Johann Caspar Sperling (* um 1675; † vor 15. Mai 1743 in Rostock) war ein deutscher Orgelbauer.
Leben Caspar Sperling stammte wahrscheinlich aus Quedlinburg. Sein Vater, Nicolaus Sperling, hatte beim Orgelbauer Jürgen Nothnagel in Quedlinburg gelernt. 1697/1698 war Caspar Sperling Gehilfe des Orgelbauers Christian Vogel aus Halberstadt. Sperling baute im nördlichen Vorland des Harzes neue Orgeln für St. Aegidii (1703) und St. Blasii in Quedlinburg (1714/1715). Für die Kirche in Ditfurt besorgte er 1713–1714 eine Erweiterung der bestehenden Orgel. Er kam um 1700 aus Quedlinburg nach Rostock und baute hier 1706 für St. Nikolai und 1735 für St. Petri je eine neue Orgel. In Rostock war er spätestens seit 1709 ansässig und war dort Lehrmeister für den Orgelbauer Paul Schmidt. Dieser schrieb selbst in einem Brief vom 25. Mai 1790, dass er bei seinem seeligen Lehrmeister Caspar Sperling gelernt habe. 1718 wurde Sperling vom Rostocker Rat mit der Aufsicht über sämtliche Orgeln der Kirchen betraut. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode aus. Bei einer Durchreise durch Tangermünde 1703 schätzte er die Reparatur der dortigen Scherer-Orgel auf 800 Taler.Christoph Lehmann: 375 Jahre Scherer-Orgel Tangermünde. Die größte Renaissance-Orgel der Welt. Freimut & Selbst, Berlin 2014, S. 140. In den Jahren 1708 bis 1711 errichtete er in Plau am See eine Orgel. Reinhard Jaehn, Karl Eschenburg, Wolfhard Eschenburg: Orgeln in Mecklenburg. Hinstorff, Rostock 2008, S. 98. In der Marktkirche Goslar erbaute Sperling 1719–1721 eine dreimanualige Orgel. 1722/1723 war hier der spätere Orgelbauer Johann Wilhelm Gloger Geselle von Sperling. In den Jahren 1726–1729 arbeitete Sperling in der Hamburger St. Petri-Kirche.Günter Seggermann: Geschichte der Orgeln in der Hamburger Hauptkirche St. Petri vom 16. Jahrhundert bis Heute. Orgelbau-Fachverlag Rensch, Lauffen 1992. S. 10. In seinem Buch Grund-Regeln von der Structur und den Requisitis einer untadelhaften Orgel bemerkte der Organist von St. Petri Georg Preus:
Ab 1712 war er auch für das Fürstentum Anhalt-Zerbst tätig. Zwischen 1712 und 1719 errichtete er die Orgel der Zerbster Schlosskapelle. Ein weiteres Werk errichtete Sperling 1729 in der St.-Bartholomäus-Kirche in Damgarten. 1734 entstand eine Orgel für die Kapelle des nordwestlich von Zerbst gelegenen Lustschlosses Friederikenberg. Im Jahre 1737 wurde Sperlings Orgel in der Schloßkirche Dornburg geweiht. Im gleichen Jahr erhielt er den Auftrag zum Bau einer Orgel in der Zerbster Waisenhauskirche und dafür 150 Taler Anzahlung. Diesen Auftrag führte er aber nie aus. In Rostock unterschrieb er im Jahre 1742 mit stark zitternder HandErhard Micklisch: Caspar Sperling - Dornburger Orgelbauer. In: Zerbster Heimatkalender 2005. Heimatverein Zerbst e. V. Zerbst 2005, S. 82. einen Kontrakt zur Reparatur der Orgel der Pfarrkirche in Güstrow. Als Caspar Sperling 1743 starb, hinterließ er seine Werkstatt seinem Mitarbeiter Christian Ordtmann, der am 15. Mai 1743 als Nachfolger einen Vertrag über die Aufsicht der Rostocker Orgeln unterschrieb.
Werk Die Größe der Instrumente wird in der fünften Spalte durch die Anzahl der Manuale und die Anzahl der klingenden Register in der sechsten Spalte angezeigt. Ein großes „P“ steht für ein selbstständiges Pedal, ein kleines „p“ für ein angehängtes Pedal. Eine Kursivierung zeigt an, dass die betreffende Orgel nicht mehr erhalten ist. Jahr Ort Gebäude Bild| Manuale Register Bemerkungen1703QuedlinburgSt. Aegidiizentriert|160x160px II/P 17 Prospekt der Orgel von Jürgen Nothnagel (1651); 2013 durch Orgelbau Lodahl restauriert1706RostockSt. Nikolai nicht erhalten1708–1711Plau am SeeSt. Marien nicht erhaltenum 1710BoddinDorfkircheBild der Orgel Orgel stiftete Christian Wilhelm von Lehsten. Sperling hat sie für 232 Taler gebaut, Einbau einer neuen Orgel 1871 durch Friedrich Friese III; nur Prospekt von Sperling erhaltenFestschrift: 720 Jahre Boddin. online, abgerufen am 16. April 2021 (PDF; 379 MB)1712–1719ZerbstSchlosskapelle II/Pnicht erhalten1713–1714DitfurtSt. Bonifatius 24Geschichte der Kirche Ditfurt online, abgerufen am 16. April 2021Erweiterung der bestehenden Orgel durch Sperling, nicht erhalten1714–1715QuedlinburgSt. Blasii nicht erhalten1714–1721GoslarSt. Cosmas und Damian III/Pnicht erhalten1722–1726NehringenSt. Andreaszentriert|160x160px??Gehäuse verändert erhalten, Werk von Mehmel1729DamgartenSt. Bartholomäus I/P7nicht erhalten, 1848 durch eine Buchholz-Orgel mit II/P/13 ersetzt.1734Schloss FriederikenburgSchlosskapelle nicht erhalten1735RostockSt. Petrizentriert|160x160px nicht erhalten, durch Bombenangriff im April 1942 zerstört1737DornburgSt. ChristophorusBild der OrgelI/P7ursprünglich für die Dornburger Schloßkirche gefertigt, um 1756 nach St. Christophorus verbracht, dabei in neues Gehäuse von Johann Georg Gauß eingebaut, 2012 durch Orgelbau Hüfken restauriert
Literatur Ludwig Gerber: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler, Vierter Theil, S-Z. Kühnel, Leipzig 1814, S. 233. Walter Haacke: Caspar Sperling, ein Orgelbauer in Norddeutschland zur Bach - Zeit. in The Organ Yearbook 6. Amsterdam 1975. S. 87–99.
Weblinks Beitrag über die Lebensgeschichte Sperlings
Einzelnachweise
Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Sachsen-Anhalt Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1743 Kategorie:Mann