Die Straßenbahn Chemnitz ist ein Teil des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs in der Stadt Chemnitz in Sachsen. Eigentümer der Infrastruktur ist die Chemnitzer Verkehrs-Aktiengesellschaft (CVAG), die auch den städtischen Busverkehr betreibt. Eine Besonderheit ist die Verknüpfung des Straßenbahnnetzes mit den Eisenbahnstrecken ins Umland nach dem sogenannten Chemnitzer Modell. Die erste Verknüpfung dieser Art wurde 2002 in Altchemnitz mit der Eisenbahnstrecke nach Stollberg hergestellt, 2016 folgte die Verbindung zum Eisenbahnnetz am Hauptbahnhof. Mit Stand 2020 verkehren auf dem Chemnitzer Straßenbahnnetz fünf innerstädtische Linien der CVAG sowie vier Linien der City-Bahn Chemnitz ins Umland.
Streckennetz und Gleisanlagen Das nach BOStrab betriebene Straßenbahnnetz umfasst 34,0Kilometer (Stand Ende 2018), ist durchgehend zweigleisig ausgebaut und ist großteils auf einem eigenen Gleiskörper trassiert. Zentrale Umstiegsstation zwischen allen neun Linien ist die Zentralhaltestelle. Für 2015 und 2016 wurde die Gesamtlänge des Streckennetzes noch mit 30,4km angegeben.
Die Gleise hatten zunächst die in Deutschland ungewöhnliche Spurweite von nur 3englischen Fuß (knapp 915mm), die bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges geringfügig auf 925mm erweitert wurde. Vorgesehen war, die Spurweite im Rahmen von Gleisumbauten in zehn-Millimeter-Schritten auf Meterspur zu bringen, doch wurde nur ein Schritt ausgeführt. Die danach bereits in den 1930er Jahren angestrebte Umstellung auf Regelspur von 1435mm konnte zunächst nicht durchgeführt werden. Erst 1958 begann die schrittweise Umstellung des Streckennetzes. Die letzte Schmalspurstrecke wurde 1988 außer Betrieb gesetzt.
Liniennetz Stand: 29. Januar 2022 Linie Strecke Halte-stellen BetreiberTaktmo–fr tagsüber Bemerkungen Schönau – Brückenstr./Freie Presse 11 CVAG 10 min planmäßig ab Brückenstr./Freie Presse weiter als Linie 2 nach Bernsdorf Bernsdorf – Brückenstr./Freie Presse 10 CVAG 10 min planmäßig ab Brückenstr./Freie Presse weiter als Linie 1 nach Schönau Technopark – Hauptbahnhof 12 CVAG 10 min stellt zusammen mit den Linien C13, C14 und C15 einen 10-Minuten-Takt Hutholz (über Stollberger Straße) – Hauptbahnhof 21 CVAG 10 min Gablenz – Hutholz (über Annaberger Straße) 27 CVAG 10 min (Stollberg –) Altchemnitz – Zentralhaltestelle – Hauptbahnhof 17 (+11) CB 30 min unmittelbar südlich der Wendeschleife Altchemnitz Übergang auf die Bahnstrecke Zwönitz–Chemnitz Süd mit Betrieb nach EBO, zehn Stationen im Eisenbahnnetz (Burgstädt –) Hauptbahnhof – Zentralhaltestelle – Technopark (– Aue (Sachs)) 11 (+26) CB 60 min im Hauptbahnhof Übergang auf die Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz mit Betrieb nach EBO, fünf Stationen zwischen Chemnitz Hbf und Burgstädt im Eisenbahnnetz, an der Haltestelle Technopark Übergang auf die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf mit Betrieb nach EBO; 21 Haltestellen zwischen Chemnitz Technopark und Aue (Sachs) im Eisenbahnnetz (Mittweida –) Hauptbahnhof – Zentralhaltestelle – Technopark (– Thalheim (Erzgeb)) 11 (+19) CB 60 min Im Hauptbahnhof Übergang auf die Bahnstrecke Riesa–Chemnitz mit Betrieb nach EBO, fünf Stationen im Eisenbahnnetz. An der Haltestelle Technopark Übergang auf die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf mit Betrieb nach EBO; 14 Haltestellen zwischen Chemnitz Technopark und Thalheim (Erzgeb) im Eisenbahnnetz; überlagert sich mit C13 zwischen Chemnitz Hbf und Thalheim (Erzgeb) zum 30-Minuten-Takt (Hainichen –) Hauptbahnhof – Zentralhaltestelle (– Technopark) 11 (+7) CB 60 min im Hauptbahnhof Übergang auf die Bahnstrecke Dresden–Werdau mit Betrieb nach EBO, sieben Stationen im Eisenbahnnetz
Für die von der CVAG betriebenen Linien wurde für 2016 eine Gesamtlänge von 35,1km angegeben, für 2018 (nun ohne Linie 6, dafür mit Linie 3) von 32,6km. Die City-Bahn Chemnitz gibt die Länge der von ihr im Streckennetz der CVAG bedienten Linienabschnitte für die Linie C11 mit 6,3km zwischen Hauptbahnhof und Altchemnitz sowie für die C13 bis C15 jeweils mit 4,3km zwischen Hauptbahnhof und Technopark an. Damit beträgt die Gesamtlänge der von der City-Bahn Chemnitz betriebenen Linien auf CVAG-Streckennetz 19,7km; die Gesamtlänge der in Chemnitz von CVAG und CBC gemeinsam nach BOStrab betriebenen Linien 52,3km.
Die nach BOStrab von der CVAG betriebenen Strecken der Straßenbahn sind allesamt in Richtung Südwesten, Süden und Südosten ausgerichtet, der nördlichste Punkt des Netzes liegt in der Innenstadt nahe dem Omnibusbahnhof im Verbindungsbogen zwischen der Straße der Nationen und dem Hauptbahnhof. Mit den Linien C13, C14 und C15, die im Rahmen der sukzessiven Umsetzung des Chemnitzer Modells entstanden, sind jedoch auch nördliche Stadtteile von Chemnitz umsteigefrei mit Straßenbahnfahrzeugen an die Innenstadt angebunden.
Betriebsablauf Aus- und Einrückfahrten von bzw. zu den Betriebshöfen Altchemnitz und Adelsberg werden in der Regel als Linienfahrt durchgeführt und sind teilweise auch in den Fahrplänen verzeichnet. Bis 2004 waren diese ferner mit einem grün durchgestrichenen Zielschild markiert, um die Fahrgäste auf den abweichenden Linienweg aufmerksam zu machen.
Betriebsintern hat jeder einzelne Kurs eine eindeutige Nummer („Zugnummer“ genannt). Kurse sind die Wagenzüge, die auf einer Linie innerhalb eines Betriebstages im Einsatz sind. Fahrtnummern für einzelne Fahrten von einer Endstelle zur anderen gibt es nicht. 1980 waren beispielsweise Straßenbahnkurse durch eine aus Liniennummer und einer Zählziffer zusammengesetzten Zahl gekennzeichnet. Kurse, die nur im Berufsverkehr im Einsatz waren, trugen die Nummer des nachfolgenden Ganztageskurses mit dem Zusatz „-1“ für früh und „-2“ für nachmittags, sodass es beispielsweise auf der Linie 2 einen Kurs 24-1, einen Kurs 24-2 und auch einen Kurs 24 gab. Die Kursnummern der zweistelligen Linien 13 und 16 (im Jahr 1980) waren entsprechend dreistellig, beispielsweise 131-1 usw.VEB Nahverkehr Karl-Marx-Stadt: Dienst- und Fahrplan für Triebwagenführer, Sommer 1980.
Geschichte Pferdebahn ab 1880 Am 15. Juli 1879 erhielt der englische Ingenieur W. Roebuck die „Concession zum Bau und Betrieb einer Pferdeeisenbahn in Chemnitz“. Mit der Eröffnung der Pferdebahnstrecke zwischen Centralbahnhof (heute Hauptbahnhof) und Nicolaibrücke (heute Falkeplatz) über die Carolinenstraße (heute Carolastraße), Königstraße (heute Teil der Straße der Nationen), den Johannisplatz und die Poststraße (heute Teil der Bahnhofstraße) am 22.April 1880 wurde der Beginn eines schienengebundenen Nahverkehrsmittels in der Chemnitzer Innenstadt gesetzt. Die anfangs eingleisige Strecke hatte eine Spurweite von knapp 915mm und war die schmalste in Deutschland.
Am 16. Mai 1880 folgte die erste Erweiterung des Netzes. Zwischen Neustädter Markt (heute Theaterplatz) und Wilhelmplatz (heute Wilhelm-Külz-Platz) verkehrte nun die „gelbe“ Linie. Der Zentrumsring wurde am 17.Juli 1880 geschlossen, nachdem an diesem Tag Gleise von der Nikolaibrücke über die Theaterstraße bis zum Johannisplatz in Betrieb genommen wurden. mini|Straßenbahnmuseum im Betriebshof Kappel, 2007 Nachdem am 14. August 1880 die Stadtgrenze zu Kappel (etwa Zwickauer/Goethestraße) erreicht war, wurde am 10.September 1880 an der Zwickauer Straße in Kappel der erste Betriebshof, ausgestattet mit Wagenschuppen, Pferdestall, Futtermagazin und Dienstgebäude, eröffnet. Vorher waren die Pferde und Wagen in einem provisorischen Depot am Hauptbahnhof untergebracht.
Am 14. Oktober 1884 folgte die Verlängerung vom Wilhelmplatz über die Wettiner Straße (heute August-Bebel-Straße) zum Schlachthof am heutigen Thomas-Mann-Platz. Mit dem 15.Mai 1892 erreichte die Pferdebahn mit einer Streckenlänge von 7,15Kilometern ihre größte Ausdehnung. An diesem Tag wurde die Kappeler Strecke bis nach Schönau verlängert, wo sie am „Wintergarten“ (etwa Zwickauer Str./Guerickestraße) endete.
Eröffnung der elektrischen Straßenbahn 1893 mini|Straßenbahn, zwischen 1860 und 1926 Carolinenstraße/Neustädter Markt mini|Straßenbahn, zwischen 1860 und 1926 am Markt mini|Straßenbahn, zwischen 1860 und 1926 Neustädter Markt/Petrikirche Am 19. Dezember 1893 wurde auf der Strecke zwischen der Stadtgrenze bei Altendorf über den Markt zum Hauptbahnhof der elektrische Straßenbahnbetrieb aufgenommen. Vier Tage später, am 23.Dezember 1893, folgte die Linie zwischen Holzmarkt (heute östlicher Teil des Rosenhofs) und Rosenplatz. Die hochindustrialisierte Großstadt Chemnitz war damit die neunte Stadt im Deutschen Reich mit einer elektrischen Straßenbahn. Nachdem ab dem 6.Januar 1894 elektrisch zwischen Schönau und Nikolaibrücke gefahren werden konnte, wurde am 12.Januar 1894 die „gelbe“ Linie (Schönau – Schlachthof) komplett elektrisch betrieben. Mit der Inbetriebnahme der Fahrleitung auf der Theaterstraße wurden am 6.Februar 1894 alle Elektrifizierungsarbeiten abgeschlossen. Bis 1898 verkehrten Pferdebahnzüge noch in verkehrsschwachen Zeiten.
Erweiterungen des Streckennetzes vor dem Ersten Weltkrieg Ab 1894 wurde das Streckennetz weiter ausgebaut: 24.06.1894 Verlängerung der Strecke vom Rosenplatz bis zur Bernsdorfer Straße/Wartburgstraße („Neuer Friedhof“) 30.06.1898 Verlängerung der Altendorfer Strecke von der Stadtgrenze bis zur „Wiesenburg“, wo ein neues Depot entstand 02.10.1898 Verlängerung der Schönauer Strecke über Neustadt, Siegmar bis zur Kirche Reichenbrand 19.11.1899 Inbetriebnahme der neuen Strecke von der Brückenstraße bis zur Mühlen-/Hermannstraße 19.11.1899 Inbetriebnahme der neuen Strecke von der Poststr./Annaberger Straße bis zur Treffurthbrücke 25.11.1899 Verlängerung der Mühlenstraßen-Linie bis zur „Scheibe“ in Furth (etwa am Cammann-Hochhaus in Furth) 25.11.1899 Verlängerung der Altchemnitzer Linie bis zur Kirche Altchemnitz 09.01.1900 Verlängerung der Holzmarktstrecke über Roßmarkt, Nikolaibrücke, Stollberger Straße bis zum Nikolaibahnhof (heute Haltepunkt Mitte) 26.04.1900 Inbetriebnahme der neuen Strecke vom Johannisplatz zur Ost-/Martinstraße (heute Augustusburger Str./Martinstraße) 31.05.1900 Verlängerung der Altchemnitzer Linie bis zur „Linde“ (dort wo auch heute noch die Endstelle Altchemnitz ist) 16.10.1900 Verlängerung der Oststraßen-Linie (Heute Augustusburger Straße) bis zur Stadtgrenze 31.10.1900 Inbetriebnahme der neuen Strecke vom Johannisplatz nach Hilbersdorf, Waisenhaus (etwa Frankenberger/Dresdner Straße) durch die Dresdner Straße, Sonnenstraße, Hainstraße – dabei musste am Dresdner Platz bis zum 1.August 1909 umgestiegen werden, da die Eisenbahngleise, die damals noch in Straßenniveau lagen, nicht gekreuzt werden durften 28.11.1901 Verlängerung der Schlachthofstrecke durch die Planitzstraße (heute Heinrich-Schütz-Straße) bis zu den „Neuen Kasernen“ (Endstelle etwa an der Zeisigwaldstraße) 13.12.1901 Verlängerung der Oststraßenstrecke bis zum Gablenzplatz 17.05.1902 Inbetriebnahme der neuen Strecke von der Limbacher/Leipziger Straße bis nach Borna, Schulpflanzgarten (heute Botanischer Garten) 01.10.1903 Verlängerung der Hilbersdorfer Linie über Frankenberger Str. und Margarethenstraße zum „Waldschlösschen“ (etwa Margarethenstr./Dresdner Straße) 17.10.1903 neuer Straßendurchbruch „Friedrich-August-Straße“ in westlicher Verlängerung der Königstraße vom Johannisplatz bis zum Rathaus, der mit Gleisen versehen wird – die Strecke in der Inneren Johannisstraße (heute überbaut) wird bis in die 1930er Jahre als Betriebsstrecke genutzt
Im Frühjahr 1904 wurde die Kennzeichnung der Linien von Farbsymbolen auf Buchstaben umgestellt, wobei der Buchstabe R doppelt belegt war. Auf einer Gesamtstreckenlänge von 43,24Kilometern verkehrten zehn verschiedene Linien. Ihre Strecken waren wie folgt: A Altchemnitz, „Linde“ – Poststraße – Furth, „Scheibe“ B Borna, Schulpflanzgarten – Markt – Neuer Friedhof F Altendorf, „Wiesenburg“ – Markt – Neuer Friedhof G Gablenz, Gablenzplatz – Theaterstraße – Nikolaibrücke H Hilbersdorf, „Waldschlößchen“ – Theaterstraße – Stadttheater