Der Schauinsland im Schwarzwald ist der hohe Hausberg von Freiburg im Breisgau und ein Ausflugsziel. Früher hieß er wegen des Silberbergbaus „Erzkasten“; der Name „Schouwesland“ taucht 1347 erstmals auf.Hermann Schwarzweber: Die Landschaft des Schauinslands und seine Geschichte In: Die Schauinsland-Bahn. Festschrift zur Eröffnung der Schauinsland-Seilschwebebahn am Donnerstag, den 17. Juli des Jahres der Rheinlandbefreiung 1930, S. 13. Er liegt rund zehn Kilometer südöstlich der Freiburger Stadtmitte.
Geographie Der Gipfel des Schauinslandes liegt auf Freiburger Gemarkung. Direkt südlich schließt sich die Gemeinde Oberried an, im Westen die Gemeinden Münstertal/Schwarzwald, Bollschweil und Horben (im Uhrzeigersinn).
Besonders bei Inversionswetterlagen im Herbst bietet der Schauinsland hervorragende Aussichten „über den Wolken“ bis zu den Vogesen, zur Hornisgrinde und in die Alpen: Tödi, Titlis, Eiger, Jungfrau, Weißhorn, Bietschhorn, Grand Combin, Mont Blanc. Anders als vom nahegelegenen Feldberg ist die Schwäbische Alb allerdings nicht sichtbar; dafür ist ein Blick hinunter nach Freiburg im Breisgau möglich.
Geschichte mini|Hofsgrund am Schauinsland Januar 2004 mini|Infotafel mit einem Schnitt durch das Museumsbergwerk Bergbau
Im Schauinsland wurde über 700 Jahre Silber, Blei und Zink abgebaut. Der Bergbau war im Mittelalter sehr ertragreich, so dass im 14. Jahrhundert einige Unternehmer der Grube Dieselmuot Glasfenster für das Freiburger Münster stifteten. Die Bergleute lebten direkt neben den Bergwerken in zwei Siedlungen auf dem Schauinsland, die im Laufe des 16. Jahrhunderts aufgegeben wurden. Das gewonnene Silber wurde von Freiburg aus gehandelt oder in der Stadt zu Münzen geprägt.
Die Grubenbaue des Bergwerkes erreichen eine Länge von insgesamt rund 100 Kilometern, verteilt auf 22 Sohlen. Anfang des 20. Jahrhunderts waren rund 250 Bergleute hier beschäftigt. Erst 1954 wurde der Bergbau wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.
Kapplerstollen Der Kapplerstollen verband gegen Ende des 19. Jahrhunderts die beiden Dörfer Kappel und Hofsgrund. Er wird auch Hebammenstollen genannt, da ihn die Hebammen und auch die Kappler Kinder als Abkürzung nach Hofsgrund verwenden konnten.
Nachnutzung Seit 1975 wird ein Teil des Bergwerks, der umgebaute Barbarastollen, vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als Aufbewahrungsort für die auf Filmrollen kopierten Archivalien der Bundesrepublik genutzt. Der Stollen ist das größte Archiv zur Langzeitarchivierung in Europa.
Museumsbergwerk Von der 1976 gegründeten Forschergruppe Steiber wurden mehrere alte Grubenbaue freigeräumt und vermessen. Seit 1997 ist ein Teil der alten Erzgrube als Museumsbergwerk für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Rahmen von Führungen wird den Besuchern ein breites Spektrum von mittelalterlichen Stollen bis hin zu Abbauen und Strecken aus der letzten Betriebsphase gezeigt.
Schauinsland-Rennen
Von 1923 bis 1984 wurde auf der Schauinslandstraße das ADAC-Schauinsland-Rennen, ein legendäres Bergrennen, ausgetragen. Diese zwölf Kilometer lange, serpentinenreiche Strecke führt auf öffentlichen Straßen von Horben über die Holzschlägermatte bis zur Bergstation der Schauinslandbahn, seit dem Jahr 2001 allerdings nur noch als Gleichmäßigkeitsfahrt für Oldtimer.
Seit 1984 ist die Schauinslandstraße vom 1. April bis 1. November an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt.
Schauinslandkönig Seit 2007 wird auf der L-124-„Rennstrecke“ zwischen der Abzweigung Horben und der Bergstation Schauinsland ein großes Bergzeitfahren mit jährlich über 1000 Teilnehmenden in verschiedenen Wettbewerben (Einzelzeitfahren, Fahrrad mit Kinderanhänger, Handbike, Inlineskates, Klapprad, Liegerad/Spezialrad, Skiroller, Tandem, Tretroller, Longboard, Klapprad und Unicycle/Einrad) ausgetragen, der „Schauinslandkönig“ über 11,5 Kilometer und 770 Höhenmeter.Badische Zeitung: Schauinslandkönig 2025 in Freiburg: Alles Wichtige zu Radrennen, Sperrung und Strecke, Artikel vom 24. Juli 2025, aufgerufen am 28. Juli 2025.
Die Schauinslandkönig Sieger im Einzelzeitfahren W/M
2007: Pia Sundstedt (FIN, 37:15 min) und Florian Link (29:37 min) 2008: Martina Höllige (36:45 min) und Florian Link (29:14 min) 2009: Simone Schwarz (37:30 min) und Florian Link (29:04 min) 2010: Annika Grüber (37:13 min) und Sascha Ritschard (CH, 31:36 min) 2011: Sabine Kratt (38:00 min) und Florian Link (30:06 min) 2012: Martina Höllige (36:48 min) und Frederik Nagel (30:14 min) 2013: Martina Höllige (38:07 min) und Frederik Nagel (30:51 min) 2014: Ann-Katrin Hellstern (37:04 min) und Christoph Fuhrbach (30:35 min) 2015: Keine Austragung 2016: Keine Austragung 2017: Janine Meyer (36:01 min) und Andreas Schweizer (CH, 29:00 min) 2018: Andrea Erdmeier (37:01 min) und Simon Combes (F, 30:39 min) 2019: Katharina Fox (40:38 min) und David Breinlinger (30:55 min) 2020: Hannah Fandel (35:40 min) und David Breinlinger (28:41 min) 2021: Hannah Fandel (36:32 min) und David Breinlinger (29:41 min) 2022: Annika Schwald (38:44 min) und Marc Mäding (29:51 min) 2023: Janine Meyer (33:57 min) und Lomas Wefing (29:28 min) 2024: Hanna Müller (38:19 min) und Benedikt Fundel (30:06 min) 2025: Katharina Palm(-Fox) (35:24 min) und Benedikt Fundel (29:17 min) 2026: Das Schauinslandkönig Rennen 2026 findet am 19. Juli 2026 statt
Die Schauinslandkönig Streckenrekorde Damen: Janine Meyer (Köln): 33:57 min (aufgestellt am 23. Juli 2023) Herren: David Breinlinger (SV Nikar Heidelberg): 28:41 min (aufgestellt am 13. September 2020)
Deutschland Tour Die 3. Etappe der Deutschland Tour 2022 führte von Freiburg über den Kaiserstuhl und das Markgräflerland bis zum Schauinsland. Der Schlussanstieg wurde von Wittnau und Horben aus angefahren.
Windräder Seit Oktober 2024 steht eine Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 160 m auf der Holzschlägermatte am Schauinsland. Zuvor bestanden dort seit 2003 zwei anfangs umstrittene Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 90 m. Die Leistung der neuen Anlage ist doppelt so hoch wie der beiden vorherigen zusammengenommen.
Da der Gipfel des Schauinsland in einem Naturschutzgebiet liegt, konnte die Anlage nicht dort, sondern musste weiter unten auf etwa errichtet werden, so dass die Sicht vom und zum Gipfel kaum eingeschränkt wird. Anfang 2003 erteilten die Stadt Freiburg unter Oberbürgermeister Dieter Salomon und das Regierungspräsidium unter dem damaligen Leiter Sven von Ungern-Sternberg die Baugenehmigung. Einige Wochen nach Baubeginn erklärte das Regierungspräsidium, die Ausweisung der Holzschlägermatte als Standort für Windkraftanlagen sei nicht mit der Naturschutzverordnung zu vereinbaren; im August wies das Wirtschaftsministerium unter Walter Döring das Regierungspräsidium an, die Baugenehmigung aufzuheben. Dennoch wurden die Windräder im September 2003 eingeweiht. Der Rechtsstreit zwischen der Betreiberfirma und den Behörden zog sich noch jahrelang hin. Dabei erstellte der Freiburger Künstler Richard Schindler ein Sachverständigen-Gutachten, das als erstes seiner Art gilt. Allgemein wurde der Streit als „Privatkrieg des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Erwin Teufel gegen die Windkraft und das grüne Freiburg“ gewertet. 2006 wurde in einem Vergleich vereinbart, die Anlage bis 2024 zu betreiben und dann abzubauen. Im Juni 2017 meldete das Regierungspräsidium, dass nun vier Bereiche am Schauinsland für Windkraftanlagen ausgewiesen wurden, darunter die Holzschlägermatte. Inzwischen ist der Bestand dieser Windräder gesichert.
Seit Mai 2025 sind zusätzlich am Taubenkopf zwei weitere Windkraftanlagen des Typs Enercon E-160 EPS E2 mit einer Nabenhöhe von 166 m in Betrieb.
Berghaus mini|Berghaus am Schauinsland Das 1936 auf der Gemarkung Münstertal errichtete Hotel Burggraf (26 Zimmer/74 Betten) wurde nach Kriegsende bis 1952 von der französischen Kommandantur genutzt. 1958 wurde es zu einer Kindererholungsstätte, aus der später das Schullandheim der Stadt Pforzheim hervorgehen sollte. Die Stadt Freiburg nutzte das Gebäude ab 1989 als Wohnheim für Flüchtlinge, bevor es 1992 als Studentenwohnheim diente. Der Umbau zu einer Rehaklinik mit 48 Betten durch einen Arzt der Groddeck-Klinik scheiterte wegen geänderter Gesundheitsgesetze und dadurch fehlender Kredite und führte zur Insolvenz der Georg-Groddeck-Klinik GmbH gegen Ende des Jahres 2000. Der Rohbau stand ab 2001 leer und wurde durch Vandalismus im Bereich der neuen Türen und Fenster beschädigt.
2011 erwarben drei Freiburger Ehepaare das Berghaus und wollten es bis Frühjahr 2015 zu einem Seminar- und Erholungshaus umbauen lassen. Hierbei wurden sie durch Mitglieder des Vereins Service Civil International unterstützt.Alexandra Sillgitt: Freiburg: Neues Leben im alten Berghaus am Schauinsland, suedkurier.de, 28. August 2013, abgerufen am 20. November 2013 Das Projekt fand jedoch nicht genügend Beteiligung. Das Haus sollte nun wieder verkauft werden. 2018 wurde mit dem Umbau zu einer Ferienwohnungsanlage begonnen, die im Dezember 2020 fertig wurde, aber aufgrund der Covid-19-Pandemie konnte es erst im Sommer 2021 eröffnet werden. Das öffentliche Restaurant ist Donnerstag bis Sonntag geöffnet.
Berghotel mini|Berghotel am Schauinsland 1869 erstellte und betrieb der Inspizient des Freiburger Stadttheaters westlich unterhalb des Gipfels eine Wanderhütte. Daraus entstand in wechselvoller Geschichte das „Gasthaus zur Friedrichsruhe“ bzw. Rasthaus Schauinsland. Nach einem Brand erhielt 1926 das Haus seine heutige Form. Von 1936 bis 1982 bewirtschaftete Heinrich Sauerer mit seiner Familie das Berghotel. Anschließend betrieb die Arbeiterwohlfahrt 13 Jahre das Haus als Erholungs- und Tagungsheim. Seit 2006 kann das 50-Betten-Haus komplett gemietet werden.Henning Volle: Bergrekord am Schauinsland – die Geschichte des berühmten ADAC-Bergrennens 1925–1988. EK-Verlag, Freiburg 2009, ISBN 978-3-88255-895-1. S. 7 Das Haus dient einem Motorrad-Kriminalroman als Schauplatz.Karin Schickinger: Schüsse am Schauinsland, Highlights-Verlag, Euskirchen 2012, ISBN 978-3-933385-63-5
links|mini|Fachschaftshaus der Uni Freiburg Uni-Haus Schauinsland (Fachschaftshaus) 1934 wurde von der Universität Freiburg auf 1.100 m Höhe das Fachschaftshaus im charakteristischen Schwarzwaldstil gebaut. Jahrzehnte, bis 2021, wurden dort in einfachen Räumen mit Übernachtungsmöglichkeit universitäre und studentische Seminare und Hüttenwochenenden abgehalten. 2021 wurde der Betrieb eingestellt. Derzeit werden für das Gebäude neue Nutzungsmöglichkeiten gesucht und getestet.Freiraum auf 1.100 Meter Höhe, uni-freiburg.de vom 1. April 2025.
Schutzgebiete Der Gipfelbereich und die Höhenlage des Schauinslands ist mit Verordnung vom 12. Dezember 2002 durch das Regierungspräsidium Freiburg als Naturschutzgebiet Schauinsland (NSG-Nummer 3.264) im Naturraum Hochschwarzwald ausgewiesen worden. Es hat eine Fläche von knapp 1.054 Hektar (ha), wobei auf das Stadtgebiet Freiburg im Breisgau 329,7 ha und auf den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald 724,2 ha entfallen. Es ist in die IUCN-Kategorie IV eingeordnet. Der CDDA-Code lautet 319058.