Reitponys werden als Sportpony für verschiedene Disziplinen gezüchtet. Im Zuchtziel ist oft eine Eignung für Kinder festgelegt, aber größere Exemplare decken auch kleinere bis mittelgroße erwachsene Reiter gut ab. Die Zucht des Reitponys stammt ursprünglich aus Großbritannien, aber auch in anderen Ländern hat sie Fuß gefasst. Die verschiedenen Zuchtverbände haben ein meist ähnliches Zuchtziel, aber es gibt auch Unterschiede. Einige Zuchtverbände beispielsweise teilen die Pferde in verschiedene Größen- und Typklassen ein, während andere Zuchtvereine einen Anteil an Arabischem Vollblut von 20 Prozent vorschreiben.

British Riding Pony (Britisches Reitpony)

Geschichte und Zucht Das Reitpony ist ursprünglich eine britische Erfindung. Der erste Züchter begann wohl schon 1872 mit der Zucht, die ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in Aufschwung kam. Zunächst wollte man eher Polo-Ponys züchten, doch bald ging das Zuchtziel zum Kinderreitpony. Als der Turnierponysport um 1930 boomte, schwang die Zucht weiter auf. Der Zweite Weltkrieg sorgte zwar für einen Rückschlag, aber ab den 1950er-Jahren breitete sich der Turnierponysport weiter aus. Als Zuchtbasis dienen meist Welsh-Ponys, die man dann mit Englischen und Arabischen Vollblütern kreuzt. Auch Dartmoor und New-Forest-Ponys haben sich in der Zucht bewährt. Für den Spitzensport werden meist Connemaras eingekreuzt. Die sehr leistungsfähigen Reitponys werden mittlerweile für verschiedene Sparten des Turnierreitsports gezüchtet, weshalb die Ponys nicht immer einheitlich sind. Um das British Riding Pony für Kinder verschiedenen Alters geeignet zu machen, werden die Ponys in verschiedene Größenklassen eingeteilt. In Großbritannien gibt es mittlerweile viele Gestüte, die sich der Zucht von Reitponys widmen. Die National Pony Society, die 1893 gegründet wurde, kontrolliert die Zucht. 

Exterieur

Allgemein Beim British Riding Pony ist der Kopf meistens das einzige Körperteil, das einem Pony ähnelt. Der Hals ist lang, gut geschwungen und aufgesetzt und entspringt in einer schräg gestellten Schulter. Der ausgeprägte, weit in den Rücken hinein reichende Widerrist garantiert eine gute Sattellage. Der kräftige, gut bemuskelte Rücken geht harmonisch in die leicht abgeschrägte und wohlgeformte Kruppe mit kräftiger Bemuskelung über. Das korrekt gestellte Fundament ist hart und trocken, bei den Show Ponys teils (zu) leicht. Von der Farbgebung her werden Füchse und Braune bevorzugt; aufgrund von Connemara-Einkreuzungen sind zudem Schimmel häufig anzutreffen.

Show Pony Das Show Ponys sind sehr stark von Arabischem und Englischem Vollblut geprägt, weshalb sie wie Miniatur-Show-Hacks aussehen. Sie werden in die Größenklassen bis 127 cm, bis 137 cm und bis 147 cm eingeteilt.

Show Hunter Pony Die Show Hunter Ponys sind dem Show Ponys ähnlich, aber kräftiger gebaut. Sie besitzen mehr Kaliber und Substanz und sind dazu gezüchtet, den Reiter auch über schwieriges Gelände zu tragen. Die Größeneinteilung ist mit der des Show Ponys identisch.

Working Hunter Der Working Hunter ist deutlich stämmiger als das Show Pony und das Show Hunter Pony gebaut. Man unterteilt in die Größenklassen unter 132 cm und über 1,32 m. Die kleineren Working Hunter sollen einen Parcours mit Hindernissen bis 76 cm Höhe springen können, bei den größeren Working Huntern liegt die Hindernishöhe bei bis zu 91 cm.

Interieur Das British Riding Pony ist ein hochelegantes, leistungsfähiges und rittiges Pony mit heißem, sensiblem Temperament. Es ist aufgrund seiner hohen Intelligenz ein sehr lernfähiges Pony, welches zudem sehr reaktionsschnell ist. Auch wird seine Trittsicherheit, Robustheit und Härte gelobt. Das British Riding Pony ist zudem sehr eifrig, teils sogar übereifrig. Durch den hohen Vollblut-Anteil ist ein fortgeschrittener, routinierter Reiter wichtig.

Bestand Zum Bestand des Britischen Reitponys liegen keine Daten vor.

Deutsches Reitpony

Geschichte und Zucht Das Deutsche Reitpony ist die bekannteste Ponyrasse Deutschlands. Man begann die Zucht um 1965. Hierfür kreuzte man verschiedene Pferde- und Ponyrassen, hauptsächlich Welsh-Ponys, Anglo-Araber sowie Arabische und Englische Vollblüter. Nebst weiterem importiertem Material flossen in geringerem Umfang auch Dülmener, Arenberg-Nordkirchner und Lehmkuhlener in die Zucht ein.

Exterieur Es wird ein elegantes, großliniges und harmonisch gebautes Pony angestrebt. Das Stockmaß darf von 138 cm bis 148 cm variieren. Alle Fellfarben sind zugelassen, auch Schecken. Der Kopf soll edel sein und geht gut in den mittellangen, breiten und gut aufgesetzten Hals mit genügender Ganaschen­freihet übergehen. Die Schulter wird groß und schräg gelagert gewünscht, die Brusttiefe genügend. Angestrebt wird ein gut markierter Widerrist, der weit in den gut bemuskelt gewünschten Rücken mittlerer Länge hineinreichen soll. Erbeten ist ein nicht übertrieben hoch angesetzter Schweif, welcher sich an einer langen, gut bemuskelten und leicht abfallenden Kruppe anschließt. Das Fundament soll trocken, korrekt und mit ausreichend großen Gelenken, mittellangen Fesseln und harten Hufen ausgestattet sein. Grobe Abweichungen von diesem Zuchtstandard sind unerwünscht.

Bewegungslauf Die Bewegungen des Deutschen Reitponys werden taktrein, raumgreifend, energisch, fleißig und losgelassen gewünscht. Des Weiteren wird viel Schwung, Elastizität, Balance und Hinterhandantritt gewünscht. Eine geschickte, vermögende Sprungtechnik wird ebenfalls erbeten.

Charakter Das Deutsche Reitpony wird im Rassestandard als ein verlässlicher, nervenstarker, intelligenter und vielseitiger Sportpartner, der leistungsbereit und -fähig ist, porträtiert.

Bestand Laut DAD-IS-Datenbank gab es im Jahr 2019 exakt 5814 Exemplare dieser Rasse in Deutschland. Allerdings ist des Weiteren angegeben, dass 674 Hengste und 5140 Stuten im Zuchteinsatz standen, somit dürften Deutsche Reitponys, die nicht im Zuchteinsatz standen, in diese Statistik nicht mit eingeflossen sein. Der Bestand wird als „gefährdet“ eingestuft.

Australian Riding Pony (Australisches Reitpony)

Geschichte und Zucht Die Australische Version des Reitponys baut sehr stak auf dem British Riding Pony auf. Sie wird in den Kategorien Show Pony und Show Hunter Pony gezüchtet.

1973 wurde erstmals ein British Riding Pony nach Australien importiert, es handelte sich um den Hengst Aristocrat of Flawforth. Kurz darauf wurden zwei weitere Hengste importiert, Treharne Talisman und The Laird. Diese beiden Ponys legten den Grundstein für die Australische Zucht; Aristocrat of Flawforth wurde durch einen Blitz erschlagen und hatte dementsprechend weniger Einfluss auf die Zucht.

Nebst weiteren British Riding Ponys wurden des Weiteren verstärkt Welsh B-Ponys sowie Englische und Arabische Vollblüter importiert.

Die Australian Riding Pony Stud Book Society Inc. wurde daraufhin 1975 gegründet.

Ursprünglich wurden die Pferde in folgende Kategorien eingeteilt:

Sektion D: Für Stuten ohne bekannte Abstammung und wurde, als sich die Rasse etabliert hatte, eingestellt

Sektion C: Für Ponys mit einem Elternteil, dessen Abstammung bekannt ist oder Nachkommen von einer Stute der Sektion D und einem anerkannten Hengst

Sektion B: Für Ponys, die bereits in einem anderen Zuchtregister eingetragen sind, oder Nachkommen einer Stute der Sektion C und einem anerkannten Hengst

Sektion A: Für importierte Reitponys oder Nachkommen einer Stute der Sektion A oder B und einem anerkannten Hengst.

Später schaffte man diese Klassifizierung ab und bewertete die Ponys nach ihren Leistungen im Showring.

Exterieur

Show Pony Der Show Pony-Typ ist sehr elegant. Das Stockmaß darf 147 cm nicht überschreiten und das Fell eine der Grundfarben besitzen. Das Show Hunter Pony soll einen mittelgroßen, gut proportionierten und attraktiven Kopf mit flacher Stirn, kleinem Maul, großen, weiten Nüstern, großen Augen von bevorzugt dunklerer Farbe und intelligentem Ausdruck sowie mittelgroße und bewegliche Ohren besitzen. Des Weiteren werden folgende Merkmale gewünscht: Der Kopf geht harmonisch in den reichlich langen und gut gewölbten Hals, der gut getragen wird, über. Die schräge Schulter und der ausgeprägte Widerrist werden nicht übertrieben muskulös gewünscht. Die Brust soll tief, aber nicht allzu breit sein. Die gut gewölbten Rippen garantieren genügend Platz für die Atmungsorgane. Das Show Pony hat einen kurzen Rücken mit guter Sattellage und kräftiger Lende. Extrem breite oder flache Rückenpartien sind unerwünscht. Die Kruppe ist lang und wohlgerundet und besitzt einen gut angesetzten Schweif. Die korrekt gestellten Beine, welche mit kräftigen Sprunggelenken bestückt sind, werden hart und trocken erwartet. Das Langhaar, welches beim Präsentieren immer geflochten gezeigt werden muss, ist fein und seidig, niemals darf es grob wirken. Kötenbehang ist nicht erlaubt.

Show Hunter Pony Das Show Hunter Pony unterscheidet sich vom Show Pony vor allem durch mehr Substanz. Es darf nicht größer als 147 cm (also 14,2 Hände) sein und bevorzugt eine Grundfarbe besitzen.

Angestrebte Merkmale: Das Show Hunter Pony hat einen ehrlichen Kopf mit flacher Stirn, spitz zulaufendem Maul, großen Nüstern, intelligent wirkenden, großen Augen von bevorzugt dunkler Farbe und mittelgroße, bewegliche Ohren. Der mittellange Hals, der gut angesetzt und getragen ist, entspringt in einer flachen und schräg gelagerten Schulter. Es hat eine tiefe Brust, welche für genügend Platz für das Herz sichert, und eine ausladende Rippenwölbung. Der Rücken mit guter Sattellage ist ebenso wie die Lende kräftig und geht harmonisch in diese über. Der Schweif ist gut an der langen und gut gerundeten Kruppe angesetzt. Das Fundament steht korrekt und besitzt kurze Röhrbeine, kräftige Sprunggelenke und kräftige, massive Knochen. Die gesunden Hufe sind gut geformt.

Bewegungslauf

Show Pony Das Australische Reitpony im Show Pony-Typ soll gleichmäßige, korrekte, leichtfüßige und raumgreifende Bewegungen mit schwungvollem Hinterhandantritt besitzen. Eine hohe Knieaktion ist höchst unerwünscht.

Show Hunter Pony Das Show Hunter Pony soll mühelose Gangarten mit etwas Knieaktion und einen ausbalancierten Galopp zeigen. Flache und steife Bewegungen sind inakzeptabel.

Charakter

Show Pony Das Australian Riding Pony im Show-Pony-Typ soll ein sehr elegantes und qualitätsvolles Reitpony mit feurigem Temperament sein.

Show Hunter Pony Das Show Hunter Pony soll ein ruhiges Temperament und einen verlässlichen Charakter besitzen.

Poney français de selle (Französisches Reitpony)

Geschichte und Zucht Die Zucht des Französischen Reitponys findet in recht ausgedehntem Umfang in ganz Frankreich, aber besonders in der Mayenne, der Normandie und der Bretagne statt. Es wird ein Pony im Sporttyp angestrebt, welches die Widerstandsfähigkeit eines Ponys mit den sportlichen Fähigkeiten und dem Aussehen eines Pferdes verbindet und sich für Kinder von fünf bis 18 Jahren eignet, obgleich es meist auch Erwachsene abdeckt. Für die Zucht des Poney français de selle kreuzte man Landais-Ponys mit importierten Connemara-, Welsh- und New-Forest-Hengsten und führte Arabisches Vollblut bei. Besonders das Connemara-Pony hatte einen großen Einfluss. Zudem importierte man zusätzlich Reitponys aus Deutschland, Belgien und Holland.

Das Französische Pony-Zuchtprogramm von Selle wurde 2006 ins Leben gerufen und zählt heute mehrere Tausend Ponys. Seit 2011 werden die Fohlen bei der Ausgabe des PFS-Buches systematisch in das Zuchtprogramm eingeschrieben.

Die Zuchtbewertung findet in den Kategorien Leistungsfähigkeit, Exterieur und Zuchtwert statt. Jede Stute erhält eine Anzahl von Sternen für alle drei Kriterien, bis zu 5. Die Anzahl der Sterne wird dann addiert, und die besten Stuten werden mit einem Label ausgezeichnet.