mini|Frau Fia Wille, Fotografin: Minya Diez-Dührkoop, 1908 Fia Wille, geborene Körting (* 24. Mai 1868 in Bentheim; † 20. September 1920 in Hannover) war eine deutsche Kunstgewerblerin und Innenarchitektin. Sie führte in Arbeitsgemeinschaft mit ihrem Mann Rudolf Wille ein Atelier für Innenausstattung in Berlin. Beide gehörten der Künstlergruppe Werkring an.
Leben Fia Wille entstammte der Industriellenfamilie Körting, die bei Hannover die Maschinenfabrik Gebr. Körting AG gegründet hatte. Ihre Eltern waren Sophie Körting, geb. Pieper (1844–1922) und der Kommerzienrat Berthold Körting. In erster Ehe war sie seit 1889 mit dem Leutnant Georg Hugo Wilhelm Otto Dietlein verheiratet.Ev. Kirchenbuch Dreifaltigkeitskirche Hannover 1870–1904, 14. November 1889 Aus dieser Ehe stammten eine Tochter und drei Söhne (geboren 1890, 1891, 1895 und 1897).Geburtsregister Mainz 1890, Band 4, Nr. 1722 vom 18. Oktober 1890, Berthold Wilhelm Ernst Friedrich Dietlein, geboren 10. Oktober 1890, gestorben 28. März 1918Ev. Kirchenbuch Dreifaltigkeitskirche Hannover, Taufen 1891–1895, Anna Sophie Margarethe Elisabeth Dietlein, verh. Rust, geboren 25. August 1891, gestorben 9. Mai 1979Ev. Kirchenbuch Garnisonsgemeinde Hannover, Heinrich Wilhelm Arthur Ernst Victor Dietlein, geboren 9. Dezember 1895, gestorben 19. oder 21. April 1897Ev. Kirchenbuch Brandenburg/Berlin Garnisonsgemeinde Berlin, Taufen 1897–1902, Rudolf Ernst Jürgen Dietlein 19. August 1897, geboren 19. August 1897, gestorben 18. Juli 1917 Im Jahr 1900 heiratete sie den Ingenieur Rudolf Georg Wille (1873–1950). Im März 1903 wurde die Tochter Rudifia geboren († 1941).Sterberegister Zehlendorf 1941, Nr. 738 vom 8. Oktober 1941
Fia Wille wurde in einer Kunstgewerbeschule ausgebildet. Ihr zweiter Mann war kunstgewerblicher Autodidakt. Das Paar entwickelte sich beruflich und künstlerisch gemeinsam fort. Zu ihren Arbeiten gehörten Stickereien, Buchzeichnungen, Möbelentwürfe und Inneneinrichtungen. Ab 1900 führten sie ein gemeinsames Atelier in der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten und lieferten in den darauf folgenden Jahren Entwürfe für Anbieter der modernen angewandten Kunst in Berlin, beispielsweise für das Hohenzollern-Kunstgewerbehaus, den Salon Keller & Reiner, das Kaufhaus A. Wertheim und die Möbelfabrik A. S. Ball. Von 1910 bis 1915 betrieben sie in der Lennéstraße in Berlin die Rudolf & Fia Wille GmbH, ein Geschäft für Kunstgewerbe und Innendekoration mit der Präsentation eigener Zimmereinrichtungen sowie von Ausstattungen nach Fremdentwürfen. Gemeinsam gestalteten und bauten Fia und Rudolf Wille ihr Wohnhaus, ein Landhaus am Wannsee, und entwarfen nach 1910 auch Häuser für Kunden. Das Ehepaar gehörte damit zu den Künstlerpaaren ihrer Zeit, die wie Anna und Hermann Muthesius oder Maria und Henry van de Velde eine private und künstlerische Gemeinschaft bildeten.
Rudolf und Fia Wille entwarfen anfangs in der Formensprache des Jugendstils. Sie gehörten neben Anton Huber, Alfred Grenander, Arno Körnig und Curt Stoeving zur Berliner Künstlergruppe Werkring. Im Jahr 1912 vertrat Fia Wille: Fia Wille: Wie erzielen wir Qualitätsarbeit im Kunstgewerbe? Vortrag beim Deutschen Frauenkongress Berlin 27.2.-2.3.1912. In: Gertrud Bäumer (Hrsg.): Deutscher Frauenkongreß. Berlin 1912, S. 113; zitiert nach Corinna Isabel Bauer: Bauhaus- und Tessenow-Schülerinnen, Genderaspekte im Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne. Dissertation, Fachbereich Architektur – Stadtplanung – Landschaftsplanung der Universität Kassel, 2003, S. 21; kobra.uni-kassel.de (PDF; 3,4 MB). – eine Auffassung, die zu den Grundsätzen des Deutschen Werkbundes passte.
Fia Wille engagierte sich ab 1905 im neu gegründeten Deutschen Lyceumclub Berlin u. a. für die Förderung der Frauen in der Berufswelt. 1905 und 1906 gehörte sie zur ständigen Jury für Kunstgewerbe, die über die Teilnahme der Künstlerinnen an Ausstellungen entschied, 1906 übernahm sie deren Vorsitz. 1909 organisierte sie als Vorsitzende des Komitees die Weihnachtsausstellung weiblicher Kunstgewerblerinnen bei Keller & Reiner. 1910 und 1911 fanden die Winter- und Weihnachtsausstellungen im Atelier bei Rudolf und Fia Wille statt.
Mit ihren Entwürfen nahm Fia Wille an der von Hedwig Heyl 1912 initiierten Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten teil. Die Schau war als selbstbewusste Präsentation erwerbstätiger Frauen gedacht und wurde auch so wahrgenommen: Hedwig Heyl: Aus meinem Leben. Berlin 1925, S. 115; zitiert nach Corinna Isabel Bauer: Bauhaus- und Tessenow-Schülerinnen, Genderaspekte im Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne. Dissertation, Fachbereich Architektur – Stadtplanung – Landschaftsplanung der Universität Kassel, 2003, S. 22; kobra.uni-kassel.de (PDF; 3,4 MB). Im zeitgleichen Deutschen Frauenkongress 1912 in den Zoohallen sagte Fia Wille in einem Vortrag: Wille gestaltete für die Ausstellung die Klubempfangshalle, das daneben liegende EmpfangszimmerP. W.: Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf im Zoologischen Garten. In: Kunstgewerbeblatt – Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, NF 23.1912, S. 142; digi.ub.uni-heidelberg.de und organisierte den Ausstellungsaufbau sowie die Ausschmückung der Hallen. Sie leitete zusätzlich die Abteilungen für Hauswirtschaft und gemeinsam mit Else Oppler die Sektion Kleidung.
Für einen Artikel über die Ausstellung Die Frau in Haus und Beruf wurde Wille bei der Arbeit über eine Architekturzeichnung gebeugt abgelichtet. Sie trägt auf dem Foto ein selbst entworfenes Reformkleid. Der Bildaufbau drückt Gelassenheit und berufliche Kompetenz aus. Auf einem weiteren Foto für die Zeitschrift Die Deutsche Frau ist sie mit Kind im Babyalter abgebildet. Damals ging man vielfach davon aus, dass Frauen unverheiratet und kinderlos sein mussten, um als Künstlerinnen erfolgreich zu sein. Diese zwei Fotografien in öffentlichen Medien wandten sich gegen diese Stereotype.
Auf der Bugra Leipzig 1914 war Fia Wille in der Sonderausstellung Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik gemeinsam mit Lina von Schauroth, Frankfurt a. M., und Margarete Brugmann, Leipzig, als Vorsitzende des Arbeitsausschusses Reklame und Werbemittel im Haus der Frau tätig.Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik. Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik. Verlag des Deutschen Buchgewerbevereins, Leipzig 1914. S. X, 221, 289, 310; . Alle Frauen verrichteten ihre Arbeit ehrenamtlich. Fia Wille entwarf außerdem die Inneneinrichtung für den Teeraum im Haus der Frau, der als Veranstaltungsraum und Treffpunkt fungierte.
Ausstellungen 1901: Rudolf und Fia Wille: Ausstellung im Deutschen Buchgewerbemuseum; Originalzeichnungen zu Buchschmuck aller ArtArchiv für Buchgewerbe, Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein, 38.1901, S. 267; 1901 Rudolf und Fia Wille: Wohnungsausstellung, Kunstsalon Keller & Reiner, Berlin, Möbel und Stickereien 1902 Erste internationale Ausstellung für moderne dekorative Kunst in Turin; Stickereien (Fia Wille), Beleuchtungsgeräte (Rudolf und Fia Wille)Kunstgewerbeblatt – Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preußen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, NF 14.1903, S. 40; Digitalisat. digi.ub.uni-heidelberg.de 1902 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung moderner Zimmereinrichtungen, Möbelfabrik A.S. Ball, Berlin, ein Speisezimmer, ein Schlafzimmer, ein Salon sowie ein Herrenzimmer. 1903 Fia Wille: Ausstellung Die Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung im Kunstgewerbemuseum LeipzigL. Hagen: Ausstellung Die Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung im Kunstgewerbemuseum Leipzig. In: Kunst und Handwerk – Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851, Bayerischer Kunstgewerbe-Verein, 53.1902–1903, S. 162; digi.ub.uni-heidelberg.de 1904 Rudolf und Fia Wille: Weltausstellung St. Louis; Damensalon,Deutsches Reich / Reichskommissar für die Weltausstellung in Saint Louis [Hrsg.]; Weltausstellung <1904, Saint Louis, Mo.> [Hrsg.] Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reichs / Weltausstellung in St. Louis 1904 – Berlin, 1904; digi.ub.uni-heidelberg.de verschiedene maschinengewebte Teppiche 1904 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung künstlerischer Frauenkleider im Warenhaus Wertheim, BerlinDeutsche Kunst und Dekoration – illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 14.1904, S. 445; digi.ub.uni-heidelberg.de 1905 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung moderner Zimmereinrichtungen, Möbelfabrik A.S. Ball, Berlin; SchlafzimmerDeutsche Kunst und Dekoration – illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 16.1905, S. 410, 411; digi.ub.uni-heidelberg.de 1905 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung eines Damenzimmers sowie eines Zierschranks in Neue Wohnräume und neues Kunstgewerbe, Kaufhaus A. Wertheim, BerlinDeutsche Kunst und Dekoration – illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 16.1905, S. 670; digi.ub.uni-heidelberg.de 1905 Rudolf und Fia Wille: Große Berliner Kunstausstellung; Esszimmer, Wohnzimmerecke, Speisezimmer 1906 Rudolf und Fia Wille: Dritte Deutsche Kunstgewerbeausstellung Dresden; Esszimmer 1906 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung von mit Gasbeleuchtung und Gasheizung, veranstaltet von der Imperial-Continental-Gas-Association, Berlin; Empfangszimmer, Damenzimmer, Herrenzimmer, Esszimmer, Möbel, Korbmöbel, Tischdecke, BeleuchtungskörperInnendekoration: mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 17.1906, S. 133–140; digi.ub.uni-heidelberg.de 1907 Fia Wille: Ausstellung von Kleidern in der Kölner FloraGesticktes Abendkleid. In: Deutsche Kunst und Dekoration – illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 21.1907, S. 213; digi.ub.uni-heidelberg.de 1907 Fia Wille: Seidenhaus Michaela & Co, Berlin; Seidenstoffe, echte Spitzen, Entwürfe und VerwendungDie Werkkunst, Zeitschrift des Vereins für deutsches Kunstgewerbe, Berlin, 3.1907–1908, S. 59; . 1908 Fia Wille: Ausstellung Der gedeckte Tisch, BerlinKunstgewerbeblatt – Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, NF 19.1908, S. 97; digi.ub.uni-heidelberg.de 1908 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Leipzig; Beiträge: Polstersessel, Gardinen- und BilderrahmenhalterKunstgewerbeblatt – Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, NF 20.1909, S. 70; digi.ub.uni-heidelberg.de 1909 Rudolf und Fia Wille: Ausstellung Die Dame in Kunst und Mode, Hohenzollern-Kunstgewerbe-Haus (Friedmann und Weber), Berlindaten.digitale-sammlungen.de Schlafzimmer einer Dame in Dekorative Kunst, illustrierte Zeitschrift für angewandte Kunst, Band 17. 1908/09 (1909), München, 1909, S. 269. 1910 Rudolf und Fia Wille: Gebrauchsgläser und Lederwaren auf der Weihnachtsmesse des Deutschen Lyceum-Clubs, im Atelier Rudolf und Fia Wille, Berlin 1911 Fia Wille: Glasperlenausstellung StuttgartKunstgewerbeblatt – Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart, NF 22.1911, S. 68; digi.ub.uni-heidelberg.de 1911 Rudolf und Fia Wille: Weihnachtsmesse des Lyceum-Clubs, im Atelier Rudolf und Fia Wille, Berlin