Murchin ist eine Gemeinde in der Mitte des Landkreises Vorpommern Greifswald. Sie wird seit dem 1. Januar 2005 vom Amt Züssow mit Sitz in Züssow verwaltet. Die Gemeinde ist flächenmäßig eine der größten im Amt und gehörte bis zum 31. Dezember 2004 zum Amt Ziethen. Sie hat 949 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015).Amt Züssow, Einwohner des Amtsbereiches Züssow, Stand: 31. Dezember 2015
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Murchin befindet sich im Lassaner Winkel und liegt etwa sieben Kilometer nordöstlich von Anklam und etwa zehn Kilometer westlich der Insel Usedom. Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 110. Die Peene mündet an der südöstlichen Gemeindegrenze in den Peenestrom. Der Süden der Gemeinde ist bewaldet. Hier befinden sich die Waldgebiete Libnower Wald, Pinnower Forst und Murchiner Wald. Das Land wird in Richtung Peene sehr sumpfig, hier befindet sich das Naturschutzgebiet Unteres Peenetal (Peenetalmoor). Im Gemeindegebiet gibt es mehrere Seen, so unter anderem den Pinnower See und den Küchensee.
Gemeindegliederung
Ortsteile Lentschow Libnow Murchin Pinnow Relzow Wüstungen und Wohnplätze Immenstädt (Wohnplatz) Johannishof (Wohnplatz) Johannesberg (Wohnplatz) Mechomyrzk (Wüstung) Fährhof-Pinnower Fähre (Wüstung) Schwemmort (Wüstung) Lubkow (Wüstung)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Rubkow im Norden, Lassan (Stadt) im Nordosten, Buggenhagen im Osten, Usedom (Stadt) im Südosten, Bargischow und Anklam (Stadt) im Süden, Ziethen im Westen und Klein Bünzow im Nordwesten.
Geschichte Lentschow Lentschow wurde 1491 als Lentzkow erstmals urkundlich genannt. 1491 erhielt die Familie Steding (sie wurde schon 1256 in einer Stralsunder Urkunde erwähnt) das Gut. Dieser Besitzübergang in Lentschow wurde in den Wolgaster Kirchenmatrikeln urkundlich erwähnt. Dem widerspricht allerdings eine im Stadtarchiv Stralsund aufbewahrte Urkunde vom 23. März 1447, ausgestellt von Herzog Wartislaw IX. von Pommern, in der unter den Zeugen auch ein "Vycke Stedynk der Junge "to lenczekow" (Lentschow)" genannt wird.Stadtarchiv Stralsund, Rep. 9 U (Heilgeistkloster Stralsund, Urkunden), Nr. 233. Da die anderen Zeugen auch alle Adlige aus der Umgebung waren, u. a. Salchow, Ziethen, Pinnow, dürfte an der Zuordnung kein Zweifel bestehen. Das Gut blieb bis 1803 im Besitz der Familie, dann ging es an die Familie von Schulz, die auf Pinnow saß. Von Schulz verkaufte 1819 an Plath, der wiederum 1829 an Erdmann Loesewitz veräußerte, dem sein Sohn Friedrich von Loesewitz von 1844 bis 1908 als Besitzer folgte. Die Erhebung in den Adelsstand erfolgte zuvor 1887.
1865 hatte Lentschow 111 Einwohner in 19 Familien. Im Ort waren 7 Wohn- und 13 Wirtschaftsgebäude vorhanden. 1925 hatte Lentschow 129 Einwohner. Im Zuge der Bildung von Großgemeinden im Kreis Greifswald-Land wurden Buggenhagen, Murchin, Pulow, Wehrland und Zemitz am 15. Oktober 1938 nach Lentschow eingemeindet. 1939 hatte Lentschow 1.969 Einwohner.
Die Familie von Loesewitz, auch Lösewitz, war nicht bis 1945 im Besitz des Gutes. Das Güter-Adressbuch Pommern nennt für 1914 Max Graf von Schwerin-Zinzow. Später muss es zur teilweisen Aufsiedlung gekommen sein. Denn die letzte amtliche Ausgabe des Landwirtschaftlichen Adressbuches 1939 erwähnt sieben Bauernhöfe mit Größen um die 20 ha, ein Gut im klassischen Sinn findet keine Erwähnung mehr.
Mit Auflösung der Großgemeinden am 1. August 1946 wurden die 1938 eingemeindeten Orte wieder und der Ortsteil Pinnow bei Anklam erstmals jeweils selbständige Gemeinde(n). Am 1. Juli 1950 wurde Lentschow in die Gemeinde Murchin eingegliedert.
Lentschow hatte am 31. Dezember 2014 70 Einwohner mit Hauptwohnung und 9 mit Nebenwohnung.Amt Züssow, Einwohner des Amtsbereiches Züssow, Stand: 31. Dezember 2014 Im Folgejahr hatte Lentschow hatte 73 Einwohner mit Hauptwohnung und 9 mit Nebenwohnung.
Libnow mini|Rittergut Libnow nach 1862 von Südwest, Sammlung Alexander Duncker mini|Gutshaus Libnow Südseite Libnow wurde zuerst urkundlich Ribenitz genannt, zuerst 1168. Der Name stammt von dem gleichnamigen Bach und ist von Fisch (slawisch - Ryba) abgeleitet. 1782 wechselt der Name zu Libnow.
Das Gut Libnow war besitzlich mit Murchin verbunden. Von 1792 bis 1819 war Graf Friedrich Ludwig von Bohlen auf Karlsburg Besitzer auf Libnow und Murchin. Gutsherr wurde 1819 Wilhelm Homeyer († 1841/42), der die Güter Murchin und Libnow erworben hatte. 1849 wurden die beiden Güter voneinander getrennt und an die beiden Söhne Homeyers vergeben. Der ältere Friedrich erhielt Murchin und der jüngere Wilhelm (1828–1903) erhielt Libnow. Das Gutshaus in Libnow wurde 1862 von ihm errichtet. Der Backsteinbau mit Feldsteinsockel wurde im Tudorstil erbaut. 1865 erfolgte die Nobilitierung des Gutsbesitzers und seiner Nachfahren.
1865 hatte Libnow 109 Einwohner in 21 Familien. 8 Wohn- und 12 Wirtschaftsgebäude, sowie 1 Fabrik waren im Ort vorhanden. Der Besitz des Gutes wechselte oft, 1914 u. a. Paul Silex, bis 1945 war Otto Hoehne letzter Besitzer des rund 600 ha großen Gutes.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, S. 116, ISBN 3-88042-636-8
Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt das Textilreinigungskombinat VEB Edelweiß Magdeburg ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder im Gutshaus, das nach 1990 verfiel. Seit 2000 privatisiert, dient es der Künstlerfamilie Quies/Lorenz als Wohnsitz, Atelier und Ausstellungsort.
Libnow hatte am 31. Dezember 2014 konkret 81 Einwohner mit Hauptwohnung und 4 mit Nebenwohnung. Zum 31. Dezember 2015 hatte Libnow 82 Einwohner mit Hauptwohnung und 3 mit Nebenwohnung.
Murchin mini|Rittergut Murchin um 1867/68 von Südwest, Sammlung Alexander Duncker mini|Ehemaliger Krug – jetzt Gemeindehaus Murchin Murchin wurde 1257 als Morchin erstmals urkundlich genannt. Eine Namensdeutung liegt nicht vor. 1631 wurde erstmals der aktuelle Name verwandt.
Murchin war ein typisches Gutsdorf mit einem dominierenden Gut und wenigen Landarbeiterkaten, einer kleinen Kirche und einem Krug an der Straßenkreuzung. Der im Ort bestehende Vierpottkaten (Denkmal) ist ein rohrgedeckter Typenbau für die Unterbringung der damaligen Tagelöhner. Es bedeutet, dass sich um die eine gemeinsame Zentralküche (offener Mittelkamin = Schwarzküche) vier Tagelöhnerwohnungen mit weiteren Buden im Dachgeschoss gruppierten.
Das Lehngut von Murchin war sehr lange ein Walzengut, d. h., es hatte ständig wechselnde Besitzer. Um 1750 wurde es gekauft vom Geschlecht der Schwerin, durch den berühmten Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin aus dem Hause Schwerinsburg, das Gut. Er starb bereits 1757 und vererbte das Gut an seinen Neffen aus der Familie von Parsenow. Doch auch dieses Besitztum dauerte nur relativ kurz, es folgten die Besitzer Graf von Bohlen auf Karlsburg bis 1819. Wilhelm Johann Friedrich jun. Homeyer (1792–1841) aus Wolgast, Sohn des gleichnamigen Kaufherrn und Kommerzienrates Johann Friedrich Homeyer sen. (1753–1818) und der Sophie Dorothea Droysen, kaufte die verbundenen Güter Libnow und Murchin. Nach seinem Tod 1842 wurde der Besitz 1849 geteilt, der Sohn Friedrich (1824–1898) erhielt Murchin und der jüngere Bruder Wilhelm (1828–1903) erhielt Libnow. Der Murchiner Gutsherr Friedrich wurde 1863 den preußischen Adelsstand als von Homeyer erhoben, sein Bruder folgte 1865. Im gleichen Jahr hatte Murchin 241 Einwohner in 39 Familien. Der Ort hatte 1 Kirche, 1 Schule, 13 Wohn- und 21 Wirtschaftsgebäude, sowie 1 Fabrik.
Friedrich von Homeyers Nacherbe war Hans von Magdeburg-Homeyer, dessen Familie blieb Besitzer bis 1945.Hubertus Neuschäffer: Vorpommerns Schlösser und Herrenhäuser. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft 1993, S. 134, ISBN 3-88042-636-8 Nach dem Krieg wuchs Murchin durch den Aufbau der Neubauernsiedlungen beträchtlich an.
Im ersten Fünfjahresplan der DDR wurde die Errichtung von Kulturhäusern im ländlichen Raum beschlossen. Die MAS Matyas Rakosi hatte 1950 und 1951 den sozialistischen Wettbewerb der Maschinenausleihstationen für sich entscheiden können und erhielt dafür das wohl größte Kulturhaus im ländlichen Raum der DDR in den fünfziger Jahren.Dirk Handorf: Horte der Ordnung und Größe. 1996, S. 41. So wurde im Auftrag der Regierung nach Entwürfen der Architekten Gräning und Goltzow von 1952 bis 1954 das Kreiskulturhaus Murchin errichtet.Ulrich Hartung: Arbeiter- und Bauerntempel. DDR-Kulturhäuser der fünfziger Jahre – Ein architektonisches Kompendium. Berlin 1996, S. 178. Die Hauptfassade des auf T-förmigen Grundriss errichteten Bauwerks prägt ebenso wie beim Heringsdorfer Kulturhaus ein übergiebelter Pfeilerportikus. Walter Bullert schuf am linken Seitenflügel des Gebäudes vier Reliefs. Sie berichten von der Arbeit in der sozialistischen Landwirtschaft und zeigen die Vorbereitung der Aussaat, die Ernte, die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte durch die Industrie sowie die Fortbildung der Bauern. Jedes der Reliefs legt Wert auf die Darstellung der Modernität, mit der für die neue Gesellschaft produziert wird.Dirk Handorf: Horte der Ordnung und Größe. 1996, S. 41. Am 1. Mai 1954 fand die Einweihung statt.Murchin: Vom Hyperdome vor Usedom (abgerufen am 7. August 2013) In den ungarischen Farben hatten Manfred Kandt, Otto Manigk und Herbert Wegehaupt die Gaststätte des Kulturhauses 1954 mit figürlichen Szenen ausgemalt, die das freundschaftliche Verhältnis der zu „Brudervölkern“ gewordenen Ungarn und DDR-Deutschen folkloristisch darstellt.Hain, Schroedter, Stroux: Die Salons der Sozialisten. Kulturhäuser in der DDR. 1996, S. 125. Es wurde das Kreiskulturhaus für den damaligen Kreis Anklam.
Nach 1990 wurde es eine bekannte Diskothek mit dem Namen HyperDome, diese musste 2002 schließen.
Murchin hatte am 31. Dezember 2014 298 Einwohner mit Hauptwohnung und 23 mit Nebenwohnung. Murchin hatte dann am 31. Dezember 2015 amtlich gemeldet 298 Einwohner mit Hauptwohnung und 22 mit Nebenwohnung. mini|1868 Gutshaus Pinnow und umgebende Gutshäuser
Pinnow mini|Gutshaus Pinnow 1910 mini|Pinnow Pinnow wurde 1261 als Pinnowe erstmals urkundlich genannt. Der slawische Name bedeutet Baumstumpf. Pinnow bei Anklam, wie es zur Unterscheidung gleichnamiger Orte genannt wird, war Rittergut, Kirch- und Pfarrort. Um 1400 wurde die Dorfkirche Pinnow errichtet.
Als Besitzer war die Familie von Lepel 1388 als Erb- und Lehngesessene zu Pinnow urkundlich genannt. Es sind die Brüder Ludeke, Martin und Henning, ab 1410 Heinrich und Gherd (1409 gleichzeitig Bürgermeister von Lassan); es folgte 1431 Jochen von Lepel. Seit 1491 war die Familie Stenwer (Steinwehr) Besitzer und um 1550 die Familie Grambow, danach Gideon von Klemptzen (Professor der Uni Greifswald). 1583 verlieh Herzog Ernst Ludwig den Brüdern Victor und Joachim Steding einen Angefällbrief auf Pinnow. Christoph Adam von Steding übergab Pinnow 1756 an seinen Schwiegersohn Franz Heinrich von Reichenbach als Hochzeitsgut. Ab 1806 bildete Pinnow einen Gutsbezirk im Amt bzw. dann Kreis Greifswald.
Wann der Wechsel aus der Familie von Reichenbach an eine Frau von Schulz erfolgte, ist unklar, 1819 kaufte Hans Ludwig Heinrich von Behr auf Schmoldow und Vargatz das Gut mit den Pertinenzien Johannishof und Immenstedt. 1856 war Carl August Julius von Behr (1832–1882) Gutsherr. Ihm folgte der Kammerjunker und Johanniterritter Dr. jur. Carl von Behr (1864–1941) der das Gut 1882 erbte. Er war Landrat in Plön und Kabinettsrat der Kaiserin Auguste Viktoria, kam 1911 nach Pinnow. Er entwickelte umstrittene Theorien zur Demographie, Vererbungslehre und Adelserneuerung.
Pinnow hatte 1865 161 Einwohner in 30 Familien. Es gab 1 Kirche, 1 Schule, 12 Wohn- und 8 Wirtschaftsgebäude, sowie 2 Fabriken im Ort.