Die Hanseaten-Kaserne (auch: Hanseaten-Gallwitz-Kaserne) war eine Garnison in Itzehoe, Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein. Sie wurde in den 1930er Jahren als Doppelkaserne errichtet und beherbergte bis 1945 Einheiten der Wehrmacht. Von 1939 bis Anfang 1941 war hier das Oflag X A/Z für kriegsgefangene Offiziere eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bis 1948 britische Besatzungstruppen der Rheinarmee in den Kasernenanlagen untergebracht, 1948 bis 1949 Verbände der Norwegischen Deutschland-Brigade, 1949 bis 1958 das Dänische Kommando in Deutschland sowie von 1958 bis zur Aufgabe der militärischen Nutzung 1993 hauptsächlich Artillerie-, Logistik- und Sanitätseinheiten der Bundeswehr. Die Kaserne umfasste eine Fläche von 20,12 Hektar. Auf dem Areal entstand nach dem Abbruch nahezu sämtlicher Militärgebäude ein neuer Stadtteil von Itzehoe, der Wohngebäude, gewerbliche Nutzungen, Bildungs-, Kinderbetreuungs- und Seniorenwohneinrichtungen vereint.

Vorgeschichte, Bau und Stationierungen Garnison Itzehoe bis 1945 Itzehoe war bereits seit 18. Oktober 1631 Garnisonsstadt. Zunächst waren bis zum 23. Juli 1887 Kavallerieverbände hier stationiert, die jedoch in Bürgerhäusern untergebracht waren. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung 1871 erweiterte sich das Deutsche Heer und seine Standorte. Dabei wurde in der Regel von den jeweiligen Garnisonsstädten erwartet, dass diese den Kasernenbau übernahmen und die Liegenschaften sodann an das Reich vermieteten. Auch in Itzehoe entstand ab 1887 eine Kaserne, später als Städtische Kaserne, Alte Kaserne und ab 1902 Waldersee-Kaserne bezeichnet, im Bereich Moltkestraße–Kaiserstraße–Talstraße–Jahnstraße, in der am 25. September 1889 als erste die III./Feldartillerie-Regiment „Generalfeldmarschall Graf Waldersee“ (Schleswigsches) Nr. 9, ab 1891 die II. Abteilung untergebracht wurde. Bereits 1897 konnte in unmittelbarer Nachbarschaft im Bereich der Oelixdorfer Straße–Kaiserstraße–Jahnstraße der Bau einer weiteren Kaserne, die Neue Kaserne bzw. nach dem Ersten Weltkrieg Gudewill-Kaserne, fertiggestellt werden, in der die reitende Abteilung des Feldartillerieregiments 9 einzog.Alexander Ritter/Peter Fischer: Garnisonsstandorte und Militärgeschichte. Steinburger Jahrbuch 1994. Herausgegeben vom Heimatverband für den Kreis Steinburg, 38. Jahrgang, Itzehoe 1993, S. 9–15Rudolf Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe. Herausgegeben von der Stadt Itzehoe. Itzehoe 1960, S. 390–392

Nach dem Ersten Weltkrieg stationierte ab 1. Januar 1921 die Reichswehr die III./2. (Preußisches) Artillerieregiment in Itzehoe. Hieraus entstand aus Abgaben 1934 ein neuer Verband unter dem Tarnnamen „Artillerie-Regiment Rendsburg“, das ab Oktober 1935 zum Artillerie-Regiment 20 der Wehrmacht umbenannt wurde. Dessen I. und III. Abteilung waren in der Stadt stationiert.Georg Tessin: Formationsgeschichte der Wehrmacht 1933–1945. Stäbe und Truppenteile des Heeres und der Luftwaffe. Boppard am Rhein 1959, S. 148 und 152Rudolf Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe. Herausgegeben von der Stadt Itzehoe. Itzehoe 1960, S. 430 Durch die Aufrüstung der Wehrmacht resultierte jedoch ein zusätzlicher Bedarf an Truppenunterkünften. Deshalb errichtete der NS-Staat in Itzehoe zwei Kasernen im Nordosten der Stadt entlang der Straße Langer Peter auf einer Kleingartenanlage: der Bau der gegenüber dem Friedhof Brunnenstraße gelegenen Truppenunterkunft startete 1935. Nach ihrer Fertigstellung bezog am 12. Oktober 1936 die I./Artillerieregiment 20 die Garnison. Unmittelbar östlich angrenzend begannen 1936 die Arbeiten an der zweiten Kaserne, die ein Jahr später abgeschlossen wurden. Am 20. Oktober 1937 wurde diese der Wehrmacht übergeben, in die nunmehr die I./Artillerie-Regiment 20 einzog, während die östliche Unterkunftsanlage dem I./Infanterie-Regiment 76, das aus Abgaben anderer Einheiten neu aufgestellt worden war, zur Verfügung gestellt wurde. 1937 erhielt die zuerst fertiggestellte Garnison den Namen „Hanseaten-Kaserne“ in Erinnerung an das einstige Hanseatische Infanterie-Regiment Nr. 76, während die andere Truppenunterkunft nach Max von Gallwitz benannt wurde.Rudolf Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe. Herausgegeben von der Stadt Itzehoe. Itzehoe 1960, S. 430 f.Georg Tessin: Formationsgeschichte der Wehrmacht 1933–1945. Stäbe und Truppenteile des Heeres und der Luftwaffe. Boppard am Rhein 1959, S. 125 Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Truppenteile des Ersatzheeres untergebracht:Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1932–1939. Sechzehnter Band. Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1945 und Stationierungen im Kriege 1939–1945. Bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2. Wehrkreise VII – XIII. Osnabrück 1996, S. 193 f. Infanterie-Panzerjäger-Ersatz-Kompanie 30 Infanterie-Ersatz-Bataillon (mot.) 76 Infanterie-Ersatz-Bataillon 377 Grenadier-Ersatz-Bataillon 377 Infanterie-Ersatz-Bataillon 469 Grenadier-Ersatz-Bataillon 469 Infanterie-Nachrichten-Ersatz-Kompanie 225 Artillerie-Ersatz-Abteilung (mot.) 20 schwere Artillerie-Ersatz-Abteilung (mot.) 58 Artillerie-Ersatz-Abteilung 58 Artillerie-Ersatz-Abteilung 225 Artillerie-Ersatz-Abteilung 290 Heeres-Flakartillerie-Ersatz-Abteilung 280 Sanitäts-Staffel Heeresfachschule (V.W.) Heeresfachschule (V.) Marine-Auffang-Abteilung Itzehoe

Oflag X A/Z Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall auf Polen im September 1939 führte zur Gefangennahme zahlreicher Soldaten, die in Lagern interniert wurden. Hierfür entstand in Sandbostel das Offizierslager X A als erstes im Wehrkreis X mit einer Außenstelle in der Kaserne in Itzehoe, die als Oflag X A/Z bezeichnet wurde. Insbesondere polnische Offiziere, aber auch Besatzungen abgeschossener alliierter Flieger kamen hier unter. Etwa 1050 Kriegsgefangene waren hier inhaftiert. Die angeblich hervorragenden Haftbedingungen in der Kaserne wurden von der nationalsozialistischen Propaganda hervorgehoben. Tatsächlich war das Essen sehr stark rationiert, so dass es kaum zum Leben reichte. Mitte Januar 1941 wurde das Lager aufgelöst, um deutsche Soldaten unterzubringen. Die gefangenen Offiziere kamen zunächst nach Sandbostel und von dort in andere Lager.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Norddeutschland besetzten Truppen der britischen 7th Armoured Division am 8. Mai 1945 Itzehoe. Die Division richtete ab Juni 1945 zunächst ihr Hauptquartier in der Gallwitz-Kaserne ein, während in der Hanseaten-Kaserne noch ein Lazarett bestand.Rudolf Irmisch: Geschichte der Stadt Itzehoe. Herausgegeben von der Stadt Itzehoe. Itzehoe 1960, S. 480 f. Zugleich bezogen die 8th King’s Royal Irish Hussars die Unterkünfte der Garnison. Die Hanseaten-Kaserne erhielt den Namen Borgard Barracks, benannt nach einem der Begründer des Royal Artillery Regiment, Colonel Albert Borgard. Die Gallwitz-Kaserne wurde in Richmond Barracks nach der Ortschaft Richmond in North Yorkshire umbenannt. Im Juli 1946 fand ein Wechsel in den Kasernen statt und das 1st Heavy Regiment Royal Artillery nahm hier sein Quartier. Im Mai 1947 wurde aus ihm das 27th Heavy Regiment Royal Artillery, das zunächst noch in Itzehoe blieb. 1947 war auch die 334th Forward Observation Battery in den Kasernenanlagen in Itzehoe stationiert. Im Februar 1948 kam zur Ablösung das 7th Battalion Parachute Regiment, das im Juli 1948 in das 3rd Battalion Parachute Regiment umbenannt wurde.

Mitte Oktober 1948 verlegte das 3. Bataillon der 482. Brigade (Norwegische Deutschland-Brigade) aus dem Harz nach Itzehoe in die Kaserne, löste die britischen Truppen ab und verblieb hier bis Ende Oktober 1949.

Im November 1949 übernahm das Kommando der dänischen Truppen in Deutschland in Brigadestärke die Kasernenanlagen, die vergrößert werden mussten sowie um eine Turnhalle und ein Kino ergänzt wurden. Die Dänen verabschiedeten sich mit einem Schlussappell am 25. März 1958 von Itzehoe und übergaben die Kaserne an die Bundeswehr.

Nutzung durch die Bundeswehr Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre fanden umfassende Arbeiten zur Sanierung und Erweiterung der Kasernenanlagen statt.

Das am 1. Juli 1956 in der Douaumont-Kaserne in Hamburg aufgestellte Grenadierbataillon 31, das der Kampfgruppe B6 angehörte, verlegte am 25. Januar 1957 in die Estetal-Kaserne nach Buxtehude und am 18. Juli 1958 weiter in die nunmehr zur Hanseaten-Gallwitz-Kaserne vereinigten Truppenunterkunft nach Itzehoe. Hier blieb es stationiert bis zum 16. März 1959 und zog schließlich in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne nach Breitenburg um, wo es zum 1. April 1959 in Panzergrenadierbataillon 171 umbenannt wurde. Dort blieb es bis zu seiner Umgliederung in das Jägerbataillon 391 am 3. Juli 1970 und Verlegung auf den Truppenübungsplatz Putlos.

Zum 1. Oktober 1958 wurde in der Kaserne die Quartiermeisterkompanie 6 der 6. Division aus Personalabgaben des Quartiermeisterbataillons 3 aufgestellt. Am 1. Dezember 1958 erhielt die Einheit ihre neue Benennung als Nachschubkompanie 6. Am 1. März 1970 ging sie nach Verlegung in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt in dem neuen Versorgungsbataillon 6 der 6. Panzergrenadierdivision auf, das am 1. Oktober 1975 zum Nachschubbataillon 6 umgegliedert wurde. Das Bataillon wurde zum 1. April 2003 zunächst in einen nichtaktiven Truppenteil umgewandelt und zum 31. März 2006 aufgelöst.Alexander Ritter/Peter Fischer: Garnisonsstandorte und Militärgeschichte. Steinburger Jahrbuch 1994. Herausgegeben vom Heimatverband für den Kreis Steinburg, 38. Jahrgang, Itzehoe 1993, S. 20

Am 1. Oktober 1958 wurde in der Anlage Belvedere in Alt-Bülk das teilaktive Sanitätsbataillon 6 der 6. Division der Bundeswehr aufgestellt und am 28. November 1958 nach Itzehoe in die Hanseaten-Kaserne verlegt. Hier blieb es bis zu seiner Verlegung in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne nach Breitenburg, die zwischen dem 31. März 1991 und 23. Mai 1992 schrittweise erfolgte. Das Sanitätsbataillon 6 wuchs zum 2. Januar 1997 zum Sanitätsregiment 6 auf, wurde am 1. Juni 2003 zum Lazarettregiment 11 umgegliedert und verlegte am 1. Oktober 2007 in die Stapelholmer Kaserne nach Seeth, wo es schließlich am 30. Juni 2015 aufgelöst wurde.

Das am 1. April 1958 in Schleswig aufgestellte Quartiermeistertransportbataillon 915 wurde am 1. April 1959 unter Umbenennung in Transportbataillon 630 in die Hanseaten-Kaserne nach Itzehoe verlegt. Das Bataillon bestand ab 1. April 1959 aus der Quartiermeistermaterialkompanie 614, der Nachschubkompanie 617, der mittleren Transportkompanie 634 und der gemischten Betriebsstofftransportkompanie 638. Die mittlere Transportkompanie 634 und die gemischte Betriebsstofftransportkompanie 638 verlegten 1961 nach Putlos. Am 1. August 1962 erhielt das Bataillon den neuen Namen "Nachschubbataillon 610". Zugleich wurden aus der Quartiermeistermaterialkompanie 614 die Nachschubkompanie 611 und aus der Nachschubkompanie 617 die Nachschubkompanie Material 619. Beide Kompanien verlegten zusammen mit dem Nachschubbataillon 610 am 23. September 1965 in die Stapelholmer Kaserne nach Seeth. Das gesamte Bataillon erlebte dort die Umbenennung zum Transportbataillon 610 am 1. April 1994. Zum 30. September 1996 wurde es schließlich aufgelöst.

Am 1. April 1959 schlug in der Hanseaten-Kaserne auch die Geburtsstunde der ab 1. Oktober 1975 als 3./Instandsetzungsbataillon 6 bezeichneten Einheit. Die Kompanie wurde im Juli 1981 in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne nach Breitenburg-Nordoe verlegt und erfuhr am 30. September 2005 ihre Auflösung.