Der Flughafen Memmingen (auch Allgäu Airport, Flughafen Memmingen/München-West, ) ist der Verkehrsflughafen der Stadt Memmingen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Er ist mit etwa 3,5 Millionen Flugpassagieren (Stand Dezember 2025) zwar der kleinste von drei Verkehrsflughäfen in Bayern, jedoch Deutschlands größter RegionalflughafenDyrk Scherff, Memmingen hebt ab, in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4.1.2026, S. 22 sowie der höchstgelegene Verkehrsflughafen Deutschlands.

Der Fliegerhorst Memmingerberg wurde im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht 1936 fertiggestellt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile der Anlage durch Bombenangriffe zerstört. Ab 1956 wurde der Fliegerhorst von der deutschen Luftwaffe genutzt. Die Stilllegung des Fliegerhorstes erfolgte Mitte 2004.

Bereits 2002 wurde durch lokale Unternehmer die air+park allgäu GmbH & Co. KG gegründet (später Allgäu Airport GmbH & Co. KG), um die Möglichkeiten einer zivilen Nutzung des Flugplatzes nach seiner Schließung vorzubereiten. Im Juli 2004 erfolgte die Zulassung unter dem Namen Regionaler Verkehrsflughafen Allgäu. Mitte 2007 wurden die ersten Linienflüge aufgenommen und im September 2008 der Flugplatz formal in Flughafen Memmingen umbenannt. Er wird von zwei Billigfluggesellschaften angeflogen, die großen Anteil am Flug- und Passagieraufkommen haben. Weitere internationale Ziele werden von verschiedenen Chartergesellschaften teilweise saisonal angeflogen.

Geschichte Fliegerhorst Memmingerberg 1935–1945 Die ersten Planungs- und Vermessungsarbeiten für die Anlage eines Flugplatzes begannen 1934. Der damalige Memminger Oberbürgermeister Heinrich Berndl bat in einem Brief an das Reichsluftfahrtministerium, dass der Flughafen für eine gute Verkehrsanbindung möglichst nah an die Stadt gebaut werde. Am 21. Januar 1936 wurde mit dem Bau des 300 Meter mal 1500 Meter großen Militärflugplatzes bei Memmingerberg begonnen. Am 18. Oktober 1936 wurde Richtfest gefeiert und um den Jahreswechsel 1936/37 wurden Teile des Kampfgeschwaders 255 Alpengeschwader dort stationiert, das bald in Kampfgeschwader 51 Edelweiß umbenannt wurden. In dieser Zeit kamen auf dem Flugplatz unter anderem Flugzeuge der Typen He 111, Do 17 und Ju 88 zum Einsatz., auf den Seiten der Sportfluggruppe Memmingen, abgerufen am 28. Januar 2021. Bis August 1939 waren sechs Hallen fertiggestellt. Ziel des Ausbaus war es, genügend Kapazität für zwei Gruppen an Kampfflugzeugen zu schaffen.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden Einsätze zunächst von Memmingerberg aus geflogen, Anfang 1940 wurde dann das Geschwader auf verschiedene Flugplätze nach Frankreich verlegt. Die Anlage wurde daraufhin erweitert, unter anderem mit einer einen Kilometer langen Start- und Landebahn aus Beton. Dazu wurde zwischenzeitlich auch eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes von Rißtissen nach Memmingerberg verlegt. Während des Krieges wurde der Platz von der Zerstörerschule 2 benutzt. Er diente zudem zur Erprobung verschiedener neuer Fluggeräte, darunter der erste Düsenjäger Me 262 und der „Amerikabomber“, Me 264. Auch andere Kampfverbände wurden kurzzeitig, manchmal nur für wenige Tage, auf dem Fliegerhorst stationiert., auf den Seiten von echo34allgaeu.de, abgerufen am 28. Januar 2021

Die folgende Tabelle zeigt die vollständige Auflistung aller fliegenden aktiven Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1937 und 1944 stationiert waren.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–1945 Germany (1937 Borders), S. 435–437, abgerufen am 17. Januar 2023

Von Bis Einheit AusrüstungMärz 1937April 1939III./KG 255 (III. Gruppe des Kampfgeschwaders 255) Mai 1939November 1939III./KG 51 Dornier Do 17M, Heinkel He 111HAugust 1939Mai 1940I./KG 51 Heinkel He 111H, Junkers Ju 88ANovember 1940März 1941 Stab, I. und II./ZG 26 Messerschmitt Bf 110November 1941Dezember 1941Stab und I./KG 54 Junkers Ju 88AAugust 1943August 1943 II./KG 30 Junkers Ju 88AJuli 1944Juli 1944Stab/JG 300 (Stab des Jagdgeschwaders 300) Focke-Wulf Fw 190AAugust 1944September 1944I./KG 26 Junkers Ju 88A

Der erste schwere Bombenangriff mit größeren Schäden erfolgte am 18. März 1944. Zwölf Menschen starben an diesem, weitere 27 Menschen am darauf folgenden Tag. Am jenem 18. März waren neben Memmingen Friedrichshafen, München, Oberpfaffenhofen, Lechfeld und Landsberg von insgesamt über 700 Bombern angegriffen worden.«Schauriger Flügelschlag dieses Krieges» – als zwölf US-Bomber in Dübendorf landeten Ein weiterer Großangriff auf den Fliegerhorst am 18. Juli 1944 begann um 11 Uhr in vier Wellen mit jeweils 50–60 Maschinen. Dabei wurden 170 Personen getötet und 140 verwundet. Drei Hallen wurden vollständig zerstört, drei weitere, die Werft und die Unterkünfte beschädigt. Zudem wurden 26 Flugzeuge vollständig zerstört und 40 weitere beschädigt. Auf der Gegenseite wurden 14 amerikanische B-17-Bomber und sieben P-51-Mustang-Begleitjäger abgeschossen. Zwei Tage später wurde der Flugplatz erneut angegriffen und dabei wurde die noch verbliebene Infrastruktur und 40 Flugzeuge zerstört, 30 weitere wurden beschädigt. Auf dem Fliegerhorst waren weitere 18 Tote und sieben Verwundete zu beklagen. In den darauf folgenden Wochen wurde notdürftig versucht, die Infrastruktur wieder instand zu setzen. Bis zur Kapitulation im Jahr 1945 gab es noch drei weitere schwere und mehrere leichte Luftangriffe. Am 14. August 1944 wurde der Horst durch Jagdbomber angegriffen und sieben Flugzeuge stark beschädigt. Am 25. Februar, 8. und 22. März 1945 wurde der Platz von Tieffliegern angegriffen. Am 9. April erfolgte ein schwerer Angriff mit 96 B-24-Bombern, bei denen nicht nur der Fliegerhorst, sondern auch Teile Memmingens zerstört wurden, was zu hohen Verlusten bei der Zivilbevölkerung führte. Der letzte Angriff auf Memmingen fand am 23. April 1945 statt. Am 26. April wurde die Stadt kampflos an die Streitkräfte der Vereinigten Staaten übergeben.Memmingerberg.de: , abgerufen am 28. Januar 2021.

Nach dem Krieg dienten die noch intakten Gebäude als provisorische Unterkünfte für Heimatvertriebene.

Militärflugplatz von 1954 bis 2003 mini|Flugplatz Memmingen im Jahr 2000 mit dem noch grünen Kontrollturm und der grünen Picasso-Halle im militärischen Betrieb

Ab 1954 nutzten die United States Air Force das Areal des Fliegerhorsts als Übungsplatz. 1955 wurde mit dem Wiederaufbau der Start- und Landebahn, der Hallen und Gebäude begonnen. Im Juni 1956 wurde ein Vorkommando mit der Flugzeugführerschule „S“ auf den Platz verlegt und dieser damit für die deutsche Luftwaffe genutzt, die ab Oktober 1956 den vollen Fluglehrbetrieb mit Flugzeugen vom Typ Piper PA-18 und Nord Noratlas aufnahm. Die Schule umfasste die Transportflieger- und Hubschrauberausbildung sowie die Blindflugschulung.

1959 wurde die Schule aus Platzgründen nach Wunstorf, Diepholz und Faßberg und von dort das neugebildete Jagdbombergeschwader 34 nach Memmingerberg verlegt. Am 5. Mai 1959 wurde diese neue Einheit, die 1992 den Beinamen Allgäu bekam, durch den damaligen Bundesminister der Verteidigung, Franz Josef Strauß, feierlich in Memmingerberg in Dienst gestellt. Beim JaBoG 34 ‚Allgäu‘ waren vor allem die F-84 F, der Lockheed F-104G ‚Starfighter‘ und bis zuletzt das Mehrzweck-Kampfflugzeug PA 200 ‚Tornado‘ stationiert. Seit dieser Zeit waren am Fliegerhorst ungefähr 2.400 Soldaten und Zivilbedienstete beschäftigt.

Während des Kalten Kriegs waren im Rahmen der Nuklearen Teilhabe US-amerikanische Atomwaffen auf dem Gelände gelagert.Hans M. Kristensen: U.S. Nuclear Weapons in Europe (PDF; 4,9 MB), abgerufen am 28. Januar 2021. Für diese Waffen war von 1966 bis 1996 eine Staffel der U.S. Air Force mit bis zu 400 Soldaten verantwortlich. Diese waren auf einem separaten Bereich des Fliegerhorsts untergebracht, dem auch eigene Einrichtungen wie eine US-amerikanische Schule und ein Supermarkt angehörten.

Die Auflösung des Geschwaders wurde im Zuge der sogenannten „Luftwaffenstruktur 5“ am Ende des Jahres 2000 beschlossen. Am 31. Dezember 2002 wurde der Einsatzflugbetrieb offiziell eingestellt. Zum 30. Juni 2003 erfolgte die endgültige Außerdienststellung. Der Fliegerhorst Memmingerberg wurde am 31. März 2004 stillgelegt. Ab dem 1. April 2004 gehörte das Gelände dem Bundesministerium der Finanzen.

Flughafen Memmingen 2004 bis 2010 mini|Das Gelände des Flughafens Memmingen 2005, in der Bildmitte links das heutige Terminal mini|Blick über das Vorfeld auf das Terminal mit Maschinen von Flybe und Ryanair

Am 13. Juni 2002 gründeten lokale Unternehmer und der Landkreis Unterallgäu die air + park allgäu GmbH & Co. KG, die sich später in Allgäu Airport GmbH & Co. KG umbenannte, um die Möglichkeiten einer zivilen Nutzung des Flughafens nach seiner Schließung vorzubereiten. Bereits am 31. Juli wurde ein Antrag auf luftrechtliche Änderungsgenehmigung beim Luftamt Südbayern eingereicht. Am 20. Juli 2004 erfolgte dann die Zulassung als Regionaler Verkehrsflughafen Allgäu.

Der Flugbetrieb der allgemeinen Luftfahrt begann am 5. August desselben Jahres, zu diesem Zeitpunkt jedoch noch ohne Linien- oder Charterflugverkehr. Zur Hannover Messe im Jahr 2005 wurden erstmals tägliche Bedarfsflüge angeboten; wegen mangelnder Nachfrage mussten diese jedoch wieder abgesagt werden. Ein weiterer, von Dauair geplanter Liniendienst, zweimal wöchentlich nach Dortmund und Rostock ab dem 27. August 2006, konnte wegen Insolvenz nicht durchgeführt werden. Als Ersatz wurden im Herbst 2006 zweimal pro Woche Bedarfsflüge für einen Allgäuer Hotelier zwischen Dortmund und Memmingen durch die Luftfahrtgesellschaft Walter angeboten; das Passagieraufkommen beschränkte sich in der zweimonatigen Phase auf etwa 100 Personen.

Ende Juni 2005 beschloss der Landkreis Oberallgäu eine Starthilfe von 480.000 Euro für den Flughafen. Am 18. September 2005 entschied sich die Bevölkerung der Stadt Memmingen in einem Bürgerentscheid mit knapper Mehrheit, eine weitere Starthilfe in Höhe von 200.000 Euro zu gewähren.Bekanntmachung der Ergebnisse der Bürgerentscheide vom 18. September 2005 (PDF-Datei; 60 kB), abgerufen am 28. Januar 2021. Bei einem ebenfalls am 18. September 2005 durchgeführten Bürgerentscheid im Landkreis Unterallgäu entschieden sich die Bürger jedoch deutlich gegen eine Anschubfinanzierung in Höhe von 400.000 Euro.Bürger lehnen Anschubfinanzierung durch den Landkreis Unterallgäu ab. Am 15. Dezember 2005 wurde nach dreijähriger Verhandlung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben der Verkauf des Flughafengeländes abgeschlossen. Damit gingen 144 Hektar des insgesamt 243 Hektar umfassenden Geländes in den Besitz der Betreibergesellschaft über. Ursprünglich war in einem Gutachten ein Wert für das Flughafengelände von 32 Millionen Euro ausgewiesen worden, was sich auf Baulandpreise bezog. Das Flughafenareal wurde tatsächlich für 2,1 Millionen Euro verkauft, was einem Pauschalpreis von unter 1,50 Euro pro Quadratmeter entspricht, einschließlich aller Gebäude und der gesamten sonstigen Infrastruktur. Die Betreibergesellschaft verpflichtete sich im Gegenzug zur Übernahme der Altlasten.Memminger Zeitung vom 18. November 2005. Der Freistaat Bayern förderte Investitionen in den Umbau des Militärflugplatzes zu einem zivilen Verkehrsflughafen und sagte in diesem Zusammenhang einen Investitionszuschuss in Höhe von 7,5 Millionen Euro zu. Im Rahmen eines Notifizierungsverfahrens stimmte die EU im März 2007 dieser Bezuschussung zu.Staatliche Beihilfe N 620/2006 – Deutschland Einrichtung des Regionalflughafens Memmingen (Allgäu) (PDF-Datei; 198 kB), abgerufen am 28. Januar 2021.