Die Sozialpsychiatrie ist eine Arbeitsrichtung innerhalb der Psychiatrie, die sich mit sozialen Ursachen und Folgen psychischer Störungen beschäftigt. Sie kann als sozialmedizinischer Zweig der Psychiatrie verstanden werdenRudolf Degkwitz et al. (Hrsg.): Psychisch krank; Einführung in die Psychiatrie für das klinische Studium. Urban & Schwarzenberg, München 1982, ISBN 3-541-09911-9; S. 431 ff., insbes. S. 441 und als Antwort auf Fragen der Antipsychiatrie. Schwerpunkt ist die Ursachenforschung, insbesondere die familiären und sozialen Beziehungen und die gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bedingungen, sowie die daraus ableitbaren Therapien.
Arbeitsgebiete der Sozialpsychiatrie sind die Epidemiologie, die Soziotherapie, Versorgungs- und Rehabilitationseinrichtungen für psychisch Kranke und die sozialpsychiatrischen Dienste.
Als Beginn der Sozialpsychiatrie betrachtet Asmus Finzen die Moralische Behandlung.Asmus Finzen: Das Pinelsche Pendel. Die Dimension des Sozialen im Zeitalter der biologischen Psychiatrie. 1. Auflage. Edition Das Narrenschiff im Psychiatrie-Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-88414-287-9, S. 11 ff. Damit verbunden ist auch die Frage der sogenannten Armen Irren.
Gemeindepsychiatrie Die Gemeindepsychiatrie ist die praktische Anwendung der Sozialpsychiatrie im Sinne einer vernetzten psychiatrischen Versorgung in den Gemeinden, um die Ausgrenzung und eine institutionelle Unterbringung psychisch kranker Menschen zu vermeiden. In einigen deutschen Bundesländern und in der Schweiz wird der Begriff Gemeindepsychiatrie als Synonym zu Sozialpsychiatrie verstanden.
Dazu werden gezählt: Psychiatrische Stationen an allgemeinen Krankenhäusern Psychiatrische Institutsambulanzen (PIA) Tageskliniken (teilstationäre Krankenhausbehandlung an psychiatrischen Kliniken oder Institutsambulanzen) Sozialpsychiatrische Dienste der Landkreise und Städte Tagesstätten (ohne ärztliche Versorgung) Home treatmentFolienvortrag Home treatment (PDF; 1,4 MB) (PDF)Krisenpension – Außenstationäre Krisenbegleitung (ambulante Betreuung der Kliniken) Arbeitsangebote wie z. B. Werkstätten für behinderte Menschen weitere Arbeits- und Wiedereingliederungsangebote, z. B. Berufliche Integrationsmaßnahmen Kontakt- und Beratungsstellen von freien Trägern Betreutes Wohnen (BeWo), auch Hilfe zum selbstständigen Wohnen genannt ambulante psychiatrische Pflege (APP)
Angebote wie Ergotherapie, Musiktherapie, Tanztherapie, Sport und Gespräche werden in den Tageskliniken und Tagesstätten angeboten. Das Persönliche Budget ist seit 2008 eine neue Form der Finanzierung. Menschen mit Behinderung erhalten Geld, um Hilfe- und Assistenzleistungen einzukaufen.
Die Gemeindepsychiatrie kann, wie auch die Antipsychiatriebewegung, als Antwort auf eine unzureichende Versorgung in großen psychiatrischen Anstalten verstanden werden.
In einigen Landkreisen und Städten haben sich (GpZ) oder (SPZ) etabliert.schwerpunktmäßig im Zuständigkeitsbereich des Landschaftsverbandes Rheinland, siehe Liste der SPZ im Rheinland (PDF; 165 kB) Gemeindenah werden hier verschiedene ambulante Hilfsangebote unter einem Dach zusammengefasst, zum Beispiel der Sozialpsychiatrische Dienst, Kontakt- und Beratungsstellen, Tagesstätten mit Arbeits- und Beschäftigungsangeboten, Betreutes Wohnen, Ambulante psychiatrische Pflege, Hilfen für Menschen im Alter und Hilfen für Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern.Beispiel Köln: psychiatrie-koeln.de
Literatur
Martin Wollschläger (Hrsg.): Sozialpsychiatrie. Entwicklungen – Kontroversen – Perspektiven. Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Tübingen 2001, ISBN 3-87159-038-X. Jakob Christ: Erlebte Sozialpsychiatrie. Von amerikanischen Anfängen und europäischen Traditionen. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2002, ISBN 978-3-88414-302-5. Michael Konrad, Sabine Schock, Joachim Jäger: Dezentrale Heimversorgung in der Sozialpsychiatrie. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2006, ISBN 978-3-88414-411-4. Matthias Krisor: Aufgehoben in der Gemeinde. Entwicklung und Verankerung einer offenen Psychiatrie. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2005, ISBN 978-3-88414-387-2. Bernhardt Schwarz, Klaus Weise, Achim Thom (Hrsg.): Sozialpsychiatrie in der sozialistischen Gesellschaft. Thieme, Leipzig 1971, . Betroffeneninitiative Durchblick/Sächsische Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (Hrsg.): Von den Rodewischer Thesen zum Gemeindepsychiatrischen Verbund. In: Symptom. Leipziger Beiträge zu Psychiatrie und Verrücktheit. Nr. 5, Leipzig 2000, (Zu sozialpsychiatrischen Ansätzen in der DDR).
Siehe auch Vergleichende Psychiatrie Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Weblinks
Weitere Informationen über Sozialpsychiatrie Information über Gemeindepsychiatrie Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie Schweizerische Gesellschaft für Sozialpsychiatrie SGSP Sekt. Deutschschweiz
Einzelnachweise
Kategorie:Psychiatrie Kategorie:Soziale Arbeit