Crystal Ball ( für Glaskugel) ist das 20. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Prince, der alle Songs arrangierte, komponierte und produzierte. Es erschien am 29. Januar 1998 als CD-Dreifachalbum bei seinem eigenen Musiklabel NPG Records und ist sein viertes Album, das er unter seinem unaussprechbaren Symbol als Pseudonym veröffentlichte. Zunächst war Crystal Ball ausschließlich telefonisch per Mailorder oder über seine damalige Website in einem Boxset mit seinem 21. Studioalbum The Truth und der Bonus-CD Kamasutra erhältlich. Ende Februar 1998 erschien Crystal Ball zusammen mit The Truth, jedoch ohne Kamasutra, als Vierfachalbum, das nach Prince’ Tod im Jahr 2016 auch als Download veröffentlicht wurde.

Das Dreifachalbum enthält 30 Songs, die Prince zwischen 1983 und 1996 aufnahm. Die Musik ist den Genres Contemporary R&B, Funk, Pop, Rock und Soul zuzuordnen; die Liedtexte behandeln überwiegend Liebe, Sex und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Als Gäste wirken Carmen Electra, Clare Fischer, Jill Jones, Mayte Garcia, Morris Day, Nona Gaye, Shock G, Susannah Melvoin und Wendy Melvoin sowie ehemalige Mitglieder von The New Power Generation mit. Prince’ frühere Begleitband The Revolution ist auf dem Album nicht beteiligt.

Musikkritiker bewerteten Crystal Ball überwiegend positiv, merkten jedoch an, Prince hätte stärkere Songs auswählen können. Nennenswerte Musikpromotion betrieb er nicht. Nach eigenen Angaben verkaufte sich das Album weltweit 250.000 Mal, wobei er 80 % bis 95 % der Gewinne behielt, anstatt der damals üblichen 20 % bei Warner Bros. Records. Eine Tournee zum Album absolvierte Prince nicht.

Entstehung mini|links|Das unaussprechbare Symbol Prince stand seit 1977 bei Warner Bros. Records unter Vertrag, geriet jedoch 1993 mit dem Major-Label in einen Streit und nahm infolgedessen ein unaussprechbares Symbol als Pseudonym an. Anlässlich der Veröffentlichung seines Albums Emancipation Ende November 1996 kündigte er im Booklet ein „3-CD-Set aus zuvor bootlegged-Material“ mit dem Titel Crystal Ball an.Begleitheft von Emancipation, NPG Records / EMI-Capitol Music Group, 1996, „Coming soon: the 3 cd set of previously bootlegged material – Crystal Ball“ Anfang 1997 grenzte sich Prince trotz laufenden Vertrags bei Warner erstmals von der Schallplattenindustrie ab und vertrieb als einer der ersten etablierten Künstler ein Album über das Internet.

Im Mai 1997 konnte Crystal Ball über Prince’ damalige Website sowie per Mailorder über die eigens eingerichtete Freephone-Nummer „1-800-New-Funk“ vorbestellt werden. Die zunächst angekündigte Auslieferung innerhalb eines Monats erfolgte jedoch nicht. Im Juli 1997 stellte Prince eine Veröffentlichung zu Weihnachten desselben Jahres in Aussicht, auch dieser Termin wurde nicht eingehalten. Im August kündigte er an, das Album erst nach Eingang von 100.000 Vorbestellungen zu veröffentlichen. In dieser Zeit äußerte er sich in Interviews begeistert über das Internet als unmittelbaren Vertriebsweg. Nach seinen Angaben lagen im Oktober 1997 schließlich 84.000 Vorbestellungen vor; ausgeliefert wurde Crystal Ball Ende Januar 1998.Uptown (2004), S. 406.

Die Vorbestellung per Mailorder verlief jedoch teilweise problematisch. Neben wiederholten Verschiebungen und spärlichen Informationen zum Veröffentlichungstermin von Crystal Ball gab es Beschwerden über den Service der Hotline „1-800-New-Funk“; Vorbestellungen gingen verloren oder wurden doppelt erfasst. Als schließlich bekannt wurde, dass Crystal Ball auch offiziell im Einzelhandel erscheinen würde, zeigten sich mehrere Kunden verärgert, da zuvor ein exklusiver Vertrieb über Prince’ Website und per Mailorder angekündigt worden war. Ab Februar 1998 war das Album in Filialen von US-Unternehmen wie Best Buy, Blockbuster Music und der The Musicland Group Inc. erhältlich, allerdings als Vierfachalbum ohne die CD Kamasutra, dafür jedoch mit einem Booklet. Somit war Crystal Ball im Einzelhandel bereits verfügbar, während viele Kunden noch auf die Auslieferung ihrer Vorbestellungen warteten. Zudem wurde das Vierfachalbum dort günstiger angeboten als zum Mailorderpreis von 60,50 US-Dollar inklusive Versandkosten (damals etwa 105 DM), was mehrere Kunden zur Stornierung ihrer Vorbestellungen veranlasste.Hahn (2016), S. 299.

Auf Crystal Ball platzierte Prince insgesamt 30 Songs, davon 23 Studioversionen, fünf Remixe und zwei Liveaufnahmen. Einen Song nahm er bereits im Jahr 1983 auf, neun in den Jahren 1985 bis 1986 sowie 20 von 1993 bis 1996. Als repräsentativ für Prince’ damals rund 20-jährige Karriere gilt das Album jedoch kaum, da keine Aufnahmen mit The Revolution enthalten sind. Zwar kündigte Prince für das Jahr 1998 ein weiteres Album mit Namen Roadhouse Garden an, das er mit The Revolution aufgenommen hatte, veröffentlichte es letztendlich aber nicht.

Disc I Crystal Ball Bereits 1986 nahm Prince ein Dreifachalbum mit dem Titel Crystal Ball auf, musste es jedoch auf Druck von Warner Bros. Records zu einem Doppelalbum kürzen und veröffentlichte es im März 1987 unter dem Titel Sign “☮” the Times. Das über zehn Minuten lange Titelstück spielte Prince am 17. April 1986 in seinem damaligen Heimstudio Galpin Blvd Home Studio in Chanhassen, Minnesota, ein.Uptown (2004), S. 407–408. Nach seinem Tod erschien im September 2020 eine auf etwa dreieinhalb Minuten gekürzte Fassung auf dem Album Sign o’ the Times Super Deluxe. Dream Factory Am 30. November 1985 nahm Prince den Song im Tonstudio Washington Avenue Warehouse in Eden Prairie, Minnesota, auf. Das Stück war als Titeltrack für ein gleichnamiges Album vorgesehen, dessen Veröffentlichung für Juli 1986 geplant war, jedoch nicht erfolgte.Tudahl (2021), S. 240. Posthum erschien Dream Factory 2018 auf dem Album Anthology: 1995–2010. Acknowledge Me Den Song nahm Prince im Oktober 1993 in seinem Paisley Park Studio in Chanhassen, Minnesota, auf. Ursprünglich war das Stück für sein Album The Gold Experience vorgesehen, das im September 1995 erschien, wurde jedoch zugunsten von Shhh von der Tracklist gestrichen.Uptown (2004), S. 154. Ripopgodazippa Am 10. Oktober 1993 nahm Prince im Paisley Park Studio auch dieses Stück auf, das ebenfalls zunächst für The Gold Experience vorgesehen war, später jedoch entfernt wurde. Stattdessen ist der Song ausschnittsweise im September 1995 veröffentlichten Film Showgirls zu hören; auf dem zugehörigen Soundtrack ist er nicht enthalten. Love Sign (Shock G’s Silky Remix) Der Track ist ein Remix des Songs Love Sign, den Prince Anfang 1994 gemeinsam mit Nona Gaye im Paisley Park Studio aufnahm und im August 1994 auf dem Sampler 1-800 New Funk über sein eigenes Label NPG Records veröffentlichte. Der Remix entstand im Frühjahr 1994 unter der Leitung von Shock G,Uptown (2004), S. 164. Gründer der Hip-Hop-Gruppe Digital Underground. Love Sign ist der einzige Song, bei dem Prince die Autorschaft offiziell mit Nona Gaye teilt, obwohl sie mit We March (1995) und Girl 6 (1996) an zwei weiteren Stücken beteiligt war. Hide the Bone Am 10. November 1993 nahm Prince gemeinsam mit The New Power Generation den Song im Studio Guillaume Tell in Suresnes, Frankreich, auf.Uptown (2004), S. 155. Der Liedtext stammt unter anderem von der Soulsängerin Brenda Lee Eager (* 8. August 1947), die Prince über Mavis Staples kennenlernte. Staples ist mit Eager befreundet und arbeitete seit 1990 mehrfach mit Prince zusammen. 2morrow mini|Miles Davis, 1987 Im November 1996 nahm Prince das Stück im Paisley Park Studio auf. In einem damaligen Interview erklärte er, es handle sich um den einzigen Song, den er nach Fertigstellung von Emancipation aufgenommen habe, da ihn seine damalige Ehefrau Mayte Garcia gebeten habe, weniger Musik zu produzieren. Bereits am 20. November 1996 wurde 2morrow erstmals im US-Radio gespielt.Uptown (2004), S. 409. So Dark Der Track ist ein Remix des Songs Dark, den Prince am 30. Dezember 1992 im Paisley Park Studio aufnahm und im August 1994 auf seinem Album Come veröffentlichte.Uptown (2004), S. 139. Die Remixversion entstand vermutlich Anfang 1994. Movie Star Am 14. März 1986 nahm Prince den Song im Galpin Blvd Home Studio auf und platzierte ihn auf dem geplanten Album Dream Factory. Zwar notierte er in den Liner Notes von Crystal Ball, dass er das Stück für The Time geschrieben habe, doch bestand die Band zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht. Zudem findet sich dort der Hinweis „D’Angelo’s favorite Bootleg“.Tudahl (2021), S. 330. Am 24. März 1987 wurde Miles Davis eine Kompaktkassette mit Movie Star übergeben, am Abend vor seinem Konzert im Orpheum Theater in Minneapolis, das auch Prince besuchte. Davis überarbeitete den Song jedoch nicht, sondern nahm ihn in sein Live-Repertoire auf, als er im Mai 1987 seine Tournee fortsetzte. Eine weitere Liveversion, die er am 7. Juli 1988 auf dem Montreux Jazz Festival spielte, ist auf der posthumen Veröffentlichung The Complete Miles Davis at Montreux 1973-1991 aus dem Jahr 2002 zu hören. Tell Me How U Wanna B Done Der Song ist im Kern ein Remix der Aufnahme The Continental, die Prince im Januar 1992 gemeinsam mit Carmen Electra im Paisley Park Studio einspielte und im Oktober 1992 auf seinem Album Love Symbol veröffentlichte. Der Remix wurde im Frühjahr 1994 von Kirk Johnson erstellt. Laut den Liner Notes von Crystal Ball „belohnte“ Prince Johnson dafür, dass dieser die Rolle des Produzenten für das Album Emancipation übernahm. Zudem teilte Prince mit, das Musikvideo zu Tell Me How U Wanna B Done sei „nach Freigabe von Carmens Gewissen verfügbar“. Da ein entsprechendes Video nie veröffentlicht wurde, ist bis heute (2026) unklar, ob es überhaupt produziert wurde.

Disc II mini|links|Prince, 1993 Interactive Anfang Juni 1993 nahm Prince den Song im Paisley Park Studio auf und platzierte ihn zunächst auf Come und anschließend auf The Gold Experience, ersetzte ihn jedoch durch Endorphinmachine, da er der Ansicht war, die beiden Songs harmonierten nicht miteinander. Am 7. Juni 1994, seinem 36. Geburtstag, veröffentlichte Prince Interactive bereits als Audio-Track auf der gleichnamigen CD-ROM, allerdings in einer kürzeren Version als der auf Crystal Ball enthaltenen. Da Bang Die Aufnahme entstand vermutlich im Frühjahr 1995. Gemäß den Liner Notes hatte sich Prince in Los Angeles, Kalifornien, „gelangweilt“ und den Song innerhalb eines Tages aufgenommen, ohne das Aufnahmestudio zu benennen. Anschließend sei er „in einer Limousine umhergefahren“ und habe Da Bang „32 Mal gehört“. Mitte 1995 platzierte er den Song auf dem unveröffentlichten Album Playtime by Versace. Calhoun Square Den Track nahm Prince am 15. Juni 1993 im Paisley Park Studio auf; Calhoun Square war für kein bestimmtes Album vorgesehen. Posthum erschien das Stück 2019 als B-Seite der limitierten Vinyl-Single Rock ‘N’ Roll Is Alive! (And It Lives In Minneapolis), die am 5. April veröffentlicht wurde. What’s My Name Mitte Mai 1993, rund zwei Wochen vor der Bekanntgabe seiner Namensänderung am 7. Juni, nahm Prince What’s My Name im Paisley Park Studio auf. Ob der Song für ein bestimmtes Album vorgesehen war, ist nicht bekannt. In den Liner Notes schrieb er: „Nachdem es immer mehr Lutscher mit dem Namen Prince gab, kam das Original mit diesem hier.“ Crucial Am 13. September 1986 nahm Prince das Stück im Galpin Blvd Home Studio in Chanhassen, Minnesota, auf und platzierte es ursprünglich auf Sign “☮” the Times,Tudahl (2021), S. 476. ersetzte es jedoch später durch Adore. 2018 wurde Crucial posthum auf Anthology: 1995–2010 veröffentlicht. Eine um etwa eine Minute längere Version, arrangiert von Clare Fischer und mit dem Original-Liedtext von Prince, erschien im September 2020 auf Sign o’ the Times Super Deluxe. An Honest Man