Ein Bildband ist eine auf einen Zelluloidstreifen belichtete Folge von Positiv-Einzelbildern (s. Diapositiv), die über ein Projektionsgerät an eine Leinwand projiziert werden kann. Andere zeittypische Bezeichnungen sind Dia-Filmband, Diafilm, Stehfilm, Filmstehbild, Einbildstreifen und Dia-Rollfilm. Im französischsprachigen Ausland ist die Bezeichnung Film fixe üblich, in englischsprachigen Regionen Filmstrip.

Materialität

Das Grundmaterial

Zellulosenitrat als flexibles Trägermaterial, auf das fotografische Bilder belichtet werden konnten, war seit 1888 im Einsatz in der Kinematographie.Antonia und William Kennedy Laurie Dickson: History of the Kinetograph, Kinetoscope, and Kinetophonograph, New York: The Museum of Modern Art 2000 (Faksimile der Erstausgabe: New York: Albert Bunn 1895), S. 12. Die leichte Entflammbarkeit der Nitratfilme und mehrere Feuerkatastrophen mit Personenschaden nötigten bald zur Entwicklung des sogenannten Sicherheitsfilms aus Zelluloseacetat. Bildbänder existieren in folgenden Formaten: 16, 28, 35, 55 mm.

mini|alt=Bildbandformate|Verschiedene Bildbandformate

Herstellung

Die einzelnen Fotografien konnten entweder in Längsrichtung im Stummfilm-Kinoformat von 18 × 24 mm (=single frame) oder quer im sogenannten Leica-Format von 24 × 36 mm (double frame) auf den Filmstreifen belichtet werden. In Deutschland, dem Heimatland der Leica, setzte sich letzteres durch. Ein Bildband konnte im ‚Durchlaufverfahren‘ oder in ‚Einzelbildbehandlung‘ hergestellt werden. Im ersteren Fall wurden sämtliche Bilder eines Negativfilms auf einmal und mit einer konstanten Durchschnittsbeleuchtung kopiert, im zweiten alle Bilder einzeln, was individuelle Anpassungen der Helligkeit entsprechend ihrer Lichtdichte und das Aussortieren schlechten Materials ermöglichte.

Auch die Selbstanfertigung von Bildbändern, z. B. mit Skizzen und Diagrammen, war vorgesehen. Hierfür wurden vermutlich ab den 1940er-Jahren spezielle "Do-it-yourself"-Kits angeboten, die vorbereitete Filmstreifen, Tinten und Farben enthielten, mit denen auf den Film direkt gezeichnet werden konnte. Fotografisches Material konnte auch mit der eigenen Kamera hergestellt werden. Mit Kopiergeräten wie dem Ilford Printer oder dem Leitz Eldia war es möglich, ein Band eins zu eins zu kopieren. Die Kompilation von Fotografien, selbst gezeichneten Elementen, Titeln und Texteinlagen konnte jedoch einen weiteren Zwischenschritt notwendig machen, bei dem das so vorbereitete Rohmaterial nochmals abfotografiert wurde, so dass ein Master-Band entstand.

Vorlagen

Die bei der Herstellung zugrundegelegten Reproduktionsvorlagen bestimmten gemeinsam mit der Reproduktionstechnik die Qualität des künftigen Bildbandes: Kinematographische Filme, aus denen Standbilder erzeugt wurden, Fotografische Standbild-Negative (hier wiederum fachmännische Aufnahmen oder Amateuraufnahmen), und Gedruckte Vorlagen (Kunstdrucke, Bücher, z. B. Kinderbücher, oder Postkarten).

mini|alt=Filmoli-Bildband von Ansichtskarte mit Raster|Von Ansichtskarte abfotografiertes Bild, Hersteller: „Filmoli“ mini|alt=Nachträglich koloriertes Einzelbild|Nachträglich koloriertes Einzelbild aus einem kinematographischen Film, Hersteller: „Liesegang“ Die Benutzung minderwertiger Papiervorlagen, vor allem von druckrasterhaltigen Postkarten, führte zu einem gravierenden Qualitätsverlust.Hans Ammann: Lichtbild und Film in Unterricht und Volksbildung. Lehrbuch der Technik, Pädagogik, Methodik und Ästhetik des Lichtbildes, München: Deutscher Volksverlag 1936, S. 52. Dennoch wurden die Bänder offenbar verkauft, da sie sich in entsprechenden Sammlungen wiederfinden. Das offenbar skrupellose Geschäftsgebaren der reisenden Vertreter bildete in Deutschland einen großen Kritikpunkt an der Bildbandproduktion.Fritz Schimmer: Untersuchungen über das Filmstehbild, Reihe: Schriften zur Didaktik des Lichtbildes, hrsg. von der Sächsischen Landesbildstelle, Dresden, Leipzig: E. A. Seemann o. J. (vermutlich 1927), S. 3, 7 und S. 25. Ein weiteres sich bei der Projektion negativ bemerkbar machender Aspekt war die unterschiedliche Größe der Einzelbilder. Alle Bildbänder konnten in Schwarzweiß, gefärbt (meistens Sepia, von Pathé sind jedoch auch blau oder magenta gefärbte Exemplare bekannt analog der Kolorierung früher Kinofilme) oder – bei entsprechendem Aufpreis – per Hand oder Schablone koloriert in den Handel gebracht werden. Für den Schulbetrieb wurden kolorierte Bänder in Deutschland als untragbar empfunden.Schimmer, Filmstehbild, S. 9. Seit Ende der 1930er Jahre gab es zumindest in Deutschland Bildbänder auf Umkehrfilm (Agfacolor). In größerem Umfang kamen sie jedoch erst in den 1950er Jahren zum Einsatz.

Ein Bildband von etwa einem Meter Länge konnte eine Reihe von rund 50 Glasdias mit einem Gewicht von knapp vier Kilogramm ersetzen und gewannen daher rasch an Beliebtheit. Um 1930 bezeichnete sie ein Autor als „für Schulung und Unterricht ganz unentbehrlich“, dem Glasbilddia schon allein deshalb überlegen, da die Reihenfolge der Einzelbilder nicht durcheinander kommen konnte und kein Bild falsch herum in den Projektor geschoben werden konnte. Die dünnen, ungeschützten Filmstreifen waren allerdings auch anfälliger für Umwelteinflüsse – ihre Lebensdauer war wesentlich geringer und reichte je nach verwendetem Projektionsapparat von 20 bis 80 Vorführungen, ehe erste „Regenstreifen“ erschienen, was ihren günstigen Preis gegenüber dem gerahmten Glasbilddia („Laternenbild“) relativierte.Schimmer, Filmstehbild, S. 22/23.

Bild und Kontextualisierung Die Bilder eines Bildbandes konnten auf mehrfache Weise für den Betrachter erschlossen werden, wobei die Information auf dem Film selbst mit belichtet oder als Zusatzmaterial mitgeliefert wurde. Die Erschließungsmöglichkeiten existierten in einigen Fällen nebeneinander, so dass dem Bild eine Basisinformation beigegeben war, während ein Text Vertiefung bot. Untertitel, Überschriften und/oder Zwischentexte Hefte mit Vortragstext Schallplatten oder Kassetten mit gesprochenem Text Radiosendungen Zeitschriften und Bücher mit Hinweisen zur Verwendung der visuellen Hilfsmittel im Unterricht wurden entweder von den Herstellern der Bildbänder, oder Lehrmittelverlagen herausgegeben.

Die Anwendung von Text im, unter oder über dem Bild wurde kontrovers diskutiert. Deutsche Bildbänder enthalten zumeist keinerlei Untertitel, Pathé untertitelte. Eine "einfache Benennung" der Bilder wurde zum Beispiel im Essay "Possibilities of a Filmstrip" (GB, 1944) befürwortet, doch sollte der Grundsatz "weniger ist mehr" gelten. mini|alt=Bildband mit Zwischentexten|Ein Bildband im Leica-Format mit Zwischentexten, Hersteller: „DEFA“

Multimedialität Zahlreiche Anbieter von Bildbändern benutzten ihren Vorrat an Bildmaterial, um verschiedene Medien zu belichten und die Absatzmöglichkeiten damit zu erweitern. In den frühen Jahren waren dies meist Glasdiapositive und Bildbänder (z. B. die Verlage „Projection für Alle“ und „E. A. Seemann“). Der französische Hersteller Pathé benutzte Stills aus seinen kinematographischen Filmen (z. B. eine Ägyptenreise oder eine Venedigreise), stellte sie neu zusammen und versah sie mit entsprechenden Untertiteln als Bildband. Der „Pathéo-Roman“ erzählte Spielfilme in Standbildern und Zwischentexten nach, wie etwa den 1927 uraufgeführten „Napoléon“. In der DDR produzierte die Firma „Mikrolux“ Bildbänder, Kleinbilddias und Stereobilder mit touristischen Motiven und den beliebten Teddy- und Mäcki-Puppen.

Aufbewahrung Im Laufe der Zeit wurden diverse Aufbewahrungsmöglichkeiten entwickelt, die sowohl darauf abzielten, dem empfindlichen Film das Maximum an Schutz zu bieten, als auch seine rasche Verwendbarkeit im jeweiligen Projektionssystem (und ggf. eine Produktbindung) sicherzustellen. Auf den Dosen konnte außerdem ein Miniaturbild, Beschriftungen, Informationen zum Vertrieb und Ähnliches Platz finden. Eine Besonderheit der Pathé-Bildbänder sind die Metallkrampen an Anfang und Ende des Filmes, die ein Durchrutschen im Betrachter „Pathéorama“ verhinderten. mini|alt=Bildbänder aus England auf Holzspule|Bildbänder aus England auf Holzspule in Metalldose, 1940er Jahre, Hersteller: „Newton“ Film mitsamt Spule aus Holz oder Metall im Angebot Film ohne Spule Metallkanister, Papphüllen, Pappdosen, Bakelit- oder Plastedosen für Einzelaufbewahrung Film in geschlossener Kassette (Aspectar) Spezielle Boxen für Reihen und Sammlungen mit einzelnen Fächern/Löchern für die Bildbänder und ggf. integriertem Katalognummernsystem mini|alt=Bildbändersammlung in einer Holzkiste|Bildbändersammlung in einer Holzkiste, um 1960

Geschichte

Die Erfindung des Bildbandes Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete „Bildband“ auch das bewegte Bild, das mit Edisons Kinetskop gezeigt werden konnte.Ottomar Volkmer: Die chrono-photographische Aufnahme, in: Organ der Militärwissenschaftlichen Vereine Nr. 54 (1897), S. 65–100, bes. 75f. Wo das Bildband letztlich erfunden wurde, oder ob es sich um eine relativ gleichzeitige Neuerung handelte, ist bisher nicht mit Sicherheit geklärt. Die kalifornische StillFilm-Company scheint ab 1918 produziert zu haben.Ben F. Holland, Horace C. Hartsell, Raymond L. Davidson: Audio-Visual Materials and Devices, Lubbock 1958, S. 74: „The term Stillfilm referred to a new type of teaching material introduced by the Stillfilm Company of Los Angeles in 1918“, ohne Nachweis. Das entsprechende Patent wurde von Stillfilm Inc. erst 1928 eingereicht, die Bildbänder waren jedoch auf jeden Fall bereits seit 1925 in Benutzung, wie entsprechende Copyrightangaben auf den Bändern selbst zeigen. Die Bildbänder dieser Firma, die bis wenigstens in die 1930er Jahre produziert wurden, waren 55 mm breite, unperforierte Streifen, die in einer Metallspule eingespannt in einer zugehörigen Metalldose ausgeliefert wurden. Zwischen den einzelnen Bildern befand sich ein kurzer erklärender Text. 1921 reichte der französische Filmpionier Charles Pathé (1863–1957) ein Patent für einen Einzelbetrachter ein – das Pathéorama, eine handliche Box mit Lichtfenster und Gucklinse sowie einem Drehknopf zum Bewegen des Bildbandes. Ein Jahr darauf stellte Pathé einen zugehörigen Projektor vor, in den das Pathéorama eingeschoben werden konnte. Pathé benutzte den damals üblichen 35-mm-Film, trennte die Perforierung jedoch einseitig ab – was die Benutzung seiner Bänder nur in seinen Geräten ermöglichte.Patent Nr. 534.375 und Patent Nr. 24.748, Valérie Vignaux: „Le film fixe Pathéorama (1921) ou généalogie d’une invention“, in: Tréma. Revue internationale en sciences de l’éducation et didactique, No. 41 (2014), S. 36–43, hier S. 2, <http://journals.openedition.org/trema/3128> (zuletzt abgerufen am 23. September 2019). Schon 1922 ließ sich jedoch auch die amerikanische Society for Visual Education (SVE) ihr „Film-Stereopticon“ patentieren, den Stammvater der erfolgreichen „Picturol“-Serie. Frühe deutsche Bildbandverlage waren der „Filmdienst“ in Dresden (später „Filmosto“) und die berühmte Projektorenfirma Liesegang, die auch bereits um 1920 "Filmbandstreifen" anbot.

Deutschland Weimarer Republik