mini|Bruno Balz im Alter von 33 Jahren mini|2008 enthüllte Berliner Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus von Balz in der Fasanenstraße 60, 10719 Berlin Gustav Hermann Bruno BalzGeburtsregister Nr. 2294/1902, StA Berlin Xa (* 6. Oktober 1902 in Berlin; † 14. März 1988 in Bad Wiessee) war ein deutscher Text- und Schlagerdichter, der insbesondere Texte für zahlreiche bekannte Hits des deutschen Films schrieb. Er war Verfolgter des NS-Regimes. Seine bekanntesten Lieder sind Kann denn Liebe Sünde sein?, Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n, Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n, Davon geht die Welt nicht unter und Wir wollen niemals auseinandergehn.

Leben Bruno Balz wurde als Sohn des Sattlers Hermann Balz und dessen Frau Emma geb. Neumann in der elterlichen Wohnung in der Schwedter Straße 21 in der Rosenthaler Vorstadt geboren und wuchs als Einzelkind auf. Bereits in seiner Schulzeit schrieb er Aufsätze in Gedichtform und Verse. Er absolvierte von 1917 bis 1920 eine Lehre zum Küfer und arbeitete als solcher bis 1923 in einer Berliner Weingroßhandlung.

Erste Liedtexte wurden 1923 veröffentlicht. Seine erfolgreiche Arbeit für den Film begann 1929 mit den Liedtexten für den ersten Tonfilm (Dich hab ich geliebt). Bis zu seinem Rückzug ins Privatleben in den 1960er Jahren schrieb er mehr als 1000 Schlager- und Liedtexte sowie auch Libretti für Operetten und Opern.

Balz bildete vor allem mit dem Komponisten Michael Jary von 1937 bis in die 1960er Jahre ein kongeniales Duo. Gemeinsam schufen sie die Lieder, die insbesondere Zarah Leander zum Weltstar machten. Er schrieb Texte für Schlager und Evergreens wie Der Wind hat mir ein Lied erzählt, Kann denn Liebe Sünde sein?, Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n, Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n, Davon geht die Welt nicht unter, Berlin bleibt doch Berlin, Das machen nur die Beine von Dolores, Wir wollen niemals auseinandergehn, Mamma und Kleine Möwe, flieg nach Helgoland.

Interpreten waren unter anderem Beniamino Gigli, Leo Slezak, Ilse Werner, Rosita Serrano, Heinz Rühmann, Evelyn Künneke, Pola Negri, Rudi Schuricke, Greta Keller, Vico Torriani, Peter Alexander, Gerhard Wendland und Heidi Brühl.

Seine Erfolgstitel sind auch in einigen modernen Filmen enthalten, wie Die Blechtrommel, Das Boot, Schtonk! und Aimée & Jaguar.

Homosexualität und Zeit des Nationalsozialismus Bereits mit 17 Jahren war sich Balz seiner Homosexualität bewusst und engagierte sich in der Homosexuellenbewegung. Er ließ sich von Adolf Brand als Aktmodell gewinnen und veröffentlichte in einschlägigen Zeitschriften Gedichte, Aufsätze und Erzählungen.Axel Schock: Wir wollen niemals auseinandergehn. In: Berliner Zeitung. 5. Oktober 2002 Balz wurde Mitglied im Bund für Menschenrecht, den Friedrich Radszuweit 1923 gegründet hatte. Dieser veröffentlichte 1924 mit Bubi laß uns Freunde sein eine der ersten schwulen Schallplatten, wozu Balz den Text und Erwin Neuber die Musik beisteuerten. Von 1928 bis 1930 war er Redakteur der von Radszuweit herausgegebenen Zeitschrift Die Freundin.Stefan Micheler: Zeitschriften, Verbände und Lokale gleichgeschlechtlich begehrender Menschen in der Weimarer Republik (PDF; 506 kB). 1. August 2008, S. 31

Balz wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zweimal Opfer des Paragraphen 175, nachdem 1933 herausgekommen war, dass er zu dem jüdischen Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld in enger Beziehung gestanden hatte. Im Jahr 1936 wurde er während einer Razzia im Großen Tiergarten nahe dem Bahnhof Zoo verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Gefängnis, wurde jedoch unter Auflagen freigelassen. Sein Name sollte in der Öffentlichkeit nicht mehr auftauchen (auf Schellackplatten wird er jedoch angeführt); Fotos von ihm wurden vernichtet und keine weiteren publiziert; und er musste heiraten. Das Regime fand dafür die fünf Jahre jüngere Selma Pett, eine linientreue Krankenschwester aus Lauenburg in Pommern; die Hochzeit fand 1936 in Berlin-Wilmersdorf statt.Heiratsregister Nr. 1116/1936, StA Wilmersdorf

Im Sommer oder im November 1941 wurde Balz erneut von der Gestapo verhaftet, nachdem er in kompromittierender Situation mit einem jungen Mann ertappt worden war. Nach tagelanger Folter im Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße drohte ihm eine Inhaftierung im Konzentrationslager. Erst durch die Intervention von Jary, der vorgab, die von Propagandaminister Joseph Goebbels für den Film Die große Liebe geforderten Lieder als einen „Beitrag zur Kriegsanstrengung“ ohne die Hilfe seines Partners nicht zustande bringen zu können, kam Balz innerhalb weniger Stunden wieder frei. In Haft oder in den ersten 24 Stunden danach schrieb er zwei seiner größten Erfolge, nämlich Davon geht die Welt nicht unter und Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n.

Nachkriegszeit Genau wegen dieser „Durchhalteschlager“ für Propagandafilme wie Die große Liebe wurde Balz wenige Wochen nach Kriegsende von den Alliierten angeklagt. Balz wollte eigentlich nur wenig über sein Leben preisgeben, geriet aber in Beweisnot und musste gegen seinen Willen seine Homosexualität und die eingegangene Scheinehe offenbaren. Am 26. Oktober 1946 wurde er letztendlich durch die amerikanische Alliiertenbehörde freigesprochen.Martin Lücke: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“ – Textdichter Bruno Balz. In: Museumsmagazin, 4/2007 Eine Scheidung von seiner Ehefrau war nicht möglich, da diese die Einwilligung verweigerte. In den 1950er Jahren war er Mitglied der Gesellschaft für Reform des Sexualrechts. Balz ließ in den 1960er Jahren in Bad Wiessee ein Haus für sich bauen, in dem sie eine eigene Wohnung bekam. Sein Name wurde auch nachträglich kaum in den Vor- oder Abspann der Filme aufgenommen, obwohl es technisch möglich gewesen wäre.

Anfang der 1960er Jahre, im ersten Jahr der Bekanntschaft mit Jürgen Draeger, schrieb er für Zarah Leander das Lied Wir wollen niemals auseinandergehen. Michael Jary ließ das Lied nicht wie geplant von Zarah Leander interpretieren, sondern von Heidi Brühl. Damit endete die Zusammenarbeit der beiden.

Ein letzter großer Erfolg war sein Lied Mutter! / Mamma, das er schon 1941 für den Film Mamma (mit Beniamino Gigli) auf eine italienische Komposition geschrieben hatte. Das Lied wurde von anderen interpretiert und mit Heintje 1968 ein deutschsprachiger Hit. Von den Tantiemen des Liedes ließ Balz ein SOS-Kinderdorf bauen.

mini|hochkant|Grab von Bruno Balz auf dem Friedhof Wilmersdorf mini|hochkant|Ehemaliger Grabstein der Familie

Testament und Nachleben In seinem Testament verfügte Balz, dass in den ersten zehn Jahren nach seinem Tod nicht über ihn gesprochen werden dürfe. Sein Lebensgefährte und Universalerbe Jürgen Draeger respektierte diesen Wunsch und konnte somit erst nach 1998 damit beginnen, den Nachlass und die Biografie von Bruno Balz aufzuarbeiten mit dem Ziel, „ihm seine Vergangenheit zurückzugeben“.

Die Grabstätte von Bruno Balz befindet sich auf dem Berliner Friedhof Wilmersdorf.

2021 wurde erstmals ein mit 2500 Euro dotierter Bruno-Balz-Preis verliehen, mit dem junge Chansontalente gefördert werden sollen. Erster Preisträger war der Lübecker Schauspieler Torben Appel. Ausgelobt wurde der Preis von Claudio Maniscalco, ein Schauspieler, Sänger und Schwager von Jürgen Draeger.

2024 erschien mit Im Schatten der Träume ein Dokumentarfilm über Balz und Jary.

Werke (Auswahl)