Der Deutsche BundeswehrVerband e.V. (DBwV) ist ein überparteilicher und finanziell unabhängiger eingetragener Verein. Er vertritt in allen Fragen des Dienst-, Sozial- und Versorgungsrechts die Interessen seiner mehr als 205.000 Mitglieder – aktive Soldaten, Reservisten, Ehemalige und Hinterbliebene, zivile Angehörige der Bundeswehr sowie fördernde Mitglieder. Er beteiligt sich auch an sicherheits- und gesellschaftspolitischen Debatten.
Einheits- und Spitzenorganisation
Der DBwV bekennt sich zum Prinzip des Staatsbürgers in Uniform, der grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten hat wie jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Gegründet wurde der Deutsche BundeswehrVerband am 14. Juli 1956, als sich erstmals in der deutschen Geschichte Soldaten aller Dienstgradgruppen zur Wahrnehmung ihrer Interessen in einer demokratischen Berufsorganisation zusammengeschlossen haben.
Bundestag und Bundesregierung beteiligen den DBwV als Spitzenorganisation der Soldaten, wenn gesetzliche Regelungen oder die Belange der Menschen der Bundeswehr und deren Familienangehörigen betroffen sind. Der Verband bemüht sich, im Sinne seiner Mitglieder Einfluss auf Entscheidungen von Regierung und Parlament zu nehmen.
Die Mitgliedschaft im Deutschen Bundeswehrverband ist freiwillig.
Europäische Rolle Der Deutsche BundeswehrVerband (DBwV) vertritt die ideellen, sozialen und beruflichen Interessen sowie Rechte aller aktiven oder ehemaligen Soldaten, Beamten und Arbeitnehmer der Bundeswehr sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Dabei arbeitet er mit anderen europäischen Verbänden zusammen, um eine effektive Interessenvertretung der Mitglieder auch international zu gewährleisten.
1972 war der DBwV als Gründungsmitglied maßgeblich an der Entstehung von EUROMIL, der europäischen Organisation der Militärverbände, beteiligt. Seit 2012 vertritt Hauptmann Jörg Greiffendorf den DBwV sowohl im Präsidium als auch im Vorstand von EUROMIL.
Seit Januar 2013 ist der DBwV auch als Mitglied bei CESI, der „Europäischen Vereinigung der unabhängigen Gewerkschaften“, aktiv. Der DBwV stellt mit Oberstleutnant a. D. Thomas Sohst den Präsidenten für den Berufsrat Verteidigung.
Struktur Der Deutsche BundeswehrVerband wird durch einen aus 29 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehenden Bundesvorstand geführt. Diese werden alle vier Jahre durch die Delegierten der Hauptversammlung gewählt. An der Spitze des Bundesvorstands steht seit 2013 Oberst André Wüstner. Im November 2025 wurde er für weitere vier Jahre gewählt. 1. Stellvertretender Vorsitzender ist seit Dezember 2021 Stabsfeldwebel a. D. Thomas Schwappacher, 2. Stellvertretender Vorsitzender seit November 2025 Oberstabsgefreiter Marcus Meissner.
Der Deutsche BundeswehrVerband verfügt über eine Bundesgeschäftsstelle in Berlin, sowie vier Landesgeschäftsstellen, für den Landesverband Nord in Großenaspe (OT Brokenlande), für den Landesverband Ost in Berlin, für den Landesverband Süddeutschland in Unterhaching und für den Landesverband West in Bonn. Die vier Landesverbände (LV) bestehen aus insgesamt 27 Bezirken. An der Basis sind die Mitglieder in 116 Standortkameradschaften, 384 Truppenkameradschaften, 123 Kameradschaften ehemaliger Soldaten/Reservisten/Hinterbliebener und 266 selbstständigen Truppenkameradschaften organisiert.
Geschichte 1950er Jahre Am 14. Juli 1956 gründeten 23 Offiziere, 25 Unteroffiziere und 7 Mannschaftsdienstgrade im niedersächsischen Munster-Lager den Deutschen BundeswehrVerband. Der erste geschäftsführende Vorstand wurde von Oberstleutnant Karl-Theodor Molinari geleitet. Zweiter Vorsitzender wurde Oberfeldwebel Robert Bathke und dritter Vorsitzender der Obergefreite Erhard Schriml. Vier von sechs Beisitzer wurden direkt gewählt, wobei Major Rolf Acker 4. Beisitzer wurde. gerahmt|Gründungsmitglieder des Deutschen BundeswehrVerband (DBwV), Juli 1956
Anfangs bildeten der DBwV und der bereits bestehende Verband deutscher Soldaten (VdS) eine Arbeitsgemeinschaft, in der der DBwV die aktiven Soldaten und der VdS die inaktiven Soldaten vertrat. Im Oktober 1956 wurden zunächst Teile der Geschäftsstelle nach Bonn und etwas später die gesamte Geschäftsstelle nach Bonn verlegt. Ende des Jahres wurden Soldatenversammlungen des Deutschen BundeswehrVerbands in den Kasernen erlaubt und sogar ehrenamtlich für den Verband tätige Soldaten zu Veranstaltungen freigestellt.
Im Mai 1957 fand in Köln die erste Hauptversammlung des Verbands statt. In dieser wurde Molinari in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt.
1958 beklagte der Verband, dass die Soldaten besoldungsrechtlich zwar wie Beamte behandelt wurden, aber ihre Nachzahlungen nicht ebenso erhielten. Um Verbandsangelegenheiten auf regionaler Ebene zu koordinieren und die Mitglieder vor Ort zu vertreten, wurden Wehrbereichsbeauftragte in den Dienst berufen. Im November des Jahres forderte der DBwV gegenüber dem Verteidigungsminister dienstfreie Samstage und Weihnachtsgratifikationen für alle Soldaten.
Anfang 1959 zog der Verband, der inzwischen 50.000 Mitglieder zählte, in seine erste eigene Geschäftsstelle in Bonn und setzte sich weiterhin für die Gleichstellung der Soldaten mit Beamten ein.
1960er Jahre Ein Jahr später legte der DBwV erstmals eine eigene Liste zur Wahl des Hauptpersonalrats vor und auch 1962 wurde eine solche Vorschlagsliste eingereicht. 1961 kämpfte der Verband dafür, dass die Parteien auch Soldaten als Kandidaten für den Bundestag aufstellen, doch der Erfolg blieb vorerst aus. Hingegen konnte er durchsetzen, dass auch neu verheiratete Soldaten eine Trennungsentschädigung erhielten. Von nun an wurde der DBwV in den Medien „Soldatengewerkschaft“ genannt.
Im April 1963 übernahm Major i. G. Lothar Domröse kurzzeitig die Amtsgeschäfte von Molinari bis in der 5. Hauptversammlung Oberst i. G. Wolfgang Keilig zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Der inzwischen zum Brigadegeneral beförderte Molinari wurde Ehrenvorsitzender. In Budel wurde am Ende des Jahres die erste Standortkameradschaft in den Niederlanden gegründet.
1964 wurden erstmals Kandidaten des DBwV in den Hauptpersonalrat gewählt. Die ÖTV (Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr) gründete eine zum Verband konkurrierende „Fachgruppe der Soldaten“. Die entstehenden Spannungen zwischen DBwV und ÖTV nahmen in den nächsten Jahren immer weiter zu.
Nach längeren Bemühungen wurde im September 1965 ein aktiver Soldat und DBwV-Mandatsträger als CDU-Abgeordneter in den Bundestag gewählt: Hauptfeldwebel Hermann Stahlberg, Vorsitzender Heer. gerahmt|Am 14. November 1969 empfängt Bundespräsident Gustav Heinemann Bundesvorstandsmitglieder zu einem Gespräch.
Zum zehnjährigen Jubiläum des DBwV fand ein großer Festakt statt, bei dem viele Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Militär und Kirche vertreten waren. Mittlerweile umfasste der Verband 110.000 Mitglieder. Es wurde ein Sonderheft von „Die Bundeswehr“ mit Vorschlägen für vier Laufbahngruppen zur Verbesserung der Personalstruktur in der Bundeswehr herausgegeben. Im August 1966 wurden gewerkschaftliche Veranstaltungen innerhalb von Kasernen verboten, doch da der DBwV sich nicht als Gewerkschaft sah und keine gewerkschaftlichen Rechte wie die Tariffähigkeit in Anspruch nimmt, lief die Arbeit in den Kasernen weiter.
Die 7. Hauptversammlung wählte 1967 Oberstleutnant Heinz Volland zum neuen Bundesvorsitzenden des DBwV. Im Herbst berief der Vorstand einen Sonderbeauftragten für Ehemalige.
1969 wies jeder Wehrbereich einen Vertragsanwalt des DBwV auf, welcher um weitere 20.000 Mitglieder angewachsen war. Bei der Wahl des Hauptpersonalrats wurden mittlerweile drei aktive Soldaten aus der Liste des DBwV gewählt. Auch in sechs Wehrbereichen traten DBwV-Kandidaten zur Wahl für die Bezirkspersonalräte an.
Mittlerweile konnte der Verband über viele Erfolge durch DBwV-Rechtsschutzgewährung berichten. Nach sechsjähriger Bemühung wurde die Laufbahn des militärfachlichen Dienstes in die Laufbahngruppe der Offiziere eingeführt. Der Bundesvorsitzende kündigte an, in Zukunft nicht nur die materielle Lage der Soldaten, sondern auch die ideellen Probleme in Angriff zu nehmen. So war die Verabschiedung des Eingliederungsgesetzes für Soldaten auf Zeit 1969 ein weiterer bedeutender Verbandserfolg. Gleichzeitig forderte der DBwV eine Anpassung des Lohnniveaus für Beschäftigte im öffentlichen Dienst aufgrund erheblicher Erhöhungen in der Wirtschaft. Diese Forderungen verstärkte der Verband 1970, als der Besoldungsrückstand 20 Prozent betrug, und organisierte die erste offene Protestveranstaltung.
1970er Jahre Im November 1970 zog der Verband mit seiner Geschäftsstelle in die Bonner Südstraße, wo er fast 50 Jahre bis zur vollständigen Verlegung am 20. November 2019 nach Berlin saß.
Da die ÖTV weiterhin darauf pochte, mit dem DBwV gleichgestellt zu werden, durften ab 1971 Mitgliederversammlungen beider Soldatenvertretungen in den Kasernen tagen.
Im Jahr 1972 gründete der DBwV den europäischen Interessenverband EUROMIL, welcher schon anfangs mehr als eine Million Militärangehörige aus Deutschland, Belgien, Dänemark, Italien und den Niederlanden repräsentierte. Die Mitgliederzahl lag inzwischen bei 140.000. Der Verband beschäftigte sich außerdem mit dem Weißbuch 1970 und forderte in den Folgejahren, das Dienstrecht der Soldaten mitzugestalten. Ende 1973 wurde der DBwV-Vorsitzende in den Ausschuss für Politische Bildung berufen und nur wenige Monate später sah der Verband seine Rechtsposition als Spitzenorganisation der Soldaten gemäß einem Gesetzesentwurf zur Änderung des Soldatengesetzes deutlich gestärkt. Die Auffassung des inzwischen 175.000 Mitglieder starken Verbands wurde von nun an in den Bundestagsdrucksachen, die wehrrechtliche Fragen behandeln, veröffentlicht. Außerdem wurde er nun auch in Innenausschusssitzungen des Bundestags angehört.
Mit scharfer Kritik und vielen Initiativen reagierte der DBwV im Jahr 1975 auf die Spar- und Steuerbeschlüsse der Bundesregierung und wurde schließlich im Innenministerium zu den Themen Besoldung und Sparmaßnahmen gehört. Am 1. Oktober 1975 wurden die ersten weiblichen Sanitätsoffiziere Mitglied im DBwV.
Das Jahr 1976 begann mit der Analyse des neuesten Weißbuchs, welches laut DBwV teilweise zu oberflächlich die Probleme und Personalsituation in der Bundeswehr darstellte. Es werden Einsparungsvorschläge vorgebracht, um die Soldaten vor den vorgenommenen Eingriffen in den sozialen Besitzstand laut Haushaltsstrukturgesetz zu schützen, was zu teilweisen Erfolgen führte. Weiterhin wurde die mangelhafte Eingliederung der Zeitsoldaten in den öffentlichen Dienst beanstandet.
Am 8. Februar 1977 wurde die Förderungsgesellschaft (FöG) als Selbsthilfeeinrichtung des Verbands gegründet. Der DBwV engagierte sich bei sozialen Themen, sicherheitspolitischen Fragen sowie dienstrechtlichen Angelegenheiten der Soldaten und war stetig mit dem Bundesministerium der Verteidigung im Gespräch. Er forderte unter anderem die Bundesregierung auf, eine Konzeption der Gesamtverteidigung zu erarbeiten und setzte sich für Wehrgerechtigkeit, A9-Stellen, Besoldung, Gemeinschaftsdienstpflicht sowie Prüfungsverfahren ein. Es folgten Spitzengespräche mit diversen Verbänden und Gewerkschaften. Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern wurde der Deutsche BundeswehrVerband „parteipolitisch streng neutral“ empfunden und hatte eine „mittlere gesellschaftspolitische Bedeutung“.
1980er Jahre