Unter kroatischer Literatur versteht man die in kroatischer Sprache geschriebene Literatur.
Im 10. Jahrhundert bildete sich ein kirchenslawisches Schrifttum in glagolitischer Schrift aus. Dieses und die zahlreichen Übersetzungen trugen wesentlich zur Ausformung der Volkssprache bei. Im 14. Jahrhundert wurde die glagolitische Schrift von der lateinischen Schrift verdrängt. Die kroatische Literatur erreichte unter dem Einfluss der italienischen Renaissance während des 16. und 17. Jahrhunderts eine beachtliche Höhe in Dalmatien.
Trotz des regen Interesses für sprachliche Fragen in der Aufklärung erhielt das literarische Schaffen erst um 1830 neuen Auftrieb durch den Lyriker und Begründer der kroatischen Hochsprache Ljudevit Gaj und die zunächst panslawistische, dann südslawische, illyrische Bewegung für die nationale Wiedergeburt Preporod. Diese Bewegung beseitigte unter dem Einfluss von Personen wie Ivan Mažuranić und Petar Preradović die Schranken der Schriftdialekte, übernahm das Štokavische als Schriftsprache und schuf für das Königreich Kroatien und Slawonien und das Fürstentum Serbien eine einheitliche Sprachgrundlage.
Zwischen 1895 und 1905 erfolgte die Auseinandersetzung um die Berechtigung der „Modernen“, die die Autonomie der Kunst und das Ästhetische betonten. Gesucht und gefunden wurde der Anschluss an die europäische Literatur; auch der Kontakt zwischen der serbischen und kroatischen Literatur war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr eng. Diese Entwicklung führte über den Symbolismus zum Expressionismus. Richtungsgebend wirkten in dieser Zeit Vladimir Nazor, Milan Begović und vor allem Miroslav Krleža. Ivo Andrić, der heute sowohl von Serbien als auch von Bosnien-Herzegowina und Kroatien geehrt wird, erhielt 1961 als erster und einziger Jugoslawe den Nobelpreis für Literatur.
Nur zeitweilig fand der sozialistische Realismus Anhänger in der kroatischen Literatur. Seit Anfang der 1950er Jahre setzten sich „modernistische“ Schriftsteller wie Petar Šegedin und Jure Kaštelan oder auch Dramatiker wie Marijan Matković, Mirko Božić und andere durch.
Mittelalter mini|180px|Marko-Marulić-Denkmal in Vukovar.
Im 10. Jahrhundert bildete sich ein kirchenslawisches Schrifttum in glagolitischer Schrift aus. Dieses und die zahlreichen Übersetzungen trugen wesentlich zur Ausformung der Volkssprache bei. Im 14. Jahrhundert wurde die glagolitische Schrift von der lateinischen Schrift verdrängt. Džore Držić und Šiško Menčetić gehörten zu den bedeutendsten Vertretern der südslawischen Trobadordichtung. Ihre im Stile von Francesco Petrarca verfassten konventionellen Liebeslieder klangen bei Džore Držić oft an das Volkslied an, priesen nicht die weltliche, sondern die geistliche Liebe, während bei Šiško Menčetić die weltliche Liebe verherrlicht wurde und oft an das Laszive grenzte. 1501 dichtete Marko Marulić das erste kroatische religiöse Epos Judita, das christliche Gesinnung mit humanistischem Formstreben verbindet.
Renaissance mini|180px|Deckblatt der Erstausgabe von Planine von Petar Zoranić (1569).
Die kroatische Literatur erreichte unter dem Einfluss der italienischen Renaissance während des 16. und 17. Jahrhunderts eine beachtliche Höhe in Dalmatien. Der Benediktiner Mavro Vetranović verfasste eine reflexiv-religiöse Lyrik, Zeitsatiren, moralisch-didaktische geistliche und mythologische Dramen sowie geistliche Epen, die zu den besten Schöpfungen der zweiten Phase der Raguser Renaissanceliteratur zählen.John V. A. Fine, Jr: When Ethnicity Did Not Matter in the Balkans: A Study of Identity in Pre-Nationalist Croatia, Dalmatia, and Slavonia in the Medieval and Early-Modern Periods, University of Michigan Press, 2010, ISBN 0-472-02560-0, S. 198 (Onlineversion) Petar Hektorović verfasste Sendschreiben, von denen nur vier erhalten sind, verdankt seine Bekanntheit aber der originellen Fischeridylle Ribanje i ribarsko prigovaranje („Fischerei und die Dialoge von Fischern“), die die ältesten Aufzeichnungen langzeiliger Heldenlieder (Bugarštice) enthält. Hanibal Lucić dichtete Liebeslieder ebenfalls im Stile Petrarcas, aber auch von Pietro Bembo und Ludovico Ariosto, sowie ebenfalls Sendschreiben an seine Freunde. 1556 verfasste er mit Robinja („Die Sklavin“) das erste originale kroatische Drama, dessen Sujet einem Volkslied entnommen ist.
Marin Držić, der einen ausgeprägten Sinn für komische Situationen hatte, wurde mit seinen in Reimform verfassten Schäfer- und Lustspielen in Prosa, die an Plautus und Giovanni Boccaccio erinnern, zum Schöpfer der ragusanischen Renaissance-Komödie. Sein Hauptwerk Dundo Maroje („Onkel Maroje“) bildet den Höhepunkt der südslawischen Komödie und wurde in zahlreiche Sprachen, darunter viermal ins Deutsche, übersetzt. Auch seine Farce Novela od Stanca („Der Streich an Stanac“) erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in Kroatien.
In Zadar gehörte Petar Zoranić, dessen frühen Dichtungen Ljubveni lov und Vilenica verloren sind, zu den Hauptvertretern der Renaissanceliteratur. Er verfasste mit dem Schäferroman Planine, der von Jacopo Sannazaros Idylle Arcadia angeregt wurde, 1569 den ersten kroatischen Prosaroman. Nikola Nalješković schrieb neben wissenschaftlichen Werken zwischen 1539 und 1571 mehrere Sammlungen von Liebeslyrik, geistlichen Liedern, Sendschreiben, Schäferspielen und Komödien, die für die folgenden Generationen wegweisend wurden. Dinko Zlatarić kehrte unter dem Einfluss Pietro Bembos zur reinen Lyrik Petrarcas zurück, die er der schönen Cvijeta Zuzorić widmete. Er lehnte Sinnlichkeit ab und besang stattdessen die platonische Liebe. Bartol Kašić war der Verfasser zahlreicher religiöser Erbauungsschriften und der ersten kroatisch-illyrischen Grammatik.
Barock mini|180px|Ivan Gundulić war der hervorragendste Vertreter des südslawischen Barocks.
Der aus der Dubrovniker Patrizierfamilie Gundulić stammende Ivan Gundulić war der hervorragendste Vertreter des südslawischen Barocks. Nach dem Vorbild Torquato Tassos schrieb er in echt manieristischen Stil zehn Dramen, von denen jedoch nur vier erhalten sind. 1621 sagte er sich nach der Veröffentlichung einer Sammlung von Psalmen im Zuge der katholischen Erneuerung von seinen bisherigen Werken los. Den Höhepunkt seines Schaffens bilden das 1622 entstandene religiöse Epos Suze sina razmetnoga („Die Tränen des verlorenen Sohnes“), welches mit Religiosität, Mystik, Rührseligkeit, Grausamkeit, Askese und Sinnlichkeit alle typischen Züge des Barocks aufweist. In dem allegorisch-mythologisch Schäferspiel Dubravka (1628) verherrlichte er die Freiheit und Vaterlandsliebe der Stadtrepublik Ragusa, während er in dem Heldenlied Osman (1638) die Niederlage des Osmanischen Reiches während des Osmanisch-Polnischen Krieges 1621 in der Schlacht bei Chocim besang.Zdenko Zlatar: The Slavic epic: Gundulić’s Osman, in: Peter Lang: Balkan studies, Band 4, 1995, ISBN 0-8204-2380-7Ivo Banac: The place of Gundulić in modern Croat national ideologies, in: Most – časopis za međunarodne književne veze / The bridge – Croatian journal of international literary relations, Jg. 1990, H. 1–2, S. 53–71.
Ivan Bunić Vučić war neben Ivan Gundulić bedeutendster Vertreter der ragusischen Barockliteratur, die er mit seiner reflexiven Liebeslyrik, besonders aber seinen Schäferspielen sowohl inhaltlich als auch formal bereicherte. Die barocke Antithese von religiös-mystischen und erotisch-sinnlichen Elementen erreichte in seinem geistlichen Epos Mandalijena pokornica aus dem Jahre 1630 ihren Höhepunkt. Von dem Barockdichter Stijepo Đurđević sind nur wenige Werke im Stil der neuen manieristischen Lyrik wie das humoristische Poem Derviš als sein Hauptwerk erhalten, welche eine Abkehr vom Petrarkismus sind. Junije Palmotić, ein adliger Verwandter von Gundulić, war Verfasser barocker, mythologisch-allegorischer Dramen nach antiken und romantischen Motiven im Stile von Ovid, Vergil, Torquato Tasso sowie Ludovico Ariosto mit patriotischem Untergrund, aber auch das christliche Epos Kristijada nach dem Vorbild von Marcus Hieronymus Vida. Der aus einer Magnatenfamilie stammende Fran Krsto Frankopan schrieb neben lateinischen Elegien ebenfalls manieristische Liebesgedichte.
Paul Ritter Vitezović besang in der Erzählung Odiljenje sigetsko aus dem Jahr 1684 den heldenhaften Kampf der Kroaten gegen die Türken in der Festung Sziget während des Großen Türkenkrieges. Neben lateinischen Gelegenheitsgedichten gab er zudem volkstümliche Schriften wie Kalender heraus. Als Historiker plante er eine Enzyklopädie aller Südslawen, von der jedoch nur die Stematographia 1700 erschien. Des Weiteren beschrieb er in Versen die Ereignisse und Kämpfe in Kroatien im 16. und 17. Jahrhundert, den Untergang des Königreichs Bosnien 1473 im Zuge der osmanischen Eroberung sowie eine Weltchronik. Sein großes sprachliches Interesse bekundet das lateinisch-illyrische Wörterbuch, das jedoch nicht gedruckt wurde.Catherine Anne Simpson: Pavao Ritter Vitezović: defining national identity in the baroque age, Ph.D. Thesis, University of London 1991, , abgerufen am 3. April 2021 Der Jesuit und spätere Benediktiner Ignjat Đurđević gilt aufgrund der Ausdruckskraft seines umfassenden Gesamtwerks, des Sprachpurismus und des lyrischen Talents als letzter bedeutender Barockdichter in der kroatischen Literatur. Zudem verfasste er die erste Literaturgeschichte der Republik Ragusa. Antun Kanižlić verfasste in Anlehnung an die Barockdichter Dubrovniks das 1780 posthum erschienene barocke Epos Sveta Rožalija, das meistgelesene Erbauungswerk der Gegenreformation.
Das Zeitalter der Aufklärung mini|180px|Der Franziskaner Andrija Kačić Miošić verfasste mit dem Volksbuch Razgovor ugodni naroda slovinskoga („Angenehmes Gespräch des slawischen Volkes“) das populärste Buch der kroatischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts.
Der Franziskaner Andrija Kačić Miošić verfasste das erstmals 1756 erschienene Volksbuch Razgovor ugodni naroda slovinskoga („Angenehmes Gespräch des slawischen Volkes“), welches im Stile des Volksliedes die wichtigsten geschichtliche Geschehnisse der Südslawen schildert und mit 45 Ausgaben das populärste Buch der kroatischen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts war. Der Offizier Matija Antun Relković geriet während des Siebenjähriges Krieges in preußische Kriegsgefangenschaft und wurde dort mit der deutschen Literatur der Aufklärung vertraut. Angeregt von dem Satiriker Johann Michael Moscherosch verfasste er 1762 in zehnsilbigen Versen sein didaktisches Werk Satir iliti divlji čovik („Satyr oder Der Wilde Mann“), in dem er sich in Lehrgedichten zum Volkserzieher seines während der osmanischen Besatzungszeit zurückgebliebenen Slawonien machte. Der Prediger Tituš Brezovački wiederum wurde zum bekanntesten Dramatiker in kajkavischer Mundart und verfasste außer Sveti Aleksi (1786), einer Dramatisierung der Legenden von Alexius von Edessa, zwei Stücke nach Art der Aufklärung, eine Satire auf die Zustände in Kroatien im Stile der zeitgenössischen Wiener Vorstadttheater sowie eine Rührende Komödie (comédie larmoyante) im kajkavischen Dialekt.
Das 19. Jahrhundert „Wiedergeburt“ der kroatischen Literatur und Entwicklung der kroatischen Hochsprache mini|180px|Ljudevit Gaj (um 1830) gilt als Begründer der kroatischen Hochsprache.