Khanyisile Mbongwa (* 1984 in Gugulethu, Südafrika) ist eine südafrikanische Künstlerin und international tätige Kuratorin.

Ausbildung Khanyisile Mbongwa studierte Interdisziplinarität und Öffentlichkeit (Interdisciplinary Arts, Public Art and the Public Sphere) am Institute for Creative Arts der Universität Kapstadt (UCT), wo sie als Mellon-Stipendiatin ihren Master erlangte. Ihre Masterarbeit Irhanga verhandelte den öffentlichen Raum in Townships als möglichen Ort für künstlerische Aktionen, zur Installation von Räumen, die sich gegen Diskriminierung richtet (Safer Spaces), auch als Instrument zur Kritik von Raumpolitiken in Südafrika. Sie promovierte dort zu Geografie und Gerechtigkeit (spatiale Gerechtigkeit), radikaler Positivität als Weg Rassismen entgegenzutreten und Black Futures – zu Perspektiven von Schwarzen Communities. 2024 war sie Blak C.O.R.E Fellow an der Universität Melbourne, wo sie sich mit angestammten Wissenssystemen und queerer Zukunfstsforschung beschäftigte. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Sangoma und arbeitet als spirituelle Heilerin.

Kuratorische Praxis Khanyisile Mbongwa ist Kuratorin, Künstlerin und Soziologin, die mit ihrer transformatorischen Praxis des Curing & Care, Räume für emanzipatorische Kunst, Freude und spielerische Widerstandsformen schafft. Sie lebt in Kapstadt und arbeitet international an der Schnittstelle von performativer Kunst, öffentlichem Raum und dekolonialen Diskursen. Mit ihrer Kunst schafft sie Räume für emanzipatorische Prozesse und gesellschaftliche Freiräume.

Khanyisile Mbongwas kuratorischer Ansatz versteht Ausstellungen als Rehearsals, als Proben zur Einübung gesellschaftlicher Transformationen. Sie verfolgt einen kuratorischen Ansatz, der Ausstellungen als Möglichkeiten zur Einübung gesellschaftlicher Transformation versteht. Ihr kuratorisches Schaffen ist von performativen, prozessualen und gemeinschaftsorientierten Praktiken geprägt, die auf Heilung, Erinnerung und soziale Gerechtigkeit abzielen.

Bei der Liverpool Biennale 2023 fungierte sie als Chefkuratorin und konzipierte die Ausstellung uMoya: The Sacred Return of Lost Things. Die Schau rückte verlorene Geschichten, Körper und Objekte der Schwarzen Diaspora ins Zentrum und thematisierte Liverpool als Zentrum für Baumwollhandel. Sie formuliert ihre kuratorische Haltung als ganzheitliche, die mit dem ganzen Körper dem eigenen und dem Geist ihrer Vorfahren und ihrer Kenntnisse, nicht nur mit dem Gehirn denkt und so spirituelle Verbindung im Kontext kolonialer Entfremdung sucht.

Für die Stellenbosch Triennalen 2020 und 2025 war sie ebenfalls als Chefkuratorin tätig. Die Ausstellung Ba’Zinzle: A Rehearsal for Breathing verstand sie als künstlerische Auseinandersetzung mit dem Atmen als existenzielle Praxis des Überlebens und Widerstands – insbesondere im Kontext struktureller Gewalt und rassifizierter Lebensrealitäten ist für sie das Beharren auf wahrem Leben eine Antwort.

Im Rahmen einer Residenz bei CAT.Cologne entwickelte Khanyisile Mbongwa 2018 das kuratorische Forschungsprojekt Blueprinz: Where There’s Nowhere To Go, Where Is Home?, das sich mit Migration, Heimatlosigkeit sowie dem historischen Erbe und den zukünftigen Potenzialen öffentlicher Räume befasst. Die Ausstellung untersuchte, wie Musik und Performancekunst zur Imagination und Gestaltung von öffentlichen Räumen beitragen können. Blueprint schöpft unter anderem aus dem Archiv der International Library of African Music der Rhodes University, ist jedoch stark geprägt durch die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlerinnen und Künstlern sowie den spezifischen sozialen und geografischen Kontexten der Orte, an denen das Projekt realisiert wurde.

Im Jahr 2025 gestaltete sie gemeinsam mit dem Künstler Kemang Wa Lehulere einen Rundgang durch die Ausstellung From the Vault im Rahmen der Stellenbosch Triennale im Rupert Museum in Stellenbosch. Im Mittelpunkt stand Wa Lehuleres Werkreihe Amarhoqololo: six feet away from illegibility, die in Dialog mit Arbeiten aus der ständigen Sammlung des Museums trat, unter anderem von Anton van Wouw (1862–1945), Jan Buys (1909–1985), Cecil Higgs (1898–1986) und WH Coetzer (1900–1983). Der Titel Amarhoqololo stammt aus dem IsiXhosa und bedeutet «Unleserlichkeit» oder «das Unerkennbare» und reflektiert die Auswirkungen des Natives Land Act von 1913, der Landbesitz von Schwarzen Bürgern nur erlaubte, um ihre letzte Ruhestätte zu errichten, die sich sechs Fuß unter der Erde befinden musste.

Projekte 2012 gewann Khanyisile Mbongwa zusammen mit der verstorbenen Unathi Sigenu den MTN New Contemporary Award. Im Jahr 2013 kuratierte sie als Folge und im Rahmen dieser Auszeichnung Demonstrations: Performing Being Black, eine zweiteilige Ausstellung, die die von Township-Tourismusagenturen konstruierten Ideen eines «authentischen Schwarzseins» sowie Regimes von Orten thematisierte. Sie ist Kuratorin von Puncture Points, einem interdisziplinären Künstlerprojekt, Gründungsmitglied und Kuratorin von Twenty Journey, einem Fotoprojekt über südafrikanische Realitäten. 2014 hatte sie eine Residenz beim Africa Centre Residency Laureate und 2015 bei JIWAR in Spanien.

2015 war sie Special Guest bei der Liste Art Fair Basel.

Weitere Projekte sind: Process as Resistance, Resilience & Regeneration – eine mit Julia Haarmann ko-kuratierte Gruppenausstellung zu Ehren eines Jahrzehnts CAT Cologne (2020). Athi-Patra Rugas Einzelausstellung bei der Norval Foundation mit dem Titel iiNyanka Zonyaka at the Lunar Songbook (2020) und eine Gruppenausstellung mit dem Titel History's Footnote: On Love & Freedom bei Marres, House for Contemporary Culture in Maastricht, Niederlande (2021). Sie wurde 2022 von der Organisation Phileas zu einer Kuratorenreise nach Wien eingeladen.

Khanyisile Mbongwa arbeitete mit der Norval Foundation als Adjunct Curator for Perfomative Practices und mit dem Cape Town Carnival als Beraterin für kuratorische und gesellschaftskritische Entwicklung.

Künstlerische Arbeit Khanyisile Mbongwa nutzt in ihrer künstlerischen Praxis Körper, Klang und räumliche Interventionen wie Rundgänge, poetische Prozessionen und Installationen, um gesellschaftliche Machtstrukturen zu hinterfragen und solidarischen unerschrockenen Praktiken Raum und Präsenz zu geben.

Zu Khanyisile Mbongwas früheren Projekten zählt Demonstrations: Performing Being Black (2013), eine zweiteilige Ausstellung in Kapstadt, die Konzepte «authentischer schwarzer Identität» in verschiedenen Kontexten – etwa in Townships und Galerien – kritisch untersuchte. Die Arbeit Umnikelo Oshisiwe (2016–2017) war eine rituelle Performance, die in Brasilien, der Schweiz und Südafrika gezeigt wurde. Sie verband spirituelle Opferpraktiken mit politischem Aktivismus. Ihre Performances wurden unter anderem beim BONE Performance Festival in Bern sowie beim Festival Infecting The City in Kapstadt präsentiert.

Engagement und Netzwerke Mbongwa ist Gründungsmitglied mehrerer Kollektive:

Gugulective: Ein Kunstkollektiv, das urbane Räume in Kapstadts Townships nutzt, um andere Kommunikationsformen und Austauschmöglichkeiten zu installieren. Rioters In Session: Eine Poesie-Gruppe für Women of Color. Das Poesie Kollektiv Rioters In Sessionhttps://humanities.uct.ac.za/ica/articles/2018-07-24-great-texts-big-questions-rioters-session wurde 2017 von der südafrikanischen Slam-Meisterin Ashley Makue, der Bestseller-Dichterin Koleka Putuma, der Kuratorin Khanyisile Mbongwa und der Spoken-Word-Poetin Allison-Claire Hoskins gegründet. Vasiki Creative Citizens: Ein Projekt zur Stärkung marginalisierter Gemeinschaften durch Kunst. Handspring Trust Puppets: Als ehemalige Exekutivdirektorin der Handspring Trust Puppets förderte sie partizipative Puppentheaterprojekte.

Lehre und Workshops Mbongwa war Gastdozentin an der University of Cape Town, Durban University of Technology, Universität Zürich, Universität Basel dem Zentzrum für zeitgenössische Kunst in Köln und Rhodes University. Außerdem war sie Dozentin an der Cape Town Creative Academy. Im Jahr 2023 wurde Mbongwa vom Havard Center for African Studies eingeladen. Mbongwa betitelte ihren Workshop There Is No Table For My Seat, der ihre laufende Forschungen zu Wissenssystemen Schwarzer Geschichte vorstellte.

Einzelnachweise

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