mini|Zum modernen amerikanischen Brauchtum zählt das Aufhängen von dekorativen Kränzen an der Haustür, besonders in der Advents- und Weihnachtszeit. Das Design und der Einbaukontext von Haustüren sind in den Vereinigten Staaten von der besonderen Geschichte der Wohnarchitektur dieses Landes geprägt.
Geschichte Haustüren sind in den Vereinigten Staaten in ihrer großen Mehrzahl Haustüren von Einparteienhäusern, denn der Anteil der Bevölkerung, die in solchen Häusern lebt, beträgt dort etwa 70 %; mehrheitlich handelt es sich um das eigene Haus. Die übrigen leben in Wohnungen oder Zimmern, die in Mehrparteienhäusern oder Kollektivunterkünften liegen.
Indianische Architektur Die Eingänge der traditionellen Behausungen der nordamerikanischen Indianer – von den Langhäusern der Völker des Nordostens bis hin zu den Lehmbauten der Puebloindianer – wurden zur Wärmeregulierung meist durch aufgehängte Matten oder Tierhäute verschlossen.
Kolonialzeit Türen europäischen Stils – gezimmerte Anschlagtüren – fanden erst mit den europäischen Siedlern (ab 1706) Verbreitung. Dabei bestand von Anfang an die Tendenz, die Haustür auf der Traufseite zu platzieren, die meist auch der Straße zugewandt war. In den südlichen britischen Kolonien, deren Klima einen häufigen Aufenthalt im Freien begünstigte, befand sich an dieser Eingangsseite des Hauses oft eine breite Veranda. In den spanischen Kolonien waren Häuser stattdessen oft durch mehrere Hauseingänge erschlossen.
In den britischen Kolonien, in denen die mittelalterlichen Bautraditionen fortwirkten, waren die Haustüren zunächst meist aus vertikal angeordneten Brettern zusammengezimmert (batten doors); in Nieuw Nederland waren doppelschlägige Türen die Regel. Beim Hausbau dominierte in den Kolonien von Anfang an die aus England mitgebrachte Holzrahmenbauweise.
Da die große Mehrzahl der Häuser nicht mehr als zwei Räume hatte (Hall and Parlor), führte die Haustür meist nicht in ein Entrée oder einen Hausflur, sondern direkt in einen Wohnraum – eine Tradition, die in den USA bei kleineren, volkstümlichen Häusern (Minimal- und Fertighäusern), aber etwa auch bei den meisten Craftsman-Häusern bis heute fortbesteht. Gelegentlich erfolgte der Zugang zum Haus jedoch durch einen geschlossenen kleinen Vorbau (Porch chamber).
Zu den ganz wenigen Haustüren, die aus dem 17. Jahrhundert erhalten geblieben sind, zählt die des John Sheldon House in Deerfield, Massachusetts, die heute von der Pocumtuck Valley Memorial Association wegen der Rolle kuratiert wird, die sie in einem indianischen Angriff auf Deerfield im Jahre 1704 gespielt hat. Es handelt sich um eine zweilagige Plankentür mit vertikal ausgerichteten Brettern außen und horizontal ausgerichteten Brettern innen; zusammengehalten werden beiden Lagen durch schmiedeeiserne Nägel, die in diagonalen Reihen eingeschlagen sind. Dies entspricht der Türkonstruktion in mittelalterlichen englischen Häusern.
Klassizismus: Die Haustür im Zentrum
Die u. a. durch Thomas Jefferson geförderte traditionelle Sympathie der amerikanischen Nation mit der griechischen Polis und der Römischen Republik hat dazu geführt, dass in den USA vom 18. Jahrhundert an das Vorbild der antiken Architektur unvergleichlich viel präsenter war und teilweise bis heute ist als etwa im deutschsprachigen Raum. Die Haustür befindet sich hier stets im Zentrum der Fassade und ist sehr prominent dargestellt.
Die in diesem Abschnitt behandelten Haustürformen wurden in den britischen Kolonien und in den jungen Vereinigten Staaten von einflussreichen Architekten, die für wohlhabende Bauherren arbeiteten, als zeitgemäße und distinguierte Neuerungen eingeführt, breiteten sich von dort – meist in Schwundformen – mit mehr oder weniger großer zeitlicher Verzögerung aber bis ins volkstümliche Bauen aus.
Traufseitige Fassaden und Haustüren: Kolonialarchitektur Georgianischer Stil mini|Zwei beim Georgianischen Stil weit verbreitete Haustürformen: links mit dreieckiger, rechts mit flachbogenförmiger Bekrönung Im 18. Jahrhundert gelangten aus England erstmal akademische – d. h. nicht volkstümliche, sondern von gelehrten Architekten vertretene – Baukonzepte in die britischen Kolonien. Die erste davon war die Georgianische Architektur (1700–1780), die dem Vorbild Andrea Palladios folgte und deren Programm Colen Campbell einschlägig in seinem Werk Vitruvius Britannicus (1715–1725) vorgestellt hat.
Die Haustür rückte hier in die Mitte der streng spiegelsymmetrisch ausgerichteten und von zahlreichen antikisierenden Stilelementen geprägten Fassade, wobei es sich bei dieser Fassade meist um die Traufseite handelte. An die Stelle der Plankentüren traten Paneeltüren; der Türrahmen imitierte mit einem Architrav und seitlichen Pilastern Elemente der klassischen Säulenordnung. Gelegentlich wurde zwischen Bekrönung und Tür eine niedrige Reihe rechteckiger Glasscheiben eingefügt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts traten an die Stelle der Pilaster in etwa der Hälfte der Fälle stärker ausgearbeitete oder vollständig skulpturierte Säulen, und die Architrave konnten zur Bedachung eines kleinen Portikus anwachsen.
Der Grundriss, der mit diesem Stil eng verbunden war, ist die Classical Box: ein zweigeschossiges Haus, das zwei Räume tief und drei Räume breit war. Die Haustür führte stets in den mittleren Bereich, der entweder einen bis zur Rückseite durchgehenden Flur (transverse hall) oder – bei repräsentativeren Bauten – vorn ein Vestibül (front hall) enthielt, dem sich hinten ein Treppenhaus anschloss.
Federal Style mini|Drei beim Federal Style weit verbreitete Haustürformen Mit der Ablösung des Georgianischen Stils durch den Federal Style (auch: Adams-Stil) (1780–1820), die nach der Unabhängigkeit und Gründung der Vereinigten Staaten zunächst vor allem bei öffentlichen Gebäuden Verbreitung fand, bald aber auch im Hausbau kopiert wurde, wurde die Erscheinung der Haustür weiter gesteigert. Ihr wurde nun, und zwar im Kontext eines Höherbauens der Erdgeschossräumlichkeiten, ein halbkreis- oder halbellipsenförmiges Oberlicht (fanlight) aufgesetzt. Die Halbkreisform geht auf den Einfluss von Robert Adam zurück (Bingham Mansion, Philadelphia, 1788; The Woodlands, Philadelphia, 1790), während Charles Bulfinch später die Halbellipsenform durchsetzte. Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurden die Oberlichter durch Seitenlichter ergänzt. Dagegen wurde es unüblich, Glasscheiben in das Türblatt selbst einzusetzen.
Ein von Bulfinch 1792 für Joseph Barrell entworfenes Haus hatte an der Gartenseite einen eindrucksvollen Portikus mit halbkreisförmigem Grundriss, der Samuel McIntire inspirierte, 1793 erstmals auch einen Hauseingang mit halbkreisförmigem Portikus vorzuschlagen. Andere Architekten haben diese Idee dann vielfach aufgegriffen.
Giebelseitige Fassaden und Haustüren: Early Classical Revival und Greek Revival mini|Das Morris-Jumel Mansion (1765) wurde ein weiteres wichtiges Vorbild für den Early-Classical-Revival-Stil.
Wichtigster Ausgangspunkt für den frühen amerikanischen Klassizismus, das Early Classical Revival (1770–1830), war die von Jefferson selbst entworfene Villa Monticello bei Charlottesville, Virginia. Das von Andrea Palladios La Rotonda inspirierte Wohnhaus besitzt zwei hohe Portiken, von denen die erste den Eingangsbereich bildet, während die zweite, zum Garten gelegene (Abbildung) den Wohnraum nach außen erweitert. Von 1790 an wurde ein Portikus zur Regel.
Grundlegend für den amerikanischen Klassizismus ist eine Drehung des Hauses: Statt der Traufseite, die in der Kolonialzeit die Hauptfassade bildete, wird dem Betrachter nun eine Giebelseite zugekehrt. Mit der Fortentwicklung des Early Classical Revival wuchs der Portikus stetig weiter und schwoll auf dem Höhepunkt dieser Periode oft zu einem mächtigen, zweigeschossigen Säulenvorbau an. Vorbild waren die antiken Tempel. Der Banker Nicholas Biddle ergänzte seinen Wohnsitz Andalusia 1834–1836 um ein vierseitiges Peristyl. Die Idee wurde mehrfach kopiert, wobei die Säulenreihen dann jedoch meist auf die Giebelseiten beschränkt blieben. Insbesondere bei den prätentiösen Beispielen ging bei der Steigerung der Formen ins Extreme die Treue zu den antiken Vorbildern jedoch oft verloren.
mini|Drei typische Greek-Revival-Haustüren Im Laufe des 19. Jahrhunderts gerieten die Schwulstformen wieder außer Mode; die elaborierten Haustüren – mit ihren Ober- und Seitenlichtern, ihren Pilastern und Architraven – blieben, ebenso wie das antikisierende Bauen insgesamt, jedoch unvermindert beliebt. Die letzte Stilrichtung, bei der große antikisierende Portiken überhaupt noch vorkamen, war der Greek-Revival-Stil (1825–1860).
Rückkehr zu traufseitigen Fassaden und Haustüren: Colonial Revival, New Traditional und Millenium Mansion mini|hochkant|Haustür mit Sturmtür in einem New-Traditional-Haus. Die eigentliche Haustür öffnet sich nach innen.
Der erst Jahrzehnte später folgende Colonial-Revival-Stil (1880–1955) knüpfte nicht an den Klassizismus, sondern an die Architektur der britischen Kolonialzeit an. Der Portikus ist hier – wenn er nicht ganz entfällt – nicht viel mehr als eine auf Säulen ruhende Eingangsbedachung; besonders in den volkstümlicheren Beispielen sind Pilaster und Architrave eher angedeutet als exakt ausgearbeitet. Eine Wiederauflage erlebte dieser Stil ab 1935 mit dem New Traditional Style, der mit der Suburbanisierung der Vereinigten Staaten zusammenfiel, einer nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vollzogenen radikalen Umformung des Siedlungswesens. Eine Besonderheit der Haustür bei diesem Stil – ebenso wie bei anderen volkstümlichen Bauformen der Zeit – ist eine nach außen öffnende Sturmtür, die vor der nach innen öffnenden Haupttür installiert ist, oft mit der Folge, dass die eigentliche Tür von außen kaum zu sehen ist. In anderen Fällen ist die Sturmtür selbst antikisierend gestaltet. Eine zweite Wiederauflage des Colonial Revival folgte um 2000 mit dem Millenium Mansion, einem neuen Typus von massenhaft gefertigten Vorstadthäusern mit Villenanmutung.
Rein funktional büßt die Haustür in den Vereinigten Staaten von den 1930er Jahren an dadurch etwas an Bedeutung an, dass den Häusern nun Garagen angebaut werden, aus denen ihre Bewohner direkt ins Haus gelangen. Die eigentliche Haustür dient seitdem oft nur noch dem Empfang von Besuchern.
Andere historistische Formen Die romantische (1825–1885), die viktorianische Zeit (1852–1870) und der eklektizistische Historismus (1880–1940) beschwerten der Wohnarchitektur im 19. und 20. Jahrhundert eine neue Vielfalt der Baustile, für die jeweils eigene Fenster- und Haustürformen entwickelt wurden. Da die antikisierenden Standardtüren als Massenware bequem und preiswert verfügbar waren, während die neuen Stilrichtungen oftmals teure Spezialanfertigungen erforderten, finden sich zahllose Beispiele, bei denen ohne Rücksicht auf stilistische Konsistenz auch bei den neuen Baustilen klassizistische Haustüren verbaut wurden.
Mit Ausnahme des Italiante- und des Second-Empire-Stils (symmetrische und asymmetrische Fassaden möglich) waren diese Stile regelmäßig mit asymmetrischen Grundrissen und asymmetrischen Fassaden verbunden, sodass die Haustür, anders als bei den antikisierenden Baustilen, meist nicht mehr im Achspunkt liegt.
Hier eine Übersicht über authentische Haustürformen für die einzelnen Baustile: