Die Schlacht um Banjarmasin fand vom 31. Januar bis zum 10. Februar 1942 im Süden Borneos zwischen Streitkräften der Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger (KNIL) und Truppen des Japanischen Kaiserreichs während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg statt. In der Folge besetzten die Japaner die Stadt bis zu ihrer Kapitulation 1945.
Vorgeschichte Banjarmasin (andere Schreibweisen Bandjermasin, oder Bandjarmasin, auch Oelin oder Ulin genannt) hatte 1942 rund 70.000 Einwohner. Seit 1786 gehörte die Stadt zum niederländischen Protektorat Niederländisch-Ostindien im heutigen Süd-Kalimantan. Sie liegt an der Mündung des Barito und Martapura und ist größtenteils auf Stelzen gebaut, da sie oft überflutet wird. Banjarmasin war der Sitz des damaligen niederländischen Gouverneurs von Süd- und Ostborneo, B. J. Haga.
Der Tiefwasserhafen ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung, da von hier aus wichtige Güter, wie Kohle und Erdöl ausgeführt werden. Die Erdölraffinerien liegen im direkten Umfeld der Stadt. Dies und das nahe liegende Oelin Flugfeld (heute Selamat Datang di Bandar Udara Internasional Syamsudin Noor) machte Banjarmasin zu einem lohnenswerten strategischen Ziel der japanischen Streitkräfte.
Japanische Planung In Übereinstimmung mit dem Befehl der Südarmee vom 20. November 1941 hatte die 16. Armee der Abteilung unter dem Kommando von Sakaguchi Shizuo befohlen, Kendari auf Celebes und Balikpapan zu erobern. Das Datum zur Operation gegen Banjarmasin war bis zum 28. Januar 1942 noch nicht endgültig festgelegt, da in den Plänen bisher nur „um den 10. Februar“ angegeben war. Zudem herrschte Verwirrung darüber, ob es besser wäre, Makassar und Bali zuvor einzunehmen, um Luftangriffe auf Ost-Java ausführen zu können. Da das Oberkommando der Armee noch nicht über den Plan zur Eroberung von Banjarmasin über Land informiert worden war, wurde per Telegramm angefragt, ob es möglich sei, die Stadt über Land oder durch ein Landungsmanöver entlang der Küste zu erobern. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass es besser wäre, die Stadt zu erobern, um den Erfolg der nachfolgenden Operationen sicherzustellen, auch wenn die Einnahme Banjarmasins nicht rechtzeitig für die Eroberung von Java käme. Am 25. Januar erließ der Befehlshaber der 16. Armee, Generalleutnant Imamura Hitoshi, nach seiner Rückkehr von der Konferenz in Manila nach Gaoxiong den Befehl, Banjarmasin über Land zu erobern. Anschließend genehmigte am 28. Januar das Oberkommando der Armee den Plan, als es endlich klar war, dass die Südarmee einen Plan zur Eroberung der Stadt über Land hatte. Gleichzeitig war damit klar, dass die Marine keinen Angriff von See führen und die Landung nur von der Armee ausgeführt würde.Es gab zu der Zeit große Diskussionen zwischen den Führungsebenen der japanischen Marine und Armee, da viele Operationen fast zeitgleich ausgeführt wurden und weitere in Planung waren. So kam es immer wieder zu Verschiebungen, was oft daran lag, dass entweder zu wenig Transportschiffe zur Verfügung standen, oder die Flugzeugträger an anderen Orten eingesetzt waren.
Am 26. Januar setzte die 11. Luftflotte neun Trägerflugzeuge und 28 Trägerflugzeuge der 2. Trägerdivision (Flugzeugträger Sōryū und Hiryū) ein, nachdem die Angriffe auf Ambon, Balikpapan und Kendari abgeschlossen waren. Am 28. Januar änderte die Einheit zusammen mit der Einstellung der Operation zur Eroberung von Banjarmasin auf dem Seeweg ihre Einsatzlinien.
Vorbereitungen der Japaner Unmittelbar nach der Eroberung von Balikpapan wurde der Sakaguchi-Abteilung befohlen, die Besetzung von Niederländisch-Borneo durch den Einmarsch in die Hauptstadt Banjarmasin abzuschließen.
Noch während der Kämpfe um Balikpapan und auch nach der Besetzung dieser Stadt wurden alle Anstrengungen unternommen, um Informationen von japanischen Bewohnern, Eingeborenen und Kriegsgefangenen zu sammeln. Zudem wurden von der Marine Aufklärungsflüge über das Gebiet durchgeführt.
In Übereinstimmung mit dem ergangenen Befehl erstellte Sakaguchi Shizuo den folgenden Überblick über die Operation zur Einnahme von Banjarmasin:
Weiterhin wurden Einzelheiten zur Zusammenarbeit von Armee und Marine erläutert sowie die Beschaffung und Versorgung mit Treibstoff und Munition für das dann eroberte Flugfeld.
Es wurde beschlossen, dass das Oberkommando nicht direkt an der Operation gegen Banjarmasin teilnehmen, sondern in Balikpapan bleiben und das operative Kommando über die Aktionen gegen restliche feindliche Einheiten in der Region Sanga Sanga übernehmen und sich auf die Invasion von Java vorbereiten würde. Der Angriff auf Banjarmasin sollte von zwei getrennten Landekräften durchgeführt werden, der Landangriffseinheit und der Seeangriffseinheit. Die Landangriffseinheit sollte am Abend des 30. Januar Balikpapan verlassen, am 31. vor Tagesanbruch in Tanahgrogot landen und sich sofort darauf vorbereiten durch das bergige Dschungelgebiet und dann stetig nach Süden in Richtung Banjarmasin vorzurücken.
Die Situation der KNIL in Banjarmasin Der Territorialkommandeur in Banjarmasin, Oberstleutnant Henry T. Halkema, hatte ungefähr fünfhundert Mann der KNIL unter seinem Kommando. Eine Abteilung mit neun BrigadenEine Brigade bestand aus etwa 17 Mann. war in Oelin stationiert, während zehn Brigaden zur Verteidigung des Flugplatzes Kotawaringin, heute West Kotawaringin Airport (eröffnet Ende 2020), eingesetzt wurde. Um die Abteilung in Oelin bilden zu können, war es notwendig gewesen, den in Friedenszeiten besetzten Posten in Puruktjaoe fast vollständig abzuschaffen und die ursprüngliche Besetzung von Kendangan durch etwa 25 Wehrpflichtige zu ersetzen. Banjarmasin war infolge der Bildung der oben genannten Abteilungen auch frei von Berufstruppen. Nur die Besetzung von Tanahgrogot mit 2 Infanteriebrigaden blieb erhalten.
Darüber hinaus gab es am Flughafen von Dajoe, der von geringer Bedeutung war, eine Infanteriebrigade und 25 militarisierte Feldpolizisten. Der Rest der verfügbaren Truppen bestand aus Wehrpflichtigen und einigen Stadt- und Landwachen, nämlich 6 Wehrpflichtbrigaden in Banjarmasin, von denen 2 Brigaden auf 4 Küstenwachen, 1 Kompanie-Stadtwache in Banjarmasin und Landwachen mit jeweils 3 Brigaden in Kendangan, Amoentai und Barabai aufgeteilt waren. Die Ausbildung und Bewaffnung der Stadt- und Landwächter ließ jedoch zu wünschen übrig. Daher war klar, dass diese einem japanischen Angriff nicht lange würden standhalten können. mini|KNIL-Truppen in Tanahgrogot Halkema hatte den Befehl erhalten, Banjarmasin nicht zu verteidigen, sondern sich zusammen mit dem Gouverneur und den rund 250 Soldaten ins Landesinnere von Borneo zurückzuziehen um von dort aus einen Guerillakrieg zu führen. Die Stadt Moearateweh am Oberlauf des Barito wurde als Basis dieser Guerillaeinheit ausgewählt und auf dem Weg dorthin wurden an drei Orten Vorräte gelagert. Die anderen Beamten blieben zurück und hofften, nach einer Besetzung ihre Arbeit fortsetzen zu können. Sowohl die niederländische Regierung in London als auch das Oberkommando in Niederländisch-Ostindien glaubten, dass die Verwaltung unter den Japanern weiterhin funktionieren würde.
Am 20. Januar 1942 wurden die ersten feindlichen Kampfbomber über den Flugplätzen gesichtet. Angriffe fanden jetzt regelmäßig während des Monats statt, aber es wurde nicht viel Schaden angerichtet. Am 28. Januar, als acht niederländische Bomber, die auf dem Weg nach Samarinda II waren, auf dem Flugplatz in Oelin stationiert waren, wurden sechs Bomber bei einem Angriff zerstört.Die Zahl der zerstörten Flugzeuge differiert je nach Quelle zwischen sechs und sieben. Es werden auch zwei beschädigte Maschinen genannt. Nach dem Fall von Balikpapan am 24. Januar nahmen die Spannungen in Süd-Borneo deutlich zu, insbesondere als in den ersten Tagen des Februar 1942 die Nachricht einging, dass die Japaner Tanahgrogot in Besitz genommen hatten und ihr Vormarsch in den Süden begonnen hatte.
Die Landung der Japaner Die Sakaguchi-Abteilung verließ Balikpapan auf der Ehime Maru und der Liverpool Maru am 30. Januar, beladen mit Treibstoff und Munition der Marine, in Richtung Banjarmasin. Sie erreichte Tanahgrogot bei Tagesanbruch am 31. Januar und setzten ihren Vormarsch nach Süden fort. Ein Marineoffizier war als Lotse dabei. Sie fuhren nur nachts; Tagsüber ankerten sie das Schiff in Mangrovenwäldern an der Flussmündung und tarnten es. Da sie es vermieden das Funkgerät zu benutzen, wurden Marineflugzeuge geschickt, um sie zu kontaktieren, aber jedes Mal kehrten diese vergeblich zurück, ohne sie zu finden. Die Einheit operierte gemäß den Anweisungen, eroberte am 10. Februar Kotabaru am nördlichen Ende der Insel Laut, rückte weiter vor und ging an der Küste südöstlich von Martapura an Land. Da der Überraschungsangriff der Überlandeinheit den Feind bereits zerstreut hatte, drangen sie kampflos in Martapura ein.
Die Vorhut der Überlandeinheit hatte Balikpapan am Morgen des 31. Januar verlassen und erreichte am selben Tag um 20:00 Uhr die Adangbucht. Tanahgrogot wurde am 1. Februar um 10:30 Uhr eingenommen. Die Haupttruppe verließ am 2. Operationstag, dem 2. Februar, Balikpapan, landete am 3. Februar in Tanahgrogot und begann ihre Überlandoperation.
Da es keine Straßen im Dschungel, geschweige denn Brücken gab, hatten sie ihre angelandeten Kraftfahrzeuge kurz nach der Ankunft verlassen und auch die mitgebrachten Fahrräder blieben zurück. Kurz bevor sie es geschafft hatten durch das dschungelbedeckte Gebirge zu gelangen, stießen sie auf eine Einheit der KNIL, die sich nach Norden bewegte und die der Yamamoto-Einheit noch eine kleine Schlacht abverlangte. Die Yamamoto-Einheit versuchte, die KNIL-Truppe in Richtung Martapura zu verfolgen, aber durch die Kraftanstrengungen im Dschungel schafften sie es nicht. Nur die Vorauskompanie verfolgte sie weiter. Während der Beschaffung von Fahrrädern, Fahrzeugen und Proviant eilte die Einheit vorwärts und am 10. Februar um 09:00 Uhr nahmen die Ingenieureinheit und die Vorauskompanie den Flugplatz Martapura ein.
Die Reaktion der Niederländer Der erste Bericht über die Ankunft der Japaner führte dazu, dass zwei KPM-Schiffe nach Banjarmasin geschickt wurden, um Europäer zu evakuieren. Das erste Schiff nahm ungefähr vierhundert Flüchtlingen nach Java auf. Die Anzahl der Flüchtlinge auf dem zweiten ist unbekannt. Halkema befahl die geplanten Zerstörungen auf dem gesamten Weg nach Banjarmasin, also über eine Entfernung von 250 Kilometern, durchzuführen. Es gab eine große Aufregung unter der indigenen Bevölkerung und Gouverneur Haga schlug vor, dass der Generalgouverneur von Niederländisch-Indien Van Starkenborgh Halkema, der seiner Meinung nach vorschnell gehandelt hatte, durch einen anderen Offizier ersetzen sollte.
Am 8. Februar wollte Generalleutnant Ter Poorten nach Banjarmasin fliegen, wo er hoffte, auf dem zivilen Flugplatz in der Nähe der Stadt landen zu können. Am selben Tag entschied Halkema, dass mit der Zerstörung in Banjarmasin am Abend begonnen werde. Gouverneur Haga segelte an diesem Abend den Barito hinauf nach Muarateweh, und eine Gruppe Europäer folgte ihm.