr leisten. Der Smart ED 3 kann an einer herkömmlichen 230-Volt-Schuko-Steckdose mit dem mitgelieferten „Ladeziegel“ (dieser gibt dem E-Auto vor, ob es 8A oder auf Knopfdruck 12A ziehen darf) bis zu etwa 12 A (2760 W) in etwa sieben Stunden geladen werden. Man spricht hier auch von „Schnarchladung“, als Gegenstück zu „Schnellladung“ in unter einer Stunde. Mit einem optionalen Ladekabel mit Typ-2-Stecker kann an Ladestationen die volle 16A-Leistung (Ladezeit 6 Stunden) des serienmäßigen 3,7-kW-Bordladegeräts genutzt werden. Eine Ladung mit bis zu 22 kW ist über ein optionales dreiphasiges 32A-Bordladegerät möglich, bei dem die Ladeströme flexibel auch auf niedrigere Werte angepasst werden können. Es reduziert im Idealfall die Ladezeit auf weniger als eine Stunde. Smart gibt die Reichweite einer Akkuladung mit 145 km an.Einfach elektrisch – smart fortwo electric drive, Händlerprospekt, smart/Daimler AG Der Verbrauch wird mit 15,1 kWh (Homepage) bzw. 13,3 kWh (Werbespot) pro 100 km angegeben. Im ADAC-Test verbrauchte der Smart ED 13,04 kWh/100 km. Dies entspricht dem Energiegehalt von 1,47 Litern Benzin.Elektromobilität E-Autos bestehen harten Praxistest. ADAC: Reichweiten bis 150 Kilometer kein Problem, Presseportal, 1. Oktober 2012, abgerufen am 14. Oktober 2012.
Die Batterie musste beim Kauf eines Smart ED 3 nicht für 4770 € mitgekauft werden, sondern wurde von 90 % der Kunden gemietet (sale&care 65 € im Monat). So konnte der Neupreis des Fahrzeugs ebenso wie das Risiko eventueller Probleme niedrig gehalten werden, da der Akku bei Unterschreiten von 80 % des Sollwertes (State of Health, SOH) ausgetauscht wird. Die Miete ist auf max. zehn Jahre begrenzt, der Akku kann zum jährlich reduzierten Zeitwert gekauft werden. Über eine mobile App ließ sich der Status (Ladung, Reichweite, nächste Ladestation, Vorklimatisierung) des Fahrzeugs überprüfen und steuern. Diese Funktion wurde nur für drei Jahre zugesichert, nach spätestens fünf Jahren wurde der Serverbetrieb für die App eingestellt, was mit Verwendung vom GSM-Mobilfunktechnik begründet wurde.
Daimler hat 2012 eine eigene Windkraftanlage erworben, um den Strombedarf für den Betrieb von 2500 in Deutschland verkauften Smart Fortwo Electric Drive CO2-neutral bereitzustellen. Die WKA vom Typ Enercon E-82 mit 2,3 MW Nennleistung steht im Windpark Oberland bei Helmbrechts in Oberfranken rund 150 Meter neben der A9.media.daimler.com: Vom Winde bewegt – der neue smart fortwo electric drive fährt komplett emissionsfrei
In Deutschland war der Smart ED 3 auch im Rahmen von Forschungsprojekten im Straßenverkehr zu finden. So wurden 2012–2015 in der Region Bremen/Oldenburg im Rahmen des Forschungsvorhabens Unternehmensinitiative Elektromobilität (UI ELMo) Smart ED 3 von teilnehmenden Unternehmen aus der Region gefahren, um unter anderem das Thema Elektromobilität bekannter zu machen.
Bereits im August 2015 gab MB Smart die Produktionseinstellung des Smart ED 3 bekannt, obwohl er zu dieser Zeit in Deutschland das am zweithäufigsten verkaufte Elektroauto war, nach dem BMW i3 und vor der Renault Zoe.
Ähnlich wie in Lünen wurde ab 2016 in Hannover zusammen mit den Stadtwerken (Enercity) und der Tochter Deutsche ACCUmotive ein Batterie-Speicherkraftwerk mit einer Speicherkapazität von insgesamt 15 MWh gebaut. Bei diesem werden 3000 der für das Auslaufmodell Smart ED 3 als Ersatz vorgehaltene neue Akku-Module verwendet. Der Autobauer gab das Versprechen, Ersatzteile 15 Jahre ab dem Autokauf vorzuhalten, und nutzt diese derweil für ein Zusatzgeschäft auf dem deutschen Markt für Primärregelleistung (PRL).enercity.de Daimler und enercity machen Ersatzteillager zum Energiespeicher Seit Juni 2018 werden im Kraftwerk Werdohl-Elverlingsen weitere 9,8 MWh Speicherkapazität genutzt.