mini|hochkant=1|Christian AntzeAnm. Christian Antze (* 5. Juni 1775 in Blomberg; † 29. November 1845 in Salzuflen) war ein deutscher Jurist und Politiker. Von 1802 bis 1835 war er Bürgermeister der Stadt Salzuflen.Christian Antze im Bundesarchiv.
Familie Schon Antzes Urgroßvater, Cordt (Konrad) Antze, war Salzufler Bürger, der an der Salze ein Kaufgeschäft betrieb. Dessen Sohn Conrad war Weinhändler am Markt.
Antze wurde als ältestes von sieben Kindern des Blomberger Stadtsyndikus (Stadtrichter) Christian Diederich Antze (* 1. Mai 1741 in Lage; † 12. Juli 1795 in Salzuflen) und dessen Frau (⚭ 29. Mai 1774 in Hamm) Maria Margarethe, geb. Strücker (* Januar 1748 in Hamm; † 4. Februar 1811 in Salzuflen), geboren. Der Vater war 1776 als Sekretarius nach Salzuflen gekommen und hatte hier 1784 die aus dem Besitz der Familie von Exter stammende „Vogel’sche Erbstätte“ an der Ritterstraße erworben.Christian Antzes Geschwister waren Justine Luise (1777–1780), Wilhelmine Florentine (1779–1779), Auguste Luise (1780–1807), August Diederich (* 1782), Wilhelm Konrad (Pfarrer in Talle, Blomberg und Lage) und Wilhelmine Karoline (* 1787).
Am 26. November 1803 heiratete Antze in Detmold Johanne Friederike Kellner (* August 1778; getauft am 28. August), Tochter des dortigen Rates Heinrich Jakob Kellner. Mit ihr hatte er fünf Kinder: Johanne Florentine Charlotte (* 14. August 1804; † 21. September 1804 in Salzuflen) Tochter, totgeboren (10. September 1806 in Salzuflen) Sohn, totgeboren (3. September 1807 in Salzuflen) Marie Mathilde (* 23. Juli 1810 in Salzuflen; ⚭ W. Hasse, mit ihm vier Kinder; † 8. November 1843)Fürstlich Lippisches Regierungs= und Anzeige=Blatt, No. 45, 11. November 1843, S. 472. Christian August (* 15. April 1813 in Salzuflen; † 20. Dezember 1895 in Varenholz), Amtsassessor In zweiter Ehe war Antze mit der vom Gut Steinbeck stammenden Johanne Henriette Wilhelmine Kuntze (* 26. August 1791 in Unterwüsten; † 24. Mai 1874 in Salzuflen) verheiratet. Mit ihr hatte er sechs Kinder: Ida Christiane Marie Friederike (* 20. Mai 1821 in Salzuflen; † 1864 in Zwickau), ⚭ am 20. Oktober 1846 mit Gustav Grüne in ZwickauHeiratsanzeige der „verwittweten Räthin Antze“ im Fürstlich Lippischen Regierungs- und Anzeige-Blatt vom 31. Oktober 1846, S. 522. Ida Elidia Franziska (* 5. Juni 1823 in Salzuflen; † 16. März 1899 (?) in Detmold) Hermann Georg (* 11. November 1825; † 13. November 1828 in Salzuflen) Wilhelm Julius (* 22. Januar (?) 1828 in Salzuflen; † 23. Oktober 1861 in Detmold), Fürstlich Lippischer Kabinettsekretär Auguste Luise (* 30. Juli 1830; † 28. November 1849 in Salzuflen) Emilie Wilhelmine „Minna“ (* 2. Juli 1834); sie besaß bis 1874 die „Vogel’sche Erbstätte“, den nach den neuen Besitzern benannte „Antzenhof“ an der Ritterstraße
Christian Antze starb am 29. November 1845 in Salzuflen an Altersschwäche.
Antzes Nachlass wurde dem Lippischen Landesarchiv überstellt.Christian Antze bei www.nhv-ahnenforschung.de, abgerufen am 25. April 2020.Lorens M. Rheude: Lebensdaten der Familie Antze in: Archiv für Stamm- und Wappenkunde, Verlag von Gebr. Vogt, 1907, S. 34ff; abgerufen am 7. Mai 2020.
Leben Antze, der als eine der herausragenden Persönlichkeiten Salzuflens des 19. Jahrhunderts gilt, ließ sich am 16. April 1793 in Jena immatrikulieren, später auch in Göttingen. Nach dem Jurastudium war Antze ab 1797 als lippischer Advokat und auch als Auditor (Untersuchungsrichter) beim Detmolder Kriminalgericht tätig. 1799 wurde er zum Syndikus und Sekretär der Stadt Salzuflen gewählt.Ende einer 180jährigen Ausleihe – Hexenprozessakten bald zurück im Stadtarchiv Lemgo; abgerufen am 17. April 2021.
Dem jungen Antze ist es unter anderem zu verdanken, dass der Stadt Salzuflen im Jahr 1800 eine seit 1505 bestehende, jährlich an das Paderborner Domkapitel zu zahlende Verzinsung von 50 Goldgulden bzw. der geforderte Restbetrag in Höhe von 2066 Talern und 24 Groschen für einen durch Bernhard VII. getätigten Rentkauf gestundet wurde.
Bürgermeister in Salzuflen 1802 wurde Antze zum Salzufler Bürgermeister gewählt. Hier ließ er unter anderem zwei neue Beamtenstellen einrichten, die des Stadtrentmeisters (1806) und die des Stadtförsters (1807).
Im Jahr 1812 führte Antze die seit 1776 laufenden Verhandlungen zwischen der Stadt Salzuflen und der lippischen Regierung zur „Aufteilung des Lehenghölzes in der Woiste“ zu einem für beide Seiten befriedigendem Ende, die Grenze wurde endgültig festgelegt.Akten 713, 715, 788 und 805 bis 808 des Christian Antze im Stadtarchiv Bad Salzuflen die Teilung des Hollenhagen (1801–1811), die Teilung der Lehnghölze Fierenberg etc. (1788–1806), die Forstexcesse auf dem Hollenhagen (1803/04) sowie das Beholzungsrecht in den Lehngehölzen Fierenberg etc. und dessen Abfindung durch Abtretung von Grund und Boden (1776–1812) betreffend.
Ebenso sorgte Antze nach seinem Amtsantritt für die Beilegung des seit der Begradigung der Werre zwischen Salzuflen, Ahmsen, Biemsen und Werl in den Jahren 1772/73 andauernden Rechtsstreits mit der Detmolder Regierungskanzlei um die Zuzahlung von 1000 Talern durch die Stadt Salzuflen.
1831 erarbeitete Antze im Auftrag der lippischen Regierung den „Entwurf eines Statuts über die Verfassung der Stadt Salzuflen“. Er wies darauf hin, dass die bestehende Verfassung aus „ferner Vorzeit stamme und sich im Laufe der Jahrhunderte nach und nach verändert habe“, eine neue Verfassung unter anderem „Streitigkeiten über Gegenstände verhüten, unpassend gewordene Formen verändern und die Kenntniß der Verfassung sowohl den Mitgliedern des Magistrats als auch der Bürgerschaft erleichtern würde.“ – 1843, da war Antze schon acht Jahre nicht mehr im Amt, trat die Reform der Salzufler Stadtverfassung in Kraft.Franz Meyer (Hrsg.): Bad Salzuflen-Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2006, S. 164.
Hexenprozesse Jahrelang drängte Antze die lippische Regierung und die Lemgoer Stadtverwaltung um Akteneinsicht: Sein Interesse galt der Geschichte der Hexenprozesse in der Grafschaft Lippe. Ihm ist es zu verdanken, dass die bis dahin verwahrlost und sehr verstreut herumliegenden Prozessakten zusammengeführt worden und so zahlreich erhalten geblieben sind.Franz Meyer (Hrsg.): Bad Salzuflen-Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2006, S. 187.Jürgen Scheffler: Der Folterstuhl – Metamorphosen eines Museumsobjektes, hier: Der Folterstuhl im Städtischen Museum Lemgo; abgerufen am 16. April 2021.Nicolas Rügge: Hexenprozessakten. In Stefan Pätzold und Wilfried Reininghaus (Hrsg.): Quellenkunde zur westfälischen Geschichte vor 1800, Historische Kommission für Westfalen, Münster, Februar 2017, S. 30 ff; abgerufen am 5. Dezember 2021.
So beschrieb er zum Beispiel einen Folterstuhl, mit dem die Angeklagten geständig gemacht werden sollten:
Beziehung zum Haus Lippe Auch bei der Lippischen Regierung genoss Antze hohes Ansehen. So schrieb Fürstin Pauline am 7. Dezember 1808 einen persönlichen Brief an den „Lieben Herrn Rath“ zum Thema ‚Stadförster von Exter‘ und beendete denselben mit den Worten „Ich bin mit vieler Hochschätzung des Herrn Raths Dienstwilligste Paulina“.
Mitgliedschaften Christian Antze war unter anderem Mitglied des Naturwissenschaftlichen Vereins im Fürstenthum Lippe.Protokoll der am 24. Juni 1840 gehaltenen Generalversammlung des Vereins. In: Lippisches Magazin für vaterländische Cultur un Gemeinwohl. Lemgo, 8. Juli 1840, S. 234 ff.
Am Lippischen Landtag wurde „der Rath Antze im Januar 1845 zum Ausschuß=Deputirten des zweiten Standes erwählt und von Senerissimo höchstlandesherrlich bestätigt“.Fürstlich Lippisches Regierungs= und Anzeige=Blatt, No. 4, 25. Januar 1845, S. 27.
Werke AuswahlFranz Meyer (Hrsg.): Bad Salzuflen-Epochen der Stadtgeschichte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2006, S. 79 und 109.Nachlässe des Christian Antze im LAV Detmold, Bestand D 72; abgerufen am 28. Oktober 2021. Gegenbeleuchtung, als Antwort auf die, von dem Fürstlich Lippischen Archivrath C. G. Clostermeyer, in den Druck gegebene, Kritische Beleuchtung der, von den Landständen des Fürstenthums Lippe, bey der hohen Deutschen Bundesversammlung, eingereichten, "Geschichtlichen und rechtlichen Darstellung (1819)
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Hexenprozesse in der Grafschaft Lippe (1835 bis 1839)
Bericht über verschiedene im Fürstenthum Lippe entdeckte Germanische Begräbnisstätten, Nr. 1: In der Feldmark von Salzuflen (Lippisches Magazin 1838/1839)
Geschichtliche und statistische Nachrichten über die Saline in Salzuflen. (1841)
Von den Ämter Barkhausen und Heerse, den dazu gehörenden Amtsmeiern, ein Beitrag zur Geschichte des Bauernstandes und der Untergerichte im Fürstentum Lippe
Literatur
Anmerkung Das Porträt entstand aus einer qualitativ nicht guten Kreidezeichnung unter Hinzuziehung der markanten Gesichtszüge mehrerer Verwandter, besonders seines Neffen, des in Minden tätigen Garnisonspfarrers, Gustav Adolf Wilhelm Antze (1813–1873).Porträt und Lebensdaten des Gustav Antze; abgerufen am 28. Oktober 2021.
Einzelnachweise
Kategorie:Bürgermeister (Bad Salzuflen) Kategorie:Jurist Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1775 Kategorie:Gestorben 1845 Kategorie:Mann