mini|hochkant=0.7|Michael Fürst (2014)

Michael Fürst (geboren 28. Mai 1947 in Hannover) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Notar.o. V.: Fürst, Michael in der Datenbank Niedersächsische Personen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek in der Version vom 22. Februar 2018, zuletzt abgerufen am 15. April 2021 Er ist Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Unter anderem engagiert er sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und beteiligt sich vielfältig an interreligiösen Dialogen.Simon Polreich: Meine Stadt / Stadtplakette / Ihnen ist Hannover dankbar, Artikel auf der Seite der Tageszeitung Neue Presse vom 21. Juni 2018

Leben und Wirken Michael Fürst kam als einer von zwei Söhnen des Unternehmers Helmut Fürst (1922–2012) und der Annemarie Fürst, geborene Klimt, zur Welt.o. V.: Helmut Fürst sel. A. auf der Seite juedisches-seniorenheim-hannover.de (Neuwahl der Menüpunkte Haus und Porträts erforderlich) [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 15. April 2021 Seine aus dem jüdischen Kulturkreis stammende Familie hatte Mitglieder zu beklagen, die in der Zeit des Nationalsozialismus dem Holocaust zum Opfer fielen. Fürsts Vater war Holocaust-Überlebender, hatte sich nach Kriegsende aber bewusst gegen eine Auswanderung entschieden und wurde Neubegründer der Jüdischen Gemeinde in Hannover. Michael Fürst wuchs in der frühen Nachkriegszeit in der durch die Luftangriffe auf Hannover zu 90 Prozent zerstörten InnenstadtWaldemar R. Röhrbein: „Wunder von Hannover“. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 687. zwischen Trümmerfeldern in der Oststadt auf, im Haus Bödekerstraße 39a (heute Hausnummer 92), in dem schon sein Vater aufgewachsen war.Heiko Randermann: Interview / Michael Fürst: „Die Oststadt ist für mich Heimat.“, Artikel auf der Seite der Tageszeitung Neue Presse (NP) vom 18. November 2009

Im Jahr 1968 wurde Fürst erster jüdischer Reserveoffizier der Bundeswehr. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen erhielt Fürst 1976 die Zulassung als Rechtsanwalt und 1984 die Zulassung als Notar.

Bereits 1980 wurde Fürst zum Präsidenten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen gewählt. Seit 2007 ist Michael Fürst Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Hannover, der Ende 2020 6383 Mitglieder hatte, die sich auf 12 Gemeinden verteilten.Jüdisches Leben in Niedersachsen, lebendig, wertvoll und bereichernd. Zweiter Jahresbericht (2021), S. 116. (Digitalisat auf mj.niedersachsen.de, abgerufen am 13. Januar 2024) Im Jahr 2022 zählte der Verband 3860 Mitglieder. Im Mai 2025 kündigte Fürst an, dass er 2027 – dann 80-jährig – das Amt des Landesvorsitzenden abgeben wolle.Simon Benne: Jüdische Gemeinde Hannover: Der Vorsitzende Michael Fürst tritt zurück – und spricht über Gründe in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. Mai 2025

Ehrenämter Im Jahr 1982o.V: Die Geschichte des TECHNION auf der Seite deutsche-technion-gesellschaft.de [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 15. April 2021 war Michael Fürst Gründungsmitglied der Deutschen Technion-Gesellschaft, in der er sich als Mitglied des Vorstands mehr als vier Jahrzehnte engagierte. Hierfür wurde Fürst am 28. Januar 2021 zum Ehrensenator der Leibniz Universität Hannover (LUH) ernannt. Zu den Gründen erläuterte LUH-Präsident Volker Epping unter anderem: „Neben seinem gesellschaftlichen Engagement hat Michael Fürst hohe Verdienste um die Förderung der Wissenschaft erworben, insbesondere hinsichtlich der wissenschaftlichen Zusammenarbeit von niedersächsischen Universitäten mit solchen in Israel und den palästinensischen Gebieten sowie deren wissenschaftlichen Nachwuchs.“o. V.: Ehrung für Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Presseinformation vom 29. Januar 2021 auf der Seite uni-hannover.de

mini|Fürst bei einer Ansprache zum Unabhängigkeitstag Israels in der Synagoge in der Haeckelstraße, 2014 mini|Fürst bei einer Rede während der Demonstration Bunt statt braun kurz nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Links der Vorsitzende des Moscheenverbands Schura Niedersachsen, Avni Altiner, 2015

Fürst pflegt Kontakte zu allen christlichen Konfessionen und beteiligt sich am Dialog zwischen der jüdischen und der palästinensischen Gemeinde. Neben regelmäßig von Fürst mitgestalteten interreligiösen Dialogen gilt „sein bisweilen auch kämpferischer Einsatz für eine lebendige Erinnerungskultur in Hannover“ als beispielgebend. So bezeichnete Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok Fürst anlässlich der Verleihung der Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover (Stadtplakette) an den Geehrten als „Motor“ für Aktionen wie etwa den „Kippa Walk“ gegen das „Gift des Antisemitismus“. Während der Ehrung im Neuen Rathaus wurden die zahlreichen von Michael Fürst initiierten Veranstaltungen gewürdigt und insbesondere Fürsts Aufklärungsarbeit an hannoverschen Schulen, an denen er den Schülern „authentisch und sehr persönlich“ das Schicksal seiner eigenen Familie nahebrachte.

Privates Aus der 1970 in Hannover eingegangenen Ehe mit Gabriele Giske (1947–2017) stammen zwei Töchter. 2011 heiratete Fürst in Bad Homburg die Journalistin Claudia Pörings.o. V.: Claudia Pörings auf der Team-Seite kairos-ceo-consulting.com [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 2. November 2025

Ehrungen 1995: Verdienstkreuz 1. Klasse des Niedersächsischen VerdienstordenTribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums, Band 35 (1996), Ausgaben 137 – 140, S. 62ff.; 2016: Niedersächsischer Integrationspreis, zusammen mit dem Vorsitzenden der palästinensischen Gemeinde Hannover, Yazid Shammout 2018: Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannovero. V.: Stadtplakette für UFU-Vorsitzende Renée Bergmann auf der Seite uf-hannover.net vom 9. Juli 2018, zuletzt abgerufen am 15. April 2021 und Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Hannover 2022: Großes Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens 2025: Karmarsch-Denkmünze, gemeinsam mit Yazid Shammout 2026: Niedersächsische Landesmedaille

Schriften (mit Rebekka Brouwer): Gedenkorte im Spannungsfeld von Verlust, Störung, Zerstörung und Zugewinn an Bedeutung. Einblicke in die Erfahrungslandschaft aus der Perspektive des Präsidenten des Landesverbandes von jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, in: Stephan Schaede, Rebekka Brouwer (Hrsg.): Vom angemessenen Umgang mit Gedenkorten. Aufgaben einer Zeitgemäßen Erinnerungspolitik (= Loccumer Protokolle, Reihe 14, Heft 71). Schrift zur gleichnamigen Veranstaltung 2014 in Rehburg-Loccum, Evangelische Akademie Loccum, Rehburg-Loccum 2015, ISBN 3-8172-7114-X und ISBN 978-3-8172-7114-6, S. 11–12.

Siehe auch Geschichte der Juden in Hannover

Literatur

Weblinks

Michael Fürst, auf der Seite der Anwaltskanzlei Hiller-Fürst-Debertin (gregor-recht.de) Ralf Balke: Interview / „Eine unglaubliche Zeit“ / Michael Fürst über sein 40. Dienstjubiläum als Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Artikel vom 10. September 2020 auf der Seite der Jüdischen Allgemeinen BBC News: Jews in the German Army: Different generations reflect on changing attitudes. 19. August 2023 Michael Fürst: Fünf Jahrzehnte Einsatz für jüdisches Leben am 21. August 2026 auf ndr.de (Interview mit Tullio Puoti)

Einzelnachweise

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