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Als Speos des Haremhab wird ein Felsentempel bezeichnet, der sich am Westufer des Nils in Oberägypten befindet. Er wurde um 1300 v. Chr. unter Haremhab, dem letzten König (Pharao) der 18. Dynastie, bei den Steinbrüchen von Dschabal as-Silsila errichtet, jedoch nicht fertiggestellt, und von nachfolgenden Königen und Beamten mit Reliefs und Inschriften versehen. Das Gebäude besteht aus fünf Durchgängen mit einer langen Vorhalle in Nord-Süd-Ausrichtung und einem sich westlich anschließenden Heiligtum (Sanktuar).

Zum Unterschied dazu befindet sich das erste Grab des späteren Königs Haremhabs in Sakkara.

Lage Der Speos des Haremhab befindet sich im ägyptischen Gouvernement Assuan, etwa 18 Kilometer nördlich von Kom Ombo und 35 Kilometer südlich von Edfu. Er liegt am westlichen Flussufer des Nils zwischen den Orten Nagaa El-Hamam im Norden und Faris im Süden. Der Fluss bildet bei Dschebel es-Silsileh eine Engstelle, die der Nil auf seinem Lauf nach Norden durch die Sandsteinhügelkette gebrochen hat. Der hier im Altertum gebrochene Sandstein des Steinbruchs konnte direkt nach dem Abbau auf Schiffe verladen und nach Karnak, Luxor, Kom Ombo, Esna, Edfu, Dendera und vielen anderen Orten gebracht werden, um die Sandsteinblöcke als Baumaterial zu verwenden. Die westliche Landstraße von Edfu nach Assuan entfernt sich nördlich des Speos des Haremhab vom Nilufer und umgeht den Bereich von Dschebel es-Silsile durch die Libysche Wüste. Vor dem Felsentempel befindet sich eine Anlegestelle mit zwei Treppen für Boote und kleinere Nilschiffe. Südlich des Speos sind einige Felsstelen und -kapellen am Westufer des Nils aneinandergereiht.

Beschreibung Struktur und Fassade mini|hochkant|

Die aus dem natürlichen Felsen geschlagene Tempelfassade des Speos des Haremhab 40 Meter westlich des Flussufers besitzt einen schmalen mittleren und je zwei breitere seitliche Zugänge zum Innenraum. Die an der Fassade angebrachten Reliefs sind stark verwittert. Gleiches trifft auf die vier Figurennischen zu, die sich neben dem zentralen Zugang, zwischen den beiden südlichen Zugängen und an der nördlichen Wand befinden. Farben haben sich nicht erhalten. Den oberen Abschluss der Fassade bildet ein Traufgesims über die gesamte Fläche. Die fünf Tempelzugänge sind heute mit Gittertüren versehen.

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Der unter Richard Lepsius während der preußischen Expedition nach Ägypten angefertigte Grundriss des Tempels zeigt die vier Pfeiler, die die Zugänge voneinander trennen, die dahinter befindliche lange Vor- oder Querhalle, die auch als Galerie bezeichnet wird, und den Zugang sowie den länglichen Raum des Sanktuars, des Allerheiligsten. Hier wurden die Götter Amun-Re, Mut, Chons, Taweret, Sobek, Thot und der vergöttlichte König Haremhab verehrt. In den äußeren Tempelzugängen sind zwei kleine Kapellen aus dem Felsen geschlagen, im Norden die des Wesirs und Bürgermeisters von Theben Paser aus der Zeit König Ramses’ II., im Süden des Wesirs Panehesi aus der Zeit König Merenptahs.

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Der schmale zentrale Eingang an der Ostseite des Tempels ist von Hieroglyphen eingefasst, die über dem Türsturz unter einer geflügelten Sonne und an den Seiten je zwei Kolumnen bilden. Darin befinden sich mehrfach die Kartuschen des Königs Haremhab mit seinem Thronnamen Djeser-cheperu-Re-setep-en-Re (‚Heilig sind die Erscheinungen des Re, auserwählt von Re‘) und seinem Eigennamen Hor-em-heb-meri-en-Amun (‚Horus im Fest, geliebt von Amun‘). Die Inschriften an den Seiten geben die Titel des Königs wieder. Neben den beiden linken Kolumnen ist in einer Nische Prinz Chaemwese, der Sohn Ramses’ II., als Sem-Priester dargestellt. Eine Inschrift berichtet über das erste Sedfest seines Vaters in dessen 30. Regierungsjahr. Die Nische rechts des zentralen Zugangs enthält die halbplastische Statue eines hohen Beamten. Das Relief darüber zeigt Pairi, den Schatzhausvorsteher Ramses’ III., vor den Göttern Amun-Re, Sobek und Bastet.

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Zwischen den beiden nördlichen Tempelzugängen finden sich zwei unterschiedlich große Reliefszenen untereinander. Oben opfert König Ramses III. die Maat dem Gaugott Anhor-Schu des altägyptischen Gaus Ta-seti (Assuan). Darunter befindet sich das kleinere Relief einer mit einem langen Gewand bekleideten weiblichen Person, möglicherweise einer Königin, die stehend ein Opfer für den auf einem Thron sitzenden Gott Ptah darbringt. Hinter ihr steht eine weitere weibliche Figur in kleinerem Format.

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Rechts des nördlichen Tempelzugangs gibt es eine weitere Nische mit einer halbplastischen Figur in langem Gewand. Um wen es sich dabei handelt, ist unklar. Während die beiden übereinanderliegenden Register mit bildlichen Darstellungen links der Statuennische kaum noch erkennbar sind, opfert in den rechten Registern Ramses II. oben dem Gott Ptah und im unteren Register dem Gott Sobek. Neben den Registern befindet sich an der nördlichen Fassadenseite ein nachträglich angebrachtes Relief, das Ramses II. gefolgt von dem Wesir Neferrenpet zeigt, wie er den Göttern Ptah und Sobek eine kleine Figur der Göttin Maat darbringt. Die Gestalt des Sobek wurde später fast vollständig ausgemeißelt.

Die Reliefs auf der linken Seite der Tempelfassade sind wesentlich schlechter erhalten bzw. kaum noch erkennbar. Links der Nische mit der Sem-Priester-Darstellung des Prinzen Chaemwese steht eine Frau in langem Gewand, wohl eine Königin, mit einem Sistrum in der Hand vor der Göttin Maat. Über dem sich links anschließenden Tempelzugang opfert König Ramses III. die Maat vor Amun-Re, Mut, Chons und Sobek. Hinter ihm steht der Aufseher über die Schreiber der Pferde, Iny. Für die Statuennische zwischen den beiden südlichen Zugängen gibt es keinen schriftlichen Bezug. Gleiches gilt für die Szene über dem südlichsten Tempelzugang, die einen König, gefolgt von einer kleineren Person, vor mehreren, nicht mehr identifizierbaren Göttern zeigt. Am Südende der Fassade befand sich wohl ein großformatiges Relief, das einen König vor mehreren Göttern darstellte.

Zugänge mini|links|hochkant| mini|hochkant=0.7|

Die fünf Zugänge in die Vor- oder Querhalle des Tempels sind mit verschiedenen Reliefs verziert. An Nord- und Südseite genügte die Breite der Durchgänge zur Anlage zweier kleiner Kapellen. Die nördliche Kapelle ist die des Wesirs Paser. Über dem Türsturz ist er in zwei Anbetungsszenen dargestellt, auf der linken Seite vor den Göttern Ptah, Thot und Maat, rechtsseitig vor den Göttern Amun-Re, Month-Re und Neith. Die Türeinfassungen beinhalten Opfertexte, unter denen Paser vor einem Opfertisch sitzt. Auf dem Pfeiler gegenüber der Kapelle opfert Ramses II. gemeinsam mit dem Königssohn Chaemwese die Maat vor dem in einem Schrein befindlichen Gott Ptah, hinter dem der Gott Nefertem steht. Ramses wird von seiner Großen königlichen Gemahlin Isisnofret und der Prinzessin Bintanat begleitet. Unter dem darunter befindlichen Text sind linksseitig die Prinzen Ramses, bezeichnet als ältester Königssohn, und Merenptah verewigt.

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Das Relief auf der anderen Seite des ersten Pfeilers im zweiten Zugang von Norden zeigt Ramses III. beim Opfern der Maat vor Amun-Re, Re-Harachte und Sobek. Darunter sind zwei königliche Schreiber dargestellt. An der gegenüberliegenden Seite des Zugangs befinden sich Stelenreste, die ober wahrscheinlich Merenptah erkennen lassen, der die Maat vor Amun-Re, Ptah und einer Göttin opfert. Die Reliefreste darunter stellen den König und vier Personen, u. a. einer Frau mit Sistrum, dar und beinhalten einen rechtsseitig teilweise zerstörten Text des Huy, dem Kammerherrn des „Re von Ramesses“ südlich von Memphis.

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Auf der Südseite des mittleren Zugangs zum Tempel ist Ramses III. abgebildet, der Blumensträuße den Göttern Ptah und Sachmet darbringt. Über der Szene wurde später, im Jahr 5 n. Chr., ein hieratischer Text angebracht. Am rechten, nördlichen Pfeiler opfert Ramses III. Speisen vor den Göttern Sobek und Hathor. Auch über diesem Relief befindet sich eine hieratische Inschrift. Im Zugang südlich des zentralen Tempeleingangs sieht man am nördlichen Pfeiler zwei Szenen der Verehrung der Götter Amun-Re bzw. Re durch Iu, den Aufseher der Schreiber der Pferde. Am südlichen Pfeiler befindet sich eine Stele, die König Sethos II. vor den Göttern Amun-Re, Mut und Chons zeigt. Richard Lepsius gibt an, dass die Stele aus dem Jahr 2 der Regierungszeit des Königs stammt und die Hieroglyphe für Seth in seinem Geburtsnamen später ausgeschlagen wurde.

Der Hauptteil des südlichen Tempelzugangs wird von der Kapelle des Wesirs Panehesi eingenommen. Ihr gegenüber an der nördlichen Pfeilerwand stehen auf einer Stele im oberen Register König Merenptah, seine Schwester und Königsgemahlin Isisnofret, Prinz Sethos-Merenptah und der Wedelträger, Vorsteher der Stadt, wahrscheinlich Panehesi, anbetend vor den Göttern Amun-Re und Ptah. Darunter sind Merenptah, zwei Wedelträger und der Wesir Panehesi anbetend vor den Göttern Re-Harachte und Maat dargestellt. Nach unten folgt ein mehrzeiliger Text über die Lieferung von Sandstein durch Panehesi an den Totentempel des Herrschers. In der Kapelle an der Südseite des Zugangs befinden sich an beiden Seitenwänden Szenen der Verehrung des Königs Merenptah durch Panehesi. Interessant ist eine Inschrift auf dem westlichen Türpfosten der Kapelle, die in drei senkrechten Kolumnen lobende und verehrende Worte des Wesirs Panehesi für seinen König Merenptah enthält.

Vorhalle oder Galerie mini|hochkant|

Die Vor- oder Querhalle des Tempels ist ein Raum mit einem Tonnengewölbe, wobei dieses aus dem Fels geschlagen wurde. Die Wände tragen Bildwerke und Inschriften, weshalb der von Nord nach Süd ausgerichtete längliche Raum auch als Galerie bezeichnet wird. Die Reliefs wurden zum Teil in späterer Zeit nach der Fertigstellung der Räume angebracht. Dabei zeigt die südliche Schmalseite der Halle eine Szene mit Haremhab, unter dessen Herrschaft der Tempel angelegt wurde. Sie zeigt, wie der junge König in vollem Ornat von der Nilpferdgöttin Taweret in Menschengestalt gesäugt wird. Hinter der Göttin steht der Schöpfer- und Fruchtbarkeitsgott Chnum. Auf der rechten Seite des Reliefs stehen hinter Haremhab der „König der Götter“, der Sonnen-, Wind- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Re, und der Fruchtbarkeitsgott Sobek, als Herrscher über das Wasser mit Krokodilkopf dargestellt, der an der Wand jedoch zerstört ist.

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An der gegenüberliegenden nördlichen Schmalseite der Vorhalle sind sechs Figuren im Hochrelief aus der Wand herausgearbeitet. Sie befinden sich in einer Nische, die den unteren Teil der Wand einnimmt. Die Figuren zeigen von links den Wesir Panehesi, bekannt von der Kapelle im südlichen Zugang, die Göttin Maat, die Sängerin der Göttin Hathor Amunnacht, die Göttin Hathor selbst, den Gott Ptah und die Sängerin des Gottes Re Ray. Die Wandfläche über den Figuren ist frei von Reliefs. Rechts neben der Nische der nördlichen Schmalseite befindet sich an der Ostwand der Vorhalle eine Nische mit der halbplastischen Statue des Wesirs Chay aus der Zeit König Ramses’ II. Es folgen zwei Register mit der Darstellung der Verehrung Ramses’ II. durch einen königlichen Schreiber mit einem nebenstehenden hieratischen Text und darunter einer durch Panehesi angebrachten Stele. Sie zeigt unter der geflügelten Sonnenscheibe König Merenptah mit der Blauen Krone, der die Maat den Göttern Amun-Re, Month, Sobek-Re und Hathor opfert. Hinter Merenptah folgt der Wesir Panehesi in Amtstracht mit in Anbetung erhobenen Armen. Unter der Szene kniet der Vorsteher der Priester Amenwahsu mit erhobenen Armen innerhalb von zwölf senkrechten Schriftkolumnen einer Hymne an Amun-Re.

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