The Indian Queen ist eine möglicherweise unvollendete Semi-Oper in einem Prolog und fünf Akten von Henry Purcell (Musik) nach dem gleichnamigen heroischen Schauspiel von John Dryden und Robert Howard. Sie wurde 1695 im Theatre Royal Drury Lane in London uraufgeführt. Purcells Bruder Daniel Purcell ergänzte als feierlichen Abschluss des Werks die Masque of Hymen.
Handlung
Die Handlung spielt einige Jahre vor der spanischen Eroberung Mexikos in Mittelamerika. Sie behandelt einen fiktiven Konflikt zwischen den hier „Mexikaner“ genannten Maya oder Azteken und den Inkas.
Vorgeschichte
Zempoalla, die ehrgeizige Schwägerin der mexikanischen Königin Amexia, lässt den König von ihrem Liebhaber Traxalla ermorden. Anschließend verbannt sie die schwangere Amexia, ergreift selbst die Macht und errichtet eine Gewaltherrschaft. Kurz vor Beginn der Handlung fällt der peruanische Inka in Mexiko ein. Dessen genialer ausländischer Heerführer Montezuma hat bereits drei Schlachten gewonnen.
Prolog
Während sich der Vorhang langsam hebt, zeigt die Szene einen indianischen Jungen und ein indianisches Mädchen, die unter zwei Platanen schlafen. Plötzlich erwacht der Junge, weckt seine Gefährtin und mahnt sie zur Flucht vor dem bevorstehenden Krieg („Wake, Quivera“). Alten Prophezeiungen zufolge werde ihr Land erneut unterworfen. Die beiden halten das Theaterpublikum für die erwarteten Eroberer. Der Junge meint, die Leute sähen freundlich aus. Daher bräuchten sie keine Angst zu haben, sondern könnten auf ihren Schutz vertrauen.
Erster Akt
Szene 1. In den bisherigen Schlachten haben die Peruaner viele Gefangene genommen, darunter auch Zempoallas Sohn Acacis. Als der Inka seinem erfolgreichen General Montezuma eine großzügige Belohnung verspricht, bittet der ihn um die Hand seiner Tochter Orazia. Der Inka, der seine Tochter nicht einem Emporkömmling unbekannter Herkunft geben will, lehnt dies ab und droht Montezuma mit dem Tod, sollte er darauf beharren. Montezuma wird wütend und will den Inka angreifen. Acacis versucht, ihn zu besänftigen: Der Inka sei schließlich der Vater Orazias. Daraufhin beschließt Montezuma, die Seiten zu wechseln und für die Mexikaner zu kämpfen. Er bietet Acacis die Freiheit an, doch der lehnt ab, da dies seinem Ehrgefühl widerspräche. Montezuma habe ihn zwar gefangen genommen, doch anschließend dem Inka übergeben, dem er nun Treue schulde. Er werde allerdings nicht gegen die Mexikaner kämpfen, sondern als Leibwächter das Leben Orazias und des Inkas schützen. Montezuma eilt fort. Als der Inka und seine Leute zurückkehren, erzählt Acacis ihm alles wahrheitsgetreu. Zum Dank lässt ihn der Inka frei. Acacis verspricht ihm, sich aus dem bevorstehenden Kampf herauszuhalten.
Szene 2. In Mexiko klagt Zempoalla ihrem Geliebten, General Traxalla, wie sehr sie sich um ihren Sohn Acacis sorge. Traxalla mahnt sie, sich nicht vom Kummer überwältigen zu lassen. Die beiden unterhalten sich über ihre eigene Schuld am Tod des vorigen Königs. Sie hoffen, durch den Krieg das Vertrauen ihres Volkes zu gewinnen. Zempoalla schwört dem Rachegott, ihm im Falle eines Sieges tausend Blutopfer zu bringen. Da berichtet ein Bote, dass Acacis lebe, sich aber weigere, am Kampf gegen die Invasoren teilzunehmen. Das mexikanische Heer hingegen folge nun begeistert dem gottgleichen Montezuma. Zempoalla bekräftigt ihren Schwur an den Rachegott. Sollte sie ihn brechen, möge er sie selbst als Opfer annehmen.
Zweiter Akt
In einer Masque preist die allegorische Figur des Ruhms die Königin und weist den Neid und seine beiden Anhänger zurück („I come to sing great Zempoalla’s story“)
Szene 1. Nach der Schlacht fliehen der Inka und Orazia vor den siegreichen Mexikanern. Sie werden von drei Soldaten gefangen genommen, die sie aber sofort Montezuma ausliefern müssen. Der rechtfertigt seinen Verrat damit, dass der Inka selbst ihre Verbindung gebrochen habe. Dennoch habe er nicht versucht, seinen Thron zu erobern, sondern ihn stattdessen zu sich selbst herabgezogen. Trotzdem zeigt sich Orazia enttäuscht über sein Verhalten. Die drei Soldaten kehren mit Traxalla zurück, der den Inka im Triumph in die Stadt führen will. Montezuma beharrt auf seinem Recht, während sich der Inka selbst zu Acacis’ Gefangenem erklärt. Traxalla will dem Prinzen nicht widersprechen. Der wiederum überlässt Montezuma die Ehre der Gefangennahme und fordert Traxalla auf, den flüchtigen Peruanern nachzusetzen. Acacis erblickt die in Tränen aufgelöste Orazia und verliebt sich in sie.
Szene 2. Zempoalla ärgert sich darüber, dass ihre Untergebenen den Fremdling Montezuma mehr preisen als ihren Sohn. Traxalla berichtet ihr, dass Montezuma es trotz seiner niedrigen Abstammung gewagt habe, den Inka zu seinem Sklaven zu machen. Zempoalla will Montezuma zwingen, ihn ihr zu überlassen, damit sie ihn den Göttern opfern könne.
Szene 3. Acacis erzählt Montezuma von der Machtergreifung seiner Mutter. Die damalige Königin Amexia habe fliehen müssen – schwanger und lediglich vom treuen Garucca begleitet. Seitdem habe niemand mehr von ihr gehört. Er selbst leide deswegen unter Gewissensbissen. Ein Bote tritt ein und berichtet, dass Traxalla Orazia und ihren Vater gewaltsam fortgeführt habe. Sie sollen bei der Siegesfeier geopfert werden. Acacis und Montezuma sind entsetzt. Beide gestehen einander, dass sie Orazia lieben, und schwören, zwar als Rivalen, aber doch als Freunde zu handeln und sie gemeinsam zu retten.
Dritter Akt
Szene 1. Nach der Siegesfeier empfängt Zempoalla ihren Sohn und Montezuma. Sie ist wütend, dass die beiden nicht an der Zeremonie teilgenommen haben. Acacis beschwert sich darüber, dass die Gefangenen Montezumas, dem er sein Leben und sie den Sieg verdankt, gewaltsam fortgeführt wurden. Der auf Montezuma neidische Traxalla erklärt, dass Montezuma lediglich die Wunden geheilt habe, die er ihnen zuvor selbst geschlagen habe. Er zieht sein Schwert, um ihn zu töten. Acacis verteidigt Montezuma, und Zempoalla besteht darauf, dass das Urteil ihr überlassen werde. Sie ist beeindruckt von Montezuma, hält seine stolzen Reden aber für völlig unangebracht. Daher befiehlt sie, ihn und Orazia voneinander getrennt einzukerkern. Nachdem die anderen fort sind, bittet Acacis seine Mutter, Orazias Leben zu verschonen. Dazu müsste sie jedoch ihren Schwur brechen. Sie bekräftigt noch einmal das Todesurteil für Orazia und den Inka. Daraufhin schwört Acacis, sein eigenes Leben mit dem Orazias zu verbinden, und geht hinaus. Zempoalla allerdings hat noch einen weiteren Grund für ihre Härte: Sie sieht Orazia als Rivalin um die Liebe Montezumas. Ihrem momentanen Geliebten Traxalla ist dies nicht entgangen. Er warnt Zempoalla davor, dass Montezumas Beliebtheit beim Heer zu einem Putsch führen könnte, zumal ihr noch immer der Ruf der Grausamkeit anhängt. Er meint, der Tod des Inka sei gerechtfertigt, seine Tochter hingegen unschuldig. Ihre Opferung wäre ein weiteres Verbrechen. Dennoch bleibt Zempoalla bei ihrer Entscheidung.
Szene 2. Zempoalla sucht Rat bei dem in einer Höhle lebenden Zauberer Ismeron. Sie erzählt ihm von einem Albtraum, der sie keine Ruhe finden lässt: Sie habe einen gefesselten Löwen zur Opferung geführt. Eine Taube setzte sich auf seinen Kopf, gurrte sanft und löste seine Fesseln. Daraufhin griff der Löwe sie an und tötete sie. Für die Deutung beschwört Ismeron den Gott der Träume („Ye twice ten hundred deities“), der ihm jedoch eine Antwort verweigert, da es den Menschen nicht zustehe, die Zukunft zu kennen („Seek not to know what must not be reveal’d“). Ismeron versucht nun, die Königin mit Hilfe von Luftgeistern zu beruhigen („Ah! how happy are we“), doch auch sie können Zempoalla nicht helfen. Sie verlangt von Ismeron einen Zauber, der Montezumas Liebe für sie weckt. Ansonsten werde sie seine Tempel vernichten.
Vierter Akt
Szene 1. Traxalla führt Orazia in Montezumas Gefängniszelle und bietet an, sein Leben zu retten, sofern sie sich seiner Liebe hingibt. Da sie dies entschieden zurückweist, zieht er seinen Dolch, um Montezuma zu töten. In diesem Moment erscheint Zempoalla und bedroht ihrerseits Orazia. Sie hatte bereits einen Verdacht gegen Traxalla und droht, Orazia dieselben Wunden zuzufügen wie er Montezuma. Sie verspricht Montezuma im Gegenzug für seine Liebe die Freiheit. Da sowohl Orazia als auch Montezuma den Tod vorziehen, befiehlt Zempoalla die Opferung beider. Nachdem sie und Traxalla den Kerker verlassen haben, befreit Acacis die Gefangenen.
Szene 2. Acacis führt Montezuma und Orazia mit Hilfe einiger Gefolgsleute aus der Stadt. Nachdem er beiden die Freiheit wiedergegeben hat, fordert er Montezuma zum Zweikampf um Orazia heraus. Er meint, wenn einer von ihnen sterbe, könne der andere glücklich leben und sich an den anderen erinnern. Widerstrebend geht Montezuma darauf ein, und sie beginnen den Kampf. Als Orazia dies bemerkt, fordert sie Acacis auf, freiwillig auf sie zu verzichten. Acacis kann sich jedoch ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Er schickt Orazia fort und wird im Duell verletzt. In diesem Moment erscheinen Zempoalla und Traxalla, die von einem ihrer Leute alarmiert wurden. Da Orazia nicht ohne Montezuma leben will, kehrt sie zurück und lässt sich mit ihm festnehmen (Orazia: „They tell us that you mighty powers“). Zempoalla will die beiden unverzüglich im Tempel opfern. Acacis schwört, sich selbst als erstes Opfer darzubringen.
Fünfter Akt
Szene 1. Vier weiß gekleidete und mit roten Federn geschmückte Priester bereiten die Opferzeremonie im Tempel der Sonne vor. Zempoalla, Traxalla und ihre Leute bringen den Inka, Orazia und Montezuma herein (Chor: „While thus we bow“ – Hohepriester mit Chor: „You, who at the altar stand“ – Chor: „All dismal sounds“). Der Inka gibt Montezuma die Schuld an dem Geschehen, ist aber im Angesicht des Todes bereit, ihm zu vergeben. Montezumas Liebesbeziehung zu seiner Tochter akzeptiert er weiterhin nicht. Auch Traxalla und Zempoalla streiten. Montezuma und Orazia lehnen noch immer eine Begnadigung unter den zuvor genannten Bedingungen ab. Da tritt der verwundete Acacis ein, um seinen Schwur zu erfüllen. Er ersticht sich vor den Augen seiner Mutter und der anderen. Mit seinen letzten Worten verdammt er Zempoalla und verabschiedet sich von Montezuma und Orazia. Boten warnen Traxalla und die Königin vor einem Volksaufstand. Die verstoßene alte Königin Amexia und ihr Vertrauter Garucca seien wieder aufgetaucht. Sie habe verkündet, dass Montezuma ihr Sohn sei, und das Volk verlange seine Einsetzung als König. Zempoalla setzt einen Dolch auf Montezumas Brust, löst dann aber seine Fesseln und gibt ihm den Dolch. Traxalla kommt beim Versuch, Montezuma zu töten, ums Leben. Während Montezuma die Wachen angreift, treffen Amexia, Garucca und ihre Anhänger ein. Mutter und Sohn fallen sich in die Arme. Zempoalla erkennt nun die Bedeutung ihres Traums: Der Löwe war Montezuma und die Taube, die seine Ketten löste, Amexia. Montezuma ist bereit, Zempoalla zu vergeben, und auch Orazia und ihr Vater stimmen zu. Zempoalla hat jedoch alles verloren. Sie ersticht sich. Der Inka ist jetzt einverstanden mit der Hochzeit von Montezuma und seiner Tochter.
Zusätzlicher Akt: „The Masque of Hymen“
Ismeron und die Mexikaner feiern die Hochzeit Montezumas und Orazias mit einer Masque. Darin klagen ein Mann und eine Frau über ihre unglückliche Ehe. Hymen entgegnet, dass es zum Glück mehr benötige als einen Gott. Die beiden wollen das beste aus der Situation machen. Cupido erklärt, dass die Ehe dauerhaft glücklich sein könne, wenn Tugend und Verdienste zusammenkommen. Seine Anhänger fordern die Kriegshelden auf, sich Liebesketten anzulegen. Alle preisen die Liebe.
Gestaltung
Musik