mini|Mariä Himmelfahrt (Opava)
Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt (auch Liebfrauenkirche; ) in Opava (deutsch Troppau) ist eine dreischiffige Hallenkirche mit zwei Türmen. Sie wurde im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts im Stil der Gotik anstelle eines älteren romanischen Kirchenbaus vom Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. 1995 wurde die Kirche zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt. Seit 1996 ist sie Konkathedrale des Bistums Ostrau-Troppau.
Geschichte Erbauung der Kirche mini|Südseite des Chores mini|Innenansicht Langhaus Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Troppau gehörte von Anfang an dem Deutschen Ritterorden. Mit dem Bau der Kirche wurde wahrscheinlich bald nach 1204 begonnen.Die Anwesenheit des Deutschen Ritterordens in der damaligen mährischen Provinz Troppau wurde erstmals durch eine Urkunde des Papstes Innozenz III. vom 15. April 1204 bestätigt. Aus dieser geht hervor, dass der mährische Markgraf Vladislav Heinrich und dessen Bruder, der böhmische König Přemysl Otakar I., dem Ritterorden Besitzungen in Troppau schenkten. Die Form der damaligen romanischen Kirche ist unbekannt. In einer Urkunde des Königs Wenzel I. vom 12. Mai 1237 wird erstmals ein Pfarrhaus erwähnt.Karel Müller, Rudolf Žáček, u. a. Opava. Praha: Nakladatelství Lidové noviny, 2006. 611 S. ISBN 80-7106-808-X.
Nach dem Tod des Königs Přemysl Otakar II. wurde der Bau der Kirche eingestellt und erst nach der Rückkehr seines außerehelichen Sohnes Nikolaus I., für den das Herzogtum Troppau begründet wurde, wieder aufgenommen. Die fertiggestellte Kirche wurde zum bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt.
Wahrscheinlich kurz vor dem Jahr 1452 ließ Herzog Wilhelm von Troppau in das westliche Joch des südlichen Seitenschiffs eine Grabkapelle mit einem Christi Auferstehung geweihten Altar einbauen. In dieser Kapelle sollten die Troppauer Přemysliden beigesetzt werden, die bis dahin in der Heilig-Geist-Kirche in Troppau ihre letzte Ruhestätte fanden.Dalibor Prix; Marie Schenková; Pavel Šópak: Opava: konkatedrála Nanebevzetí Panny Marie. Velehrad: Historická společnost Starý Velehrad. 2000. 27 S. ISBN 80-86157-05-9.
Beim Stadtbrand am 9. August 1461 verbrannte das Triumphkreuz. Danach wurde der beschädigte Lettner, der den für die Ordensbrüder vorbehaltenen Chor vom Kirchenschiff für die Laien trennte, abgetragen und nicht wieder aufgebaut.
Reformation und Gegenreformation Im Jahre 1540 übertrug der Rat der Stadt Troppau vom Deutschen Ritterorden das Kirchenpatronat für die LiebfrauenkircheSchon am 14. August 1540 legten der Troppauer Komtur des Deutschen Ritterordens Jan Finck sowie dessen Mitbrüder Jan Eckstein und Martin Ölsner das Patronat nieder. Komtur Finck konvertierte zum Luthertum und heiratete die Tochter des Bürgermeisters von Troppau. das ihm zwei Jahre später vom böhmischen Landesherrn Ferdinand I. mit der Bedingung bestätigt wurde, dass nur reguläre, vom Olmützer Bischof genehmigte katholische Priester als Pfarrer amtieren dürfen. Im Jahre 1555 wurde der Katholik Blažej Sibenlot zum Pfarrer ernannt. Zu dieser Zeit veranlasste der Stadtrat den Bau eines repräsentativen Daches über dem Südturm. Nach 1540 fertigte ein namentlich nicht bekannter Troppauer Zimmermann eine Galerie auf der Mauerkrone des quadratischen Teils des Turms, wobei über dem achteckigen Aufbau ein schlanker Turmhelm errichtet wurde, der eine Höhe von über 70 Metern erreichte.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte sich die fortschreitende Reformation im Troppauer Gebiet weiter aus. 1565 wurde in der Pfarrkirche der lutherische Prediger Martin Zenkfrei eingeführt. Trotz der Bemühungen des Bischofs Wilhelm Prusinovský von Víckov, den Prediger aus der Stadt zu vertreiben, erreichten die Troppauer Bewohner durch Bestechung der königlichen Beamten ein Bleiberecht für den Prediger Zenkfrei. Erleichtert wurde die Situation für die Protestanten durch den katholischen Pfarrer Sibenlot, der seine Pflichten vernachlässigte, obwohl er mehrmals vom Bischof und dem böhmischen Landesherrn ermahnt wurde.Josef Zukal: Bouře proti biskupu Vilémovi Prusinovskému v Opavě r. 1569. Věstník Matice opavské. 1933, Jahrg. 38, S. 1. Dále jen Bouře proti biskupu Vilémovi Prusinovskému. ISSN 0037-6833.
Nach dem Tod des Martin Zenkfrei 1569 bemühten sich die Bürger wiederum um einen lutherischen Prediger. Zugleich schloss der katholische Pfarrer Sibenlot mit den Ratsherren einen Vertrag, mit dem er sich verpflichtete, die lutherischen Prediger in keiner Weise zu behindern, wobei ihm 400 Goldtaler und jährlich weitere 200 Goldtaler zugesprochen wurden. Allerdings konvertierte Sibenloth schon ein Jahr später (1570) zum Luthertum und heiratete eine Bürgerstochter. Schon Ende Oktober 1569 kam Bischof Wilhelm Prusinovský von Víckov in die Stadt, um die katholischen Gottesdienste in der Pfarrkirche wieder durchzusetzen. Ein Teil der Stadtbewohner stand dem Vorhaben weiterhin ablehnend gegenüber. Als der Bischof am Sonntag, dem 6. November 1569, den Gottesdienst in der Marienkirche eröffnete, hinderten protestantische Gläubige den Jesuiten Stephan Rimmel, der den Bischof begleitete, an der Predigt. Da der Bischof in dem folgenden Tumult in Lebensgefahr geriet, wurde er unter dem Schutz bewaffneter Adliger aus der Kirche eskortiert. Er fand Zuflucht in der nahe gelegenen Kirche St. Wenzel.Radek Fukala: Reformace ve Slezsku a na Opavsku. Opava: Slezská univerzita v Opavě, Filozoficko-přírodovědecká fakulta, Ústav historických věd, 2010. 181 s. ISBN 978-80-7248-603-8. S. 77.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurden am 29. Juni 1619 mit Zustimmung der schlesischen Stände die Kirche, das Pfarrgericht und die Schule den Protestanten übergeben.Miroslav Janek: Opavská fara a její statek v době bělohorské. Slezský sborník. 1935, Jahrg. 40, Nr. 1, S. 52. Dále jen Opavská fara a její statek v době bělohorské. ISSN 0037-6833. Am 12. August 1632 ehrten die Troppauer Stände den katholischen Fürsten und Herzog von Troppau Karl Eusebius von Liechtenstein. Der erhaltene Kupferstich dieser Ehrung zeigt das ursprüngliche Innere der Kirche, einschließlich des spätgotischen Altars und des Altarraums, die bei den Bränden von 1689 und 1758 zerstört wurden.Petr Kozák: Hold stavů Karlu Eusebiovi jako novému opavskému knížeti. In: Matejko-Peterka, Ilona, u. a. Země a její pán: struktury vlády a její projevy na území Rakouského Slezska do konce první světové války. Opava: Slezské zemské muzeum, 2014. ISBN 978-80-87789-19-3. S. 154.Petr Kozák: Kníže Karel Eusebius z Lichtenštejna potvrzuje stavům opavského knížectví jejich práva privilegia. In: Matejko-Peterka, Ilona, u. a. Země a její pán : struktury vlády a její projevy na území Rakouského Slezska do konce první světové války. Opava: Slezské zemské muzeum, 2014. ISBN 978-80-87789-19-3. S. 155–156.
1686 erhielt der Südturm der Kirche eine neue Bekrönung in Form einer geschweiften Laterne, die mit achtzehn vergoldeten Kugeln verziert war. Einem Zeitzeugen zufolge übertraf der Südturm der Mariä-Himmelfahrt-Kirche den damals neu instandgesetzten Turm der Breslauer St.-Elisabeth-Kirche an Schönheit und Höhe. Zwei Jahre später wurde das ursprüngliche Schindeldach durch ein neues Schieferdach ersetzt.Antonín Grůza: Opavská konkatedrála po požáru z roku 1689. In: Antonín Grůza; Martina Vymětalová. Sborník Národního památkového ústavu v Ostravě. Ostrava: Národní památkový ústav, územní odborné pracoviště v Ostravě, 2003. Dále jen Opavská konkatedrála po požáru z roku 1689. ISBN 80-85034-29-8. S. 20.
Bei einem Stadtbrand am 24. Mai 1689 erlitt auch die Pfarrkirche große Schäden. Bereits am 2. Juni d. J. bat der Stadtschreiber den Troppauer Herzog Johann Adam von Liechtenstein sowie den Statthalter des Deutschen Ritterordens von Freudenthal und den Olmützer Bischof Karl II. von Liechtenstein-Kastelkorn um finanzielle Hilfe bei der Beseitigung der Schäden. Auf Anordnung des Troppauer Oberbürgermeisters wurde das Kirchendach zunächst mit Brettern abgedeckt. Die durch die Hitze zersprungene Glocke wurde zum Neuguss an einen Glockengießer in Mährisch Neustadt gesandt und zugleich Gießer aus Cukmantl beauftragt, das Metall der anderen Glocken, die im Feuer geschmolzen waren, zu reinigen. Der Südturm der Kirche war bereits im Herbst auf das Aussehen von 1686 instand gesetzt (der vergoldete Turmknauf wurde am 12. Oktober 1689 angebracht). Die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten am Kirchendach konnten erst 1693 fertiggestellt werden. Das Dach wurde wieder mit Schindeln gedeckt, da man zuvor schlechte Erfahrungen mit Schieferplatten gemacht hatte. Für die notwendigen Reparaturen wurden insgesamt mehr als 1039 Taler ausgegeben. Der Wiederaufbau der abgebrannten Kirche wurde 1699 durch den Baumeister Hans Georg Hausrucker in Zusammenarbeit mit Jordan Zeller durchgeführt.Karel Müller, Rudolf Žáček u. a.: Opava. Praha: Nakladatelství Lidové noviny, 2006. 611 S. ISBN 80-7106-808-X. S. 417. Dále jen Opava.
Barockisierung mini|hochkant|links|Kirche Mariä Himmelfahrt vor der Regotisierung Am 25. August 1758 brannte die Kirche bei einem Stadtbrand nieder. Von den damals 21 Altären blieb nur der Dreifaltigkeitsaltar erhalten. Der Hauptaltar, der erst ein Jahr zuvor angefertigt worden war, wurde ebenfalls zerstört, auch die große Orgel, die als die wertvollste im damaligen Österreichisch Schlesien galt, sowie drei neue große Glocken. Der Gesamtschaden belief sich auf 100.000 Goldtaler.Erasmus Kreuzinger: Opavská kronika staré a nové doby, aneb, Opava a její pozoruhodnosti: příručka pro obyvatelstvo a průvodce pro cizince se situačním plánem města Opavy. Opava: Magistrát Statutárního města Opavy: František Máj, 2002. 154 S. ISBN 80-7277-026-8. S. 28.
Der Troppauer Dekan Schwab übertrug den Auftrag für die Fassung der Seitenaltäre zunächst dem Maler Ignaz Raab, der ihn wegen seines Alters und seines schlechten Gesundheitszustandes ablehnte. Marie Schenková, Jaromír Olšovský: Barokní malířství a sochařství v západní části českého Slezska. Opava: Slezské zemské muzeum; František Maj, 2001. 274 S. ISBN 80-86458-06-7. S. 16. Danach bewarb sich 1781 der Troppauer Maler Josef Lux um den Auftrag, der jedoch vom Vizegouverneur des Deutschen Ritterordens in Freudenthal, Maximilian Xaver von Riedheim, abgelehnt wurde. Die Altarbilder wurden schließlich von Felix Ivo Leicher aus Wagstadt ausgeführt. Die Reihe dieser Bilder zeigt Leichers künstlerische Fähigkeiten in ihrer reifsten Form.Lubomír Slavíček: Příspěvek k poznání díla Felixe Ivo Leichera na severní Moravě. In: Sborník památkové péče v Severomoravském kraji 5. Ostrava: Krajské středisko státní památkové péče a ochrany přírody, 1982. S. 49. Der 1758 durch einen Brand zerstörte Lehner-Altar wurde durch einen Baldachin-Altar des Architekten Maurizio Pedetti ersetzt. Jan Schubert führte den Bau des Altars zwischen 1782 und 1784 aus.