mini|Rabbiner der Yusuf-Abad-Synagoge in Teheran, Mai 2018 mini|Haim-Synagoge in Teheran mini|Yusuf-Abad-Synagoge in Teheran mini|Zionistische Vereinigung in Iran, 1920 Das Judentum im Iran wird auf die Zeit des Perserkönigs Kyros II. zurückgeführt, der durch die Eroberung Babylons das babylonische Exil der Juden beendete. Sowohl im Mittelalter als auch im 20. Jahrhundert lebten nach Schätzungen zeitweise über 100.000 Juden im Iran, doch sind es nach einer Zählung im Jahre 2016 in Folge von Auswanderung nur noch knapp 10.000. Dies ist dennoch die aktuell größte jüdische Gemeinde eines Landes in der islamischen Welt, da auch aus anderen muslimisch geprägten Ländern die Juden ausgewandert sind. Die iranischen Juden (, yahudiān-e irāni; „persische Juden“) haben in der Islamischen Republik Iran etwa 24 aktive Synagogen, überwiegend in Teheran und Isfahan. Laut Verfassung der Islamischen Republik vertritt ein jüdischer Abgeordneter ihre Angelegenheiten im Parlament.
Jüdische Gemeinden im Iran Die größten jüdischen Gemeinden des Irans gibt es in Teheran und Isfahan.
Die jüdische Gemeinde in Teheran hat nach Angaben des jüdischen Abgeordneten Siamak Morsadegh 20 Synagogen, fünf koschere Metzgereien und ein jüdisches Krankenhaus im Jahre 2017.Theresa Tropper, Interview mit Siamak Morsadegh: Juden im Iran „ging es besser als in Europa“. Deutsche Welle, 18. Mai 2017. Laut einem Bericht des Tagesspiegels sind es 10 aktive Synagogen im Jahre 2016, die bei Gottesdiensten regelmäßig gut besucht sind, sowie ein einziger jüdischer Friedhof in Teheran.Andrea Dernbach: Juden in der islamisch geprägten Welt. Jüdisches Leben blüht im Iran. Der Tagesspiegel, 6. Mai 2016. Zu den wichtigsten Synagogen Teherans gehören die Yusuf-Abad-Synagoge ( Kanise e Yusef Ābād, ) aus dem Jahre 1965, die 1913 fertiggestellte Haim-Synagoge (, Kenisā-ye Hayim, ) und die Abrischami-Synagoge ( Kanise ye Abrishami, ) von 1965.
In Isfahan lebten im Jahre 2019 etwa 1000 Juden.Jan Schneider: Schabbat in der Islamischen Republik. Neue Zürcher Zeitung, 19. Juni 2019. Hier gibt es 12 aktive Synagogen, die meisten im traditionellen jüdischen Viertel Dschuybare (Jubareh), darunter die Molla-Jakob-Synagoge (, ) aus dem 18. Jahrhundert und die um 1700 erbaute Mosche-Haja-Synagoge.Molla Yaghoob (Jacub) Synagogue, Isfahan, Iran. Diarna.org (Archive), 2015, abgerufen am 10. April 2021. Nur zwei Synagogen Isfahans stehen nicht in diesem Stadtviertel, unter ihnen die Keter-David-Synagoge („Synagoge der Krone des David“) von 1940 am Palästina-Platz.Isfahan: „Wir sind Meister der Schizophrenie“ – Die andere Hälfte der Welt. In: Die Zeit. Nr. 26, 2019. Der Großteil der heutigen Isfahaner Juden lebt aber im Stadtzentrum, während in Dschuybare nur noch etwa zehn jüdische Familien leben.Mohammad Gharipour, Rafael Sedighpur: Synagogues of Isfahan. The Architecture of Resignation and Integration. In: Mohammad Gharipour (Hrsg.): Sacred Precincts: The Religious Architecture of Non-Muslim Communities Across the Islamic World. Brill, Leiden 2014. Kapitel 10, S. 178–202.
Robert Bruchim, ein jüdischer Künstler, hat im Jahr 2007 das jüdische Theaterhaus für die jüdische Studenten-Organisation in Teheran gegründet.
Heilige Stätten der Juden im Iran mini|Mausoleum der Königin Ester, der Frau Xerxes des I., und des Mordechai in Hamadan mini|Grab des Daniel in Susa, Iran mini|Habakuk-Mausoleum in Tuyserkan An mehreren Orten im Iran gibt es wichtige jüdische Heiligtümer beziehungsweise Pilgerstätten, ohne dass vor Ort noch bedeutende jüdische Gemeinden vorhanden sind.
Als wichtigste jüdische Pilgerstätte gilt das Grab von Esther und Mordechai in Hamadan. In Susa ist das Grab des Daniel von Bedeutung. In Tuyserkan etwa 100 km südlich von Hamadan steht das Mausoleum des Habakuk.
Geschichte mini|Der persische König Kyros II. erlaubt den Juden, aus dem babylonischen Exil nach Jerusalem zurückzukehren. Gemälde von Jean Fouquet, um 1470 mini|Juden in Hamadan, 1918 mini|Iranische Juden feiern zwei Jahre Konstitutionelle Revolution in Teheran. Als Beginn der Geschichte des Judentums in Persien wird die Eroberung Babylons durch den persischen König Kyros II. im Jahre 539 v. Chr. genannt,Mark Wischnitzer: Persien (Iran). In: Die Juden in der Welt. Erich Reiss Verlag, Berlin 1935. Text online bei haGalil.com, abgerufen am 10. April 2021. der in , sowie und positiv erwähnt und mit einem „Messias“ verglichen wird und „durch die Erweckung seines Geistes“ die Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil ermöglichte. Ausführlich berichtet das Buch Ester über den vom Großwesir Haman geplanten und vom Hofbeamten Mordechai und der Königin Ester vereitelten Völkermord an den Juden im persischen Reich. Dieser Sieg im Achämenidenreich wird bis heute als Purim-Fest gefeiert. Über die Verbreitung der Juden im eigentlichen Persien (Iran) wird in der Bibel jedoch kaum etwas berichtet. Auch aus dem Kyros-Zylinder geht aber hervor, dass Kyros den Juden im Gegensatz zu den assyrischen und babylonischen Herrschern erlaubte, ihren Glauben zu praktizieren. Während so der Tempel in Jerusalem wieder errichtet wurde, zogen einige Juden nach Persien, wo sie bis ins 3. Jahrhundert Toleranz erlebten. Laut Überlieferung im Talmud wurde die spätere iranische Hauptstadt Isfahan von Juden gegründet, deren Siedlung Yahudiya (al-Yahūdiyya) später mit der zoroastrischen Siedlung Gabai (Γάβαι, abgekürzt Ğai bzw. Dschai) verschmolz. Der Historiker und Geograph Ibn al-Faqih al-Hamadani schrieb hierzu im 10. Jahrhundert in arabischer Sprache, dass die unter Nebukadnezar II. aus Jerusalem deportierten Juden Wasser und Erde aus ihrer Heimat mitnahmen. Sie ließen sich nur dort nieder, wo Wasser und Erde so wie in Jerusalem aussahen, was im Gebiet Isfahans der Fall war, und gründeten die später al-Yahūdiyya („Judenort“) genannte Siedlung. Die iranischen Historiker Gharipour und Sedighpur gehen davon aus, dass daraus der Stadtteil Dschuybare entstand, das alte Judenviertel Isfahans, von dem aus sich die Stadt entwickelte.
Laut Mark Wischnitzer gibt es erst im Mittelalter wieder Berichte über die Juden in Persien. Nach der Eroberung Persiens durch die muslimischen Araber im 7. Jahrhundert wurden Synagogen im Lande in Moscheen umgewandelt. Um der Konversion zu entgehen, wanderten viele Juden aus, während es bald darauf auch wieder Einwanderung von Juden gab. Im 12. Jahrhundert gab es in Persien laut Benjamin von Tudela die größten jüdischen Gemeinden in Isfahan mit 15.000 Juden und in Hamadan mit 50.000 Juden. Die Massaker der Armeen Timur Lenks in Hamadan und Isfahan nach der Eroberung 1387 wirkten sich verheerend auf die jüdischen Gemeinden aus. So konnte sich die jüdische Gemeinde von Hamadan nicht mehr erholen, während mit dem erneuten Aufstieg der Stadt Isfahan als Metropole des Handels zwischen Indien und Europa hier wieder jüdisches Gemeindeleben entstand. Die Isfahaner Juden führten ihre Abstammung auf die vom babylonischen König Nebukadnezar II. ins babylonische Exil verschleppten Juden zurück, während nach einer anderen Legende aus dieser Zeit der jüdische König Salomo mit seinem Minister Assaf die Stadt Isfahan gegründet haben soll.
Der erste Herrscher der Safawiden, Ismail I. Schah (1487–1534, Schah ab 1501), setzte die Zwölfer-Schia als Staatsreligion Irans durch. Für die Juden änderte sich an ihrem Status als rituelle unreine (nejasat), Dschizya zahlende „Schutzbefohlene“ (Dhimmi) zunächst nichts. Unter dem Schah Abbas I. (1588–1629) verschärfte sich die Verfolgung der iranischen Juden. Der Kaschaner jüdische Chronist und Dichter Babai Ben Lutf (Baba'i ben Lotf) berichtet in seinem „Buch eines Zwangsbekehrten“ (Kitab-i Anusi) über der Schicksal iranischer Juden in den Jahren von 1613 bis 1662 davon, dass jüdische Gemeindeführer hingerichtet wurden und die gesamte jüdische Gemeinde der iranischen Metropole Isfahan zum Islam zwangskonvertiert wurde. Während Schah Safi I. (1629–1642) den äußerlich islamisierten Juden eine erneute Bekenntnis zum Judentum gestattete, gab es unter Schah Abbas II. (1642–1666) eine erneute Islamisierungswelle, die nun das ganze Land erfasste.Sebastian Tschorn: Der Chronist Babai Ben Lutf schildert das Leben der persischen Juden in der frühen Neuzeit. Jüdische Allgemeine, 2. Januar 2012.
Mitte des 19. Jahrhunderts bereisten europäische Händler zunehmend das iranische Königreich. Dies machte die Situation der iranischen Juden auch bei den Juden in Europa bekannt. Die Alliance Israélite Universelle wurde beim Schah vorstellig, der sich offen zeigte und Erleichterungen versprach. Eine weitgehende Aufhebung der Diskriminierungen gab es jedoch erst mit der Konstitutionellen Revolution im Jahre 1906, durch welche neben den Zoroastriern und Christen auch die Juden einen festen Sitz im neu eingerichteten iranischen Parlament erhielten und als Minderheitsreligionen anerkannt wurden.
Unter der Pahlavi-Dynastie ab 1925 gab es durch die Auswirkungen der Konstitutionellen Revolution eine Blütezeit des iranischen Judentums. In den Jahren von 1898 bis 1958 eröffnete die Alliance Israélite Universelle 34 Schulen, und darüber hinaus gab es 38 weitere jüdische Schulen in Iran. Unter Reza Schah Pahlavi (1925–1941) wurden Massenbekehrungen von Juden zum Islam verboten und das Konzept der Unreinheit von Nicht-Muslimen gesetzlich aufgehoben. Sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi (1941–1979) erkannte darüber hinaus zum Ärger der schiitischen Geistlichkeit den Staat Israel an.Amnon Netzer, Hebräische Universität Jerusalem, in: Charles Recknagel, Azam Gorgin: The History Of Jews In Persia/Iran. Pars Times / Radio Free Europe, 3. Juli 2000. Nach dem Farhud-Pogrom in Bagdad 1941 fanden tausende irakische Juden Zuflucht in Iran. Diese Flüchtlinge bauten 1947 die Teheraner Ettefagh-Synagoge.
Mit der islamischen Revolution 1979 kam es in Iran wieder zu einer Privilegierung des Islam. Die Juden blieben jedoch eine anerkannte Minderheit, und auch der den Juden reservierte Sitz im Parlament ist bis zum heutigen Tag geblieben. Die Islamische Republik schlug sofort eine gegen den Staat Israel gerichtete Politik ein, während sie den Juden Irans gegenüber Toleranz bekundete. So erklärte Ajatollah Ruhollah Chomeini: „Wir erkennen an, dass unsere Juden mit diesen gottlosen Zionisten nichts zu tun haben.“ Dieses Zitat ist in Iran an vielen Orten zu sehen. Während es auf Grund der Scharia Benachteiligungen etwa im Erbrecht oder als Zeugen vor Gericht gibt, sind keine Zwangskonversionen bekannt, wie es sie in vergangenen Jahrhunderten gab. Allerdings haben ähnlich wie Christen auch Juden in großer Zahl Iran verlassen: Von etwa 80.000 Juden im Jahre 1979 fiel ihre Zahl auf rund 30.000 im Jahre 2000. Laut der offiziellen Volkszählung von 2016 lebten in Iran noch 9826 Juden.Iranian Census Report 2016. Iranian Statistics Agency, 2016. Da die Anzahl der Juden in anderen überwiegend muslimischen Ländern noch stärker abgenommen hat, ist dies dennoch die größte jüdische Gemeinde in einem Land der islamischen Welt. So wird etwa für die Türkei eine Zahl von 1700 im Jahre 2016 angegeben, während in den meisten arabischen Ländern nur noch eine Handvoll oder überhaupt keine Juden mehr leben.
Status in der Islamischen Republik Iran mini|Gedenken an Ruhollah Chomeini, Yusuf-Abad-Synagoge in Teheran, 30. Mai 2018