Hatchand Bhaonani Gurumukh Charles Sobhraj (* 6. April 1944 in Saigon, Vietnam) ist ein französischer Serienmörder, Betrüger und Dieb. Zu seinen Opfern zählen insbesondere westliche Touristen, die in den 1970ern auf dem Hippie Trail durch Asien reisten.

Aufgrund der Kleidung, in der mehrere seiner Opfer aufgefunden wurden, betitelten die Medien Sobhraj als „Bikini-Killer“. Mit wachsender Bekanntheit wurde er wegen seiner Listigkeit auch als „die Schlange“ bezeichnet. Ab 1975 beging er mindestens ein Dutzend Morde und war von 1976 bis 1997 über zwei Jahrzehnte lang in Indien inhaftiert. Nach seiner Freilassung zog er sich zurück und lebte in Frankreich. 2003 reiste er nach Nepal, wo er wegen dort früher begangener Morde vor Gericht gestellt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Ende Dezember 2022 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gefängnis entlassen.

Mit dem Verkauf der Rechte an seiner Biografie verdiente Sobhraj später seinen Lebensunterhalt. Sein Leben ist Thema von vier Biografien, drei Dokumentarfilmen, einem Bollywood-Spielfilm und der achtteiligen Dramaserie Die Schlange (The Serpent, BBC). Sobhrajs Rückkehr nach Nepal nach seinem Leben abseits der Öffentlichkeit gilt als Ergebnis seines übermäßigen Selbstvertrauens und seiner Sehnsucht nach erneuter Aufmerksamkeit.

Frühe Jahre Sobhraj wurde als Sohn einer Vietnamesin und eines in Saigon lebenden Unternehmers aus Indien geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern verlor er den Kontakt zu seinem Vater und wuchs aufgrund der schwierigen politischen Situation in Vietnam zunächst als Staatenloser auf. Nach der zweiten Heirat seiner Mutter mit einem im französisch besetzten Vietnam stationierten Leutnant der französischen Armee wurde er von diesem adoptiert und erhielt die französische Staatsbürgerschaft. Fortan pendelte er mit der Familie zwischen Vietnam und Frankreich, wurde zugunsten der späteren leiblichen Kinder des Ehepaares jedoch zunehmend vernachlässigt.

Bereits als Jugendlicher beging Sobhraj geringfügige Straftaten. 1963 wurde er wegen Einbruchs zu seiner ersten Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Gefängnis von Poissy unweit von Paris verbüßte. Während seiner Inhaftierung manipulierte Sobhraj die Gefängniswärter, um Gefälligkeiten zu erhalten. Auf diese Weise gelang es ihm unter anderem, Bücher aus der Gefängnisbibliothek über Nacht in seiner Zelle behalten zu dürfen. Etwa zur gleichen Zeit lernte er Felix d’Escogne kennen, einen jungen Mann aus wohlhabendem Haus und freiwilligen Gefängnishelfer.

Nach seiner Entlassung auf Bewährung zog Sobhraj zu d’Escogne und verbrachte seine Zeit zwischen der Oberschicht von Paris und ihrer kriminellen Unterwelt. Durch weitere Einbrüche und zusätzliche Betrügereien begann Sobhraj, ein beträchtliches Vermögen anzusammeln. Während dieser Zeit lernte er Chantal Compagnon kennen, eine junge Pariserin aus einer konservativen Familie, und begann eine Liebesbeziehung mit ihr. Am Tag seiner Verlobung mit ihr wurde Sobhraj wegen Autodiebstahls und Flucht vor der Polizei verhaftet. Nach achtmonatigem Gefängnisaufenthalt heiratete er schließlich Compagnon, die trotz seiner Delikte weiterhin zu ihm hielt.

Sobhraj verließ 1970 zusammen mit der schwangeren Compagnon Frankreich, um in Asien seiner erneuten Verhaftung zu entgehen. Nachdem das Ehepaar mit gefälschten Dokumenten durch Europa gereist war und Touristen ausgeraubt hatte, mit denen es sich auf dem Weg angefreundet hatte, ließ es sich in Mumbai nieder. Hier brachte Compagnon eine gemeinsame Tochter zur Welt. In der Zwischenzeit finanzierte Sobhraj den Lebensunterhalt seiner jungen Familie und eine zunehmende Spielsucht durch Autodiebstähle und Schmuggel.

1973 wurde Sobhraj nach einem erfolglosen bewaffneten Raubversuch in einem Juweliergeschäft im Hotel Ashoka festgenommen. Mit Compagnons Hilfe konnte er jedoch durch eine vorgetäuschte Krankheit aus dem Gefängnis fliehen, wurde aber kurz darauf wieder festgenommen. Er lieh sich Geld für eine Kaution von seinem Vater und floh mit seiner Familie bald darauf nach Kabul. In Afghanistan begannen Sobhraj und Compagnon gezielt Touristen auf dem Hippie Trail auszurauben, bevor beide gemeinsam verhaftet wurden. Sobhraj entkam seiner Haft auf die gleiche Weise wie in Indien, er täuschte eine Krankheit vor und betäubte den Krankenhauswächter. Diesmal ließ er seine Familie allerdings zurück und floh alleine in den Iran. Compagnon kehrte in der Folge nach Frankreich zurück und brach den Kontakt zu ihm ab.

Die nächsten zwei Jahre verbrachte Sobhraj auf der Flucht in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens und Europas, wo er bis zu zehn gestohlene Reisepässe zum Überqueren der Grenzen nutzte. Begleitet wurde er von seinem jüngeren Halbbruder André, der in Istanbul zu ihm gestoßen war. Beide waren sowohl in der Türkei als auch in Griechenland in Straftaten verwickelt und wurden schließlich in Athen festgenommen. Nachdem ein Identitätswechselschwindel schief gegangen war, gelang es Sobhraj zu fliehen. Sein Halbbruder wurde hingegen von den griechischen Behörden der türkischen Polizei übergeben und zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Morde Auf der Flucht finanzierte Sobhraj seinen Lebensstil, indem er sich entweder als Edelsteinverkäufer oder als Drogenhändler ausgab, um Touristen zu beeindrucken und sich mit ihnen anzufreunden, die er anschließend betrog. In Thailand traf Sobhraj die aus Lévis in Québec stammende Frankokanadierin Marie-Andrée Leclerc (1945–1984), die ebenfalls als Touristin den Hippie Trail bereiste. Von Sobhraj dominiert, wurde sie seine hingebungsvolle Anhängerin und verschloss die Augen vor seinen Verbrechen und seinem Umgang mit einheimischen Frauen.

Sobhraj versammelte Anhänger, indem er ihre Loyalität gewann. Ein typischer Trick dabei war es, seinem Opfer aus von ihm selbst herbeigeführten schwierigen Situationen herauszuhelfen. In einem Fall half er zwei ehemaligen französischen Polizisten, Yannick und Jacques, Reisepässe wiederzufinden, die er selbst zuvor gestohlen hatte. In einem anderen Fall bot er dem Franzosen Dominique Renelleau kostenlosen Unterschlupf in seiner Wohnung, nachdem dieser vermeintlich an Ruhr erkrankt war. Sobhraj hatte ihn selbst vergiftet und indirekt zu seinem Hausdiener gemacht. Zu Renelleau gesellte sich ein junger Inder, Ajay Chowdhury, der Sobhrajs Komplize und inoffizieller Stellvertreter wurde.

Sobhraj und Chowdhury verübten 1975 ihre ersten bekannten Morde. Die meisten Opfer hatten vor ihrem Tod einige Zeit mit den beiden verbracht und wurden laut Ermittlern angeworben, um sich an diversen Verbrechen zu beteiligen. Sobhraj behauptete, die meisten seiner Morde seien versehentliche Überdosierungen von Drogen gewesen, aber die Ermittler geben an, dass die Opfer gedroht hatten, Sobhraj zu entlarven. Als erstes Todesopfer gilt die aus Seattle stammende Teresa Knowlton (im Buch Serpentine Jennie Bollivar genannt), die in einem Gezeitenbecken im Golf von Thailand ertrunken aufgefunden wurde und einen geblümten Bikini trug. Erst Monate später zeigten sich durch Knowltons Autopsie sowie forensische Befunde Hinweise auf Mord. Ihr Tod war ursprünglich als Schwimmunfall angesehen worden.

Das nächste Opfer war Vitali Hakim, ein nomadisch lebender sephardischer Jude, dessen verbrannter Körper auf dem Weg zu einem Ferienresort in Pattaya gefunden wurde, wo Sobhraj und seine wachsende Entourage wohnten. Die niederländischen Studenten Henk Bintanja (29) und seine Verlobte Cornelia Hemker (25) wurden nach einem Treffen mit Sobhraj in Hongkong nach Thailand eingeladen. Sie wurden, wie viele andere, von Sobhraj vergiftet, der sie wieder gesund pflegte, um ihren Gehorsam zu erlangen. Als sie sich erholten, wurde Sobhraj von der französischen Freundin seines früheren Opfers Hakim, Charmayne Carrou, besucht, die das Verschwinden ihres Freundes aufklären wollte. Sobhraj und Chowdhury befürchteten eine Enthüllung und drängten Bintanja und Hemker schnell hinaus. Ihre Leichen wurden am 16. Dezember 1975 erwürgt und verbrannt aufgefunden. Bald darauf wurde Carrou ertrunken aufgefunden. Sie trug einen Badeanzug im ähnlichen Stil wie Sobhrajs früheres Opfer Knowlton. Obwohl die Morde an beiden Frauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht von Ermittlern in Verbindung gebracht wurden, gaben sie Sobhraj später den Spitznamen „Bikini-Killer“.

Am 18. Dezember 1975, dem Tag, an dem die Leichen von Bintanja und Hemker identifiziert wurden, reisten Sobhraj und Leclerc mit den Reisepässen des verstorbenen Paares nach Nepal ein. Sie trafen in Kathmandu ein und ermordeten zwischen dem 21. und 22. Dezember den Kanadier Laurent Carrière (26) und die US-Amerikanerin Connie Bronzich (29). Die beiden Opfer wurden in einigen Quellen fälschlicherweise als Laddie DuParr und Annabella Tremont identifiziert. Sobhraj und Leclerc kehrten mit den Reisepässen ihrer neuesten Opfer nach Thailand zurück, bevor deren Leichen identifiziert werden konnten. Bei der Rückkehr nach Thailand stellte Sobhraj fest, dass seine drei französischen Gefährten ihn des Serienmordes verdächtigten, nachdem sie Dokumente der Mordopfer gefunden hatten. Sobhrajs ehemalige Gefährten flohen nach Benachrichtigung der örtlichen Behörden nach Paris.The Mammoth Book of Gangs, Mammoth Books, Running Press (26. Juni 2012)

Sobhrajs nächstes Ziel war entweder Varanasi oder Kalkutta, wo er den Gelehrten Avoni Jacob ermordete, um dessen Reisepass zu stehlen. Sobhraj benutzte das Dokument, um mit Leclerc und Chowdhury zu reisen – zuerst nach Singapur, dann nach Indien und im März 1976 nach Bangkok zurück, obwohl er wusste, dass die dortigen Behörden ihn suchten. Das Trio wurde im Zusammenhang mit den Morden von der thailändischen Polizei verhört, aber wieder freigelassen, weil die Behörden befürchteten, dass die Berichterstattung zu Morden an Touristen der Tourismusbranche Thailands schaden würde. Aufgrund von Vermisstenanzeigen untersuchten zur selben Zeit der niederländische Diplomat Herman Knippenberg und seine damalige Frau Angela Kane die Morde an Bintanja und Hemker. Knippenberg hatte einige Kenntnisse über Sobhraj und ihn möglicherweise sogar kennengelernt, obwohl dessen wahre Identität dem Diplomaten noch unbekannt war. Mit Hilfe eines Nachbarn von Sobhraj baute Knippenberg ein Verfahren gegen ihn auf. Er erhielt schließlich die Erlaubnis der Polizei, Sobhrajs Wohnung zu durchsuchen, einen Monat nachdem der Verdächtige das Land verlassen hatte. Knippenberg fand Beweise, darunter Dokumente und Pässe der Opfer sowie Gift und Spritzen.

Während eines Aufenthaltes des kriminellen Trios in Malaysia wurde Chowdhury das letzte Mal lebend bei der Übergabe einer Beute an Sobhraj gesichtet. Es wird angenommen, dass Sobhraj ihn ermordete, bevor er mit Leclerc in seiner Rolle als Edelsteinverkäufer nach Genf flog, wo Chowdhury zu sehr aufgefallen wäre. Zurück in Asien, begann Sobhraj in Mumbai eine neue Entourage aufzubauen, beginnend mit zwei US-Amerikanerinnen, Barbara Smith und Mary Ellen Eather. Sobhrajs nächstes Opfer war ein Franzose, Jean-Luc Solomon, dessen Vergiftung während eines Raubüberfalls zum Tod führte.

Im Juli 1976 brachte Sobhraj gemeinsam mit Smith und Eather in Neu-Delhi eine Reisegruppe französischer Doktoranden dazu, ihn als Reiseleiter zu akzeptieren. Sobhraj betäubte sie, indem er ihnen vergiftete Pillen gab, von denen er zuvor behauptet hatte, sie seien Medikamente gegen die in Indien grassierende Ruhr. Als das Gift unerwartet schnell seine Wirkung entfaltete und sein Schwindel dadurch aufflog, wurden er und Leclerc von den Behörden festgenommen und aufgrund der Geständnisse von Smith und Eather wegen Mordes an Salomon angeklagt. Alle vier verbrachten die anschließende Untersuchungshaft im berüchtigten Tihar-Gefängnis in Neu-Delhi.

Zeit im Gefängnis