mini|200px|Auch das Wappen spiegelt die territoriale Vielfalt wider, aus der sich das Großherzogtum Hessen zusammensetzte.

Das Partikularrecht im Großherzogtum Hessen war das bis zum 1. Januar 1900 im Großherzogtum Hessen geltende Zivilrecht. Es war durch eine kleinteilige Rechtszersplitterung geprägt.

Geltungsbereich In den rechtsrheinischen Provinzen des Großherzogtums Hessen, Oberhessen und Starkenburg, galt das Gemeine Recht, das aber in den meisten Gebietsteilen von Partikularrecht überlagert war. Es gelang das gesamte 19. Jahrhundert hindurch nicht, diese aus dem Alten Reich überkommene, hoch komplexe Situation zu bereinigen, so dass es bis zur Einführung des reichsweit geltenden Bürgerlichen Gesetzbuches zum 1. Januar 1900 Bestand hatte.Polley: Recht und Verfassung, S. 346f.

In der linksrheinischen Provinz Rheinhessen dagegen galt einheitlich das französische Recht.

Aufstellung der Partikularrechte Französisches Recht: Provinz Rheinhessen, einschließlich des rechtsrheinischen Mainz-Kastel und des durch die Rheinbegradigung 1829 rechtsrheinisch gewordenen Kühkopfes.Schmidt, S. 100 und Karte. Der Code civil wurde in dem später zu Rheinhessen gehörenden Gebiet 1804 eingeführt und galt im französischsprachigen Originaltext, jedoch gab es „offizielle“ Übersetzungen.Polley: Recht und Verfassung, S. 344f. Gemeines Recht ohne Überlagerung durch ein Partikularrecht: Die Teile der Provinz Oberhessen, die aus der Marburger Erbschaft an Hessen-Darmstadt fielen.Schmidt, S. 100. Die Ämter Gießen, Busecker Tal, Allendorf, Homberg an der Ohm, Burg-Gemünden, Alsfeld, Grebenau, Ulrichstein, Butzbach und Rosbach.Schmidt, S. 100, Anm. 6 und S. 9. Der hessische Teil des Amtes Hüttenberg und Philippseck.Schmidt, S. 100, Anm. 6 und S. 9, 11. Friedberg.Schmidt, S. 101. Patrimonialgericht Ockstadt.Schmidt, S. 101. Fränkisch-Crumbach, Georgenhausen, Bobstadt, Finkenhof und im überwiegenden Teil des Amtes Umstadt,Schmidt, S. 102. alle in der Provinz Starkenburg gelegen. In den übrigen Teilen des Amtes Umstadt galt Kurpfälzisches Landrecht.Schmidt, S. 102f u. Anm. 12. Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg Riedesel’sche Verordnungen Fuldisches Recht Schlitzer Verordnungen Kurhessisches Recht in nachfolgend 1866 erworbenen Gebieten:Schmidt, S. 104, Anm. 21 und S. 46. Distrikt Katzenberg Ehemals kurhessische Exklave Treis an der Lumda Solmser Landrecht galt in großen Teilen des südlichen Teils der Provinz Oberhessen und den ehemals hanauischen und isenburgischen Gebieten der Provinz Starkenburg. Darüber hinaus galt das Solmser Landrecht in unterschiedlichem Umfang und in Kombination mit anderem Partikularrecht: Solmser Landrecht, überlagert von kurhessischem Recht bis 1866 in:Schmidt, S. 105, Anm. 26 und S. 107. Amt Dorheim Massenheim Rumpenheim Friedberger Polizeiordnung und subsidiär Solmser LandrechtSchmidt, S. 107. Einzelmaterien des Solmser Landrechts galten in den ehemals stolbergischen GebietenSchmidt, S. 108. Herrschaft Gedern und stolbergischer Teil des Amtes Ortenberg Nassauisches Recht und Titel 28 des Solmser LandrechtsTitel 28 des Solmser Landrechts galt gewohnheitsrechtlich und nicht in vollem Umfang. Er wurde durch ein „Declaratorisches Rescript“ vom 11. September 1773 geändert (Schmidt, S. 108 und Anm. 40). (eheliches Güterrecht) in dem 1866 erworbenen, vormals nassauischen Amt ReichelsheimSchmidt, S. 108 und Anm. 38, S. 46 [Nr. 3]. Nassauisches Recht, Mainzer Landrecht und Titel 28 des Solmser Landrechts (eheliches Güterrecht) in dem 1866 erworbenen, vormals nassauischen Ortsbezirk Haarheim (heute: Frankfurt-Harheim)Schmidt, S. 108 und Anm. 38, S. 46 [Nr. 3]. Landrecht der Obergrafschaft Katzenelnbogen Obergrafschaft KatzenelnbogenSchmidt, S. 108f. Amt SeeheimSchmidt, S. 109, Anm. 43. Erbacher Recht ehemalige Grafschaft ErbachSchmidt, S. 109. Herrschaft BreubergSchmidt, S. 109. Mainzer LandrechtSchmidt, S. 15, 17. Amt Gernsheim Oberamt Starkenburg Oberamt Steinheim Amt Hirschhorn Amt Seligenstadt Amt Rockenberg die Orte Messenhausen, Dorndiel, Mosbach und RadheimSchmidt, S. 109. Pfälzisches Landrecht,Schmidt, S. 110. in einigen Gebieten – vor allem dem ehemaligen Amt Lampertheim – auch nur einzelne Teile des Kurpfälzischen Landrechts.Schmidt, S. 111f.Zum Geltungsbereich innerhalb des Großherzogtums Hessen siehe die Aufstellung in dem Artikel Pfälzisches Landrecht. Frankfurter Recht in den durch den Friedensvertrag vom 3. September 1866 erworbenen Gebieten der ehemals Freien Stadt Frankfurt, nämlich den Dörfern Dortelweil und Nieder-Erlenbach Hier galten die Frankfurter Reformation und mehrstufig subsidiär das Solmser LandrechtAufgrund des „Ratschlusses vom 20. August 1726“ der Stadt Frankfurt (Schmidt, S. 112). und das Gemeine Recht.Schmidt, S. 75, Anm. 65, und S. 112. Stadtrecht von Wimpfen in der Fassung von 1775Schmidt, S. 112. Stadt Wimpfen Wimpfen im Thal Hohenstadt Helmhof Stadtrecht von Butzbach von 1578 in der Stadt Butzbach und ihrer Gemarkung.Schmidt, S. 113. Württembergisches Landrecht von 1555 in der Fassung von 1610 für die hessischen Untertanen und deren Liegenschaften in KürnbachSchmidt, S. 5, Anm. 4, S. 75 und S. 113.

Literatur Rainer Polley: Recht und Verfassung. In: Winfried Speitkamp (Hrsg.): Bevölkerung, Wirtschaft und Staat in Hessen 1806–1945 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63,1 = Handbuch der hessischen Geschichte 1. Marburg 2010. ISBN 978-3-942225-01-4 Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893.

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Recht (Großherzogtum Hessen) Kategorie:Privatrechtsgeschichte