+ David D. Gilmore Geboren 1943 Staatsangehörigkeit US-amerikanisch Fachgebiet Anthropologie, Ethnologie, Geschlechterforschung Institution Stony Brook University Weitere Stationen University of Pennsylvania, Rutgers University, University of Iowa, Columbia University Forschungsschwerpunkte Andalusien, Männlichkeit, Frauenfeindlichkeit, mythische Monster Bekannte Werke Manhood in the Making, Misogyny, Monsters

David D. Gilmore (* 1943) ist ein US-amerikanischer Anthropologe, Sachbuchautor und emeritierter Hochschullehrer. Er war Professor für Anthropologie an der State University of New York at Stony Brook.

Bekannt wurde Gilmore vor allem durch ethnographische Arbeiten über Spanien, insbesondere Andalusien, sowie durch kulturvergleichende Studien zu Männlichkeit, Frauenfeindlichkeit und Vorstellungen von Monstern. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen Manhood in the Making: Cultural Concepts of Masculinity, Misogyny: The Male Malady und Monsters: Evil Beings, Mythical Beasts, and All Manner of Imaginary Terrors.

Leben und akademische Laufbahn

Gilmore ist US-Amerikaner und wurde 1943 geboren. In den 1970er Jahren lehrte er zunächst an mehreren US-amerikanischen Universitäten: an der University of Pennsylvania in den Sommern 1975 und 1976, an der Rutgers University 1976 sowie 1976/77 als Assistant Professor of Anthropology an der University of Iowa. 1977 wechselte er an die State University of New York at Stony Brook, wo er zunächst Assistant Professor, ab 1980 Associate Professor und ab 1986 Professor of Anthropology sowie Leiter des Fachbereichs Anthropologie war.

1984/85 war Gilmore Visiting Scholar am Institute of Latin American and Iberian Studies der Columbia University. Seine anthropologische Feldforschung führte er in Spanien durch. 1985 erhielt er ein Forschungsstipendium des National Endowment for the Humanities für ein Projekt über Landreform und ländliche Revolten im Spanien des 19. Jahrhunderts; als damit verbundene Publikationen werden Aggression and Community und Honor and Shame and the Unity of the Mediterranean genannt. In der Emeritus Member List der Stony Brook University wird Gilmore als emeritiertes Mitglied im Fach Anthropology geführt.

Forschung und Werk

Andalusien und mediterrane Ethnographie

Gilmores frühe Monographien behandeln vor allem die Sozial- und Kulturordnung des ländlichen Andalusiens. The People of the Plain: Class and Community in Lower Andalusia erschien 1980 bei Columbia University Press und widmet sich Klassen- und Gemeinschaftsstrukturen in Unterandalusien. Mit Aggression and Community: Paradoxes of Andalusian Culture führte er diese Beschäftigung 1987 fort.

In Carnival and Culture: Sex, Symbol, and Status in Spain untersuchte Gilmore den andalusischen Karneval, insbesondere Karnevalslieder und mündliche Literatur, und deutete diese als Ausdruck sozialer Deutungen, Rituale und Ambivalenzen.

Männlichkeit und Geschlechterordnung

Manhood in the Making: Cultural Concepts of Masculinity erschien 1990 und ist Gilmores einflussreichste kulturvergleichende Arbeit. Darin untersucht er Männlichkeit nicht als rein biologische Eigenschaft, sondern als in vielen Gesellschaften kulturell hergestellten und bestätigten Status. Yale University Press beschreibt das Buch als erste kulturvergleichende Studie über Männlichkeit als erworbenen Status.

Gilmore verband darin ethnographische Fallstudien aus verschiedenen Weltregionen mit theoretischen Fragen der Geschlechterordnung. Die Studie vergleicht unter anderem Vorstellungen von Mannsein in mediterranen, ozeanischen, südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Gesellschaften. Eine verwandte empirische Perspektive verfolgte er in seinem Aufsatz Men and Women in Southern Spain: “Domestic Power” Revisited über Geschlechterbeziehungen in südspanischen Gemeinden.

Misogynie und Monsterbilder

In Misogyny: The Male Malady untersuchte Gilmore die historischen und anthropologischen Erscheinungsformen von Frauenfeindlichkeit. Das Buch bietet eine kulturvergleichende Übersicht über misogynes Denken und deutet dessen Verbreitung unter anderem psychogenetisch, aber auch im Zusammenhang mit sozialen Strukturen wie Patrilinearität, Kriegsführung, religiösem Asketismus und geschlechtlicher Segregation.

Mit Monsters: Evil Beings, Mythical Beasts, and All Manner of Imaginary Terrors wandte sich Gilmore 2003 der anthropologischen Deutung von Monstern und Schreckgestalten zu. Er untersucht darin, welche menschlichen Ängste, Konflikte und Fantasien in Monsterfiguren unterschiedlicher Kulturen dargestellt werden.

Rezeption

Manhood in the Making wurde auch außerhalb der Fachanthropologie rezipiert. Publishers Weekly bezeichnete das Buch als provokante und lohnende kulturvergleichende Studie und hob hervor, dass Gilmore Männlichkeit in vielen Gesellschaften als zu bestehende Prüfung oder als zu erwerbenden Status beschreibt. Carnival and Culture wurde von Choice als „Outstanding Academic Title“ ausgezeichnet.

Die Rezeption von Misogyny fiel gemischt aus. Publishers Weekly beschrieb das Werk als kontroverse und anregende, zugleich aber stark akademisch ausgerichtete Abhandlung. Kritisiert wurde unter anderem, dass Gilmore vor allem heterosexuelle Männer in den Blick nehme und die Rolle von Frauen in misogynen Ordnungen nur begrenzt behandle.

Veröffentlichungen

Monographien

Herausgeberschaft

Aufsätze

Weblinks

Beryl Lieff Benderly: The importance of being macho, New York Times, 15. April 1990, Review von Manhood in the Making (englisch) Gilmore, David D., Encyclopedia.com (englisch) David D. Gilmore, University of Pennsylvania Press, Autorenseite (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Anthropologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Anthropologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Stony Brook University) Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Mann