Die britisch-portugiesischen Beziehungen umfassen das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich (port.: Reino Unido) und Portugal. Die Länder unterhalten seit dem 13. Jahrhundert direkte diplomatische Beziehungen.Übersicht über die diplomatischen Beziehungen zum Vereinigten Königreich beim diplomatischen Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 13. April 2021

Die Beziehungen haben starke historische Wurzeln. England ist Portugals ältester Verbündeter, mit dem Windsor-Vertrag aus dem Jahr 1386 unterhalten sie das älteste noch bestehende Bündnis in Europa, vermutlich auch weltweit. Das im 15. Jahrhundert entstandene Portugiesische Kolonialreich war das erste Globus umspannende Weltreich der Geschichte und damit auch Vorläufer und Motivation für die Entstehung des Britischen Weltreichs, das sich ab dem 17. Jahrhundert zum größten Kolonialreich der Geschichte entwickelte, auch unter Mithilfe portugiesischer Seeleute wie João Fernandes Lavrador, João Gonçalves und anderen. Die luso-britischen Bündnisse dienten beiden zur Durchsetzung ihrer politischen Interessen, auf englischer Seite der Zurückdrängung Frankreichs und Spaniens und auf portugiesischer Seite der Durchsetzung seiner Unabhängigkeit gegenüber dem spanischen Nachbarn. Auch ihre Alltagskultur prägten sie gegenseitig. Die Britische Teekultur oder auch der traditionelle Genuss von Portwein in Großbritannien gehen auf diese alten Beziehungen zurück, während Portugal seinen Nationalsport Fußball den Briten verdankt.

Die britisch-portugiesischen Beziehungen nahmen spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg stetig an Bedeutung ab, sind aber weiterhin lebendig. Die beiden Staaten arbeiten in einer Vielzahl internationaler Gremien zusammen, u. a. sind sie beide Gründungsmitglieder der NATO und der OECD, und Mitglieder u. a. des Europarates, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den verschiedenen europäischen und UNO-Organisationen. Bis zum Austritt Großbritanniens Ende 2020 waren sie zudem beide Mitglied der Europäischen Union.

Neben den vielfältigen historischen, kulturellen und politischen Verbindungen sind heute ihr bilateraler Handel und ihre problemfreie gegenseitige Migration die bedeutendsten Verbindungsglieder. Die Briten gehören bis heute zu den größten Ausländergruppen in Portugal. Auch in anderen Bereichen zeigen sich die alten Beziehungen, etwa in Straßennamen wie der Praça de Londres-Platz in Lissabon oder die Portugal Road und der Cintra Park in London. Auch haben britische Historiker zur portugiesischen Geschichtsforschung beigetragen, darunter Charles Boxer, Peter Russel oder Harold Livermore, die damit aber vor allem auch im Vereinigten Königreich Kenntnis über die portugiesische Geschichte verbreiteten. Weitere Verbindungsglieder sind das gegenseitige Interesse im Fußball, die in Portugal weit verbreitete britische Popmusik oder auch die portugiesische Gastronomie in Großbritannien, die sowohl durch zahlreiche kleine portugiesische Cafés und Restaurants als auch durch die weitverbreitete Restaurantkette Nando’s im ganzen Vereinigten Königreich relativ präsent ist.

Geschichte Anfänge bis 1140 mini|Einflusszone der norwegischen Wikinger: Portugal und Großbritannien gehörten jahrhundertelang dem Einflussraum der Wikinger an. Britannien war seit seiner Eroberung ab 43 n. Chr. Teil des Römischen Reichs, zu dem das heutige Portugal bereits seit dem 2. Jh. v. Chr. gehörte, als Provinz Lusitania. Bis Anfang des 5. Jh. blieben sie beide römisch. Danach brachten die germanischen Angelsachsen Großbritannien in ihre Herrschaft, während Portugal unter die Herrschaft anderer germanischen Völker kam, insbesondere der Westgoten, bis zur arabischen Herrschaft ab 711.

Ab 793 erlitt England eine Eroberung weiter Teile durch die Wikinger, die auch mit Portugal Handel trieben oder dort plünderten. Bis ins 11. Jahrhundert gehörten die heutigen Gebiete von England und Portugal damit beide zum Wirkungskreis und Handelsraum der Wikinger.

Im Verlauf der christlichen Reconquista kamen insbesondere ab dem 11. Jh. Kreuzfahrer auch von den britischen Inseln an Portugal vorbei und kämpften hier gegen die Mauren. Sie hatten damit auch einen Anteil an der Entstehung des seit 1140 unabhängigen Königreichs Portugal. In der Folge entstanden zahlreiche politische und dynastische Verbindungen, dazu warb das junge Königreich auch hunderte Siedler von den britischen Inseln in ihr Gebiet, im Zuge ihrer Neubesiedlungspolitik.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs, Kröner-Verlag, Stuttgart 2001, S. 55f

1140 bis 1640 mini|1953 errichtetes Denkmal für das anglo-portugiesische Abkommen von 1372 in Tagilde. Seit ihrem ersten Vertrag von 1275 sind Portugal und England verbündet, und damit die ältesten Verbündeten in Europa, vermutlich auch weltweit. Im 12. Jh. sorgten die Kreuzfahrerrouten, zunehmend aber auch die Handelsrouten der Normannen und später der Italiener für einen zunehmenden Kontakt zwischen den britischen Inseln und Portugal, das sich dabei zu einer Handelsnation entwickelte, mit Handelsniederlassungen überall in Westeuropa, neben Flandern wurde vor allem London ein Schwerpunkt. England erhielt dabei vor allem Früchte, Salz, Olivenöl, Honig und Rohmaterialien (Leder, Wachs, Kork u. a.), während Portugal von England vor allem Textilien bekam. 1275 schlossen Portugal und England ein erstes Bündnis.

Mit dem Voranschreiten der spanischen Reconquista bis nach Gibraltar 1309 nahm auch die Sicherheit für den Mittelmeerhandel zu, und der stark wachsende italienische Handel ließ auch die Zwischenstation Lissabon wachsen und nicht nur zu einem Umschlagplatz u. a. für Engländer, Flamen und Italiener werden, sondern beflügelte auch den eigenen portugiesischen Handel weiter. 1353 schlossen England und Portugal einen ersten weitreichenden Handelsvertrag, der darin auch portugiesischen Fischfang um die britischen Inseln regelte, was bereits eine bedeutende portugiesische Seefahrt aufzeigt.Walther L. Bernecker, Horst Pietschmann: Geschichte Portugals. Verlag C. H. Beck, München 2001, S. 18f 1372 folgte der Bündnisvertrag von Tagilde, und 1373 wurde mit dem anglo-portugiesischen Abkommen ein weiterreichendes Bündnis geschlossen.

Der Hundertjährige Krieg (1337–1453) und die damit verbundenen Verluste der französischen Weinbaugebiete für England ließen die britische Nachfrage nach portugiesischem Wein weiter steigen. Außerdem verstärkte der Krieg die atlantische und Europa tendenziell eher abgewandte Ausrichtung Englands, ähnlich Portugal, so dass ihre Wege sich häufig kreuzten und ihre Verbindung dadurch intensivierte.

Nach dem Tod des portugiesischen Königs D. Fernando I. 1383 fiel Portugal durch Erbfolge an den Nachbarn Kastilien. Mit der Revolution von 1383 wehrten sich die Portugiesen dagegen. Ihr erfolgreicher militärischer Anführer Nuno Álvares Pereira konnte sich dabei auch auf englische Hilfe stützen, etwa bei der Belagerung von Lissabon 1384 oder der entscheidenden Schlacht von Aljubarrota 1385. Der Windsor-Vertrag von 1386 schrieb diese Allianz danach fest. Er ist bis heute in Kraft. Zudem heiratete der neue portugiesische König D. João I. die englische Prinzessin Philippa of Lancaster und begründete mit ihr das Haus Avis, die zweite portugiesische Königsdynastie. Mit der Eroberung Ceutas 1415 leitete er danach auch den weiteren Aufstieg der Seefahrernation Portugals ein.

Durch Kriege und Eroberungen, aber auch durch mehrere Pestepidemien sank die Bevölkerungszahl, sowohl in England als auch in Portugal, wo durch den anhaltenden Aufstieg der Handelsstädte an der portugiesischen Küste die Arbeitskräfte im Landesinneren zusätzlich stark abnahmen und in der Folge auch die Nahrungsmittelproduktion. Portugal wurde dadurch zunehmend abhängig von Importen, insbesondere von Getreide aus England. Diese Importe wurden durch Exporte bezahlt, neben Salz und Olivenöl besonders Wein, dessen Herstellung die Nahrungsmittelproduktion in Portugal weiter reduzierte und die portugiesische Abhängigkeit verstärkte. Ab 1452 wurde zudem die portugiesische Insel Madeira zu einem bedeutenden Zuckerproduzenten, von dort gingen ab 1456 wachsende Mengen Zucker nach England.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs, Kröner-Verlag, Stuttgart 2001, S. 63F und S. 98

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts erwirtschaftete Portugal stark steigende Einkünfte aus seinem Überseehandel (Zucker, Öl- und Trangewinnung, Fischfang) und dem Handel mit Subsahara-Afrika (Elfenbein, Gold, Gewürze und Sklaven), womit es auch zum Wachstum der englischen Handelsnation beitrug. Hatte Portugal im 14. Jahrhundert seinen Schiffsbau durch Weiterentwicklung der italienischen Kenntnisse entscheidend entwickelt, so waren es nun die Engländer, die die portugiesischen Entwicklungen aufnahmen, um ihrerseits den eigenen Schiffsbau weiterzuentwickeln und im 16. Jahrhundert, neben den Niederlanden und Frankreich, zu einem Rivalen des portugiesischen (und spanischen) Weltreichs aufzusteigen. Portugal konnte seine ausgedehnten Handelsrouten und Überseebesitzungen nur unter wachsenden Anstrengungen aufrechterhalten gegen die britischen, holländischen und französischen Angriffe.

Als Portugals junger König D. Sebastião in der Schlacht von Alcácer-Quibir 1578 ohne Nachkommen gestorben war, drohte Portugal 1580 durch Erbfolge an Kastilien zu fallen. Thronanwärter António von Crato beanspruchte 1580 erfolglos den portugiesischen Thron und unternahm 1589 einen erneuten Versuch, den die britische Königin mit einer Kriegsflotte unter Leitung Francis Drakes unterstützte, der jedoch erfolglos blieb.

Nachdem es nun durch Erbfolge an Spanien gefallen war, erlebte Portugal und sein Weltreich einen Niedergang. Im Verlauf dieser Iberischen Union (1580–1640) verlor Portugal Einfluss und Handelsmacht auch an die Briten, die ab 1602 Portugals Besitzungen am Indischen Ozean bedrohten und die mit Hormus (1622) auch einen der Dreh- und Angelpunkte des wichtigen portugiesischen Fernost- und Indienhandels erlangten. Die englischen Angriffe auf portugiesische Besitzungen gingen weiter, bis zum englisch-portugiesischen Friedensvertrag 1635.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs., Kröner-Verlag, Stuttgart 2001, S. 229

1640 bis 1880 mini|Die portugiesische Prinzessin Katharina von Braganza, die 1662 Englands König Charles II. heiratete. Auf sie geht die Britische Teekultur zurück. Das seit 1640 wieder unabhängige Königreich Portugal stellte sich ab 1642 auf die Seite des englischen Königshauses gegen Cromwell und befand sich in der Folge von 1650 bis 1654 mit England im offenen Krieg. Das geschwächte Portugal musste sich der britischen Überlegenheit beugen und am 10. Juni 1654 in Westminster einen Friedensvertrag eingehen, der die portugiesischen Kolonien dem britischen Handel öffnete.