Als Simon van der Stel (Kennung: D237) kam der 1952 von der Royal Navy erworbene Zerstörer Whelp in den Dienst der South African Navy (SAN). Namensgeber des Schiffes war der erste Gouverneur der niederländischen Kapkolonie, Simon van der Stel (1639–1712). Den „War Emergency Destroyer“ der W-Gruppe hatte die Royal Navy im April 1944 in Dienst gestellt. Von Oktober 1944 bis zum Kriegsende 1945 war der Zerstörer bei der Eastern Fleet und dann der British Pacific Fleet im Einsatz. Erster Offizier der Whelp war der Leutnant Prinz Philipp von Griechenland und Dänemark, später der Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II.
Der Zerstörer wurde von der südafrikanischen Marine als Ausbildungsschiff eingesetzt, machte viele Ausbildungs- und Besuchsreisen und kam dabei auch wieder nach Europa. Nach Ankauf des zu einer U-Jagd-Fregatte vom „Typ 15“ umgebauten Schwesterschiffes Wrangler übernahm dieses als Fregatte Vrystaat weitgehend die Aufgaben der Simon Van der Stel. 1962 bis Februar 1964 wurde die Simon Van der Stel ähnlich wie die britischen Flottenzerstörer zu einer U-Jagd-Fregatte umgebaut, aber weiter als Zerstörer klassifiziert. Von 1968 bis 1972 diente der Zerstörer wieder als Ausbildungsschiff und kam dann zur Reserve. Eine 1975 geplante erneute Indienststellung wurde als unwirtschaftlich aufgegeben und im folgenden Jahr erfolgte der Abbruch der Simon van der Stel.
Geschichte des Schiffes Die Whelp war einer der acht Zerstörer der W-Gruppe (9th Emergency Flotilla) der Royal Navy. Am 3. Dezember 1941 erging der fünfte Auftrag für weitere acht Zerstörer der dritten Variante des sogenannten „War Emergency Destroyers“ an John Brown, Hawthorne, Leslie, Vickers in Barrow und Denny Brothers. Schwierigkeiten der letzteren Werft führten zum Tausch des Auftrags an Denny zur „10th Emergency Flotilla“ gegen die zwei Bauten von Fairfields aus dieser Gruppe.
Baugeschichte Die Kiellegung bei Hawthorn, Leslie & Co. in Hebburn bei Newcastle erfolgte unter der Baunummer 656 am 1. Mai 1942. Die Bauwerft hatte zuvor mit Pakenham (L) und Pathfinder (BauNr. 625/626) gerade zwei Zerstörer der 1. Gruppe der Kriegszerstörer abgeliefert. Mit den bereits vom Stapel gelaufenen Quilliam und Quadrant sowie der Quail (BauNr. 633–635) befanden sich drei verbesserte Zerstörer des Kriegszerstörertyps im Bau und der Bau von zwei Zerstörern des aktuelle Typs war mit Saumarez und Scorpion schon begonnen worden. Neben Zerstörern baute die Werft auch noch weitere Typen: so waren bei der Kiellegung der Whelp noch der Flugabwehrkreuzer Diadem, der Minenleger Apollo und die Geleitzerstörer Bedale (die unter polnischer Flagge als Ślązak in Dienst kam), Bicester und Blean und einige zivile Einheiten auf der Werft im Bau.Shipbuilder: Swan, Hunter & Wigham Richardson Ltd, Wallsend auf Tyne Built Ships & Shipbuilders
mini|Die Armada
Die Whelp (BauNr. 656) lief dann am 3. Juni 1943 vom Stapel und wurde am 26. April 1944 von der Royal Navy übernommen. Das gleichzeitig bestellte Schwesterschiff mit der Baunummer 657 wurde am 22. Juni 1942 begonnen, lief am 30. August 1943 als Whirlwind vom Stapel und kam erst am 20. Juli 1944 nach der alliierten Invasion in der Normandie in den Dienst der Flotte. Obwohl die Royal Navy mit der „10th bis 14th Destroyer Flotilla“ noch weitere 40 ähnliche Zerstörer bauen ließ – von denen die Mehrzahl erst nach dem Kriegsende fertig wurden –, war die erprobte Werft an ihrer Fertigstellung nicht mehr beteiligt. Wie auch die nahegelegene Werft von Swan Hunter sollte auch Hawthorn, Leslie & Co. die für den Krieg im Pazifik neu entwickelten Zerstörer der Battle-Klasse fertigen. Bis zum Kriegsende konnte die Werft mit der Armada (BauNr. 658) nur ein Schiff fertig stellen, das jedoch nicht mehr zum Einsatz kam.Destroyer Armada auf Tyne Built Ships
Die Whelp entsprach mit einer Verdrängung von 1710 tn.l. Standard (max. 2530 tn.l.), eine Länge von 110,57 m, einer Breite von 10,87 m, einem normalen Tiefgang von 4,42 m sowie der Antriebsanlage mit zwei Admiralitäts-Dampfkesseln, 40.000 PS starken Parsons-Getriebeturbinen, die auf zwei Wellen wirkten, und einer Höchstgeschwindigkeit von 36 kn den anderen Zerstörern der S- bis W-Klasse. Mit einem Vorrat von 615 tn.l. Öl hatte der Zerstörer eine Reichweite von 4675 sm bei einer Geschwindigkeit von 20 kn. Zu Beginn ihrer Dienstzeit war eine Besatzung von 179 Mann vorgesehen. Bei der Indienststellung war der Zerstörer mit vier einzelnen 12,0-cm-Mk.-IX-Kanonen und - abweichend von den meisten Zerstörern dieser Gruppe - mit einem 4,0-cm-L/39-Mk.-II-„pom-pom“-Vierling (statt des geplanten 4,0-cm-Bofors-Zwillings) bewaffnet. Dazu kamen standardmäßig vier 2,0-cm-Oerlikon-Zwillingskanonen, zwei Vierfach-Torpedorohrsätze ⌀ 53,3 cm, vier Werfer und zwei Abwurfschienen für den Einsatz der 70 bis zu 130 Wasserbomben.Destroyer Whelp auf Tyne Built Ships Auch verfügte der Zerstörer über eine Asdic-Anlage zum Aufspüren von U-Booten und vier Radargeräte für See- bzw. Luftraumüberwachung sowie die Steuerung der Geschütze.Lenton, S. 178. Vor dem Einsatz in Fernen Osten wurde noch eine 4,0-cm-L/60-Mk.-III-Bofors-Kanone auf der bisherigen Scheinwerferplattform installiert.
Einsatz bei der Royal Navy Der neue Zerstörer wurde zuerst der „3rd Destroyer Flotilla“ bei der Home Fleet in Scapa Flow zugeteilt. Während der Kämpfe im Kanal nach der alliierten Invasion in der Normandie erfolgte ein erster Einsatz der Whelp zur Versorgung der kleinen alliierten Besatzung auf Spitzbergen.Anthony Gatrell: HMS Whelp: Reminiscences of a Young Naval Officer, WW2 People's War BBC 2004 Die Whelp wurde dann der „27th Destroyer Flotilla“ zugeteilt, die Großbritannien am 2. August 1944 verließ, um bei der Eastern Fleet eingesetzt zu werden. Auf dem Marsch sicherten die Zerstörer der Flottille zeitweise Einheiten, die bei der Alliierten Landung in Südfrankreich (Operation Dragoon) eingesetzt werden sollten. Am 22. September traf die Welp dann in Trincomalee auf Ceylon ein.
Mit der Operation „Millet“ wollte die Eastern Fleet von der bevorstehenden US-Landung auf Leyte ablenken. Mit der „Task Force 63“ setzten die Briten ab dem 15. Oktober drei Gruppen mit dem Schlachtkreuzer Renown als Flaggschiff und den Zerstörern Quilliam, Queenborough und der australischen Quiberon als „TG.63.1“, einer zweiten Gruppe aus den Kreuzern London, Cumberland und Suffolk sowie zwei britischen Zerstörern, der australischen Norman und der niederländischen Van Galen als „TG.63.2“ sowie „TG.63.3“ mit den Trägern Indomitable und Victorious, dem Kreuzer Phoebe als Jägerleitschiff und der Whelp sowie ihren Schwesterschiffen Wakeful, Wessex und Wager gegen die von den Japanern besetzten Nikobaren ein. Japanische Stellungen wurden von den Trägerflugzeugen bombardiert wurden und nachts von den Schweren Kreuzern beschossen. Die geplante Ablenkung gelang nicht.Rohwer: Seekrieg, 15.–19.10.1944 Indischer Ozean
Unter dem neuen Befehlshaber der Trägergruppe, Konteradmiral Philip Vian, lief erstmals am 17. November ein Kampfverband der britischen Eastern Fleet mit den Trägern Indomitable und Illustrious aus. Dieser und die folgenden Vorstöße der britischen Träger dienten der Ausbildung des neuen Verbandes, sollten aber gleichzeitig die Erdölförderung und -versorgung der japanischen Eroberer von Niederländisch-Indien stören. Erstes Ziel war Pangkalan Brandan, der Ursprungsort der niederländischen Ölindustrie auf Sumatra. Die Zerstörer der W-Gruppe waren bis auf die Wizard alle in Ceylon eingetroffen. Während Kempenfelt, Whirlwind, Wrangler, Wessex und Wakeful die Träger sicherten, begleiteten Whelp und Wager den Tanker Wave King. Der kleine Versorgungsverband marschierte getrennt an, um auf dem Rückweg notwendige Versorgungen durchzuführen. Nach der Rückkehr wurde die British Pacific Fleet (BPF) gebildet, die vor der Verlegung in den Pazifik noch weitere Angriffe aus dem Indischen Ozean gegen die ehemals niederländische Ölindustrie durchführen und ihren Schiffe und Flugzeugbesatzungen an den Einsatz in einer Trägergruppe gewöhnen sollte. Konteradmiral Vian führte am 17. und 20. Dezember 1944 mit den Trägern Indomitable und Illustrious, drei Kreuzern und den sieben vorgenannten Zerstörern der W-Klasse einschließlich Whelp einen Raid gegen die Öl-, Eisenbahn- und Hafenanlagen von Belawan-Deli im nördlichen Sumatra und einen erfolglosen Angriff auf die Einrichtungen von Medan (Sumatra) durch.seekrieg/44-12.htm Rohwer: Seekrieg, 11.–24.12.1944 Indischer Ozean, Operation Robson.
Am 4. Januar 1945 führte die Task Force 63 unter Konteradmiral Vian mit den Trägern Indomitable, Victorious, Indefatigable, vier Kreuzern sowie acht Zerstörern darunter Whelp erneut einen Raid gegen die Ölraffinerien von Pangkalan-Brandan (NO-Sumatra) durch (Operation „Lentil“). Zum Einsatz kamen Avenger-Bomber und zu deren Sicherung Hellcat- und Corsair-Jäger; nur ein Flugzeug ging verloren.Rohwer: Seekrieg, 2.–4.1.1945 Indischer Ozean, Operation Lentil Auf dem Rückmarsch wurde die Whelp entsandt, um das beschädigte Unterseeboot Shakespeare vom 8. bis 16. Januar sicher nach Trincomalee zu geleiten.
Die BPF verließ Mitte Januar 1945 endgültig Ceylon, um nach Sydney in Australien zu verlegen. Die British Pacific Fleet bestand da aus dem Schlachtschiff King George V, dem Flaggschiff Vizeadmirals Rawlings, den Trägern Indomitable, Indefatigable, Victorious und Illustrious, vier Kreuzern und elf Zerstörern der U- und W-Gruppe, darunter die Whelp. Während der Verlegung erfolgten am 24. und 29. Januar zwei weitere Angriffe auf die Ölraffinerien in Plaju nördlich von Palembang mit 105 Maschinen und mit 98 Maschinen auf Sungai Gerong nahe Palembang auf Sumatra (Operation „Meridian I & II“), deren Vollzug durch extrem schlechtes Wetter verzögert wurde.Rohwer: Seekrieg, 16.1.–4.2.1945 Südwestpazifik, Operation Meridian, geplant für die Nächte auf den 22. bzw. 23. Januar Nach dem zweiten Angriff rettete die Whelp die Besatzung einer auf dem Rückflug notgelandeten Grumman Avenger.A Right Royal Rescue - BBC Radio 4 Die Briten verloren bei den beiden Angriffen 48 Flugzeuge, konnten aber etliche Besatzungen retten. Sie schossen über 50 japanische Maschinen ab und zerstörten über 70 am Boden. Auch wurde ein japanischer Angriff auf die Flotte abgewehrt und alle Angreifer abgeschossen. Zwischen den Angriffen und danach gelangen zwei Treibstoffversorgungen auf See und am 4. Februar erreichte die BPF Fremantle und marschierte dann um Australien nach Sydney, ihrer künftigen Basis. In dessen Nähe entstanden Ausbildungseinrichtungen für die Flotte und ihre Flugzeuge.
Einsatz im Pazifik Ab dem 28. Februar 1945 marschierte die BPF dann zu ihrer neu eingerichteten vorgeschobenen Basis auf Manus, wo sie am 7. März eintraf. Nach einigen Übungen marschierte der Verband am 18. März weiter nach Ulithi, wo zwei Tage später die letzten Übungen für die Eroberung Okinawas begannen. Dort schloss sich die BPF der 5. Flotte der US Navy an. Den britischen Streitkräften hatten die Amerikaner für diesen Angriff nur eine Nebenrolle zugedacht. Sie sollten die japanischen Flugplätze auf den Sakishima-Inseln zwischen Okinawa und Formosa neutralisieren, von denen Angriffe auf die alliierte Flotte und über die Verstärkungen der japanischen Luftstreitkräfte auf Okinawa erfolgen könnten. Die BPF führte ihre ersten Angriffe am 26. und 27. März durch. Nach einer Versorgung durch einen britischen Verband und Austausch zweier leicht beschädigten Sicherungszerstörer wurden die Angriffe auf Sakishima Gunto ab dem 31. März fortgesetzt. Die mit der Versorgungsgruppe eingetroffenen Zerstörer Quality und Whelp ersetzten Kempenfelt und Whirlwind in der Sicherung der Flugzeugträger.Rohwer: Seekrieg, 23.– 31.3.1945, Zentralpazifik, Vorbereitungsphase der Landung auf Okinawa.