mini|Paketabholstelle in Batumi Wildberries ist ein russisches Unternehmen im Bereich des Onlineversandhandels mit Hauptsitz in Moskau. Seit 2017 ist das Unternehmen der größte Onlinehändler in Russland. Bis 2022 war es auch in EU-Ländern aktiv. 2020 betrug der Umsatz 5,3 Milliarden Euro, und die Plattform hatte über 40 Millionen Nutzer. Wildberries erzielte 2023 einen Gewinn von etwa 190 Millionen Euro.

Im Juli und August 2026 wurden Verteilzentren und Lager des Unternehmens in Russland wiederholt Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.Dichter Rauch über Sankt Petersburg. In: ntv. 23. Juli 2026, abgerufen am 11. August 2026.

Geschichte Im Jahr 2004 begann die damals 28-jährige Mutter Tatjana Bakaltschuk damit, von ihrem Moskauer Apartment aus über das Internet Bekleidung des deutschen Einzelhändlers Otto zu vertreiben. Sie hatte erkannt, wie schwierig es für sie und andere junge Mütter war, mit einem Neugeborenen zu Hause Kleidung für sich selbst zu kaufen. Wildberries Wettbewerbsvorteil bestand anfangs darin, dass es keine Vorauszahlung verlangte und eine geringe Provision nahm. Ihr damaliger Ehemann Wladislaw Bakaltschuk, ein IT-Techniker, schloss sich ihr bald an, verkaufte sein eigenes Unternehmen, investierte in Wildberries und half beim Aufbau des Geschäfts. Beide warben viele Verwandte an, für Wildberries zu arbeiten. Ihr Mann erhielt ein Prozent der Unternehmensanteile.

Wildberries begann mit dem Vertrieb von Kleidung und erweiterte mit der Zeit das Sortiment unter anderem um Schuhe, Kosmetika, Haushaltsprodukte, Kinderwaren, Elektronik, Bücher, Schmuck und Lebensmittel. Das Unternehmen konnte nach der Finanzkrise 2008/9 expandieren, weil ausländische Unternehmen versuchten, ihre überschüssigen Lagerbestände mit hohen Rabatten loszuwerden. Im Jahr 2014 war Wildberries der größte Onlinehändler in Russland. Der Umsatz im Jahr 2016 erreichte 45,6 Milliarden Rubel und im Jahr 2023 538,7 Milliarden Rubel. Schon im Jahr 2018 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,9 Milliarden US-Dollar und zog täglich 2 Millionen Besucher an. Laut Forbes wurde Bakaltschuk 2019 zur ersten Selfmade-Milliardärin Russlands.

Im Januar 2020 nahm Wildberries seinen Betrieb in der Europäischen Union mit dem Verkaufsstart in Polen auf. Anfang 2021 expandierte das Unternehmen nach Deutschland. Im Februar 2021 kaufte Bakaltschuk die kleine russische Bank Standard Credit. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht. Wildberries nutzt die Bank für Abrechnungen mit Lieferanten und für die Betreuung von Verbraucherdienstleistungen.

Am Morgen des 13. Januar 2024 war die Wildberries-Lagerhalle in der Nähe von St. Petersburg von einem Großbrand betroffen. Es entstand ein Sachschaden – nach vorläufiger Schätzung vom 13. Januar 2024 – von umgerechnet etwa 126 Millionen US-Dollar.Lagerhalle brennt lichterloh: Monströse Rauchwolke bedeckt St. Petersburg n-tv vom 13. Januar 2024. Das Institute for the Study of War vermutete eine Verbindung zu den dort vorher stattgefundenen Razzien zum Ziel der militärischen Zwangsmobilisierung von Arbeitern.

Die Arbeitsbedingungen des Unternehmens gaben wiederholt Anlass zu Kritik. So kam es aufgrund neuer Regeln, die Versandmitarbeiter finanziell verantwortlich für Kundenretouren machten, zu landesweiten Streiks. Veröffentlichte Videos zeigten Mitarbeiterinnen in Unterwäsche bei Leibesvisitationen, die aus Angst vor Diebstählen bei Schichtwechseln angeordnet wurden.

2024 wurde das Ehepaar Bakaltschuk geschieden. Wegen Korruption und der Bedeutung des Zahlungssystems des Unternehmens (zur Umgehung von SWIFT) mischte sich die Politik ein. Auch Ramsan Kadyrow war involviert.

Der ehemalige Ehemann der Gründerin versuchte am 18. September 2024, in die Räumlichkeiten am Sitz des Unternehmens einzudringen. Bei der folgenden Schießerei starben zwei Sicherheitsmitarbeiter. 33 Personen sollten verhaftet werden.

Im November 2025 schrieb Tatjana Bakaltschuk einen offenen Brief an Zentralbank, Regierung und Bundesversammlung. Sie beschrieb den Druck der großen Banken (speziell der Sberbank) auf die Zahlungssysteme digitaler Marktplätze. Die Vertreter der Marktplätze bestünden darauf, dass Banken versuchten, den Wettbewerb zu zerstören. Marktplätze hätten Tochterbanken, mit deren Karten Kunden auf Online-Plattformen Waren günstiger erwerben konnten als mit anderen Zahlungsmethoden. Auch die Großbanken hatten Onlinemärkte, jedoch hätten sie Kunden wegen schlechterer Bedingungen verloren. Die Banken konnten aber auch bei den Rabattsystemen teilnehmen.

Im November 2025 gab Wildberries die Expansion auf den afrikanischen Markt bekannt, nachdem es eine Vereinbarung mit der staatlichen Ethiopian Investment Holdings abgeschlossen hatte.

Im Juli 2026 fiel die Finanzabteilung von Wildberries unter die europäischen Sanktionen gegen Russland seit dem Überfall auf die Ukraine.

Ukraine-Krieg seit 2022 mini|Rauchfahne über Moskau Die Ukraine wirft Wildberries vor, „auch Bedarf für den [russischen] Angriffskrieg zu liefern“. Als Konsequenz wurde am 18. Juli 2026 das Hauptlager in Elektrostal bei Moskau durch einen ukrainischen Drohnenangriff komplett zerstört. Ein Lager in Kotowsk wurde ebenfalls angegriffen. Bei den Angriffen starben nach russischen Angaben sieben Menschen. Am 21. Juli 2026 wurden Lagerhallen in Krasnodar und Newinnomyssk beschädigt. Experten schätzen, dass zu dem Zeitpunkt etwa sieben Prozent der Lagerkapazitäten von Wildberries nicht mehr benutzbar waren. Bis zum 24. Juli wurden acht Lager angegriffen, auch jenes im etwa 2000 Kilometer von der Frontlinie entfernten Jekaterinburg, was als eines der weitesten Angriffsziele der ukrainischen Drohnenstreitkräfte im russischen Hinterland gilt. Als Folge wurde bei Wildberries die Kategorie „Alles für die SWO (Spezielle Militäroperation)“ gelöscht, aber die Artikel waren immer noch zu kaufen. Am 31. Juli 2026 wurden zwei Lagerhäuser in Wolgograd und Selenodolsk in Brand gesetzt, wodurch ein Schaden von schätzungsweise 1,5 Milliarden US-Dollar entstand. Am 3. August 2026 wurde ein Logistikzentrum von Wildberries im Oblast Wladimir rund 180 Kilometer östlich von Moskau evakuiert. Grund war ein Angriff der Ukraine mit mehreren Drohnen. Nach Angaben von Behörden wurde ein Mensch verletzt. Das Unternehmen machte keine weiteren Angaben zu den Schäden und erklärte lediglich, dass die Beschäftigten aus dem Gebäude gebracht worden seien. Nach Schätzungen von Wirtschaftsanalysten verlor Wildberries durch die Angriffe bisher etwa 20 Prozent seiner Lagerkapazitäten. Dabei sei ein Schaden bis Anfang August 2026 von 280 Milliarden Rubel (etwa 3 Milliarden Euro) entstanden. Am 4. August 2026 wurde bei einem ukrainischen Drohnenangriff ein Lagerhaus von Wildberries in der Oblast Twer beschädigt. Der Gouverneur Vitali Koroljow teilte mit, dass niemand verletzt worden sei. Weitere Angaben zu Schäden wurden nicht gemacht. Zuvor hatte Wildberries bereits mitgeteilt, dass sein Lager in der Siedlung Krasny Bor in der Oblast Leningrad um Sankt Petersburg in Brand geraten sei. Bei Drohnenangriffen der Ukraine auf die Oblast Tula wurde am 4. August 2026 unter anderem ein Logistikzentrum von Wildberries getroffen. Der Gouverneur der Oblast, Dmitri Miljajew, teilte später auf Telegram lediglich mit, dass der dadurch entstandene Brand in dem Logistikzentrum noch durch Einsatzkräfte bekämpft werde. Am 7. August 2026 teilte Wildberries mit, dass sein Logistikzentrum in Jekaterinburg nach einem Angriff in Brand stehe, aber der größere Teil der Waren nicht beschädigt worden sei. Der Gouverneur der Oblast Swerdlowsk, Denis Pasler, sagte, dass drei Kampfdrohnen auf das Dach des Logistikzentrums gestürzt seien und der Brand unter Kontrolle gebracht worden sei. Nach Drohnenangriffen der Ukraine am 11. August 2026 auf Lagerhallen von Wildberries in der Oblast Woronesch brannten nach Angeben von Gouverneur Alexander Gussew Zehntausende Quadratmeter Lagerfläche. In der Nacht auf den 18. August 2026 wurde Moskau von der Ukraine mit Hunderten Drohnen angegriffen. Dabei sei nach dem Gouverneur Andrej Worobjow das Lager von Wildberries in der Oblast Moskau getroffen worden, das in Brand geriet. Das Feuer sei bis zum Morgen wieder gelöscht worden. Dabei handele es sich um das größte zu diesem Zeitpunkt noch intakte Wildberries-Lager in Podolsk vierzig Kilometer südlich von Moskau.

Folgen der ukrainischen Angriffe 2026 Bis Mitte August 2026 wurden durch Drohnenangriffe laut der New York Times 23 Wildberries-Lagerhäuser in ganz Russland getroffen. Mindestens 13 Menschen seien getötet und Dutzende verletzt worden.

Bei den bisherigen Angriffen auf Wildberries-Einrichtungen wurden zehntausende Kleinunternehmer empfindlich geschädigt. Wildberries wickelte vor dem Beginn der Angriffe Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen würden. Ein Fünftel der Lagerkapazität des Unternehmens wurden laut einer Reuters-Auswertung von Satellitenbildern beschädigt oder zerstört. Die Regierung in Moskau berate über mögliche Hilfen für das Unternehmen und die betroffenen Händler. Tausende Franchisenehmer und Händler, die auf die Plattform angewiesen sind, versuchten ihre Verluste zu begrenzen. Deswegen gebe es örtlich fast keine Lieferungen an Wildberries mehr, was zu einem erheblichen Einbruch der Verkäufe führe.

Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf Analysen des Marktforschungsunternehmens Data Insight und weitere Quellen, dass bei den jüngsten Angriffen Wildberries-Lagerbestände im Wert von bis zu fünf Milliarden US-Dollar vernichtet worden sein sollen. Wildberries hat bei russischen Banken Kredite von über 10 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Unter anderem sollen Pläne für eine Rettungsaktion diskutiert worden sein, die weitreichende Folgen für Russlands Wirtschaft haben könnten. Bisher sollen von den ukrainischen Angriffen über eine Million Quadratmeter Lagerfläche betroffen sein. Unternehmen, die ihre Waren auf der Handelsplattform von Wildberries anbieten, soll untersagt worden sein, diese aus betroffenen Lagern zurückzuholen. Teilweise wurde betroffenen Händlern eine Entschädigung angeboten. Auch wegen dieser engen Verflechtung mit dem russischen Onlinehandel könnte der Staat eine finanzielle Rettungsaktion einleiten, um heftigere Konsequenzen abzuwehren. Am 10. August 2026 war unklar, ob es eine Rettungsmaßnahme geben und wie diese aussehen würde.