mini|250px|San Giovanni in Fonte – Taufbecken mit Chor im Hintergrund San Giovanni in Fonte ist eine römisch-katholische Filialkirche in der oberitalienischen Stadt Verona in Venetien. Sie ist als Baptisterium Teil des Domkomplexes von Verona.
Geschichte Ein erstes Baptisterium in Verona wurde vermutlich bereits im 4. Jahrhundert nach dem Toleranzedikt von Mailand im nordwestlichen Bereich des römischen Municipiums errichtet. Zwar konnten archäologische Grabungen bislang die Existenz eines solchen Baus nicht belegen, verschiedene schriftliche Hinweise weisen aber auf einen Vorgängerbau hin. Im Frühmittelalter verlieren sich die Spuren auf den frühchristlichen Bau wieder.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 7–10.
Erstmals schriftlich erwähnt wurde eine Johannes dem Täufer geweihte Taufkapelle im Jahr 981. Mit dem vom Bischof von Verona Bernardo eingeleiteten Neubau des Bischofssitzes im 12. Jahrhundert wurde das Baptisterium vollständig neu errichtet. Die Grundformen dieses Baus haben sich bis heute fast unverändert erhalten. Umstritten ist, ob die Entscheidung für den Neubau mit den vom Erdbeben von 1117 verursachten Schäden zusammenhängt, da die Auswirkungen von Chronisten eher übertrieben dargestellt werden.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 11–12. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Neubau im Zusammenhang mit dem von Bernardo in Angriff genommenen Reformprozess der Veroneser Kirche steht.Silvia Musetti: San Giovanni in Fonte a Verona e il terremoto del 1117. S. 121–122.
Der 1123 begonnene Bau wurde vermutlich Ende der 1130er Jahre vollendet. Zu diesem Zeitpunkt hatte San Giovanni in Fonte bereits das Privileg, der einzige Taufplatz in Verona zu sein, eingebüßt. Trotz des Bedeutungsverlustes entstand noch im 12. Jahrhundert das reich dekorierte Taufbecken. 1177 wurde das Baptisterium dem Verantwortungsbereich des Bischofs entzogen und dem seit 813 dem Patriarchen von Aquileia unterstehenden Domkapitel anvertraut.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 12–13.
Auch nachdem Verona Anfang des 15. Jahrhunderts unter venezianische Herrschaft gefallen war und mit Angelo Barbarigo der erste venezianische Bischof den Bischofsstuhl in Verona besetzte, verblieb die Taufkapelle im Zuständigkeitsbereich des Domkapitels. 1446 wurde San Giovanni in Fonte zur Pfarrkirche erhoben und die Autorität der Kanoniker eingeschränkt. Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurden einige Seitenaltäre errichtet, die von bedeutenden Familien oder Zünften, wie den Steinmetzen, der Stadt gestiftet worden waren. Mit dem 1502 abgeschlossenen Neubau des östlich angrenzenden Bischofssitzes wurde die südwestliche Seitenapsis in den Bau eingeschlossen und ist seitdem von außen nicht mehr zu erkennen.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 14–15.
1575 richtete Bischof Agostino Valier ein Oratorium in der Taufkapelle ein, um die Jugend mit dem Katechismus vertraut zu machen. Mit den von Papst Benedikt XIV. eingeleiteten Kirchenreformen wurde das Baptisterium mit der Päpstlichen Bulle Regis pacificis vom 11. Mai 1756 dem Domkapitel entzogen und dem Bischof von Verona unterstellt. Nach Auflösung der Republik Venedig durch Napoleon Bonaparte 1797 verlor die Kirche im Zuge der napoleonischen Reformen 1805 ihre Pfarre und wurde zu einer Filialkirche des Doms. Ihre Funktion als Oratorium behielt sie allerdings bei.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 15–16.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde der Bau in mehreren Abschnitten restauriert. Der erste größere Eingriff fand bereits nach dem Etschhochwasser von 1757 statt, als der in Mitleidenschaft gezogene Bau nur dank großzügiger privater Spenden restauriert werden konnte, woran eine Gedenktafel im Innenraum erinnert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden vermutlich auch die Obergaden anstelle der ursprünglichen Monoforien angebracht. Weitere Renovierungsarbeiten waren nach dem katastrophalen Etschhochwasser von 1882 sowie nach den alliierten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg nötig. In den 1960er Jahren wurden die Fresken restauriert und in den 1980er Jahren der Fußboden im Chor erneuert. Mit der 2005 abgeschlossenen Restaurierung wurde der gesamte Innenverputz entfernt und die ursprüngliche Mauerstruktur wiederhergestellt. Zudem wurden die Reliefs des Taufbeckens restauriert.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 17–19.
Architektur Die in der Altstadt von Verona liegende Taufkirche ist einer der am besten erhaltenen romanischen Bauten der Stadt.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 12. Sie wurde nicht als Zentralbau errichtet, sondern als dreischiffige und dreiapsidiale Basilika.
Westfassade Die Westfassade mit ihrem Eingangsportal liegt an einem kleinen Innenhof, der im Westen vom Atrium des Doms eingegrenzt wird und gleichzeitig die Verbindung zu den anderen Gebäuden des Domkomplexes darstellt. An der Nordseite des Innenhofes liegt der Korridor, der den östlich angrenzenden Bischofspalast mit der Sakristei des Doms verbindet. Auf der gegenüberliegenden Südseite liegt ein auf einem Bogengewölbe ruhender Mauerziegelbau, der als Domschatzkammer dient. Infolge des Ende des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnten Anbaus wurde die Westfassade von San Giovanni in Fonte verdeckt und der ursprünglich das Portal schützende Protiro entfernt, von dem noch Spuren zu erkennen sind. Die nüchtern gehaltene Fassade wird von einem Rundbogenfries und einem Biforienfenster über dem Portal aufgelockert. Die Kämpfer und der Architrav des Portals sind aus rotem Veroneser Marmor und heben sich von der weißen Tuffsteinfassade ab. In der Nische über dem Portal befinden sich die Reste eines stark verblichenen Freskos einer thronenden Madonna aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Gewölbebogen neben dem Eingang sind Spuren von Wandmalereien und Grabinschriften erhalten, die davon zeugen, dass dieser Bereich über mehrere Jahrhunderte als Friedhof genutzt wurde.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 20–24.
Südseite und Glockengiebel Die an der Piazza Vescovado gelegene Südseite weist das für die Veroneser Romanik charakteristische und dem römischen Opus listatum nachgeeiferte Kombinationsmauerwerk mit roten Mauerziegeln und weißem Tuff auf, wobei die Kanten einfarbig gehalten sind. Die Fassade liegt eingebettet zwischen der Apsis des Doms und dem unter Bischof Giovanni Michiel Anfang des 15. Jahrhunderts errichteten Neubau des Bischofspalastes. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das südliche Portal zugemauert, in der darüber liegenden Lünette sind noch spärliche Spuren eines Freskos zu erkennen. Daneben ist eines der zwei Monoforien mit Stufengewände der Südfassade. Die im 19. Jahrhundert entstandenen Obergaden ersetzten vermutlich ebenfalls Monoforien. Rechts neben dem Seitenportal befindet sich ein eingemauerter Sarkophag, der dem späten 15. Jahrhundert zuzuschreiben ist und womöglich ursprünglich an anderer Stelle angebracht war. Für wen die Grablege bestimmt war, ist nicht bekannt.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 25–27.
Der aus Mauerziegeln erbaute Glockengiebel wurde sehr wahrscheinlich erst nach der Erhebung zur Pfarrkirche im 15. Jahrhundert errichtet. Er befindet sich auf der Südseite des Satteldaches des Hauptschiffes. Der darunter liegende Giebel und der Zahnfries sind von den Glockenseilen deutlich abgenutzt. Die größere der beiden Glocken wurde 1450 gegossen und ist eine der ältesten noch in Verona läutenden Glocken. Die kleinere stammt von 1657.Matteo Padovani, Maurizio Guadagnini: Cattedrale di Verona Santa Maria Assunta. Il campanile, le campane, i suonatori. S. 26.
Apsis und Nordseite Der Bereich der Apsis und die Nordfassade liegen im Innenhof des Bischofspalastes. Von den drei Apsiden sind nur die Hauptapsis und die nördliche Seitenapsis noch freistehend erkennbar. Die südliche Seitenapsis wurde beim Bau des bischöflichen Palais im 15. Jahrhundert nicht abgerissen, sondern in den Neubau integriert. Die drei Apsiden sind vollständig aus weißem Tuff errichtet und mit Lisenen und Friesen geschmückt. Während die Hauptapsis drei Monoforien besitzt, von denen das südliche zugemauert ist, besitzen die beiden Seitenapsiden nur jeweils ein zentrales Monoforium, das jeweils mit einem Zierrelief mit Tier- und Pflanzenmotiven geschmückt ist. Die dahinter liegende Fassade weist das Kombinationsmauerwerk aus roten Mauerziegeln und weißem Tuff auf. Der südliche Bereich der Apsis wurde durch einen Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und musste in der Nachkriegszeit aufwendig restauriert werden.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 29–34.
Die ebenfalls zweifarbig gehaltene Nordseite ist durch Anbauten wesentlich verändert worden. Unter Bischof Ermolao Barbaro dem Älteren wurde im 15. Jahrhundert der Verbindungsgang zwischen dem Bischofspalast und dem Dom errichtet. Letzterer zieht sich auf dem linken Seitenschiff entlang und quert im Bereich des Chors in einem Bogen den Innenhof zum bischöflichen Palais. Im Gegensatz zur Südfassade ist das nördliche Seitenportal nicht zugemauert worden und nach wie vor benutzbar. Das darüber liegende Fresko in der Form eines Clipeus stammt aus dem 16. Jahrhundert und zeigt Johannes den Täufer.Fausta Piccoli: Le Pitture. S. 69. Zugemauert wurden dagegen die Monoforien, deren Spuren an der Fassade nicht mehr auszumachen, aber im Innenraum noch zu erkennen sind.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 35.
Innenraum und Innenausstattung Der Innenraum ist in seiner Struktur seit dem Bau des Baptisteriums im 12. Jahrhundert unverändert erhalten geblieben. Eine Reihe von Säulen und Pfeilern trennen abwechselnd die beiden Seitenschiffe vom Hauptschiff ab. Während die drei Schiffe im Osten symmetrisch mit drei Apsiden abschließen, ist das Langhaus im Westen asymmetrisch strukturiert. Warum das Hauptschiff über die beiden Seitenschiffe hinausreicht, ist nicht hinreichend geklärt. Am Pilaster des nördlichen Seitenschiffes befindet sich eine von mehreren Inschriften im Innenraum, die an verschiedene Etschhochwasser erinnern, die älteste ist mit 30. Oktober 1567 datiert. Am Fußboden sind einige Grabinschriften, die älteste Grabinschrift ist von 1374 und befindet sich in der Nähe der südlichen Seitenapsis.Fabio Agostini: San Giovanni in Fonte nel complesso episcopale veronese. Storia e architettura. S. 37–39.
Rechts und links des Westportals befinden sich zwei nachträglich angebrachte Türen, die zu zwei kleinen Sakristeien führen, wobei die südliche Sakristei die ältere der beiden ist und zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert entstanden ist.
Hauptschiff, Chor und Apsis Von den Säulen und Pfeilern, die das Hauptschiff von den Nebenschiffen trennen, sind einige wesentlich älter als das Baptisterium und beim Bau von anderen Bauten recycelt worden. Die beiden korinthischen Säulen auf Höhe des Taufbeckens mit ihren unterschiedlichen Kapitellen können auf das 10. und das 12. Jahrhundert zurückdatiert werden. Die nördliche ältere Säule aus dem 10. Jahrhundert stammt vermutlich vom Vorgängerbau des Doms, ebenso wie die letzte baugleiche Säule auf der rechten Seite des Hauptschiffs. Der gegenüberliegende und auf zwei Seiten gerippte Pfeiler auf der Nordseite kann nach einhelliger Meinung sogar auf das 6. Jahrhundert zurückdatiert werden.