Rötenbach ist ein Stadtteil von Alpirsbach im Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg.
Ortslage und Siedlung Der Ort Rötenbach liegt circa zwei Kilometer südlich der Stadtmitte von Alpirsbach im Tal der Kinzig knapp nördlich der Einmündung des aus Osten kommenden Rötenbachs in die Kinzig. Der Ort erstreckt sich entlang des felsenreichen und engen Kinzigtals bis zur Einmündung des Rötenbachtals. Die ursprünglich aufgelockerte Siedlung hat sich seit 1945 entlang der verkehrsreichen Bundesstraße 294 stark verdichtet. Neue Wohngebiete entstanden am Dieboldsberg und Adelsberg. Ein Gewerbegebiet wurde im Rötenbachtal erschlossen.
Historische Namensformen Die naheliegendste Erklärung für den Fluß- und Ortsnamen „Röt(h)enbach“, aber auch für den Ortsnamen „Rötenberg“, ist darin zu sehen, dass sie alle im Buntsandsteingebiet liegen, dessen tiefrote bis violette Färbung für viele Gebäude der Gegend charakteristisch ist.
Erste Nennungen des dem Ort den namensgebenden Baches als „Rodenbahc“ um 1099/1100Württembergisches Urkundenbuch, Bd. 1, Nr. 254, S. 315–317: Ruotmann von Hausen, Adelbert von Zollern und Graf Alwig von Sulz stiften das Kloster Alpirsbach, Rottweil um 1099. und „Rotinbach“ zwischen 1125 und 1127Württembergisches Urkundenbuch, Bd. 1, Nr. 284, S. 361–364: Erneuerte Urkunde über die Stiftung des Klosters Alpirsbach, ohne Ort zwischen 1125 u. 1127. finden sich in den Fundationsnotizen I und II des Klosters Alpirsbach.
Im Gadnerschen Forstkartenatlas Blatt 22 „Alpirsbacher Forst“ aus dem Jahre 1522 wird der Ort „Retenbach“ geschrieben und der namengebende Bach „Rettenbach fl(uvius)“. Der heutige Ort „Rötenberg“, von wo der Rötenbach herkommt, erscheint entsprechend als „Retenberg“. Unweit von Alpirsbach im Reinerzauer Tal wird der linke Nebenfluss der kleinen Kinzig „Retenbächl fl(uvius)“ und der dabei liegende Ort „hinder Retenberg“ genanntVgl. Georg Gadner unter Weblinks..
In den Karten der ersten württembergischen Landesvermessung von 1837 wird der Ort „Röthenbach“ und der Fluss „Röthenbächle“ geschriebenKartenblatt SW XIX 43 Stand 1837., und noch in der Beschreibung des Oberamts Oberndorf von 1868 werden Ort und Fluss als „Röthenbach“ bezeichnetOAB Oberndorf 1868, S. 276‒279.. Durch die Rechtschreibreformen von 1901 verlor der Ortsname das „h“, im Gegensatz zu Familiennamen und vielen topographischen Namen mit „th“, welche unverändert blieben (wie z. B. die vielen „Röthenbach“ in Bayern und der Schweiz).
Geschichte Der dem Ort den Namen gebende Bach wird erstmals um 1099/1100 als „Rotenbahc“ und nochmals zwischen 1125 und 1127 als „Rotinbach“ in den Fundationsnotizen I und II des Klosters Alpirsbach erwähntDas Folgende überwiegend nach Stadt Alpirsbach und Bessler 2011, S. 112‒114 und passim.. Allmählich entwickelte sich zu beiden Seiten der Kinzig die Ortschaft „Röthenbach“. Sie war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts menschenreicher als die Klostersiedlung Alpirsbach. Rötenbach gehörte zur ersten Besitzausstattung des Klosters Alpirsbach und war vor der Gründung des evangelischen Klosteramts Alpirsbach im Jahre 1535 Sitz des klösterlichen Niedergerichts. Der Ort besaß nie Marktrechte und war kirchlich stets Filial von Alpirsbach. Erst 1933 erbaute die neuapostolische Gemeinde eine eigene Kirche, und die evangelische Kirche wurde 1964/66 errichtet.
In der Vergangenheit spielte neben Landwirtschaft und Handwerk die Flösserei auf Kinzig und „Rötenbächle“ (=Rötenbach) eine wichtige Rolle. Im 19. Jahrhundert kam es aufgrund der stark wachsenden Bevölkerung zu ökonomischen KrisenStadt Alpirsbach und Bessler 2011, S. 69‒80., welche sich in mehreren Auswanderungswellen äußerten. 1817 waren die 72 Bürger von Rötenbach Tagelöhner und Waldbauern, „die für sich selbst jetzt nicht einmal das Brot auftreiben können“Stadt Alpirsbach und Bessler 2011, S. 69.. Der Ort war von großer Armut geprägt, welche sich u. a. im Kinderbettel äußerte. Ein Anzeichen der Verarmung der Gemeinde war der Rückgang der Bevölkerung von 1846 bis 1890 von 789 auf 577 Einwohner. Die Ursachen der strukturellen Krise nicht nur Rötenbachs, sondern ganz Alpirsbachs sind in der Aufhebung des Klosteramts Alpirsbach mit dem Einzug des Kirchenguts durch die spätabsolutistische Regierung König Friedrichs von Württemberg zu sehen, wodurch Alpirsbach und Umgegend seine zentralörtliche Funktion verlor. Erst unter Schultheiß Preuninger (im Amt 1891 bis 1929) besserten sich die Verhältnisse. Während der Weltwirtschaftskrise 1929 mussten wegen der hohen Arbeitslosenzahlen Notstandsarbeiten durchgeführt werden. 1938 wurde Rötenbach ohne Beteiligung der Einwohnerschaft nach Alpirsbach zwangseingemeindet.
Politik Schultheißen und Bürgermeister 1861–1885 Andreas Kilgus 1885–1887 Jakob Weisser 1887–1891 Julius Kollmar 1891–1929 Friedrich Preuninger, Ehrenbürger 1929–1931 Albert Stortz (Amtsverweser) 1931–1933 Ferdinand Nast 1933–1938 Otto Rommel
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Rot ein goldener (gelber) Markstein, belegt mit einer liegenden Hirschstange.“ Das Gemeindewappen wurde 1930 angenommen und soll die Lage der württembergischen Gemeinde im Grenzgebiet zu Baden versinnbildlichen.
Einwohner Einwohnerzahlen von Rötenbach aufgrund der Visitationsakten und der Volkszählungen von 1846–1925: Jahr Einwohner 1654 135 1686 208 1703 177 1730 242 1763 287 1785 358 1805 381 1846 789 1867 567 1886 604 1890 577 1905 529 1925 705
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1937: Friedrich Preuninger (1864–1940), Schultheiß von 1891–1929
Literatur
[OAB Oberndorf] Königliches statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.); Eduard Paulus (Verf.): Beschreibung des Oberamts Oberndorf. Mit drei Tabellen, einer Karte des Oberamts, zwei Ansichten und einem Grundriß. Stuttgart: H. Lindemann, 1868. Stadt Alpirsbach (Hrsg.); Helga Bessler (Red.): Alpirsbach: Ein Heimatbuch. Alpirsbach: Stadt Alpirsbach (Horb: Geiger-Druck), 2011.
Einzelnachweise
Weblinks Rötenbach auf leo-bw.de Alpirsbacher Forst Blatt 22 des Forstkartenatlas von Georg Gadner von 1522
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