Nordwalde (plattdeutsch Nordwol, Nordwoll oder Norwoll) ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen nordwestlich von Münster im Kreis Steinfurt.
Geografie Nordwalde liegt im Münsterland, rund 15 Kilometer nordwestlich von Münster und ungefähr zwölf Kilometer südöstlich der Kreisstadt Steinfurt. Die Entfernung zur niederländischen Grenze beträgt etwa 30 Kilometer.
Gemeindegliederung Nordwalde (Ortskern) Feldbauerschaft Kirchbauerschaft Scheddebrock Suttorf Westerode
Nachbargemeinden Im Osten grenzt die Gemeinde Nordwalde an die Stadt Greven, im Nordosten wird sie von der Stadt Emsdetten begrenzt. Im Süden verläuft die Gemeindegrenze nach Altenberge, im Nordwesten zur Kreisstadt Steinfurt.
Geschichte Frühgeschichte bis Mittelalter mini|hochkant=1.25|Der Bispinghof (Gräfte und Spieker).
Archäologische Funde, die im Nordwalder Heimatmuseum besichtigt werden können, lassen vermuten, dass das heutige Gemeindegebiet Nordwalde bereits in der Vor- und Frühgeschichte von bäuerlichen Siedlern bewohnt war. Der Ortsname „Nordwalde“ wird urkundlich erstmals im Jahr 1151 in einer Steuerurkunde erwähnt, mit der vom Bischof von Münster die Besitzungen des Klosters Asbeck u. a. unter Nennung eines Zehnten in „Northwalde“ bestätigt wurden. Zu dem seit 1180 bestehenden Hochstift Münster zählten auch vier in Nordwalde gelegene Herrensitze, zwischen denen Urkunden zufolge die „Edlen von Borghorst“ eine Kirche hatten erbauen lassen: Der Pröbstinghof, was Hof des Dompropstes bedeutet, wurde erstmals 1265 urkundlich erwähnt. Ungefähr aus der gleichen Zeit dürfte der Bispinghof (Hof des Bischofs) stammen, denn beide Herrensitze gingen aus frühmittelalterlichen sächsischen Haupthöfen hervor. Die zwei weiteren ehemaligen Herrensitze Haus Herzhaus und Haus Althaus gehörten zum gleichnamigen Adelsgeschlecht Althaus (auch Herren von Oldenhues genannt), wobei es sich bei Haus Althaus um ein von Juli 1505 bis 1727 von der Dompropstei Münster als Lehen überlassenes Rittergut handelte. Dieses Rittergut war durch eine Doppelgräfte vor Eindringlingen geschützt. Ein großes Steinhaus, das Mitte des 18. Jahrhunderts abgerissen wurde, war Vorgängerbau des heutigen Herrenhauses. Zum Hof gehörte auch ein in einem Waldgelände gelegener, durch Wälle und einen Wassergraben abgetrennter Kotten. In diesen wurden in Epidemiezeiten (insbesondere Pest und Typhus) Einwohner mit ansteckenden Krankheiten unter Quarantänebedingungen umgesiedelt und karitativ mit dem Notdürftigsten versorgt. Ortsunkundige Passanten wurden mit einer Klapper davor gewarnt, den Quarantänebezirk zu betreten. Ab 1727 ging das Rittergut in den Lehensbesitz der Familien Prysing und von Kaas über, bis die Dompropstei Münster das Lehen im Jahr 1772 mangels genügender Erträge gegenüber den Lehensnehmern aufkündigte. Im Jahr 1875 ging Haus Althaus in das Eigentum des Fürsten zu Bentheim-Steinfurt über.
Neuzeit mini|hochkant=1.25|Nordwalder Gullydeckel „350 Jahre Westfälischer Frieden“ mit dem Motiv eines den Frieden verkündenden Postreiters mini|hochkant=1.25|Nordwalde war oftmals Durchzugsgebiet kriegerischer Truppen.(Ausschnitt aus einer Karte von 1883)
Vermutlich spätestens seit dem 16. Jahrhundert bis Ende 1802 gehörte Nordwalde zum Amt Wolbeck des Hochstifts Münster. Nordwalde litt in der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, wie andere Gemeinden und Städte auch, unter mehreren Epidemien, insbesondere Pest und Typhus, sowie unter vielen Kriegen. Auf Grund der geographischen Nähe zur damaligen Republik der Sieben Vereinigten Niederlande lag Nordwalde zeitweise im Aufmarschgebiet von Truppen, die sich in den Unabhängigkeitskampf der protestantischen Niederlande einmischten. So lagerten spanische Truppen im Jahr 1590 im Zuge des Achtzigjährigen Krieges ein halbes Jahr in Nordwalde und schröpften die umliegenden Bauerngehöfte (mit hundert Reitern verwüsteten sie sogar Borghorst). Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte weiteres Elend. Auch in der Zivilbevölkerung waren diesmal viele Tote aufgrund von Übergriffen zu beklagen. Ein Unterführer im Heer des sogenannten „tollen Christians“ (Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel) hatte um 1623 im Zusammenhang mit Gefechten und schließlich der verlorenen Schlacht zwischen Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel und den Heerscharen von Tillys im Lohner Bruch bei Stadtlohn (6. August 1623) sein Quartier in Nordwalde aufgeschlagen. Mit seinem Abzug folgten weitere Plünderungen und Verwüstungen durch siegreiche kaiserliche Truppen, die dem unterlegenen Heer des Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel auch auf Nordwalder Gebiet nachsetzten. Nach Kriegsende (Westfälischer Friede 1648) erholte sich die Nordwalder Bevölkerung allmählich. Vom Französisch-Niederländischen Krieg (1672–1679) dürfte Nordwalde zumindest indirekt in Mitleidenschaft gezogen worden sein, da sich das Hochstift Münster mit dem französischen König Ludwig XIV. gegen die protestantischen Niederlande verbündet hatte. Für die umliegende Landschaft von Reckenfeld noch heute prägend sind die Wallgräben des in den Jahren 1724/25 gebauten Max-Clemens-Kanals, der am westlichen Rand von Reckenfeld entlang verlief. In die Wirren des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) wurde Nordwalde 1757 hineingezogen, als die französische Armee vom Niederrhein aus in Richtung Bielefeld vorrückte, um schließlich in der Schlacht bei Hastenbeck auf Verbündete Preußens, die sogenannte Observationsarmee, zu stoßen. Im Zuge der Napoleonischen Kriege fiel Nordwalde 1803 unter die Herrschaft des Fürstentums Rheina-Wolbeck, das Mitte 1806 in das Großherzogtum Berg eingegliedert wurde. Nordwalde gehörte nunmehr zum machtpolitischen Einflussgebiet des Kaiserreichs Frankreich. Erst nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 gehörte Nordwalde als Landgemeinde im Kreis Steinfurt in der Provinz Westfalen zu Preußen. Von 1843 bis zur Aufhebung aller preußischen Einzelgemeindeämter im Jahre 1934 bildete Nordwalde ein eigenes Amt.Amtsblatt der Regierung in Münster 1843, S. 335
Zeitgeschichte Weltkriege mini|200px|Britische Avro-Lancaster-Bomber
Im 20. Jahrhundert litt auch Nordwalde unter den zwei Weltkriegen. Während im Ersten Weltkrieg viele zum Kriegsdienst eingezogene Männer des Dorfes an fernen Fronten fielen, war Nordwalde im Zweiten Weltkrieg direkt vom Kriegsgeschehen betroffen. Allerdings blieb die Zahl von Fliegerangriffen gering. Diese Luftangriffe der Alliierten hingen mit der strategisch wichtigen Bahnlinie sowie vermutlich auch mit Startrampen der deutschen V2-Raketen im Kreis Steinfurt zusammen. Am Abend des 23. September 1944 stürzte eine V2 in der Feldbauerschaft von Nordwalde kurz nach dem Fehlstart ab. Auch fehlgeleitete Flakgeschosse der deutschen Fliegerabwehr verursachten vereinzelt Explosionen. Wenn Bomben auf Nordwalder Gebiet detonierten, handelte es sich meist um Abstürze britischer Bomberflugzeuge, die sehr häufig und in umfangreichen Verbänden auch Nordwalde in großer Höhe überflogen. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs gelangten etliche Flüchtlinge nach Nordwalde, wodurch sich die damalige Einwohnerzahl schlagartig um rund ein Fünftel erhöhte.
Eingemeindung des Nordwestteils von Reckenfeld in die Stadtgrenzen von Greven Ein Kuriosum in der Nordwalder Gemeindegeschichte stellte die Siedlung Reckenfeld dar. Bei der Errichtung des mehrere Hektar umfassenden Munitionslagers auf dem ehemaligen Kirchspiel „Reckenveld“ im Jahr 1916 hatte die preußische Militärverwaltung bestehende Grenzen der Gemeinde Nordwalde und der Stadt Greven außer Acht gelassen, so dass sich ein nordwestlicher Teil auf Nordwalder Gebiet erstreckte (sogenannter „Ortsteil B“, abgeleitet vom Block B des Munitionsdepots). Die dortigen Einwohner waren mit dieser Situation höchst unzufrieden, da sie als Nordwalder Bürger in einer Art Enklave lebten und keinen Einfluss auf sie betreffende Entscheidungen der Stadt Greven hatten (so waren ihre Kinder lediglich Gastschulkinder in den auf Grevener Gebiet liegenden Schulen). Die Gemeindeverwaltung Nordwalde hielt in diesem Grenzgebiet wöchentlich einen Sprechtag für Nordwalder Bürger ab, die schließlich – insbesondere mit einer Unterschriftenaktion – die Eingemeindung nach Greven erreichten. Sie erfolgte am 1. Januar 1964.
Bevölkerungsstruktur Einwohnerzahl: 2024: 10.000https://www.nordwalde.de/gv_nordwalde/Aktuelles/Magazin/2024/HJ01/10.000%20Einwohner/
Altersstruktur: - Stand: 1. September 2011 - AltermännlichweiblichAnteil00–20 Jahre 1193 1121 23,8 %21–40 Jahre 1137 1079 23,4 %41–60 Jahre 1521 1470 30,3 %61–80 Jahre 838 930 18,0 %81 Jahre und älter 106 338 4,5 % Datei:Nordwalde1.png
Konfessionszugehörigkeit: - Stand: 1. August 2014 - KonfessionAnzahlAnteilrömisch-katholisch 6679 68,8 %evangelisch 1357 14,0 %sonstige 1678 17,3 %
Bauerschaft/Bezirk: - Stand: 1. August 2014 - BauerschaftEinwohnerAnteilOrtskern 828885,3 %Am Egen 400,4 %Feldbauerschaft 2923,0 %Kirchbauerschaft 1561,6 %Scheddebrock 3223,2 %Suttorf 3743,9 %Westerode 2542,6 %
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Nordwalde besteht aus 26 Ratsmitgliedern und der Bürgermeisterin. Die Kommunalwahlen am 14. September 2025Wahlergebnisse in NRW - Kommunalwahlen 2025 (im Vergleich die Kommunalwahlen von 1964 bzw. seit 1975Landesdatenbank NRW: Wahlen in Nordrhein-Westfalen seit 1975 – hier: Kommunalwahlen in Nordwalde sowie Münstersche Zeitung vom 28. September 1964.) brachten folgendes Ergebnis:
Partei / Liste 2025 % 2025 Sitze 2020 % 2020 Sitze 2014 % 2014 Sitze 2009 % 2009 Sitze 2004 % 1999 % 1994 % 1989 % 1984 % 1979 % 1975 % … 1964 % 1964 Sitze CDU 54,1 14 51,1 14 52,5 14 48,7 13 52,2 50,8 45,2 53,5 60,2 62,8 66,7 … 62,0 13 Grüne 15,6 4 15,5 4 9,7 2 7,7 2 7,6 5,9 10,8 8,6 7,0 – – … – – SPD 14,5 4 14,2 3 21,5 6 22,4 6 21,1 27,7 31,7 30,4 28,6 29,5 27,5 … 21,5 4 Unabhängige Wählergemeinschaft 9,6 2 10,9 3 11,3 3 11,7 3 12,8 6,7 – – – – – … – – FDP 6,2 2 8,4 2 5,0 1 9,3 2 6,4 5,0 5,7 7,4 4,2 7,6 5,8 … 13,7 2 Wahlbeteiligung 68,0 65,0 62,4 69,3 64,3 72,3 86,2 71,2 75,0 79,7 91,8 … 86,0
Bürgermeister mini|Neues Rathaus von Nordwalde mini|Das ehemalige Rathaus, erbaut 1958 nach Plänen von Harald Deilmann, dem Architekten des Düsseldorfer Rheinturms, abgerissen 2020.
Zum Bürgermeister wurde bei der Kommunalwahl im September 2025 Oliver Hordt (CDU) mit 78,1 % der Stimmen gewählt, sein Gegenkandidat erhielt 21,9 %; die Wahlbeteiligung lag bei 68,0 %. Er ist Nachfolger von Sonja Schemmann (CDU), die nach drei Amtszeiten nicht wieder zur Wahl antrat.
Wappen links|80pxBlasonierung: „In Silber drei grüne Hainbuchen, die aus grünem Feld hervorwachsen, auf dem ein silbernes mit goldenem Knauf versehenes Schwert liegt.“
Diese Symbole sind dem Wappen des ehemaligen Schulzenhofes Bisping entlehnt, der neben dem Pröbstinghof als eine historische Keimzelle der heutigen Gemeinde Nordwalde gilt. Das Richtschwert sowie die drei Hainbuchen (Gerichtsbäume) symbolisieren die damalige Hofgerichtsgewalt des Nordwalder Schulzen (vgl. hierzu den Artikel über die Femeiche im münsterländischen Ort Erle).
Gemeindepartnerschaften 70px|rechtsNordwalde führt zwei Gemeindepartnerschaften, eine mit Amilly im Département Loiret in Frankreich und eine mit Treuenbrietzen in Brandenburg. Der im September 2005 gegründete Partnerschaftsverein koordiniert die vielfältigen Austausche und Kontakte zwischen den Gemeinden. Jedes Jahr fährt eine Delegation aus Nordwalde zum Sabinchenfest nach Treuenbrietzen und zur Fête de l’Europe et JumelageWebseite der Gemeinde Amilly nach Amilly.
Infrastruktur und Wirtschaft Infrastruktur mini|Haltepunkt Nordwalde
Nordwalde ist über die Bundesstraße 54 an das überregionale Straßennetz und das 25 km südlich entfernte Oberzentrum Münster angeschlossen. Zudem führen Kreis- und Landstraßen in alle Nachbargemeinden.