Als Maskenaffäre wird ein Komplex von Bestechung, Vorteilsnahme, fachlicher Inkompetenz und Vetternwirtschaft mehrerer Bundestags- und Landtagsabgeordneter der CDU und CSU sowie des damaligen Bundesgesundheitsministers Jens Spahn in den Jahren 2020 und 2021 bezeichnet. Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Deutschland zog das Bundesministerium für Gesundheit unter Jens Spahn (CDU) die Beschaffung von millionen Schutzmasken aus dem COVID-Krisenstab in seine Zuständigkeit. Es kam zu mehreren Vorgängen der freihändigen Auftragsvergabe an Personen aus dem CDU/CSU-Umfeld und der Anschaffung von Masken zu überhöhten Preisen durch Landesministerien und dem Bundesministerium für Gesundheit. Die Bundesrepublik hatte 2020 in der Amtszeit von Gesundheitsminister Jens Spahn 5,8 Milliarden Schutzmasken für 5,9 Milliarden Euro gekauft. Ein großer Teil der Masken blieb ungenutzt und musste später entsorgt werden.

Die Vorgänge wurden regelmäßig als Korruption bezeichnet und heftig kritisiert, darunter von Transparency International. Als Reaktion auf die Affäre kam es zu Rücktritten und Parteiaustritten, weiterhin zu einem Fallen der Umfragewerte beider Parteien im März 2021 und Niederlagen der CDU bei zwei Landtagswahlen (jeweils historisch schlechtestes Ergebnis in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz).

Die strafrechtlich beschuldigten Politiker wurden in einem Gerichtsverfahren freigesprochen, da deren Vorgehen nicht durch den StGB (Bestechlichkeit und Bestechung von Mandatsträgern) erfasst und somit legal war. Einzig Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, wurde im Dezember 2023 wegen Steuerhinterziehung in dem Zusammenhang verurteilt. Im April 2024 beschloss der Bundestag mit Mehrheit der Ampel-Parteien eine Gesetzesänderung, durch die eine Interessenwahrnehmung durch Mandatsträger mittlerweile unzulässig ist und mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft wird.zeit.de, abgerufen am 27. April 2024. Der neue StGB (Unzulässige Interessenwahrnehmung) trat am 18. Juni 2024 in Kraft.

Im April 2025 kam ein Untersuchungsbericht der vom BMG beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu dem Schluss, dass das Gesundheitsministerium auch 2025 keinen Überblick über Kosten und Risiken der Maskenkäufe aus der Coronazeit habe. Als ein Grund wurde festgestellt, dass im Gesundheitsministerium keine Expertise für Wirtschaft vorhanden war. Untersucht wurde auch die Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium und den Beratungsfirmen Deloitte und EY.

Zur politischen Aufarbeitung schlug die Bundesregierung unter Friedrich Merz eine Enquête-Kommission vor, während die Opposition von Grünen und Linken einen Untersuchungsausschuss forderte. Im Juni 2025 wurde ein Bericht öffentlich, den das BMG unter der Hausleitung von Karl Lauterbach (SPD) in Auftrag gegeben hatte und in dem die Sonderermittlerin Margaretha Sudhof deutliche Versäumnisse in der Masken-Vergabe schildert. Die amtierende Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ließ den Bericht nur mit vielen geschwärzten Passagen veröffentlichen.

Hintergrund mini|FFP-2-Atemschutzmaske

Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es im Jahr 2020 zu einem erhöhten Bedarf und einer Knappheit von Corona-Schutzausrüstung, insbesondere Atemschutzmasken. Ministerien waren daher auf Lieferungen angewiesen. Die in der Kritik stehenden Vorgänge bezogen sich unter anderem auf Lieferungen an das Bundesgesundheits-, das Innenministerium sowie das bayerische Gesundheitsministerium. Dabei flossen teils Provisionszahlungen in Millionenhöhe. Die Affäre wurde Anfang März 2021 durch Recherchen des Spiegel publik. Im Mittelpunkt der Affäre standen mutmaßliche Handlungen von Unionspolitikern für die Vermittlung von Atemschutzmasken. Im Zuge der Berichterstattung wurden zudem Verflechtungen von Unionsabgeordneten mit Aserbaidschan sowie Taiwan öffentlich, die zwar in keinem direkten, aber übergreifenden Zusammenhang zur Maskenaffäre stehen. Teilweise wurden auch Bezüge zur kurz zuvor öffentlich gewordenen Lobbyismusaffäre von Philipp Amthor gezogen.

Die Ausübung von Nebentätigkeiten ist Abgeordneten nicht untersagt; sie ist veröffentlichungspflichtig. Auch die Vermittlung von Kontakten ist durchaus als Teil des Mandates zu verstehen. So wurden etwa bereits Anfang 2021 Berichte publik, die Schweizer Firma Emix Trading GmbH der Jungunternehmer Jascha Rudolphi und Luca Steffen habe Masken überteuert und häufig qualitativ minderwertig an die Gesundheitsministerien in Nordrhein-Westfalen und in Bayern geliefert. Das Bundesgesundheitsministerium schloss einen Vertrag in Höhe von mindestens 300 Millionen Euro ab. Vermittelt wurde dies unter anderem durch persönlichen Einsatz von Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler, bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Kritisiert wird, dass in diesen Fällen persönliche oder finanzielle Vorteile entstanden und dass über Firmengeflechte keine Transparenz herrsche. Ob tatsächlich strafrechtliches Verhalten vorliegt, war im April 2021 unklar. Mehrere Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet. Die Vorwürfe richten sich vorwiegend gegen Jens Spahn (CDU), Armin Laschet (CDU), Georg Nüßlein (parteilos, bis März 2021 CSU), Nikolas Löbel (parteilos, bis März 2021 CDU), Mark Hauptmann (parteilos, bis März 2021 CDU), ebenfalls verwickelt in die Aserbaidschan-Affäre, Niels Korte (CDU), Alfred Sauter (CSU) und Melanie Huml (CSU), sowie diesen Personen nahestehende Unternehmen. Beschuldigt wurden auch der CSU-nahe Unternehmer Thomas Limberger sowie Andrea Tandler, Tochter des ehemaligen CSU-Ministers und Generalsekretärs Gerold Tandler. (zu den Vorwürfen gegen Nüßlein, Sauter und Tandler siehe unten)

Beteiligte Akteure CSU Georg Nüßlein Ausgangspunkt der Affäre waren Zahlungen, die der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein erhielt. Ende Februar 2021 wurde die Immunität Nüßleins aufgehoben. Über seine Beraterfirma Tectum Holding GmbH soll Nüßlein für die Vermittlung von Schutzausrüstung 660.000 Euro Provision erhalten haben. Das Geld soll laut Spiegel-Angaben über das Liechtensteiner Konto der in der Karibik ansässigen Offshorefirma Pluto FundFirmenprofil Pluto Fund Limited, Saint Vincent and the Grenadines Abgerufen am 16. Januar 2023. geflossen sein, die dem Unternehmer Thomas Limberger gehört. Vereinbart waren Zahlungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro an die Firma Pecom GmbH, die Sauters Kindern gehört. Nachdem eine Liechtensteiner Bank die Zahlungen stoppte und der Finanzaufsicht Financial Intelligence Unit mitteilte, die den Sachverhalt wiederum der Generalstaatsanwaltschaft München meldete, gelangten die Vorgänge an die Öffentlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt waren Medienberichten zufolge bereits 10 Millionen Euro an fünf Personen geflossen, darunter neben dem Bundestagsabgeordneten Nüßlein auch an den CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter. Insgesamt hätte die Gruppe um die beiden Abgeordneten 11,5 Millionen Euro Provision erhalten sollen; die letzte Tranche entfiel nach der Meldung an die Finanzbehörden.

Mit dem 25. März 2021 wurde der Unternehmer Thomas Limberger für zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen. Erlassen wurde der Untersuchungshaftbefehl durch das Oberlandesgericht München auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft; Grund sei nach Informationen der Augsburger Allgemeinen neben dem Verdacht der Bestechung von Mandatsträgern Fluchtgefahr. Weiterhin wurden vermögenssichernde Maßnahmen ergriffen.

Alfred Sauter Über das Firmengeflecht von Limberger sollen auch die Provisionen an den CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter geflossen sein. Aus Kreisen von Kennern des Falles heißt es laut der Süddeutschen Zeitung vom 18. März 2021, 1,2 Millionen Euro seien bereits versteuert worden, allerdings nicht von Sauter selbst. Ermittelt werde daher auch wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung; nach Ansicht der Ermittler hätte Sauter die Umsatzsteuer abführen müssen. Dies jedoch habe Sauters schwäbischer Parteifreund Nüßlein übernommen. Unklar sei der Verbleib des Geldes. Sauter hatte am 17. März 2021 in einer nichtöffentlichen Fraktionssitzung erklärt, das Geld sei gespendet worden, abzüglich Steuern. Das werfe Fragen auf, von wem, wann und an wen angeblich etwa 600.000 Euro gespendet worden seien. Sauter versicherte, von der Provision nichts gewusst zu haben. Recherchen der Augsburger Allgemeinen zufolge spendete Sauter einen Betrag in Höhe von 450.000 Euro an die Bürgerstiftung Landkreis Günzburg, deren damaliger Stiftungsratsvorsitzender Manfred Krautkrämer war, zu jener Zeit auch Schatzmeister der Günzburger Kreis-CSU und Treuhänder der Firma Pecom GmbH, über die Gelder an Sauter geflossen sein sollen. In Günzburg war Georg Nüßlein JU-Kreisvorsitzender und Mitglied des Kreistags. Das Geld wurde vom Oberlandesgericht München im Rahmen der Ermittlungen gegen Thomas Limberger sichergestellt.

Am 3. April 2021 wurde bekannt, dass Sauter 300.000 Euro von dem Antigen-Schnelltest-Hersteller GNA Biosolutions erhalten habe und daraufhin beim Büro des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder für dessen Sonderzulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geworben habe. Ebenfalls im April 2021 verfügte das Oberlandesgericht München einen Vermögensarrest gegen Sauter in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro.

Andrea Tandler Im Januar 2021 wurde bekannt, dass Andrea Tandler im Jahr 2020 einen Großauftrag von Masken für die Schweizer Firma Emix an deutsche Ministerien vermittelt hatte. Insgesamt hatte der Auftrag ein Volumen von mehr als 670 Mio. Euro. Die Vermittlung an Gesundheitsminister Jens Spahn erfolgte über Monika Hohlmeier, CSU-Europaabgeordnete und Tochter von Franz Josef Strauß. Während Hohlmeier dabei nichts verdient haben soll, soll Andrea Tandler über die mit ihrem Geschäftspartner unterhaltene PR-Firma Little Penguin eine Provision in Höhe von 5 bis 7,5 % erhalten haben, etwa 34 bis 51 Millionen Euro. Ein Großteil dieses Geldes soll tatsächlich an sie geflossen sein.

Die mit Steuergeld bezahlten Masken, die sowohl an den Bund als auch einzelne Bundesländer gingen, sollen dabei deutlich teurer gewesen sein als andere Masken. So gab das Bundesgesundheitsministerium für diese Masken 5,58 Euro pro Stück aus. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis aller vom Gesundheitsministerium gekauften Masken (2,31 Euro/Stück). Bayern zahlte für die von Tandler vermittelten Masken mit 8,90 Euro pro Stück deutlich mehr als bei allen anderen Aufträgen, bei denen die Preisspanne zwischen 3 und 5,99 Euro lag, während Nordrhein-Westfalen sogar 500.000 Masken im Wert von 9,90 Euro abnahm. Die Süddeutsche Zeitung kalkulierte, dass bei einem Gesamtwert von ca. 683 Mio. Euro rund 250 Mio. Euro Gewinn für die Firma Emix angefallen sein könnten, was eine „Gewinnspanne von offenbar deutlich über 30 Prozent, oder vielleicht sogar noch mehr“ ergebe, und konstatierte, dass eine solch hohe Gewinnspanne nicht normal sei.