miniatur|Palazzo delle Poste in Forlì, Hauptfassade zur Piazza Aurelio Saffi Der Palazzo delle Poste e dei Telegrafi ist ein Palast des 20. Jahrhunderts im historischen Zentrum von Forlì in der italienischen Region Emilia-Romagna. Er liegt an der Piazza Aurelio Saffi, auf den seine Hauptfassade hinauszeigt. Die Seitenfassaden zeigen zum Corso Giuseppe Mazzini und zur Piazzetta Don Pippo (auch Piazzetta della Posta). Die Rückfassade zeigt zur Via Guido Bonatti.
Geschichte Nach der Vereinigung des Königreichs Italien hatte die Post ihren Sitz im Palazzo Pettini an der Piazza del Duomo in einigen Räumlichkeiten, die der staatlichen Liegenschaftsverwaltung gehörten, neben denen, in denen die Büros des regionalen Genio Civile (dt.: Bauamt). 1885–1909 war sie in einigen Räumlichkeiten im Erd- und Zwischengeschoss des Palazzo dell’Intendenza di Finanza an der Piazza Maggiore (heute Piazza Aurelio Saffi) an der Ecke zur Via Jacopo Allegretti untergebracht. Das erste Telegraphenamt wurde 1857 im Inneren des Bürgerturms eröffnet und fand sich später provisorisch im Palazzo della Provincia in der Via delle Torri in der Nähe des Palazzo Rolli an der Piazza Maggiore. Ab 1889 wurden die beiden Sercices – Postamt und Telegraphenamt – im Palazzo dell’Intendenza di Finanzia.
1909 wurden Post- und Telegraphenamt an die Piazza XX Settembre verlegt. Später, Ende der 1920er-Jahre, als man feststellte, dass das vorhandene Gebäude absolut unzureichend war, arrangierte das Fernmeldeministerium ein Projekt zur Erweiterung der Räumlichkeiten, das sich in Hinblick auf die tatsächlich dargestellten Bedürfnisse als ungenügend erwies, wenn man den vorgesehenen Zustand der Büros der Provinzdirektion der Post betrachtete. Es wurde daher vereinbart, die Möglichkeiten zu prüfen, die Büros an eine andere Stelle zu verlegen, aber in der Stadtmitte zu behalten, indem man ein neues Gebäude errichtete.
miniatur|Der Palazzo delle Poste, wie er 1933 aussah. Die Skulptur wurde aus ästhetischen Gründen sofort wieder entfernt, um an einem ähnlichen Postgebäude aufgestellt zu werden, das Bazzani in Pescara entwarf. Ende Juli 1930 verfügte die Regierung Mussolini die Errichtung verschiedener zentraler Postämter, darunter das von Forlì. Der Fernmeldeminister, Costanzo Ciano, beauftragte mit dem Projekt und der künstlerischen Leitung der Arbeiten den Bauingenieur und Architekten Cesare Bazzani (1873–1939), einem Mitglied der Accademia d'Italia und bekannten Projektanten zahlreicher öffentlicher Bauten, darunter etlicher Palazzi delle Poste (Imperia, Sanremo, Faenza, Ascoli Piceno, Macerata, Terni, Viterbo, Rieti, Pescara, Tarent usw.). Nachdem man den Plan der Errichtung des Gebäudes auf dem Gelände der ehemaligen Case Baratti am Corso Vittorio Emanuele (heute Corso della Repubblica) verworfen hatte, weil an dieser Stelle nur eine für die rationelle Verteilung der Dienstleistungen zu kurze Frontfassade möglich gewesen wäre, entschied man sich, vermutlich auf Betreiben des Regierungschefs, nach dem Abriss bestehender Gebäude den Palast auf der Nordseite der Piazza Aurelio Saffi in Verbindung mit der sogenannten „Isola Castellini“ zu errichten.
Die Skizze des neuen Palazzo delle Poste e dei Telegrafi in Forlì mit der vorläufigen Genehmigung des Duce wurde am 22. Dezember 1930 von Architekt Bazzani den örtlichen Behörden und der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt. Das entsprechende Projekt wurde am 12. Januar 1931 erstellt und vom Fernmeldeminister Ciano am 17. Januar 1931 per Ministerialdekret bestätigt. Die folgende Variante des Projektes vom 7. Oktober 1931 wurde am 20. Oktober 1931 wiederum per Ministerialdekret bestätigt. Die Dekrete des Präfekten vom 20. Februar 1931 (vorübergehende Aneignung) und vom 18. November 1931 (permanente Aneignung) verfügten die Enteignung der Immobilien, die den Familien Pantoli, Rolli, Landini, Danesi und Monti gehörten. Die am 31. Oktober 1931 unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem Ministerium und der Stadtverwaltung Forlì setzte die Beteiligung letzterer an den Baukosten des neuen Postgebäudes in Höhe von 700.000 Lire sowie den kostenlosen Erwerb einiger Grundstücke und Teilen von Straßen und Plätzen in Besitz der Stadt fest.
Im Frühjahr 1931 wurde die Räumung aller enteigneten Räumlichkeiten angeordnet, die bis dahin größtenteils Wohnzwecken gedient hatten, die Verlegung einiger Handelsgeschäfte in den betroffenen Räumen in das Erdgeschoss des Monte di Pietà sowie die Zahlung aller Enteignungsentschädigungen an die Eigentümer und einer Summe als Entschädigung an die vertriebenen Kaufleute. Die Abrissarbeiten an den enteigneten Gebäuden, mit denen am 17. Juni 1931 das Unternehmen Teofilo Raimondi e C. aus Cesena beauftragt wurde, begannen im folgenden Juli und nahmen den ganzen Sommer in Anspruch.
Im September 1931 wurde der exakte Standort des neuen Gebäudes festgelegt, wobei man die Zurücksetzung der Baulinie von der Baulinie der abgerissenen Gebäude vorsah, sodass die Ansicht des Platzes erweitert würde und man einen breiteren Ausgang zur Straße am Largo de Calboli und einen offeneren Blick auf die Monumentalfassaden der romanischen Kirche San Mercuriale und den dahinter liegenden Palazzo Paulucci de Calboli erhielte.
Die Bauarbeiten am neuen Postgebäude, die am 29. August 1931 dem Unternehmen Ettore Benini aus Forlì übertragen wurden, begannen im November 1931 und wurden größtenteils im Oktober 1932 fertiggestellt. Mit der Leitung der Arbeiten wurde die Werksabteilung Bologna der Ferrovie dello Stato in Person des Bauingenieurs Presutti im Namen des Abteilungsleiters, Bauingenieur Agazzi, betraut. Das Postgebäude wurde am 30. Oktober 1932 in Anwesenheit des Regierungschefs eingeweiht, in der Zeit des Zehnjahresjubiläums des Marsches auf Rom. Die Baukosten summierten sich laut den damaligen Zeitungen auf 6,68 Mio. Lire, wovon die Arbeiten 4,5 Mio. Lire kosteten, die Enteignungsentschädigungen sich auf 2 Mio. Lire beliefen und die Ausstattung 180.000 Lire kostete. Das Anwesen wurde mittels eines Übernahmeberichtes vom 3. April 1933 durch der Post- und Telegraphenverwaltung von der Werksabteilung Bologna der Eisenbahn übernommen. Von diesem Zeitpunkt an begannen die Büros der Provinzialdirektion und die Post- und Telegraphendienste mit ihrer Arbeit am neuen Standort.
Am 25. August 1944 wurde der Palazzo delle Poste bei einem Bombardement, das auch die Stadt Forlì traf, ernsthaft beschädigt, insbesondere das Dach, die Kundenhalle sowie die Fassaden zur Piazza Aurelio Saffi und zur Piazzetta della Posta. Teile der Büros wurden für eine kurze Zeit in ein Gebäude im Viertel San Martino in Strada verlegt und später in einige Räume des Monte di Pietà am Corso Giuseppe Garibaldi. Die Restaurierungsarbeiten, die das Bauamt durchführen ließ, begannen 1946 und waren 1950 abgeschlossen.
Veränderungen Die Durchsicht der Dokumente im Staatsarchiv von Forlì (Quelle: Bauamt – Kriegsschäden) und im Archiv des Werksbüros P.T. in Bologna ermöglichte die Korrektur der wichtigsten Veränderungen, die an dem Gebäude im Laufe der Zeit im Vergleich zum ursprünglichen Zustand, der durch Architektur- und Strukturzeichnungen im historischen Archiv der Eisenbahngesellschaft dokumentiert ist, vorgenommen worden waren.
Das Gebäude war innen durch verschiedene Umbauarbeiten, Anpassungen und Neuverteilungen der Dienste betroffen, die in einigen Fällen auch strukturelle Umbauten bedingten. In den Jahren 1960–1970 wurden zwischen dem Hochparterre und dem ersten Obergeschoss ein Zwischengeschoss eingezogen, eine Zugangstreppe aus armiertem Beton zum Dachgeschoss abgerissen und ein Teil der Sanitäranlagen verlegt. Weitere Umbauarbeiten umfassten die Erweiterung oder Verkleinerung zahlreicher Räume, den Austausch von Böden und Fenstern sowie die strukturelle Modifikation der Schalterhalle über dem Niveau der Schalter. Später, in den 1990er-Jahren, betrafen Modernisierungseingriffe einen Teil des zweiten Obergeschosses nach dem Abbau des Telegraphensaals. 2003 wurde der ehemalige Paketsortierraum im Hochparterre in Einklang mit der neuen Kundenausrichtung zur Nutzung für Schalter und Beratungsräume umgebaut.
Was die Fassaden anbetrifft, fällt die Vergrößerung eines Zugangs zu den Sortierräumen (Ladehof) an der Via Guido Bonatti auf, die in Harmonie mit den Fenstern im Hochparterre in den Jahren 1946–1950 vom Bauamt durchgeführt wurde, der Bau eines Türmchens auf dem Dach für den Maschinenraum des neuen Aufzugs, den die Werksabteilung P.T. 1960 entlang der Servicetreppe mit Zugang von der Via Guido Bonatti einbauen ließ, der Anbau von zwei Eisen-Glas-Dächern und der Ersatz einiger Fenster zu den Innenhöfen und der Ersatz der Fenster zum Eingang der Garage auf die Piazzetta Don Pippo durch die Werksabteilung der P.T. zwischen 1960 und 1980. Strukturelle Umbauarbeiten an den Fassaden in der Folge der Beseitigung der Kriegsschäden, die durch einige Neueindeckungen des Daches und kürzliche Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten an der Loggia im Jahre 2001 erledigt wurden, wurden allerdings nicht durchgeführt.
Beschreibung Aus einer Prüfung der graphischen Dokumentation im Staatsarchiv von Terni und im historischen Archiv der Eisenbahngesellschaft ist zu erkennen, dass es mindestens drei Vorschläge des Architekten Bazzani für den neuen Palazzo delle Poste gegeben haben muss. Das letztlich gewählte Projekt wurde mehrmals überarbeitet, wobei wesentliche Änderungen in Architektur und Dimensionen vorgenommen wurden. Das Hinzufügen einer seitlichen Spanne und die letztliche Aufstockung der Türme verlieh dem Gebäude die feierliche Bedeutung, die für ein staatliches Gebäude notwendig war, wogegen die Reduktion der dekorativen und künstlerischen Elemente ihm einen nüchternen Charakter verlieh, der für diese Art von Gebäude besser passte. Im Inneren des Gebäudes war die Schalterhalle ursprünglich in rechteckiger Form vorgesehen, wie der entsprechende Vorhang, wurde später aber in halbrunder Form und überragt von einem Halbkuppeldach mit mehreren Oberlichtern und Rippen aus Stahlbeton realisiert. Daraus folgten strukturelle Änderungen an der Verteilung der angrenzenden Räumlichkeiten, an der Art der Schalter und an der generellen Ausführung des Saales. Der Palazzo delle Poste ist in modernisiertem Klassikstil gehalten, wobei er zu jener Reihe der Übergangswerke zurückkehrt, die Bazzani zu einer „erzwungenen“ modernistischen Evolution begleiteten, die bei der Projektierung des benachbarten Palazzo degli Uffici Statali (1934–1938) noch deutlicher zu sehen ist. Was die Typologie angeht, so schlug der Projektant diese Ausführung in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre vor, die durch eine Doppelreihe von Rundbögen und Ecktürme in einem Kontext von rigider Symmetrie gekennzeichnet, wobei die Änderungen übernommen wurden, die die Charakteristik des Ortes vorgibt.
Die Ansichten stechen durch den vorwiegenden Einsatz von sichtbaren, gemahlenen Ziegeln heraus, als kontextuelle Hommage an die Farbe des Platzes und der gleichnamigen Kirche San Mercuriale, durchsetzt von Travertinbändern aus Rapolano als Ausdruck der römischen und italienischen Bautradition und aus Kunststein mit Körnung oder einem nachgemachten Travertin-Finish.