mini|Ein Schild mit der Aufschrift Fuck Your War (sinngemäß: „Scheiß auf euren Krieg“) bei einer Demonstration
Fuck ist ein Vulgärausdruck der modernen englischen Sprache und eines der bekanntesten Schimpfwörter der Welt.
Die wörtliche Übersetzung von ist „ficken“. In der Umgangssprache wird es jedoch meist nicht im wörtlichen Sinn, sondern adverbial, adjektivisch, substantiviert oder als Interjektion verwendet, um Sachverhalte als extrem zu kennzeichnen. „Fuck“ oder „fucking“ wird oft mit „verdammt“, „zum Teufel“ oder „scheiß-…“ übersetzt, wobei allerdings nur letzterer Ausdruck einem ähnlich vulgären Sprachgebrauch entspricht.
Wie auch andere Schimpfwörter (vgl. Seven Dirty Words) unterliegt in englischsprachigen Ländern, deren Moral maßgeblich von puritanischen Werten geprägt wurde, offiziell der Tabuisierung und auch der Zensur. In einer Umfrage in der britischen Bevölkerung belegte den dritten und der abgeleitete Begriff den zweiten Platz in der Liste der schwersten Schimpfwörter. Auf dem ersten Rang lag das Wort (Fotze).
Etymologie und erstes Auftreten Das Wort ist vermutlich altgermanischen Ursprungs; so gibt es ähnliche und sinnverwandte Wörter in vielen heutigen germanischen Sprachen wie z. B. deutsch ficken, niederländisch fokken, norwegisch fukka, schwedisch fokka bzw. fock. Es wird daher vermutet, dass das urgermanische Wort womöglich fuk war, mit der ursprünglichen Bedeutung (zu)schlagen. Eine urindogermanische Verwandtschaft mit dem lateinischen Wort pugnus für „Faust“ wird ebenfalls vermutet. Nachschlagewerke, wie das Oxford English Dictionary, streiten sich über die genaue Etymologie, aber es scheint so, dass es einen angelsächsischen Ursprung gibt. Von dort aus soll sich der Ausdruck zunächst in die britischen Kolonien und dann weltweit ausgebreitet haben.
Es ist nicht genau klar, wann das Wort als Schimpfwort in Erscheinung trat. Es gibt Hinweise, dass das Wort in den englischsprachigen Ländern bis in das 17. Jahrhundert als akzeptabel angesehen worden ist. Damals in der Bedeutung ähnlich penetrieren oder zuschlagen. Schriftlich lässt es sich erstmals im 16. Jahrhundert als Vulgärausdruck nachweisen. Es taucht in einem Gedicht des schottischen Dichters William Dunbar 1503 auf als fukkit. In ein Manuskript von Ciceros de Officiis schrieb ein englischer Mönch 1528 als Marginalie den Hinweis O D fucking abbot als Ausdruck seiner Verärgerung über einen Abt.openculture: The Very First Written Use of the F Word in English (1528), 11. Februar 2014io9: Here’s the first recorded instance of the F-word in English, 9. Februar 2014 Und bereits vor 1500 dichtete ein englischer Mönch in Cambridge in einem Gedicht in gemischter englischer und lateinischer Sprache über seine Mitbrüder Non sunt in coeli, quia gxddbov xxkxzt pg ifmk.Wikisource: Flen_flyys Das Ende des Satzes ist kodiert nach dem Prinzip einer Caesar-Verschlüsselung, die Buchstaben sind im Alphabet um eine Stelle verschoben. Entschlüsselt man den Satz, ergibt sich für gxddbov der Klartext fvccant und der Satz bedeutet etwa Sie sind nicht im Himmel, denn sie ficken die Frauen aus Ely.io9: A brief history of four letter words, 24. Mai 2012 Noch älter ist ein mutmaßlicher Beleg, den ein englischer Historiker 2015 in einem auf den 8. Dezember 1310 datierten Gerichtsdokument des Crown Court der Stadt Chester ausmachte und in dem ein Angeklagter namens „Roger Fuckebythenavele“ genannt wird; der Nachname mag wortwörtlich so viel wie „fickt in den Nabel“ bedeuten.Emily Gosden: Earliest use of f-word discovered in court records from 1310. In: The Telegraph (Onlineausgabe), 13. September 2015.
Verwendung
Umschreibungen In Situationen, in denen die direkte Verwendung des Wortes als unangemessen gilt, wird es umschrieben. Üblich ist die Umschreibung von als , die seines Gebrauchs als („die F-Bombe werfen“). Oft wird es durch ähnliche, manchmal sinnlose Wörter wie usw. ersetzt. In der nicht-formellen geschriebenen Sprache, besonders im Internet und in Comics, können auch nicht-alphanumerische Zeichen verwendet werden, z. B. f***.
Interjektion Als allein stehender Ausruf kann „Fuck!“ für Überraschung, Schmerz, Angst, Enttäuschung oder Ärger stehen. Daneben gibt es eine Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten: – „Verpiss dich!“ oder ist in seiner wörtlichen Übersetzung („fick dich“) auch im Deutschen verständlich (vgl. Schwäbischer Gruß) – „Was zum Teufel…?“ – „Scheiß drauf!“ – „Es ist mir scheißegal.“
lässt sich zur Verstärkung von Ausdrücken verwenden: Aus („Halt den Mund“) wird (etwa: „Halt verdammt nochmal dein Maul!“).
Adjektiv Das Adjektiv lässt sich im Deutschen beispielsweise mit „verdammt“ übersetzen, letztlich sind aber viele Varianten möglich. Dem Grundton wird eine nachdrückliche Betonung angefügt: – „Das geht dich einen Scheißdreck an!“
Das Adjektiv oder kurz bedeutet so viel wie „kaputt“, „fertig“: – „Ich bin erledigt.“ – „Ich habe deinen Computer kaputt gemacht.“ – „Du bist ein Versager.“ (Substantivierung) Rapmusiker benutzen oftmals als betontes Adjektiv, meistens aufgrund rhythmischer Eigenschaften. Diese Verwendungen können ohne Bedeutungsverlust des Satzes gestrichen werden. – „Ich bin der Mann“ (vgl. Machismo)
Adverb – „Es ist verdammt kalt“. – „Das war verdammt großartig.“
Verb Das Verb kann als Dysphemismus gebraucht werden. Hier wird die sexuelle Konnotation benutzt, um eine verstärkte Empörung hervorzurufen, obwohl dies nicht Gegenstand des Gesprächsthemas ist. Diese Bedeutung verbreitet sich im Deutschen auch für die wörtliche Entsprechung „ficken“. – „Ich mache dich fertig“. – „Ich wurde ausgeraubt / zusammengeschlagen / …“
Nomen Die Bezeichnung von Personen (auch: Gegenständen) in diesem Kontext ist mehrdeutig. Obwohl als Substantiv benutzt werden kann, wird eher im Kontext des Bezuges zu einer anderen Person verwendet:
– „Dummes Arschloch.“ – „Er ist ein guter Kumpel.“
Wird statt zur Bezeichnung einer Person verwendet, wird damit oft, aber nicht immer, eine wörtliche Bedeutung im Sinne von Sexualpartner impliziert. Missverständnisse sind hier leicht möglich.
– „Er ist ein guter Fick(er) (Sexualpartner)“. – „Er ist ein Vollidiot.“ – etwa: „Du bist ein gerissener Hund“.
Abgeleitete Ausdrücke „Fuck“ ist eine Komponente vieler Abkürzungen wie SNAFU, MILF oder FUBAR. Einige neuere Prägungen wie WTF? für („Was zur Hölle…?“) haben es zu großer Verbreitung im Internet gebracht. Die Abkürzung „FU!“ für „Fuck You“ wurde 2012 bei der Wahl zum Jugendwort des Jahres auf den zweiten Rang gewählt.
Fremdwort In den meisten nicht englischsprachigen Kulturen wird seine beleidigende Wirkung verstanden. Möglicherweise, weil es als Fremdwort eine geringere Bedeutung hat, sind in der Regel keine zensorischen oder einschränkenden Maßnahmen üblich. Beispielsweise werden amerikanische Rap-Songs häufig auf europäischen Radiosendern gespielt, ohne dass entsprechende Textpassagen der Zensur zum Opfer fallen.
In Deutschland ist auch die eingedeutschte Version „abgefuckt“ für das englische gebräuchlich.
Ein Beispiel für die entspanntere Haltung in den nicht englischsprachigen Ländern war Anfang der 1990er Jahre in Paris zu erkennen. Dort gab es auf Plakatwänden eine Kampagne mit dem Slogan „Préservatifs Fuck le SIDA“ („Kondome machen AIDS fertig“).
Popkultur Die Vulgarität des Wortes lädt Komiker ein, damit zu spielen. So hat George Carlin etliche Aufsätze herausgebracht, wie z. B. „The History of the word Fuck“ (Die Geschichte des Wortes Fuck). Andere Komiker sind Chris Rock, Denis Leary, Monty Python (The Word Fuck) und Sam Kinison.
Ein weiteres Beispiel für die große Vielfalt ist der Song Mercyfuck von Mary Prankster: I wish I could fuck all my sorrow away And fuck ’til the dawn of the next fucking day Fuck the chorus and verse, fuck the pain getting worse Fuck it all ’til I burn
Im Lied Bodies (deutsch: „Leichen“) der englischen Punk-Band Sex Pistols aus dem Jahr 1977 gelang es John Lydon, Sänger der Gruppe und Autor des Textes, das Wort „Fuck“ fünfmal in einer einzigen Liedzeile unterzubringen. Zitat: “Fuck this and fuck that, fuck it all and fuck her fucking brat.”Liedtext von Bodies auf songtexte.com (abgerufen am 22. Dezember 2018) Anmerkung: die betreffende Liedzeile ist auf der verlinkten Website nicht vollständig korrekt wiedergegeben.
1992 veröffentlichte der US-Musiker Prince auf seinem Album Love Symbol den Song Sexy M.F., der auch als Single ausgekoppelt wurde. Die Abkürzung „Sexy M.F.“ steht für „Motherfucker“ und der Refrain lautet „You Sexy Motherfucker“. Im Kontext ist „Motherfucker“ also nicht als Schimpfwort zu verstehen, sondern im sexuellen Bereich. Dennoch wurde die Single Sexy M.F. damals weltweit von vielen Radiostationen boykottiert und nur sehr selten im Radio gespielt.
Im Jahr 2002, als der kontroverse französische Film Baise-moi in den USA herauskam, wurde der Titel in Rape Me („Vergewaltige mich“) geändert, obwohl er wortwörtlich übersetzt Fuck Me hätte lauten müssen. Manche sagen, dass dies aber nur ein Publicity-Gag gewesen sei. Ebenfalls wurde der schwedische Film Fucking Åmål (deutscher Titel: „Raus aus Åmål“) in Show Me Love umbenannt.
Für das Album 97BT99 der japanischen Rockgruppe BUCK-TICK wurde eine Errata herausgegeben, um den Liedtitel My Facking Valentine in My Fucking Valentine zu ändern. Es war klar, dass es sich um einen Tippfehler und nicht um Zensur handelte, da das Lied zweimal auf dem Album erscheint und in einem der Fälle richtig geschrieben vorkommt.
2005 erschien auf dem Album Hefty Fine der Bloodhound Gang der Song Foxtrot Uniform Charly Kilo, dessen Titel auch den Refrain bildet. Die vier Worte stehen in der NATO-Buchstabiertafel, die von allen US-Militärs verwendet wird, für die Buchstaben F – U – C – K.
Auf dem Album Amarok des Musikers Mike Oldfield findet sich ein gemorster „Abschiedsgruß“ an den Inhaber seiner bisherigen Plattenfirma: „Fuck off rb“. Mit RB ist Richard Branson, der Besitzer von Virgin Records, gemeint.
In der alten Science-Fiction Serie Kampfstern Galactica wurde als harmlose Abwandlung das Wort „frack“ benutzt und so die Zensur umgangen. Auch in der neuen Serie Battlestar Galactica wird dieses Wort wieder benutzt, allerdings in der abgewandelten und nur vier Buchstaben langen Version „frak“ – und mit deutlich erhöhter Frequenz.
Der Soziologe Gerhard Amendt befasste sich im fünften Kapitel seines Buchs Vatersehnsucht unter dem Titel Ohne Vater: motherfucker und mother-fucking. Frauenbewegung und Vergewaltigungsagitation in der Rap Kultur mit der Geschichte dieses Sprachgebrauchs.
Umgang mit dem Ausdruck in amerikanischen Medien Der Gebrauch von Vulgärsprache (vgl. Seven Dirty Words) in englischsprachigen Filmen hat seit den 1990er Jahren erheblich zugenommen. Die Verwendung des Wortes Fuck gilt dabei als der häufigste Tabubruch in amerikanischen Filmen.
Ein erheblicher Unterschied besteht zwischen dem britischen und amerikanischen Gebrauch beziehungsweise der akzeptierten Toleranzschwelle für familientaugliche Filme und Anlässe. Berühmt wurde die Grabrede John Cleeses anlässlich des Todes Graham Chapmans als erste Nennung von „Fuck“ bei einer englischen Beerdigungsfeier. Bei den Dreharbeiten für die Filmkomödie Vier Hochzeiten und ein Todesfall hingegen musste jede Szene, in der das Wort „fuck“ auftauchte, für den US-amerikanischen Markt ein zweites Mal gedreht werden. Eine Synchronisation des Tons hätte nicht ausgereicht, da man an den Lippen des Schauspielers Hugh Grant noch immer deutlich das F-Wort hätte ablesen können. Eine der wenigen Ausnahmen sind die Filme Hangover, Hangover 2 und Hangover 3; in diesen amerikanischen Filmen werden die Worte „Fuck“, „Wichser“ (Wanker), „Scheiße (Shit)“ u. a. mehrfach verwendet.
Auswertung des Auftretens von Fuck in der englischen Sprache