Das Mathias Corvinus Collegium (MCC) ist eine Bildungseinrichtung und Denkfabrik mit Sitz in Budapest, die dem rechtskonservativen politischen Spektrum zugerechnet wird. Das MCC ist die größte private Bildungseinrichtung für Begabtenförderung Ungarns und des Karpatenbeckens, die kostenlose Talentförderungsprogramme anbietet. Diese ergänzen die traditionelle öffentliche Schul- und Hochschulbildung mit der Zielsetzung, interdisziplinäres Wissen über den eigenen Fachbereich hinaus zu vermitteln. Das MCC fungiert auch als Wissenszentrum mit eigenen angesiedelten Forschungsinstituten, das Mobilitätsprogramme und Stipendienprogramme organisiert, Bücher und akademische Arbeiten veröffentlicht und internationale Konferenzen und Diskussionsforen veranstaltet.
Das wie die Corvinus-Universität nach dem ungarischen König Matthias Corvinus benannte MCC wurde von der ungarischen Regierung unter Viktor Orbán 2020 mit umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro ausgestattet. 2020 wurde die frühere Stiftung durch die Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung, eine Stiftung öffentlichen Rechts, ersetzt, was mit der Stärkung der finanziellen Basis und der Festlegung neuer Ziele verbunden war. Der neuen Stiftung wurden vom ungarischen Parlament zweckgebunden jeweils zehn Prozent der staatlichen Anteile am Ölkonzern MOL sowie am Pharmaunternehmen Richter Gedeon im Wert von knapp 1,4 Mrd. € übertragen, aus deren Dividenden sich die Aktivitäten der Stiftung im Wesentlichen finanzieren. Es wird von einigen Medien als politisches Instrument bezeichnet, Ungarns zukünftige Eliten hervorzubringen sowie ein internationales rechtes Netzwerk in Europa zu etablieren. Von seinen Kritikern wird das MCC als regierungsfreundliche Kaderschmiede bezeichnet. Laut Selbsterklärung ist es „ideologisch unabhängig, aber nicht wertneutral“.
Vorsitzender des Stiftungsrates ist Balázs Orbán, der nicht mit diesem verwandte politische Direktor des Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Generaldirektor ist Zoltán Szalai, Herausgeber der konservativ-bürgerlichen ungarischen Wochenzeitung Mandiner. Das MCC hat 28 Standorte in Ungarn, seinen Nachbarländern im Karpatenraum sowie in Brüssel für über 7000 Studenten (Stand: Oktober 2023).
Nach dem Machtverlust Viktor Orbáns und der Regierungsübernahme durch Péter Magyar kündigte dieser die Abwicklung des Mathias Corvinus Collegium an. Im August 2026 übernahm der ungarische Staat die Einrichtung.
Geschichte mini|hochkant|Generaldirektor Zoltán Szalai (2023) Im Jahr 1996 spendeten der Gründer und Orbán-Berater András Tombor und seine Familie einen beträchtlichen Geldbetrag, um eine Einrichtung zur Ausbildung von Talenten zu gründen. Ziel ihrer Initiative war es, junge Menschen mit herausragendem Talent und Engagement für das Wohlergehen Ungarns zu fördern und ihnen die Art von Weiterbildung zu bieten, die im traditionellen Schulsystem aus Gründen des Zeit- und Ressourcenmangels nicht möglich war. Die Einrichtung nahm zunächst Gymnasiasten und Universitätsstudenten auf. Parallel dazu wurde ein Tutorsystem eingerichtet, und es wurden erste Vortragsreihen und Studienreisen ins Ausland organisiert. Es verfügt über verschiedene Programme, zum Beispiel eine Führungs- und Journalistenakademie, und bietet Kurse für Studenten und Schüler über Wirtschaft, Sozialwissenschaft und Rechtswissenschaft in Budapest und weiteren ungarischen Städten an. Zudem wurden mehrere Institute ins Leben gerufen, u. a. zu Migrations- und Klimaforschung.
In den 2000er Jahren war Miklós Maróth der Leiter der Einrichtung insgesamt, die dort unterrichteten Fachrichtungen wurden einer separaten Leitung unterstellt. 2001 wurde auf dem Gellért-Berg in der Somlói-Straße in Budapest ein Kollegium (Wohnheim) mit 47 Studenten eingerichtet. Im Jahr 2002 wurde das Sekundarschulprogramm auf der Grundlage von Fernunterricht und Samstagsschultagen eingeführt, gefolgt von zweijährigen Weiterbildungsprogrammen in den Bereichen Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften, internationale Beziehungen und Kommunikation, die den Universitätsstudenten offenstanden. Neben der Erneuerung seines Ausbildungssystems ist das MCC seit 2008 als Mitherausgeber auf dem Buchmarkt tätig. 2009 wurde die Akademie für Führungskräfte ins Leben gerufen.
In den 2010er Jahren wurde ein Programm für Sekundarschüler in Cluj-Napoca und Odorheiu Secuiesc in Siebenbürgen, Rumänien eingerichtet, gefolgt von einem Universitätsprogramm. 2015 wurde das Jugendtalentprogramm für Grundschüler ins Leben gerufen, bei dem die Schüler Erfahrungen in Bereichen sammeln sollen, die im öffentlichen Unterricht nicht gelehrt werden, aber eng mit dem täglichen Leben verbunden sind. Im Jahr 2017 wurde das Ausbildungsportfolio um die Programme für Führungskräfte des öffentlichen Lebens erweitert, zunächst mit dem Start der Siebenbürgischen Schule für Politik, die sich an die ungarische Minderheitengemeinschaft in Siebenbürgen richtet. 2018 begannen zwei weitere Aufbaustudiengänge, der Lehrgang für Führungskräfte des öffentlichen Lebens in der Karpatenukraine und der Lehrgang für weibliche Führungskräfte des öffentlichen Lebens. Im selben Jahr wurde das Roma-Talentprogramm ins Leben gerufen, und das Universitätsprogramm um die Fachspezialisierung der Mindset-Psychologieschule erweitert. 2019 wurden mit dem Ziel, eine Kultur des demokratischen Dialogs aufzubauen, die Debattenakademie, sowie die internationalen Programme MCC Budapest Summit und MCC Budapest Lectures geschaffen.
Im Juni 2020 wurde die Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung neue Eigentümerin der Einrichtung. Die Nationalversammlung übertrug der Stiftung jeweils zehn Prozent der Aktien der MOL AG und Richter Gedeon AG sowie die Immobilien an der Somlói-Straße. Parallel zur Erneuerung wurden auch die Organisation und die Organe des MCC umstrukturiert. Die neue Mathias-Corvinus-Collegium-Stiftung wurde zeitgleich mit der Auflösung der von den ehemaligen Gründern geleiteten Tihany-Stiftung gegründet, deren Präsident der damalige stellvertretende Minister Balázs Orbán und deren Generaldirektor Zoltán Szalai, bereits seit 2009 geschäftsführender Direktor des MCC, wurde. Im selben Jahr erhielt die Stiftung einen neuen Zuschuss aus dem Zentralhaushalt, wodurch sich ihr Vermögen auf 400 Milliarden Forint (über 1 Mrd. €) erhöhte, eine Summe, die das Jahresbudget aller anderen ungarischen Hochschulen übertrifft. Als Sitz der Stiftung und Veranstaltungsgebäude dient das ehemalige Danubius Hotel Flamenco (Stand: 2021).
Im Jahr 2021 weitete das MCC seine Aktivitäten weiter aus, um neue Ortschaften und Leute abdecken zu können. Zum ersten Mal fand in Gran (Esztergom) das MCC-Fest, ein Talent-, Musik- und Kulturfestival, mit mehreren nationalen und internationalen Rednern statt, darunter Tucker Carlson, der amerikanische politische Kommentator Dennis Prager und der in Indien geborene geopolitische Zukunftsforscher Abishur Prakash.
Das MCC unterhält verschiedene internationale Kooperationen. Am 1. Dezember 2020 nahm das Deutsch-Ungarische Institut seine Arbeit auf. Es befindet sich in den Räumen des ehemaligen Balassi-Instituts. Leiter ist der Jurist Bence Bauer, der zuvor für die Konrad-Adenauer-Stiftung arbeitete. Im November 2022 eröffnete eine Dependance in Brüssel. Direktor des MCC Brussels ist Frank Furedi, Forschungsdirektor Werner J. Patzelt.
Im Jahr 2023 startete das MCC mit 7.000 Studenten die zweite Phase seines Universitätsprogramms in ländlichen Universitätszentren. Das regionale Netzwerk des MCC ist erheblich gewachsen, bis Oktober 2023 war das MCC an 28 Standorten im Karpatenbecken und außerhalb präsent – davon 17 innerhalb Ungarns und 11 in ausländischen Städten –, wo es auch mit der Renovierung vernachlässigter und heruntergekommener Gebäude begann.
Im Jahr 2023 erwarb das MCC eine 90-prozentige Beteiligung an der Modul University in Wien. Die private Universität mit Schwerpunkt Tourismus bietet Studiengänge auf Bachelor-, Master- und Doktoratsniveau an. Im Juni 2023 wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der European School of Management and Technology Berlin unterzeichnet.
Generaldirektor ist der Germanist und Kulturhistoriker Zoltán Szalai. Leiter der Medienschule ist der frühere Welt-Korrespondent Boris Kálnoky.
Organisationsstruktur mini|Über Ernst Jünger – Deutsch-Ungarisches Institut für Europäische Zusammenarbeit Innerhalb des MCC gibt es verschiedene Schulen, Werkstätten und Fachabteilungen, die die Begabtenförderungsprogramme verwalten. Diese werden durch sechs weitere Forschungsinstitute ergänzt:
Institut für Migrationsforschung Institut für Klimapolitik Deutsch-Ungarisches Institut für Europäische Zusammenarbeit Institut für Jugendforschung Institut für Lernforschung Flow Forschungsinstitut
Bildungsprogramme Die Ausbildung wird im Rahmen der folgenden Programme durchgeführt: Jugendtalentprogramm, Sekundarschulprogramm, Universitätsprogramm, Postgraduiertenprogramm, MCC-Doktorandenprogramm, Postdoktorandenprogramm, Roma-Talentprogramm und Zentrum für Karriere- und fachliche Entwicklung.
In den Rahmen des Universitätsprogramms fallen die folgenden Schulen: Schule für Recht, Schule für Wirtschaft, Medienschule, Mindset-Psychologieschule, Schule für Internationale Beziehungen, Schule für Sozialwissenschaften und Geschichte.
Das MCC verfügt über umfangreiche internationale Kontakte, lädt zahlreiche ausländische Dozenten und Gastdozenten nach Ungarn ein und vergibt internationale Stipendien an Studierende. Zu den Gastdozenten gehören Mark Khater, Direktor des Centre for Strategy and Performance an der Universität Cambridge; Jeffrey Sachs, Joshua Katz, Linguist und Altphilologe, ehemaliger Professor an der Princeton University; und Tilo Schabert.
Die Organisation organisiert jedes Jahr Hunderte von Veranstaltungen mit internationalem Bezug. Dazu gehören die wöchentlich stattfindenden MCC Budapest Lectures, die regelmäßigen MCC Ambassador Talks und MCC Lunch Talks sowie die größte Veranstaltung ihrer Art, der MCC Budapest Summit, der jedes Jahr stattfindet. Das MCC Budapest Peace Forum 2023 brachte 70 Redner und 35 Experten aus 20 verschiedenen Ländern zusammen. Die Institution war Gastgeber mehrerer sehr erfolgreicher und fachlich renommierter Redner und Gastdozenten.
Stipendienprogramme
MCC bietet verschiedene Arten von Stipendien an, um seinen Studenten und Fachleuten die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen zu vertiefen und an den besten Universitäten der Welt zu forschen. Ab Juni 2023 bietet das MCC die folgenden Stipendien an:
Stipendium für die Wiener Modul Universität Stipendium Peregrinum Budapest-Fellowship-Programm MCC-Fellowship-Programm MCC-Scholarship-Programm MCC Training Grant Visiting-Fellowship-Programm Scrutopia Summer School MCC Mobilität+ ESMT Berlin
Im Jahr 2020 rief das MCC das Stipendienprogramm MCC Visiting Fellowship ins Leben, in dessen Rahmen herausragende ausländische (und im Ausland lebende ungarische) Forscher und Professoren die Möglichkeit erhalten, für einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu sechs Monaten an den komplexen Aktivitäten des MCC teilzunehmen, zu forschen und in den Budapester und regionalen Zentren des MCC zu lehren.
Im Jahr 2021 riefen MCC und die in Washington D.C. ansässige Hungary Initiatives Foundation gemeinsam das Budapest Fellowship Program ins Leben, ein zehnmonatiges Austauschprogramm für junge Wissenschaftler aus den USA, die in Budapest arbeiten und forschen sollen.
Konferenzen und Veranstaltungen Studenten des Mathias Corvinus Collegium können von international anerkannten Lehrern und Forschern lernen, die das MCC regelmäßig besuchen. Es wurden zahlreiche nationale und internationale Fachveranstaltungen organisiert, darunter auch große internationale Konferenzen.
Budapest Lectures