mini|Illustration der Wald-Simse (Scirpus sylvaticus) Die Simsen (Scirpus, Einzahl: Simse) ist eine Pflanzengattung, die zur Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae) gehört. In Österreich wird diese Gattung „Waldbinse“Fischer u. a.; S. 1102. genannt.
Wortherkunft Scirpus ist der Name der Binse bei den Römern. Beim römischen Komödiendichter Terenz findet sich die Redensart nodum in scirpo quaerere („Stengelknoten auch an der Binse suchen“), also Schwierigkeiten suchen, wo keine sind.Hegi Band II; S. 26
Beschreibung Die Scirpus-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von 30 bis 200 cm erreichen. Einige Arten bilden Rhizome aus. Die Halme stehen einzeln bis vielen zusammen. Die Halme sind meist dreikantig und die Blätter sind meist dreizeilig angeordnet. Die Laubblätter stehen in grundständigen Rosetten zusammen oder sind am Halm verteilt. Die Form der Blätter ist grasartig. Die Blattspreiten weisen je nach Art eine Länge von 11 bis 80 cm und eine Breite von 0,3 bis 2,3 cm auf. Es sind meist Blatthäutchen (Ligulae) vorhanden.
Die meist endständigen, manchmal in ein bis drei Blattachseln seitlich stehenden, meist verzweigten Blütenstände sind fast doldig, korymbos bis rispig. Sie enthalten 50 bis 500 Ährchen, mit meist drei blattähnlichen Hochblättern. Der Durchmesser der Ährchen ist meist kleiner als 3,5 (bis 5) mm mit 10 bis 50, spiralig angeordneten Schuppen. Die unteren Tragblätter sind größer oder gleich groß als die oberen. Über jedem unbehaarten schuppenförmigen Deckblatt befindet sich eine Blüte. Die Blüten sind zwittrig. Die Blütenhülle besteht aus meist drei bis sechs Borsten oder fehlt selten. Die Borsten sind gerade oder stark gedreht, glatt, verschieden gezähnt oder bärtig, fein rückwärts behaart, oder rau. Es sind ein bis drei Staubblätter vorhanden. Der Griffel ist selten zwei-, meist dreiästig.
Die dreikantigen, bikonvexen oder plano-konvexen Achänen sind 0,6 bis 1,8 mm groß und flaumig behaart. Die Borsten umgeben auch noch die reifen Achänen und können kürzer oder viel länger als diese sein; sie dienen der Verbreitung der Achänen.
mini|Scirpus ancistrochaetus mini|Scirpus atrovirens mini|Zypergras-Simse (Scirpus cyperinus) mini|Schwarzgrüne Simse (Scirpus georgianus) mini|Scirpus microcarpus Systematik Der Gattungsname Scirpus wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 47 veröffentlicht.
In den letzten Jahrzehnten ist ein Großteil der früher zur Gattung Scirpus zählenden Arten in mehrere selbständige Gattungen überführt worden (vgl. beispielsweise Bolboschoenus, Blysmus, Dracoscirpoides, Isolepis, Schoenoplectiella, Schoenoplectus, Scirpoides, Trichophorum). Derzeit umfasst die Gattung Scirpus 35 bis 65 Arten.
Arten der Gattung Scirpus nach R. Govaerts Scirpus ancistrochaetus : Südöstliches Kanada bis Virginia. Scirpus angustisquamis : Südliches Chile. Scirpus atrocinctus : Kanada bis nördliche USA. Scirpus atrovirens : Kanada bis USA. Scirpus chunianus : Südöstliches China bis Hainan. Scirpus colchicus : Kaukasus. Scirpus congdonii : Westliche USA. Zypergras-Simse (Scirpus cyperinus ): Kanada bis USA, östliches Mexiko. Sie ist in Deutschland in Einbürgerung (Bad Bentheim, Berlin-Brandenburg) und kommt in Mitteleuropa unbeständig in Sachsen-Anhalt und in den südlichen Niederlanden vor. Scirpus dialgamensis : Westlicher Himalaja. Scirpus dichromenoides : Venezuela. Scirpus diffusus : Kalifornien. Scirpus divaricatus : Missouri bis südöstliche USA. Scirpus expansus : Östliches Kanada bis östliche USA. Scirpus filipes : Südöstliches China. Mit zwei Varietäten. Scirpus flaccidifolius : Virginia bis North Carolina. Scirpus fragrans : Peru. Scirpus fuirenoides : Nördliches Korea, Honshu, Kyushu. Schwarzgrüne Simse (Scirpus georgianus ): Östliches Kanada bis zentrale und östliche USA. Sie kommt in Mitteleuropa selten und eingebürgert in Deutschland (Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen) vor. Scirpus hainanensis : Südöstliches China bis Hainan. Scirpus hattorianus : Östliches Kanada und USA. Scirpus huae : Guangxi. Scirpus karuisawensis : China, Korea und Japan. Scirpus kimsonensis : Vietnam. Scirpus kunkelii : Zentrales Peru. Scirpus lineatus : Südöstliche USA. Scirpus longii : Südöstliches Kanada bis nordöstliche USA. Scirpus lushanensis : Russlands Ferner Osten bis Sumatra. Scirpus maximowiczii : Sibirien bis Japan. Scirpus melanocaulos : Chile. Scirpus microcarpus : Russlands Ferner Osten, Alaska bis westliche und nördliche USA, Baja California. Scirpus mitsukurianus : Korea, zentrales und südliches Japan. Scirpus molinianus : Südliches Chile. Scirpus orientalis : Sibirien bis Japan. Scirpus pallidus : Südliches Kanada und USA. Scirpus paniculatocorymbosus : Westliches Sichuan. Scirpus ×peckii = Scirpus atrocinctus × Scirpus hattorianus: Südwestliches Québec bis nordöstliche USA. Scirpus pedicellatus : Östliches Kanada bis nördliche und nordöstliche USA. Scirpus pendulus : Östliches Kanada, USA, Mexiko. Scirpus petelotii : Laos, Vietnam. Scirpus pinguiculus : Südliches Afrika. Scirpus polyphyllus : Östliche und zentrale USA. Scirpus polystachyus : Südöstliches Queensland bis Victoria. Wurzelnde Simse (Scirpus radicans ): Europa bis Japan. Scirpus reichei : Chile. Scirpus rosthornii : Östliches Nepal bis Japan. Scirpus spegazzinianus : Südliches Argentinien. Wald-Simse (Scirpus sylvaticus ): Europa bis Zentralasien. Scirpus ternatanus : Tropisches und subtropisches Asien. Scirpus trachycaulos : Chile. Scirpus wichurae : Östlicher Himalaja bis Japan. Mit zwei Varietäten.
Eine Hybride ist: Scirpus celakovskyanus (= Scirpus radicans x Scirpus sylvaticus): Sie kommt in Deutschland in Rheinland-Pfalz, Sachsen, Berlin-Brandenburg und Schleswig-Holstein vor.
Nicht mehr zu dieser Gattung wird gerechnet: Scirpus asper => Rhodoscirpus asper Scirpus fohaiensis => Schoenoplectiella fohaiensis
Literatur Alan T. Whittemore, Alfred E. Schuyler: Scirpus bei der Flora of Northamerica. Band 23, S. 8: (efloras.org). Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band II, 2. Auflage. Hrsg. von K. Suessenguth. Hanser, München 1939.
Einzelnachweise Michael Koltzenburg: Scirpus. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 254.
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Kategorie:Sauergräser