mini|Efterskole Ranum. Eine dänische Besonderheit sind abgelegene Internatsschulen, um Lernrückstände der 10. Klasse aufzuarbeiten.

Das Bildungssystem in Dänemark umfasst das Spektrum vom frühkindlichen Bereich über das Schulwesen bis zur Hochschul- und Erwachsenenbildung in Dänemark. Einflüsse kamen aus Deutschland und den skandinavischen Nachbarn sowie aus den angelsächsischen Bildungssystemen.

Im PISA-Ranking von 2018 erreichen Dänemarks Schüler Platz 18 aller Länder unmittelbar vor Deutschland: Platz 13 in Mathematik, Platz 24 in Naturwissenschaften und Platz 18 beim Leseverständnis. Die besten europäischen Länder waren Estland (5.) und Finnland (10.). Das Land liegt damit im oberen Drittel unter den OECD-Staaten.

Für die Färöer-Inseln und Grönland bestehen eigene Regelungen, vor allem zur Unterrichtssprache.

Öffentliche und private Schulen mini|Schulversammlung in einer dänischen Schule mini|Kathedralschule in Aarhus

In Dänemark existieren öffentliche und private Schulen. Private Schulen (friskoler) wurden im Jahr 2016 von 16,7 % der Schüler besucht. In Dänemark haben die Eltern traditionell ein großes Mitspracherecht (Elternrecht) in den Schulen, dessen Wurzeln historisch im Hausunterricht liegen.

In den Lehrplänen besteht in Dänemark eine große Freiheit für alle Schulen. Es besteht Bildungspflicht, wodurch der Besuch einer Schule nicht zwingend zum Erlangen von Bildung vorgeschrieben ist, sondern auch anderswo erfolgen kann. Von dieser Freiheit macht aber nur ein Prozent der Eltern Gebrauch.

Die privaten Schulen haben einen Leistungsvorsprung vor den öffentlichen Schulen. Dieser ist jedoch durch den familiären und sozioökonomischen Hintergrund der Schülerschaft zu erklären und kein wirklicher Effekt der Privatschule.Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Hrsg.): PISA 2006 – Schulleistungen im internationalen Vergleich – Naturwissenschaftliche Kompetenzen für die Welt von Morgen Bertelsmann Verlag, 2007, S. 269 Unter den privaten Schulen werden unterschieden:

kleine, unabhängige Schulen in ländlichen Bezirken (friskoler) große, unabhängige Schulen in Stadtbezirken (privatskoler) religiöse Schulen oder Gemeindeschulen fortschrittliche freie Schulen, wie die Internationale Schule von Kopenhagen Schulen mit einem bestimmten Bildungsziel, wie zum Beispiel die Rudolf Steiner-Schulen Schulen für die deutsche Minderheit in Süddänemark Immigrantenschulen

Die Privatschulen werden vom Staat finanziell unterstützt, unabhängig von ihrer ideologischen, religiösen, politischen oder ethischen Ausrichtung hinter ihrer Einrichtung. Meist sind sie kleiner als öffentliche Schulen. Die Lehrinhalte müssen den Ansprüchen der öffentlichen Schulen entsprechen, d. h. im Inhalt ungefähr übereinstimmen. Das Bildungsministerium rät den Privatschulen, die Lernenden am Abschlussexamen der Folkeskole teilnehmen zu lassen, um eine Qualitätskontrolle zu haben. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch nicht bei der Regierung, sondern bei den Eltern der Schüler. Zu den aktuellen Problemen gehört die Anerkennung von muslimischen Privatschulen, die wenig staatliche Kontrolle dulden wollen.

Schullaufbahn mini|Grundvig, der Bildungsphilosoph Dänemarks

Die Schulbildung beginnt in Dänemark mit mindestens einem obligatorischen Jahr im Kindergarten, in Dänemark 0. Stufe genannt. Die Bildungspflicht umfasst insgesamt 10 Jahre.

Darauf folgt die neunjährige Volksschule (Folkeskole), die mit der Abschlussprüfung FSA (Folkeskolens Afgangsprøve) endet. Eine Trennung der Schüler vor der 9. Klasse findet nicht statt, es besteht eine neunjährige Gemeinschaftsschule. Nach der Abschlussprüfung, die einem anspruchsvollen Hauptschulabschluss gleichzusetzen ist, bieten sich den Schülern je nach Eignung mehrere Wege an.

Zunächst gibt es die Möglichkeit, nach der 9. Klasse noch ein Jahr auf die Folkeskole zu gehen und die Erweiterte Abschlussprüfung zu absolvieren (die sogenannte FS10, vormals FSU). Diese entspricht etwa der deutschen Mittleren Reife (Realschulabschluss). Da viele Folkeskolen keine 10. Klasse anbieten, absolvieren viele Schüler ein Jahr auf einer sogenannten Efterskole. Dies sind Internate, in denen die Jugendlichen neben den Fächern der 10. Klasse vor allem soziale, künstlerische, sportliche oder musikalische Kompetenzen weiterentwickeln sollen, wobei der Schwerpunkt bei jeder Efterskole anders gelegt wird. Aufgrund der relativ niedrigen Kosten ist es für alle Eltern möglich, ihre Kinder auf eine Efterskole zu schicken. Oftmals geschieht dies, wenn Schüler noch nicht als reif für das Gymnasium betrachtet werden.

Gymnasiale Oberstufe mini|Kathedralschule in Viborg

Weiterführende Schulen nach der Folkeskole sind das Gymnasium (STX), das Handelsgymnasium (HHX) sowie das technische Gymnasium (HTX). Das Gymnasium ist mit dem deutschen Gymnasium vergleichbar und endet mit dem dänischen Abitur (Allgemeine Hochschulreife), dem sogenannten Studentereksamen. Vom Niveau und vom Umfang der Hochschulreife her entspricht das Studentereksamen dem deutschen Abitur, das heißt, es ist mit dem Studentereksamen möglich, alle Studiengänge in Dänemark zu studieren, wobei es für bestimmte Studiengänge jedoch erforderlich ist, bestimmte Kurse im Abitur belegt zu haben. Es gibt am Gymnasium zwei Linien, die sprachliche sproglig linje und die mehr mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte matematisk linje. Da die mathematische Linie jedoch auch viele sprachliche Fächer enthält und neben zwei Jahren Englischunterricht auch eine zweite Fremdsprache über zwei Jahre genommen werden muss, bietet die matematisk linje praktisch deutlich mehr Möglichkeiten, so dass sie mehr Schüler wählen.

Der Besuch des Gymnasiums dauert drei Jahre, entspricht also der gymnasialen Oberstufe. Je nachdem, ob man nach der 9. oder 10. Klasse auf das Gymnasium geht, dauert es also 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur. Da kein Leistungsunterschied zwischen den Schülern, die aus der 9. Klasse kommen, im Vergleich zu denen, die nach der 10. Klasse kommen, einwandfrei festgestellt werden kann, ist insofern ein Abitur in Dänemark nach zwölf Jahren problemlos möglich.

Es gibt für die belegten Kurse drei Niveau-Arten: das A-, B- und C-Niveau. Das A-Niveau entspricht deutschem Leistungskursniveau, B-Niveau deutschem Grundkursniveau und C-Niveau einer grundlegenden Einführung. Kurse, die nur ein Jahr belegt werden, entsprechen dem C-Niveau (beispielsweise Musik sowie Kunst, Latein, Sport, Religion, klassische Altertumskunde), zweijährige Kurse B-Niveau (Beispielsweise Englisch bei der matematisk linie, Deutsch) und dreijährige Kurse entsprechen dem A-Niveau (Dänisch, Geschichte, Mathematik, Französisch, Spanisch, Russisch). Jeder Schüler muss drei Jahre Geschichte und Dänisch belegen, so dass diese beiden Kurse automatisch A-Niveau erhalten. Ferner müssen zusätzlich mindestens zwei, maximal drei andere A-Niveau-Fächer hinzugewählt werden, beispielsweise Physik, Chemie, Mathematik oder mehrere Sprachen.

Die A-Niveau-Fächer werden nach drei Jahren schriftlich geprüft, zusätzlich noch drei mündliche Fächer, wobei die Fächer ausgelost werden. Ganz Dänemark hat ein Zentralabitur, die schriftlichen Übungsaufgaben sind in ganz Dänemark identisch. Die mündlichen Prüfungen werden vom jeweiligen Lehrer abgenommen, zusätzlich sitzt ein neutraler „Censor“ im Raum, der von einer anderen Schule kommt und gleichberechtigt mit dem Lehrer über die mündliche Note entscheidet.

Im August 2026 erklärte die Regierung, dass mit dem Schuljahr 2026/2027 verpflichtende mündliche Prüfungen für Schüler der höheren Schuljahre des Gymnasiums eingeführt werden. Dies soll verhindern, dass Schüler durch Anwendung künstlicher Intelligenz gute Leistungen vortäuschen können.

Zensuren dänische ZensurDefinitionentsprechend(e) ECTS-Noteentspr. deutscher Zensur12„herausragende Leistung“A1+ (15 Punkte)10„ausgezeichnete Leistung“B1 bis 2 (11–14 Punkte)7„gute Leistung“C2 bis 3+ (9–11 Punkte)4„mäßige Leistung“D3 bis 3− (7–8 Punkte)02„ausreichende Leistung“E4+ bis 4 (5–6 Punkte)00„unzureichende Leistung“Fx4− bis 5 ([1/]2–4 Punkte)−3„völlig inakzeptable Leistung“F6 (0 Punkte)

Seit dem Schuljahr 2007/2008 besteht das dänische Notensystem aus einer 7-stufigen Skala mit Zensurpunkten zwischen −3 und +12 rsp. 12. Für bestandene Leistungen werden 12, 10, 7, 4 oder 2 Punkte vergeben; nicht bestandene Leistungen erhalten 0 oder −3 Punkte. Die dazwischenliegenden Werte werden für die Zensierung einzelner Leistungen nicht vergeben, finden jedoch bei der Berechnung von Durchschnittszensuren aus mehreren Einzelleistungen Anwendung. Gründe für die Reformierung der Notenskala waren unter anderem der Wunsch nach klaren Abgrenzungen zwischen den einzelnen Zensuren und die Ermöglichung einer einfacheren internationalen Vergleichbarkeit. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die einzelnen Zensurschritte mit der jeweiligen Definition vom dänischen Bildungsministerium sowie einen Vergleich mit ECTS-Noten und der sechsstufigen deutschen Schulnotenskala.

Zuvor war das dänische Notensystem auf einer 13-Punkte-Skala aufgeteilt, wobei 00 bzw. 0 die schlechteste und 13 die beste Zensur darstellte. Verglichen mit dem deutschen System stellte es sich so dar (die Noten 1, 2, 4 sowie 12 gab es nicht): (dänische Noten = äquivalente deutsche Noten) (00 = 6; 03 = 5–6, 05 = 5, 06 = 4; 07 = 3–4; 08 = 3; 09 = 2−; 10 = 1–2; 11 = 1; 13 = 1+).

Abschlüsse In der Allgemeinbildung gibt es in Dänemark neben dem oben genannten Studentereksamen (STX) noch zwei andere Examensarten, das Handelsschulexamen HHX (Højere Handelseksamen) sowie das technische Abitur HTX. Während ersteres vor allem für jene interessant ist, die eine Tätigkeit in der Wirtschaft anstreben, ist das HTX vor allem für Schüler interessant, die später einen Ingenieurberuf anstreben. Jedoch können diese Berufe auch von Absolventen des Studentereksamens ergriffen werden, manchmal wird dann jedoch ein längeres Berufspraktikum verlangt. Das HHX und HTX sind also fachgebundene Hochschulreifen, die nicht an die Flexibilität des Studentereksamens heranreichen, dafür jedoch in ihrem Fachbereich zu einer intensiveren Vorbildung führen.

In der Beruflichen Bildung besteht auch die Möglichkeit, nach der 9. Klasse statt des Besuchs einer weiterführenden Schule eine Lehre im Handwerk, Industrie- oder Handelssektor zu absolvieren. Berufsschulen, bei denen Theorie und Praxis kombiniert werden, bieten zwölf verschiedene Programme an, die zwischen 1,5 und 5,5 Jahren dauern. Zur Wahl stehen folgende Programme:

Kraftfahrzeuge, Flugzeuge und andere Transportmittel Hoch- und Tiefbau Bau- und Benutzerservice Tiere, Pflanzen und Natur Körper und Stil Ernährung Media Produktion Business Produktion und Entwicklung Strom-, Management- und IT Gesundheit, Pflege und Pädagogik Transport und Logistik

Das dänische Schulsystem differenziert bis zum Ende der Folkeskole überhaupt nicht, danach jedoch sehr stark. Oftmals wird der Niveausprung von der Folkeskole zum Gymnasium als sehr drastisch empfunden, was erklärt, wieso sich viele Dänen für die 10. Klasse entscheiden. In der öffentlichen Diskussion wird der Niveauunterschied zwischen der Folkeskole und dem darauffolgenden Gymnasium oftmals diskutiert, jedoch besteht grundsätzlich der Konsens, dass an der Politik der späten Differenzierung festgehalten werden soll. Eine frühere Trennung der Schüler, wie sie in Deutschland stattfindet, wird abgelehnt.

Wenn sich Jugendliche ab 18 Jahren weiter einer Ausbildung widmen, werden sie vom Staat finanziell unterstützt. Zurzeit absolvieren jährlich 80 % der Jugendlichen eine der beiden Möglichkeiten.

Inklusion