mini|Hinweisschild am Ort des ehemaligen Lagers Das Römische Militärlager auf dem „Ehrlich“-Plateau ist ein Kastell der frühen römischen Kaiserzeit nahe der Stadt Bad Ems in Rheinland-Pfalz. Es befindet sich auf dem Plateau eines „Ehrlich“ genannten Bergsporns rund einen Kilometer Luftlinie nördlich der Stadt.

Lage, Entdeckung und Untersuchung mini|Karte von Bad Ems (1895).Der links als Ehrlich benannte Bereich zeigt den Ehrlichsweg am südöstlichsten Rand des Bergsporns. Das Kastell selbst befindet sich etwas weiter nordnordwestlich, außerhalb des Kartenbildes. Das Militärlager befindet sich auf dem Plateau eines „Ehrlich“ genannten Berges im so genannten Unteren Lahntal. Das Untere Lahntal gehört zum Rheinischen Schiefergebirge, in das sich die Lahn bis zu 200 m tief eingeschnitten hat. Die umgebenden Gebirgszüge erreichen Höhen von bis zu 600 m NHN. Im Westen wird es vom Mittelrheintal und vom Neuwieder Becken, im Norden vom Westerwald und im Süden vom Taunus eingerahmt. Geologisch wird es von Schiefern und Quarziten geprägt, die bis heute abgebaut werden, und verfügt über große Vorkommen an Blei, Zink, Silber und vor allem an Eisenerzen in Form von Roteisenstein und Brauneisenstein, die noch bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgebeutet wurden.Stephanie Lomp und Matthias Lomp: Eine Landschaftsanalyse des unteren Lahntals. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 304–374, hier: 306–311. Die römische Präsenz im Lahntal stand möglicherweise im Zusammenhang mit dem Abbau dieser Metalllagerstätten, was sich mit einer Überlieferung von Tacitus decken würde, laut der Quintus Curtius Rufus, im Gebiet der Mattiaker Silber abbauen ließ.Tacitus: Annales, 11, 20, 1–3.Peter Henrich, Markus Scholz: Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Eine Synthese. In: Dies. (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 376–387.

Das Lager wurde im Frühjahr 2016 von Jürgen Eigenbrod (1943–2023), einem Mitglied des Vereins für Geschichte, Denkmal- und Landschaftspflege Bad Ems e. V., ehrenamtlichen Denkmalpfleger und Oberst a. D. zufällig entdeckt und im Herbst desselben Jahres durch eine Sondierungsgrabung der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz bestätigt.Peter Henrich, Markus Scholz: Jürgen Eigenbrod, 4. Juni 1943 – 25. Februar 2023. In: Dies. (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 10–11. Im Rahmen eines kurzfristig initiierten Forschungsprojektes erfolgten großflächige geomagnetische Prospektionen des Fundgebietes durch die Universität Erlangen-Nürnberg,Carsten Mischka: Geomagnetische Prospektion auf dem „Ehrlich“-Plateau. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 20–27. sowie in den Jahren 2016 bis 2018 schwerpunktmäßige archäologische Ausgrabungen durch die Universität Frankfurt.Peter Henrich, Markus Scholz, Thomas Maurer, Carsten Mischka: Zwei neue frühkaiserzeitliche Militärlager an der unteren Lahn. Ein Vorbericht. In: Suzana Matešić (Hrsg.): Interdisziplinäre Forschungen zum Limes. 8. Kolloquium der Deutschen Limeskommission. (= Beiträge zum Welterbe Limes. Band 10). Theiss, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-8062-4113-6, S. 18–33.Peter Henrich, Markus Scholz: Einführung und Projektgenese. In: Dies. (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 13–18.Markus Scholz: Ausgrabungen an der nördlichen Umwehrung des Lagers auf dem „Ehrlich“-Plateau, 2016–2017. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 28–63. (nicht ausgewertet).Daniel Burger-Völlmecke: Ausgrabungen im nordwestlichen Innenbereich des Lagers auf dem „Ehrlich“-Plateau, 2018. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 104–149. (nicht ausgewertet).

Archäologische Befunde, Funde und Fragestellungen Geophysikalische Untersuchungen Die geophysikalischen Untersuchungen identifizierten ein rund 7,75 Hektar großes römisches Militärlager mit unregelmäßigem Grundriss und abgerundeten Ecken. Das Lager befindet sich auf der Südseite des Plateaus. Das an seiner Nordseite rechteckig konzipierte Lager war unter Orientierung an die topographischen Gegebenheiten an seiner Südseite derartig konstruiert worden, dass eine maximale Ausnutzung des Geländes in Richtung Ems gewährleistet war, wodurch eine vollständig rechteckige Form aufgegeben wurde und sich ein unregelmäßiger Grundriss ergab. Als Annäherungshindernisse dienten zwei parallel verlaufende Spitzgräben. Auf seiner Nord- und seiner Westseite konnte jeweils ein Tor nachgewiesen werden. Analoge Torbefunde auf der Ost- und Südseite fehlen, da dort aufgrund des Bewuchses keine geomagnetischen Messungen möglich waren. Deutliche Pfostengruben im Magnetbild zeigten die Lage von zwei Ecktürmen und zehn Zwischentürmen, die in einem Abstand von 15 bis 20 Metern in die Umwehrung eingebracht waren. Weitere Türme in Bereichen, die nicht vermessen werden konnten, werden vermutet. Spuren der Innenbebauung waren nicht sicher nachweisbar, einige entsprechende Anomalien im Magnetogramm konnten nicht eindeutig zugeordnet werden.

Archäologische Ausgrabungen Die nachfolgend durchgeführten Ausgrabungen orientierten sich an den Ergebnissen der geophysikalischen Untersuchungen und hatten die Aufgabe, diese zu verifizieren und zusätzlich datierbare Funde zu sichern.

Umwehrung Am Nordtor konnten die beiden Verteidigungsgräben geschnitten werden. Der innere Graben, der über eine Länge von 8,3 m erfasst werden konnte, besaß eine erhaltene Resttiefe von 1,84 m und eine Restbreite von 1,90 m. Er war als idealförmiger Spitzgraben in den anstehenden Boden eingetieft worden. Seine Verfüllung setzte sich aus mehreren Schichten zusammen, auf zwei nahezu fundsterile Straten folgte eine Schicht mit großen Mengen an Holzkohle und Brandschutt, die vermutlich entstanden war, als der Torbau niederbrannte und in den Graben stürzte. Verziegelungen an den Böschungen weisen darauf hin, dass die Hölzer noch brannten, als sie in den Graben fielen. Oberhalb des Brandschutts fanden sich hauptsächlich an der inneren Grabenböschung zahlreiche größere Steine in unterschiedlichen Konzentrationen. Ob diese als Wurfgeschosse gedient hatten oder Bestandteil der antiken Pflasterung des Lagers gewesen waren, die später ausgebrochen wurde, konnte nicht mehr bestimmt werden. Der äußere Graben zeigte sich im Planum auf einer Länge von 7,8 m und unterschied sich deutlich vom inneren. Er besaß eine erhaltene Resttiefe von nur rund einem Meter, hatte ein wannenförmiges Profil und zeichnete sich äußerst schwach vom anstehenden Boden ab. In seiner Verfüllung fanden sich wenige Reste von Holzkohle und verziegeltem Lehm, jedoch wieder eine hohe Anzahl größerer Steine bis hin zu einem Durchmesser von 30 cm. Das keramische Fundmaterial aus beiden Gräben war nicht näher datierbar, sondern konnte nur grob als römisch bestimmt werden.Markus Scholz: Ausgrabungen an der nördlichen Umwehrung des Lagers auf dem „Ehrlich“-Plateau 2016-2017. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 28–63; hier: S. 30–32. Weder bei den Prospektionen noch bei den Grabungen konnte eine Holz-Erde-Mauer nachgewiesen werden. Es muss daher von einer Rasensoden- oder Lehmziegelmauer ausgegangen werden. Der Wallfuß dürfte etwa 3,5 m bis 4,0 m breit gewesen sein. Bei einer hypothetischen Breite des Wehrgangs von 1,5 m könnte eine Höhe von 3,0 m bis 3,5 m erreicht worden sein.Markus Scholz: Ausgrabungen an der nördlichen Umwehrung des Lagers auf dem „Ehrlich“-Plateau 2016-2017. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 28–63; hier: S. 32 f.

Vom Nordtor selbst konnten die acht Pfostengruben des östlichen Torturms und zwei weitere Pfostengruben, deren Pfosten den Torbau gestützt und die Durchfahrt in zwei getrennte Bereiche getrennt hatten (Spina) identifiziert werden. Der Bereich des westlichen Torturms wurde nicht aufgedeckt, jedoch konnte seine Position durch das Vorhandensein der Spina mittels Spiegelung rekonstruiert werden. Die Pfostengruben des östlichen Torturms besaßen einen annähernd quadratischen Grundriss von einem Meter Seitenlänge. Die Pfosten selbst besaßen eine Mächtigkeit von 25 bis 30 cm und waren ursprünglich zwischen 50 cm und 110 cm tief in die Gruben eingesetzt. Der Turmgrundriss war L-förmig. Insgesamt scheint der Torbau ein sehr robustes Bauwerk gewesen zu sein, das sicherlich nicht für die Umwehrung eines rein temporären Lagers errichtet wurde. Aufgrund seiner Größe und Robustheit wird das Nordtor als Porta praetoria (Haupttor) des Lagers angesprochen. Östlich des untersuchten Turmes wurden im Planum drei weitere Befunde sichtbar. Bei einem handelte es sich um eine vorrömische Grube mit prähistorischer Keramik. Der zweite Befund erwies sich als hölzerner Kastenbrunnen, dessen Tiefe aus Sicherheitsgründen nur bis zu zwei Metern ermittelt werden konnte. Der einzige, für das gesamte Lager aber bedeutsame Fund aus dem Brunnen war ein Sesterz des Nero, der zwischen den Jahren 64 und 67 u. Z. geprägt worden war. Der dritte Befund bestand aus einem Backofen.Markus Scholz: Ausgrabungen an der nördlichen Umwehrung des Lagers auf dem „Ehrlich“-Plateau 2016-2017. In: Peter Henrich, Markus Scholz (Hrsg.): Die frühkaiserzeitlichen Militäranlagen bei Bad Ems im Kontext des römischen Bergbaus. Ergebnisse der Feldforschungen 2016–2019 (= Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel. Band 23). Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Koblenz 2023, ISBN 978-3-929645-23-1, S. 28–63; hier: S. 34–39.

Innenbereich