Der Überland-Feldzug war eine militärische Operation des Unionsheeres geführt vom Oberbefehlshaber des Heeres Generalleutnant Ulysses S. Grant während des Amerikanischen Bürgerkrieges. Sie dauerte vom 4. Mai bis 24. Juni 1864.Militärhistoriker ordnen den Zeitraum des Feldzuges unterschiedlich ein. Dieser Artikel folgt der In einer Serie von verlustreichen Schlachten gelang es der Potomac-Armee des Unionsheeres die Nord-Virginia-Armee vom Südufer des Rapidans bis auf das Südufer des James südlich von Richmond, Virginia zurückzudrängen. Obwohl die Nordstaatenarmee während des Feldzuges einige Niederlagen und große Verluste erlitt, ist der Feldzug insgesamt als strategischer Sieg der Union anzusehen, da die Südstaaten nach Richmond und Petersburg zurückgedrängt und in der Folge dort belagert wurden. Auch erlitt die konföderierte Nord-Virginia-Armee während des Überland-Feldzuges proportional noch höhere Verluste, die zudem nur noch teilweise ersetzt werden konnten.

Ausgangslage

mini|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen

Union

Im Herbst 1863 hatten die Unionstruppen auf dem westlichen Kriegsschauplatz das Nordufer des Tennessee von Knoxville, Tennessee bis Chattanooga unter Kontrolle und waren bis zur Grenze von Georgia vorgestoßen; auf dem östlichen war West Virginia größtenteils befriedet und die Unionsarmeen standen nördlich des Rapidan und auf der Virginia-Halbinsel. Nachdem Grant Oberbefehlshaber des Heeres geworden war, gab er das bisherige Kriegsziel, die feindliche Hauptstadt Richmond zu erobern, auf; vielmehr beabsichtigte er, mit koordinierten Aktionen auf beiden Kriegsschauplätzen, die beiden wichtigsten Armeen der Konföderierten – die Tennessee-Armee und die Nord-Virginia-Armee – zu vernichten. Im Einzelnen sollten auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Armeen Generalmajor Shermans die Tennessee-Armee vernichten und die Golf-Armee unter Generalmajor Banks Mobile, Alabama einnehmen; auf dem östlichen Kriegsschauplatz sollte die Potomac-Armee die Nord-Virginia-Armee vernichten und gleichzeitig die Shenandoah-Armee Generalmajor Sigels das Shenandoahtal erobern und die James-Armee Generalmajor Butlers über die Virginia-Halbinsel auf Richmond vorstoßen.

Konföderation

Nach der gescheiterten Invasion des Nordens fußte die Strategie der Konföderation 1864 darauf, in einer strategischen Verteidigung dem Norden so viele Verluste wie möglich zuzufügen, um damit Lincolns Wiederwahl zu verhindern und einen Verhandlungsfrieden herbeiführen zu können.

Operationsplan

Potomac-Armee

Die Potomac-Armee war der Nord-Virginia-Armee überlegen. Das primäre Ziel war es deshalb, diese zu einer Schlacht im offenen Gelände zu zwingen. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte Meade zwei Möglichkeiten, die Nord-Virginia-Armee anzugreifen: im Westen in der linken Flanke oder im Osten in der rechten. Grant entschied, dass die Potomac-Armee im Osten angreifen sollte, weil er die Versorgung der Armee bei einem Angriff im Westen als gefährdet ansah. Nach den Pattsituationen der Stellungsschlachten beabsichtigte Meade jeweils die Nord-Virginia-Armee zu überflügeln, um so zum Bewegungskrieg zurückzukehren.

Das sekundäre Ziel war die Unterbrechung der Versorgungslinien der Nord-Virginia-Armee. Dazu zählte die Virginia Central Railroad aus dem Shenandoah-Tal, die Eisenbahnkreuzung bei Hanover Junction und schließlich der Eisenbahnknotenpunkt Petersburg.

Nord-Virginia-Armee

Lee beabsichtigte, die Potomac-Armee in für ihn günstigem Gelände zur Schlacht zu zwingen und ihr größtmögliche Verluste zuzufügen. Dabei wollte er in der strategischen Defensive so oft wie möglich offensiv werden. Er erwartete den Angriff der Potomac-Armee im Osten; eine große Schlacht wollte er jedoch vermeiden, bis die Nord-Virginia-Armee vollständig versammelt war – das I. Korps befand sich noch 42 km südwestlich der Wilderness bei Gordonsville, Virginia.

Truppeneinteilung

Potomac-Armee

Generalmajor Meade unterstanden drei Infanterie-Korps – das II., V. und VI. –– und das Kavallerie-Korps. Das IX. Korps unter Generalmajor Ambrose Burnside wurde bis zum 24. Mai direkt von Grant geführt. Am 27. Mai unterstellte Grant das XVIII. Korps von der James-Armee der Potomac-Armee, so dass die Potomac-Armee zur Schlacht von Cold Harbor fünf Korps führte.

Nord-Virginia-Armee

Die Nord-Virginia-Armee bestand aus drei Infanterie- und einem Kavallerie-Korps. Im Laufe des Feldzuges wurde sie durch Truppen aus den benachbarten Wehrbereichen „West Virginia“ und „North Carolina und Süd-Virginia“ verstärkt.

Schlachten

Wilderness (5.–6. Mai 1864)

→ Hauptartikel: Schlacht in der Wilderness mini|links|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen mini|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen Die Potomac-Armee begann am 4. Mai 1864 um 00:00 Uhr den Rapidan an den Germanna und Ely’s-Furten mit dem V. und II. Korps zu überqueren. Grant hoffte durch das überraschende Überqueren des Flusses das anschließende, für die Unionstruppen ungünstige Gelände der Wilderness schnell überwinden zu können, um Lee danach in einem geeigneteren Gelände südlich davon zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen.

Lee entschied sich dazu, die Potomac-Armee nicht während des Flussübergangs, sondern in ihrer Flanke während des Marsches durch die Wilderness anzugreifen. Am 5. Mai griffen die zwei verfügbaren Korps der Nord-Virginia-Armee an. Im Laufe des Tages gelang es Meade zwei Drittel der Potomac-Armee gegen 40.000 Konföderierte einzusetzen. Allerdings konnte Meade seine Überlegenheit in dem mit dichtem Unterholz bewachsenen Gelände nicht zur Geltung bringen. Die Kampfhandlungen wogten hin und her und es gelang der Potomac-Armee zwei für den Marsch nach Süden wichtige Kreuzungen zu halten. Am Abend hatte sie schließlich eine Position erreicht, von der aus sie die rechte Flanke der Nord-Virginia-Armee angreifen konnte.

Bei beiden Armeen sollte der Angriff in der Morgendämmerung des 6. Mai beginnen; Meade griff jedoch zuerst an. Hancocks II. Korps gelang ein ungefähr 1600 Meter tiefer Einbruch in die Stellungen von A.P. Hills III. Korps. Lee persönlich wollte die teilweise fliehenden Soldaten sammeln und zum Gegenangriff führen, als die erste Division aus Longstreets Korps das Schlachtfeld erreichte und Hancocks Truppen auf die Ausgangsstellungen zurückwarf. Longstreet gelang es sogar, Hancocks Korps in der Flanke anzugreifen. Dabei wurde er von eigenem Feuer schwer verletzt und das Momentum des Angriffs ging verloren. Im Norden gelang es der Nord-Virginia-Armee ebenfalls die Potomac-Armee in der Flanke anzugreifen und ungefähr 1600 m nach Osten zurückzuwerfen.

Die Verluste der Potomac-Armee betrugen 17.666, die der Nord-Virginia-Armee ungefähr 7.000Die Tagesstärkemeldungen der Nord-Virginia-Armee waren in dieser Phase des Krieges nur bruchstückhaft, deshalb sind die Zahlenangaben der Konföderierten nur geschätzt Soldaten innerhalb zweier Tage. Noch im vorherigen Jahr wären die Oberbefehlshaber beider Armeen nach solchen Verlusten hinter den nächsten Fluss ausgewichen – Grant hatte jedoch dem Präsidenten versprochen: „Was immer geschieht, es gibt kein zurück.“. Als am 7. Mai die Armeen nur noch Gefechtsaufklärung durchführten, hatte Grant bereits entschieden, die Ortschaft Spotsylvania Court House zu besetzen, dort die Nord-Virginia-Armee in deren rechter Flanke anzugreifen und Lee zur Schlacht zu zwingen.

Spotsylvania Court House (8.–21. Mai 1864)

→ Hauptartikel: Schlacht bei Spotsylvania Court House mini|links|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen mini|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen Lee hatte die Absicht Grants erkannt. Er führte die Nord-Virginia-Armee in Stellungen bei Spotsylvania Court House und vereitelte den Plan. Die Potomac-Armee musste wieder frontal gegen die Stellungen der Südstaatler angreifen. Das vorne marschierende II. Korps wurde durch konföderierte Kavallerie aufgehalten, so dass die Spitzen der Potomac-Armee auf eingegrabene Südstaatler trafen. Der Angriff des V. Korps der Potomac-Armee wurde vom I. Korps abgewehrt, dass nach der Verwundung Longstreets von Generalmajor Anderson geführt wurde. Zwei Divisionen aus Generalmajor Earlys III. Korps gelang es, das II. Korps der Potomac-Armee angriffsweise zurückzuwerfen. Ein großer Verlust der Potomac-Armee war an diesen ersten Tagen der Tod Generalmajor Sedgwicks, einem der angesehensten Truppenführer der Union. Grant führte das IX. Korps in die Schlacht ein, mit dem Auftrag, die Nord-Virginia-Armee links zu überflügeln. Lee stellte dieser Absicht das III. Korps auf seinem rechten Flügel entgegen. Dabei entstand ein Frontbogen, der sogenannte “Mule Shoe”. Am Abend des 10. Mai gelang der Brigade Oberst Emory Uptons ein tiefer Einbruch in die Feldbefestigungen der Konföderierten im Mule Shoe. Da jedoch keine Verstärkungen eintrafen, musste die Brigade die konföderierten Feldbefestigungen aufgeben. mini|links|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen mini|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen Da der Angriff Uptons so erfolgversprechend war, entschieden sich Grant und Meade, am 12. Mai ähnlich mit dem II. Korps die Konföderierten in der Spitze des Mule Shoes anzugreifen und die Nord-Virginia-Armee so in zwei Teile zu spalten. Wegen einer fehlerhaften Lagebeurteilung Lees war der Angriff erfolgreich und konnte von den Konföderierten erst durch eine Reservedivision, die Lee persönlich führte, aufgehalten werden. Die Soldaten des II. Korps besetzten nun die ehemaligen vorderen Feldbefestigungen der Konföderierten. Die Angriffe auf die Flügel der Nord-Virginia-Armee blieben erfolglos. Meade befahl dem VI. Korps, nun unter der Führung Brigadegeneral Wrights, rechts von Hancocks II. Korps anzugreifen. Dort entwickelten sich die heftigsten Kämpfe der Schlacht im sogenannten “Bloody Angle”.

In den folgenden Tagen versuchte Grant immer wieder, die Nord-Virginia-Armee in deren Flanken anzugreifen. Da Regen die Geschwindigkeit der Marschbewegungen verringerte, gelang es den Konföderierten, die Angriffe rechtzeitig abzuwehren. Grant wurde klar, dass die Potomac-Armee durch solche Angriffe die Nord-Virginia-Armee nicht aus den Stellungen bei Spotsylvania werfen konnte. Deshalb brach er die Schlacht ab, um einen Eisenbahnknotenpunkt am North Anna River zu erobern und so die Logistik der Nord-Virginia-Armee nachhaltig zu unterbrechen.

Die Verluste vom 5. bis zum 12. Mai betrugen auf Seiten der Union 18.399 und bei den Konföderierten 18.000 Soldaten. Jeweils die Hälfte der Verluste wurde durch Verstärkungen wieder ersetzt. Dabei handelte es sich bei der Union um Rekruten und nicht kampferprobte Heavy Artillery Regimenter aus den Verteidigungsstellungen rund um Washington, die zu Infanteristen wurden. Die konföderierten Verstärkungen bestanden aus Veteranen aus dem Shenandoah-Tal und der Verteidigung von Richmond. Bei der Union kam hinzu, dass die Verpflichtungszeit des ersten dreijährig-freiwilligen Regiments auslief, dem noch weitere 35 Regimenter in den nächsten sechs Wochen folgen sollten.Nicht alle Angehörigen der Regimenter wurden nach Hause entlassen: Einige, die sich weiter verpflichteten, und andere, deren Verpflichtungszeit noch nicht abgelaufen war, wurden zu anderen Regimentern ihres Heimatstaates versetzt.

Sheridans Raid nach Richmond

mini|rot: konföderierte Truppen blau: Unionstruppen