mini|hochkant=1.2|Das WUK (2005) mini|hochkant=1.2|Kunsthalle Exnergasse im WUK Das WUK (Werkstätten- und Kulturhaus) ist ein alternatives Kulturzentrum in der Währinger Straße 59 im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund, untergebracht in dem historischen Baukörper der ehemaligen Maschinenfabriken in Wien-Alsergrund. Mit über 12.000 Quadratmetern Grundfläche gehört es zu den größten Einrichtungen dieser Art in Europa. Im Wesentlichen setzt sich das WUK aus dem WUK Kulturbetrieb, der WUK Bildung und Beratung und dem soziokulturellen Zentrum WUK zusammen.
WUK Kulturbetrieb Dieser umfasst die Programmsparten Performing Arts, Musik, Kinderkultur und die Kunsthalle Exnergasse.
WUK Bildung und Beratung Es führt und initiiert seit 1983 Bildungs- und Beratungseinrichtungen für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen. An zwölf Standorten in Wien und Niederösterreich unterstützen 16 Einrichtungen und Projekte jährlich mehr als 5000 Menschen bei ihrem Einstieg in die Arbeitswelt (2026). Angeboten werden Beratungen, Berufsorientierung, Qualifizierung und Beschäftigung.
Soziokulturelles Zentrum WUK Es umfasst neben dem Verein, dem WUK Kulturbetrieb und WUK Bildung und Beratung alle autonomen WUK-Strukturen und -aktivitäten. Unter dem Dach der sieben selbstverwalteten Bereiche bildende Kunst, gesellschaftspolitische Initiativen, interkulturelle Initiativen, Kinder und Jugend, Musik, Tanztheaterperformance und Werkstätten finden rund 150 Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen (Stand Oktober 2013) ihren Platz. Alle in den autonomen Bereichen zu fällenden Entscheidungen erfolgen in basisdemokratischen Entscheidungsstrukturen und in einem monatlichen Plenum.
Bereich Bildende Kunst In diesem Bereich sind u. a. dreizehn Ateliers untergebracht, die sich mit Malerei, Grafik, Installationen, Fotografie und Film beschäftigen. Zwei Ateliers sind für Gäste vorgesehen. Insgesamt arbeiten dort etwa zwanzig Künstler. Neben den Ateliers gehören die Fotogalerie Wien und die Internationale Arbeitsgemeinschaft bildender Künstlerinnen IntAkt zu diesem Bereich.
Bereich Gesellschaftspolitik Etwa vierzig Gruppen und Gastgruppen beschäftigen sich u. a. mit Kulturvermittlung, Umweltschutz, Senioren, Selbsthilfe und Menschenrechten.
Bereich Interkulturelle Initiativen Allen Gruppen setzen sich für Gleichberechtigung ein und engagieren sich gegen Rassismus. Hier werden Migranten ebenso unterstützt wie Kunst und Kultur vermittelt und gepflegt. Zu den Gruppen gehören u. a. die Flüchtlingshilfe Asyl in Not, die African Cultural Union, das Iranische Kulturhaus sowie der Dachverband für Interkulturelle Initiativen in Wien.
Bereich Kinder und Jugend In diesem Bereich gibt es drei Kindergruppen, einen Hort (mit etwa 150 Kindern), die Volksschule Schulkollektiv Wien sowie die SchülerInnenschule (Gesamtschule), zu der auch das Werkcollege (Oberstufenschule) gehört. Die Schulen sind demokratische Schulen und Mitglied der European Democratic Education Community. Die SchülerInnenschule war 1995 Gastgeberin der International Democratic Education Conference.
Bereich Musik Siebzehn Proberäume werden von rund vierzig Musikgruppen und weiteren Einzelmusikern aller Musikrichtungen genutzt. Zu diesem Bereich gehört auch ein offenes Tonstudio.
Bereich Tanz/Theater/Performance In drei Trainingsräumen arbeiten hier etwa 60 Künstler und Gastkünstler.
Bereich Werkstätten In diesem Bereich arbeiten achtzehn Gruppen und viele Einzelkünstler in zwölf Werkstätten und neun Ateliers. Es wird sowohl interdisziplinär experimentiert als auch traditionell handwerklich gearbeitet. Es gibt u. a. Werkstätten für Buch- und Papiergestaltung, Bildhauerei, Tiefdruck, Holz, Metall, Keramik, Fahrrad, Motorrad, Leder und Textil sowie ein Fotolabor.
Sonstige Institutionen im WUK Im Gebäude des WUK untergebracht, aber nicht zum Verein WUK gehörend, sind das Café-Restaurant Statt-Beisl, die FZ Bar und das Kommunikationszentrum für FrauenLesbenMigrantinnen und Mädchen, welches auch als FZ (Frauen-Zentrum) bekannt ist. Das FZ ist seit dem Zeitpunkt der Besetzung der „Immobilie WUK“ eine zweite Bestandsnehmerin neben dem WUK und ist auf der Stiege 6 verortet. Es ist ein eigener, autonomfeministischer, öffentlicher, politischer Raum für Frauen und eines der ältesten Frauenzentren in Europa.Die Kurzfassung der Geschichte des FZ ist auf dem Blog des feministischen FRAUENSTREIKs nachzulesen.
Geschichte mini|WUK (2011) „Lokomotivfabrik“ Der Gebäudekomplex des WUK, die Maschinenfabriken in Wien-Alsergrund, waren anfangs eine Lokomotivfabrik, die im Jahr 1855 vom Schlosser und Industriepionier Georg Sigl (1811–1887) auf dem damaligen Michelbeuern’sche Grund errichtet wurde. An der Währinger Straße gelegen ließ sich der Direktor, wie es den frühindustriellen Gepflogenheiten entsprach, einen Repräsentations- und Wohntrakt errichten. Ab 1861 war Sigl auch Eigentümer der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik.
1873 musste er in der Folge des Börsenkrachs seine Wiener Neustädter Fabrik verkaufen und Teile der Wiener Fabrik untervermieten, wie zum Beispiel an die Elektrofabrik Kremenetzky und andere Unternehmen. Die Produktion wurde auf allgemeinen Maschinenbau umgestellt. Umgesetzt wurden nun Projekte der damaligen Wiener Hochkultur, wie zum Beispiel die Bühnenmaschinerie für die Wiener Staatsoper und Eisenkonstruktionen für die Votivkirche.
Lehr- und Forschungsbetrieb 1884 zog das Technologische Gewerbemuseum (TGM), von Wilhelm Exner initiiert und vom niederösterreichischen Gewerbeverein unterstützt, in die ehemalige Fabrik ein. Im Jahr 1905 übernahm der Bund das TGM, da der Gewerbeverein den Unterhalt der Ausbildungsstätte nicht mehr finanzieren konnte. 1933 wurde die umfangreiche technische Sammlung des TGM in das Technische Museum übersiedelt.
Aufgrund der in den 1970er Jahren geburtenstarken Jahrgänge, dem sogenannten „Bildungsboom“ und der überdies mittlerweile überalterten Infrastruktur und technischen Einrichtungen, wurde ein Neubau im 20. Wiener Gemeindebezirk Brigittenau beschlossen. In den Jahren 1979/80 war das neue Schulgebäude fertig und das TGM übersiedelte.
1970er Jahre Von den Besetzungen als Wendepunkt … Amerlinghaus Die Stadtentwicklung der 1970er war geprägt von einer Abriss- und Neubaupolitik. Anfang der 1970er sollten großflächig Ensembles des Spittelbergs abgetragen und an deren Stelle Gemeindebauten errichtet werden. Bürgerproteste verhinderten das vorerst und der Spittelberg wurde 1973 unter Schutz gestellt. Die nun im Eigentum der Gemeinde Wien stehenden Gebäude waren in desolatem Zustand, eine Renovierung des Stadtviertels war angekündigt. Im Sommer 1975 kam es zur Besetzung des Amerlinghauses durch Anrainer aus der Nachbarschaft und einer Gruppe von Architekturstudenten und Künstlern. Sie forderten von der Stadt Wien, ein Kommunikations- und Kulturzentrum zu ermöglichen und zu finanzieren, das mit einem Konzept der Selbstverwaltung betrieben werden sollte. Nach langen Verhandlungen mit den verantwortlichen Politikern rund um Kulturstadträtin Gertrude Fröhlich-Sandner und dem Akzeptieren einiger Auflagen, wurde drei Jahre nach der Besetzung im Frühjahr 1978 dem Verein Kulturzentrum Spittelberg das frisch renovierte Haus übergeben.Heinz Fassmann, Gerhard Hatz, Walter Matznetter (Hrsg.): Wien – Städtebauliche Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungen. Böhlau, Wien 2009, ISBN 3-205-78323-9, S. 169 ff. (google books?id=1c1OYMaOTF0C&pg=PA169).akin Presseaussendung: Krise braucht Kultur. Das Kultur- & Kommunikationszentrum Spittelberg (Amerlinghaus) geht auf die Strasse, um nicht zusperren zu muessen!, 20. April 2010. Abgerufen am 30. Mai 2010.
Arena Mitte der 1970er begannen Planungen, nach denen der Wiener Naschmarkt einer Autobahn weichen und als künftiger Großmarkt an den Stadtrand übersiedelt werden sollte. Das Spittelbergviertel war zwar seit 1973 unter Schutz gestellt, verfiel zusehends weiter (siehe oben). Andererseits fehlten in Wien Orte für die Alternativ- und Gegenkultur, die nicht der Hochkultur zuzurechnen waren und fehlte es an ganzjährig betriebenen alternativen Jugendkulturzentren.
Die Arena gab es seit 1970 und war im ursprünglichen Sinn eine Veranstaltungsreihe der Wiener Festwochen. Im Jahr 1975 wurde erstmals der Auslandsschlachthof, Teil des aufgelassenen Schlachthof St. Marx, als Arena bespielt. Nach Willen der Wiener SPÖ sollte der Auslandsschlachthof von der Stadt Wien an die Textilkette Schöps übertragen werden. 1976 fanden Architekturstudenten der Klasse Peichl die bereits vorliegenden Abbruchpläne.
Am Abend des 27. Juni 1976, dem letzten Veranstaltungstag der Festwochen, wurde in der Arena das Musical Schabernack der Gruppe Misthaufen aufgeführt, das sich mit dem geplanten Autobahn-statt-Naschmarkt-Projekt auseinandersetzte. Nach dem Musical verteilten die Architekturstudenten Flugblätter mit der Parole „Der Schlachthof darf nicht sterben.“, und die Besucher wurden aufgefordert zu Bleiben.
Zur gleichen Zeit wie die Veranstaltung in der Arena wurde an anderer Stelle des Schlachthofgeländes mit einem „Fest gegen die Schleifung des Naschmarkts“ demonstriert. Die auftretenden Gruppen Schmetterlinge rund um Willi Resetarits und Beatrix Neundlinger und Keif riefen nach ihren Konzerten ihr Publikum auf, in die Arena zu übersiedeln. Was als Rettungsaktion für den Naschmarkt begann, ging in die Besetzung der Arena über, die bis in den Herbst (1976) andauerte. Wiederum war es an Kulturstadträtin Fröhlich-Sandner eine Lösung zu finden, die den „jungen Menschen die Chance geben [wollte], sich selbst zu verwirklichen“, andererseits aber die Interessen der Stadt Wien mit aufrechten Verträgen mit der Textilkette Schöps und einer Tiefkühlfirma einzuhalten.
Die zwei Bürgerinitiativen zur Rettung des Naschmarktes und zur Rettung des Spittelberges brachten eine Art Trendwende in die Stadtpolitik. Mit einem Kompromiss im Gemeinderat wurde der Naschmarkt in der Form, wie er heute noch besteht, gerettet. Die Arena als selbstverwaltetes Kulturzentrum musste aber weichen und wurde ein Jahr später im kleineren Inlandsschlachthof angesiedelt. An die früheren Erfolge konnte nicht mehr angeknüpft werden.
Die Besetzung der Arena, die an diesem Abend des Juni 1976 ihren Anfang nahm, sowie schon ein Jahr zuvor die Besetzung des Amerlinghauses, die den Beginn weiterer Besetzungen und daraus entstehende Selbstverwaltungsbetriebe wie das WUK einläuteten, kamen daher nicht überraschend.
Was geht bzw. angeblich nicht geht, war jedoch nach Amerlinghaus und Arena nicht mehr so klar. In Wien, aber auch darüber hinaus, gab es zahlreiche Projekte, für die im Grunde die Arena die Initialzündung oder den Durchbruch bedeutete. In Wien folgten noch die Hausbesetzung Gassergasse und durch die sogenannten Ägidi-Spalos die Besetzung des Häuserblocks Ägidi-/Spalowskygasse in Mariahilf. Das WUK wurde in diesem Klima der 1970er als selbstverwaltetes Kulturzentrum geschaffen.
… zum WUK Im Jahr 1978, als der Auszug des TGM bevorstand und bereits abzusehen war, dass die Gemeindeparteien die Immobilie „sinnvoll als Grünfläche mit Tiefgarage oder als Wohnhausanlage verplanen“ wollten und der Bund an den Einzug universitärer Institutionen dachte, formierte sich eine Bürgerinitiative um das historische, denkmalgeschützte Ensemble zu erhalten und einer breiten Nachnutzung zugänglich zu machen. So trafen sich unter dem Motto „Rettet das TGM“ Personen aus den Berufsbereichen der Sozialarbeit, Künste, Architektur und Lehrende, dazu Vertreterinnen aus Frauengruppen ebenso wie Studierende und bereits in Pension stehende Personen. Ziel war es, die inhaltlichen und materiellen Voraussetzungen für einen alternativen und autonomen Kulturbetrieb zu schaffen.