Młynarska Wola () ist ein Dorf in der Stadt-und-Land-Gemeinde Młynary (Mühlhausen) im Powiat Elbląski (KreisElbing) der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.
Geographische Lage Młynarska Wola liegt im ehemaligen Ostpreußen in der Landschaft Ermland-Masuren, etwa zweieinhalb Kilometer östlich von Młynary (Mühlhausen i. Ostpr.), fünfzehn Kilometer nordnordöstlich von Pasłęk (Preußisch Holland), 26 Kilometer nordöstlich der heutigen Kreismetropole Elbląg (Elbing) und 66 Kilometer nordwestlich der Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn (Allenstein).
Durch die Ortschaft fließt das Flüsschen Gardyna (Gardiene).
Geschichte Im Deutschordensstaat, in dem es deutsche und preußische Dörfer gab, zählte Herrendorf im 14. Jahrhundert zu den deutschen Dörfern im Kammeramt Burdein oder Bordehnen.Lotar Weber: Preussen vor 500 Jahren in culturhistorischer, statistischer und militairischer Beziehung nebst Special-Geographie. Bertling, Danzig 1878, S. 460–462. Das Kammeramt wurde von der Burg Burdein aus verwaltet, deren genauer Standort in der Neuzeit nicht mehr bestimmt werden konnte.Albert Ludwig Ewald: Die Eroberung Preußens durch die Deutschen. Band 4: Die große Erhebung der Preußen und die Eroberung der östlichen Landschaften. Mit einer Orientierungskarte. Halle 1886, S. 249. In einer am 3. November 1522 seinem Rat Peter von Dhona (Dohna, früher auch Donaw), Ordenshauptmann auf Mühlhausen, beurkundeten Entschädigungszusage bezeichnet Hochmeister Albrecht von Brandenburg die Dörfer Herrendorf, Ebersbach, Lauck und Hermersdorf als dessen alte Güter, die er ihm wieder verleihen wolle, wenn sie wieder unter den Orden kämen.Georg Conrad: Regesten ausgewählter Urkunden des reichsburggräflich und gräflich Dohnaschen Majoratsarchivs in Lauck (Ostpr.). Mit Anmerkungen. In: Altpreußische Monatsschrift. Band 32, Königsberg i. Pr. 1895, S. 519–554, insbesondere S. 531–532. Peter von Dohna hatte am Reiterkrieg gegen Polen teilgenommen; die Güter kamen 1527 erst wieder in seine Hände. Ihn überlebten acht Söhne und eine Tochter. Ein Jahr vor seinem Tod, 1552, verfasste er handschriftlich ein an seine Nachkommen gerichtetes Memorandum, in dem er seinen Besitzstand umriss. Unter den zwölf Gütern, die er darin sein eigen nennt, war auch Herrendorff.Siegmar Friedrich von Dohna: Die Dohna’s. Aufzeichnungen über die Vergangenheit der Familie Dohna. Band 1, Berlin 1877, S. 42.
Im Jahr 1785 wird Herrndorf als ein adliges Kirchdorf mit 35 Feuerstellen (Haushaltungen) beschrieben, das sich im Besitz des Grafen Dohna auf Schlobitten befindet und dessen Kirche die Mutterkirche von Schlobitten ist. Den Status eines adligen Dorfs, das zum adligen Gut Schlobitten gehört, hatte Herrendorff auch noch 1858; 1864 wird Herrendorf unter den Gemeindebezirken aufgeführt.
Herrndorf gehörte im Jahr 1945 zum Landkreis Preußisch Holland im Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, und war in den Amtsbezirk Schlobitten eingegliedert.Amtsbezirk Schlobitten – territorial.de (R. Jehke, 2005)
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde die südliche Hälfte Ostpreußens mit Herrndorf von Teil Polens.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1780 – 35 Feuerstellen (Haushaltungen)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen, Marienwerder 1785; Anhang: Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 66. 1818 244 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: Gr–Ko, Halle 1821, S. 175. 1858 373 davon 372 Evangelische und eine katholische Person, auf einer Fläche von 2547 MorgenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 118, Ziffer 78.1864 441 am 3. DezemberPreußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: 9. Kreis Pr. Holland. Berlin 1966, S. 10, Ziffer 63. 1867 446 am 3. Dezember 1871 449 am 1. Dezember, davon 429 Evangelische und 20 KatholikenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 174–175, Ziffer 36. 1910 399 am 1. DezemberHerrndorf, Kreis Preußisch Holland, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Herrndorf). 1933 489 1939 470 2021 202 Polska w Liczbach: Wieś Młynarska Wola w liczbach (polnisch)
Religion Kirchengebäude Das Kirchengebäude in Młynarska Wola soll aus der Ordenszeit stammenAgathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen. S. Nipkow, Neidenburg 1890, S. 140–141.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 279. und Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet worden sein.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 74, Abb. 271 Der chorlose Backsteinbau wurde nach Zerstörungen an der Wende vom 15./16. Jahrhundert im Jahre 1593 restauriert. Ein ein im Jahre 1705 errichteter Holzturm wurde im Jahre 1823 restauriert. Auf der Wetterfahne war das Wappen derer von Dohna-Schlobitten zu sehen.
1872 wurde anlässlich einer umfassenden Renovierung eine Gipsdecke in den möglicherweise früher gewölbten Innenraum eingezogen. Der Altar von 1694 ist eine wertvolle Schnitzarbeit der Kreuzigung Jesu im Hauptgeschoss. Die Kanzel stammte aus 1875, die Orgel war von 1856.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Kirchengebäude für einige Zeit als Getreidespeicher der Roten Armee. Die Glocken und die Turmuhr sollen in die Kirche in Młynary (Mühlhausen i. Ostpr.) verbracht worden sein, und der Altar nach Olsztyn (Allenstein). Die Herrndorfer Kirche ist baulich den veränderten Bräuchen der jetzigen Nutzung durch die Polnisch-Orthodoxen Kirche angepasst worden.
Evangelische Kirche Kirchengeschichte: In Herrndorf wurde mit der Reformation die lutherische Konfession eingeführt. Ursprünglich war das Dorf zu Mühlhausen eingepfarrt. 1594 wurde hier eine eigenständige Kirchengemeinde errichtet, die aber noch bis 1604 von Mühlhausen aus versorgt wurde. Ab 1604 war die Gutskirche von Schlobitten eine Filiale von Herrndorf.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band III: Das Oberland, Bernhard Teichert, Königsberg 1893, S. 30–31. Bis 1945 waren dann Herrndorf und Schlobitten „Vereinigte Kirchengemeinden“,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 471. deren Pfarrsitz Herrndorf war und dort aus von 1604 bis 1945 die Pfarrer amtierten.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 54. Im Jahre 1925 zählte der Sprengel Herrndorf der vereinigten Kirchengemeinden Herrndorf-Schlobitten 760 von insgesamt 1.480 Gemeindegliedern. Das Kirchenpatronat oblag wie bei der Kirche in Schlobitten der Gutsherrschaft in Schlobitten (Fürst zu Dohna). Die Pfarrei gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam nach 1945 das kirchlich-evangelische Leben in Herrndorf zum Erliegen. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder orientieren sich zur Kirchengemeinde in Młynary (Mühlhausen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte: Bis 1945 gehörten zum Sprengel Herrndorf der Vereinigten Kirchengemeinden Herrndorf-Schlobitten fünf Kirchspielorte: Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Brünneckshof Bronikowo Nikolaiken Mikołajki Herrndorf Młynarska Wola Schönfeld (b. Mühlhausen) Krasinek Monbrunsdorf Bronizszewo
Pfarrer: Als evangelische Geistliche amtierten an der Kirche Herrndorf: Clemens Gericke, 1604–1643 Johann Dölert, 1643–1671 Gottfried Fyrch, 1671–1689 Fabian Langmuth, 1690–1736 Johann Daniel Stüweus, 1737–1768 Ernst Friedrich Hermes, 1768–1777 Johann Gottfried Dreher, 1777–1815 Johann Aug. Hartm. W. Wald, 1815–1822 Friedrich Wilh. Th. Dreist, 1822–1831 Ludwig Housselle, 1832–1833 Karl Leopold Woike, 1833–1849 Karl H. Schiefferdecker, 1849–1874 Carl R. Schiefferdecker, 1874–1883 August Heinr. Kirschstein, 1883–1889 Ernst Moritz May, 1889–1929 Johannes Neumann, 1929–1945
Polnisch-Orthodoxe Kirche Nach vorübergehende Nutzung durch die Sowjetarmee ging die Kirche von Młynarska Wola in das Eigentum der Polnisch-Orthodoxen Kirche () über. Mehrere Jahre lang wurde der Gottesdienst in Młynarska Wola von Geistlichen aus Danzig gehalten.
Römisch-katholische Kirche Herrndorf resp. Młynarska Wola war und ist kein römisch-katholisches Kirchdorf, sondern in die Pfarrei in Młynary (Mühlhausen) eingegliedert.
Verkehr Młynarska Wola liegt an der Woiwodschaftsstraße 509, die die Städte Elbląg (Elbing), Młynary (Mühlhausen i. Ostpr.) und Orneta (Wormditt) verbindet. Eine von Słobity (Schlobitten) im Süden kommende Nebenstraße endet in Młynarska Wola.
Die nächste Bahnstation ist Młynary auf dem Ortsgebiet von Młynarska Wola. Sie liegt an der nicht mehr regulär befahrenen Bahnstrecke Malbork–Braniewo, einem Teilabschnitt der legendären Preußischen Ostbahn, die einst von Berlin nach Königsberg (Preußen) und weiter bis an die litauische Grenze verlief.
Persönlichkeiten Gerhard Spill (1914–1998), Heimatkundler und Hobby-Fotograf, wurde hier geborenQuellen, Findbücher und Inventare des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (Klaus Neitmann, Hrsg.), Band 24, Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-59324-0, S. 134 (eingeschränkte Vorschau).
Weblinks Herrndorf, Landkreis Preußisch Holland – GenWiki
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Młynary