mini|Havnbjerg Kirke von Norden, 2009
Havnbjerg Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Havnbjerg (deutsch: Hagenberg) auf der Insel Alsen in Nordschleswig. Zu ihrem Kirchspiel Havnbjerg Sogn gehören die Orte Brandsbøl, Elsmark, Gildbro, Havnbjerg, Langesø, Lavensby, Lunden und Sandvig. Das um 1150/1200 erbaute romanische Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört heute zum Bistum Haderslev.
Baugeschichte mini|Havnbjerg Kirke von Nordwesten Das Kirchenschiff (Mauerdicke 1,65 m) und der Chor (Mauerdicke 1,25 m) wurden in der 2. Hälfte des 12. JahrhundertsKirkens historie auf havnbjergkirke.dk oder um 1200Havnbjerg Kirke bei Korttilkirken aus Feldsteinen errichtet. Die Kirche war Vor Frue (deutsch: Unserer Lieben Frau) geweiht. In spätgotischer Zeit wurde das hölzerne Tonnengewölbe des Chores durch ein steinernes Kreuzgewölbe ersetzt und der Triumphbogen erhielt seine heutige, leicht spitze Form. Das Waffenhaus an der Nordwand der Kirche ist ebenfalls spätgotisch. Die Sakristei am Ostgiebel des Chores wurde 1780 angebaut.
Neben der Kirche befand sich ursprünglich ein Glockenstuhl, der 1669 einen neuen Helm erhielt und 1757 durch einen Neubau ersetzt wurde. Dieser wurde abgerissen, als man 1856–1857 im Westen einen Turm an die Kirche anbaute. Der Turm wurde aus schlecht gebrannten, gelben Ziegelsteinen errichtet, die so stark abblätterten, dass bereits 1883 die äußere Schale durch neue Steine ersetzt und mit eisernen Mauerankern verstärkt wurde.
Die gesamte Kirche ist weiß gekälkt und hat ein Dach aus blauschwarzen Ziegeln. Die 15 m hohe Turmspitze ist mit schwarz geteerten Holzschindeln gedeckt. Sie wird von einer vergoldeten Kugel mit einem Kreuz darauf bekrönt.Zum gesamten Abschnitt vgl. Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2568–2570.
Ausstattung mini|Der Chor der Havnbjerger Kirche, rechts hinter dem Altar eine Piscina Ältester Einrichtungsgegenstand der Kirche ist die romanische Tauffünte aus Granit; ihr Fuß, ebenfalls aus Granit, wurde 1949 ergänzt. Von ca. 1820 bis 1887 wurde in der Kirche ein hölzernes, achteckiges Taufbecken verwendet. Die romanische Tauffünte wurde in dieser Zeit erst im Pfarrhof zum Ausschlagen der Wäsche und dann auf dem Friedhof als Grabmonument für Pastor Friedrich Marquard Meyer († 1834) zweckentfremdet. 1887 kam sie wieder in die Kirche.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2577f.
Die Kirche hatte einen spätgotischen Flügelaltar (um 1500–1520), dessen Mittelteil die Krönung Mariens zeigte, darüber ein Kruzifix mit Corpus, und die Seitenflügel waren mit zwölf Apostelfiguren ausgestattet wie z. B. Paulus mit einem Beutelbuch. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Altar so altersschwach und wurmstichig geworden, dass man ihn nicht mehr restaurieren konnte, doch ließ man ihn aus Pietät in der Kirche stehen, bis 1825 das obere Drittel des Mittelteils abbrach und zu Boden stürzte. Die meisten Figuren sind erhalten und werden seit 1851 im Nationalmuseum Kopenhagen aufbewahrt. Dort lagert auch eine Figur von Maria mit dem Kind, die von einem untergegangenen spätgotischen Seitenaltar aus Havnbjerg stammt.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2574–2576.
Das heutige Altarretabel ist eine klassizistische Malerei von Christoffer Wilhelm Eckersberg (1831), die Jesus betend im Garten Gethsemane zeigt. Im Halbdunkel des Mittelgrunds sind links schlafende Jünger, rechts der mit Soldaten herannahende Judas dargestellt. Es handelt sich um das einzige Werk Eckersbergs, eines Hauptvertreters der dänischen Malkunst im Goldenen Zeitalter, das dieser für seine Heimatregion Nordschleswig malte.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2572.
mini|Die Kanzel von ca. 1625 Die reich verzierte Spätrenaissance-Kanzel von ca. 1625 besteht aus sieben Fächern, deren Reliefs folgende Motive zeigen: 1) Relief im Nordfach verloren, vielleicht Sündenfall, Fach später mit einem A unter einer Herzogskrone ausgemalt; 2) Mariae Verkündigung; 3) Jesu Geburt; 4) Golgatha; 5) Jesu Taufe; 6) Auferstehung; 7) das Südfach ist ohne Relief zur Wand gerichtet. In den Friesfeldern ober- und unterhalb der Reliefs stehen stark abgekürzte niederdeutsche Inschriften, welche die Motive benennen. Die Ecken der Fächer zeigen Hermen, welche verschiedene Tugenden symbolisieren, darunter der Glaube mit Kerze, die Hoffnung mit Kind und Blumenvase, die Gerechtigkeit mit Schwert und Waagschale, die Liebe mit einem Kind in jedem Arm und die Geduld mit einem Lamm im Schoß. Unter dem Nordfach steht die Jahreszahl 1679, die sich auf eine neue farbliche Fassung der Kanzel bezieht; drei weitere Fassungen folgten später (1760, 1771, 1841).Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2578–2580.
Die zugemauerten romanischen Fenster der Nordseite wurden 1954 wieder geöffnet und 1962 mit Glasmosaikfenstern ausgestattet. 1954 wurden im Chor Reste romanischer und gotischer Kalkmalereien freigelegt.Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 760. An der linken, nördlichen Seite der Querwand zum Chor befindet sich ein Holzkruzifix, geschnitzt von Th. Pedersen, Odense (1958), welches ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert kopiert.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2578. In der nördlichen Kirchenschiffwand ist der Grabstein (1,89 × 1,30 m) von Pastor Ludvig Wegerslev eingemauert, ein grauer Kalkstein mit Reliefs und einer Inschrift in Versalien in einem Rocaillerahmen.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2584.
Im Vorraum der Kirche hängt eine Pastorentafel von 1734, welche in drei Spalten die Pfarrer, die „Mitdiener im Wort“ (Diakone) und die Küster auflistet. Sie wurde später unten ergänzt und dann auf zwei weiteren Tafeln (heute in der Turmkammer) fortgesetzt. Ebenso hängt in der Turmkammer ein überlebensgroßes Bild (2,30 × 1,71 m), gemalt von Christian Conradi 1772, das den bibliophilen Pastor Ludvig Wegerslev vor Bibelausgaben in verschiedenen Sprachen zeigt.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2582, 2584.
Im Kirchturm befinden sich drei Glocken, die älteste wurde um 1350–1375 von Olaf Henriksen Kegge gegossen und trägt die Inschrift Ave Maria gracia plena. Eine zweite Glocke von 1793, umgegossen aus einer Glocke von Michael Westphal 1597, musste im Ersten Weltkrieg 1917 abgeliefert werden und ging verloren; an ihrer Stelle hängt eine sogenannte „Wiedervereinungsglocke“ (Genforeningsklokke) von 1920, wobei mit Wiedervereinigung die Rückkehr Nordschleswigs nach Dänemark infolge der Abstimmung von 1920 gemeint ist.Danmarks Kirker (wie unter Literatur), S. 2583. Die jüngste Glocke von 2004 wird bei Sonnenauf- und -untergang automatisch geläutet.
Orgel Im Jahr 1764 erhielt die Kirche ihre erste Orgel auf einer neu errichteten Westempore. 1786 lieferte Jürgen Hinrichsen Angel ein neues Instrument, das nach dem erhaltenen Kontrakt folgende, ganz in der Tradition von Johann Daniel Busch stehende Disposition hatte:Else-Marie Boyhus: Orgeldispositioner fra Sønderborg amt, in: Sønderjydske Årbøger 1961, S. 231–249, hier S. 241.
I Hovedværk C– 1. Principal 8′ 2. Oktav 4′ 3. Oktav 2′ 4. Mixtur IV 5. Trompet 8′ II Manual C– 6. Gedakt 8′ 7. Fløjte 4′ 8. Quinte ′ 9. Sesquialtera II 10. Sivfløjte ′ Tremulant Zimbelstern Pedal C– angehängt
mini|Die Bruhn-Orgel von 1987 mini|Spieltisch der Bruhn-Orgel 1854 wurde die Orgel von Marcussen & Søn generalüberholt, wobei die Sifflöte ′ durch Fugara 4′ ersetzt wurde.Else-Marie Boyhus: Orgeldispositioner fra Sønderborg amt, in: Sønderjydske Årbøger 1961, S. 231–249, hier S. 236. Im Oktober 1886 lieferte Marcussen & Søn eine neue Orgel mit acht Registern.Marcussen-Werkverzeichnis ab 1848, S. 4 Das 3350 Goldmark teure Instrument hatte einen recht ausladenden Prospekt, wurde aber zuletzt sehr störanfällig. Daher erbauten 1958 Brødrene Bruhn eine neobarocke Orgel (II/P/16) mit einem Rückpositiv. Ihr Klang erwies sich jedoch nach einiger Zeit als zu flach und einseitig, auch war die Spielart schwergängig. Dem damaligen Organisten und Musikschulleiter Jes Lorenzen Solmer gelang es in den 1980er Jahren, beim Bitten & Mads Clausens Fond die Kosten (1,2 Millionen Dänische Kronen, zu der Zeit ca. 300.000 DM) für ein neues Instrument einzuwerben. So konnte 1987 die heutige Orgel von P. Bruhn & Søn erbaut werden.Carl Fuglsang-Damgaard: Orgler i Havnbjerg kirke, in: Kirkeblad for Havnbjerg Sogn, 29. Jg./Sommer 1987, S. 2.Das „Goldstück“ der Pfarrgemeinde Hagenberg (Der Nordschleswiger, 19. Aug. 2017), mit Angaben zur Orgel, „die es in der Ausstattung kein zweites Mal in alsischen Kirchen gibt“. Die Disposition, konzipiert von J. L. Solmer, dem Haderslebener Domorganisten Svend Prip und den Orgelbauern, lautet wie folgt:
I Hovedværk C–g3 1. Principal 8′ 2. Spilfløjte 8′ 3. Oktav 4′ 4. Quint ′ 5. Waldfløjte 2′ 6. Terz ′ 7. Mixtur IV 8. Vox humana 8′ Tremulant II Svelleværk C–g3 9. Rørfløjte 8′ 10. Gamba 8′ 11. Unda Maris 8′ 12. Fløjte 4′ 13. Fugara 4′ 14. Oktav 2′ 15. Quint ′ 16. Cromorne 8′ Tremulant Pedal C–f1 17. Subbas 16′ 18. Oktavfløjte 8′ 19. Oktav 4′ 20. Fagot 16′ Koppeln: II/I, II/I sub, I/P, II/P Traktur: Schleifladen, vollmechanisch
Bedeutende Pastoren mini|Das Kirchenbuch von Havnbjerg 1660 (S. 130f.). Links Beyerholms lateinisches Neujahrsgedicht, rechts der Beginn des Sterberegisters 1660 mit mehreren seiner Stoßgebete.S. 131, linke Spalte Mitte: Zur Beerdigung eines unbekannten Toten bemerkt Beyerholm: „Gott lasse seine Seele sich im Bündlein der Lebendigen (vgl. 1. Samuel ) finden! (...) Lasset uns Gutes tun, wo wir können, unsere Zeit geht bald!“ (Gud lade hans Sjel findiß i de leffuende Knipper! (...) Lade oß giöre gott huor vi kunde! Vor tid gaar Snart!). S. 131, rechte Spalte unten: Zur Beerdigung des neunjährigen Christen Thomsen, „der in einem Brunnen ertrunken war“ (som var drucknet udi en Brönd) schreibt Beyerholm: „Gott halte seine milde Hand über unsere Kleinen! Amen!“ (Gud holde sin milde Haand offuer vore Smaa! Amen!) Andreas (Anders) Madsen Beyerholm (* Lindewitt 1617; † Havnbjerg 1675) war nach seinem Theologiestudium in Rostock, Kopenhagen und Wittenberg von 1647 bis 1675 Pfarrer in Havnbjerg. 1647 schickte der dänische König Christian IV. 50 Soldaten nach Havnbjerg, um Beyerholms Amtseinführung sicherzustellen, da Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Norburg einen anderen Favoriten hatte und damit drohte, diesem notfalls eine eigene Kirche zu errichten. Der Herzog musste nachgeben. Beyerholm gewann bei seinen Amtsbrüdern auf Alsen bald hohes Ansehen und reiste z. B. in ihrem Namen zur Erbhuldigung des dänischen Königs Friedrich III. 1660 nach Kopenhagen.Anders Madsen Beyerholm in Wibergs Præstehistorie Die Literatur hebt Beyerholms außergewöhnliche Art der Kirchenbuchführung hervor, da er zu Jahresbeginn stets ein eigenes lateinisches Gedicht im Versmaß des elegischen Distichons in sein Kirchenbuch schrieb.Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 753f. Seine Gedichte aus den Kriegsjahren 1657 bis 1659 wurden von Christian Knudsen ins Dänische übersetzt.Christian Knudsens Familiehistorie Nr. 20: Familien Beyerholm (dänisch) Nach dem Brand von Schloss Nordborg 1665 verfasste Beyerholm ein deutsches Gedicht „Trauer über Norburg“. Kurz zuvor war ihm der Brand von einer alten Frau vorhergesagt worden, als er ihr auf ihrem Sterbebett das Abendmahl reichte.Jens Raben: Historier og Sagn fra Als og Sundeved. (Fra Als og Sundeved, Band 75). Sønderborg 1998, S. 38f. Beyerholms Kirchenbucheintragungen enthalten auch Vermerke zu Klima- und Wetterphänomenen aus dem Kernzeitraum der Kleinen Eiszeit: Schneestürme (Dez. 1662), strenge Winter (Jan. 1669, März 1674), schwere Unwetter (Juli 1662, Juli 1673) sowie Dürresommer und Missernten (1661, 1666/67).
mini|120px|Erik Pontoppidan