mini|Defensionskaserne der Zitadelle Cyriaksburg in Erfurt, Sitz des Deutschen Gartenbaumuseums

Das Deutsche Gartenbaumuseum befindet sich in Erfurt in der historischen Defensionskaserne der Zitadelle Cyriaksburg auf dem Gelände der Erfurter Gartenbauausstellung Egapark und ist auch nur mit dessen Eintrittskarte erreichbar. Der reguläre Museumsbetrieb pausiert im Winter. Das Museum zählt jedes Jahr über 40.000 Besucher und wird jährlich mit fast einer Million Euro vom Land gefördert.

In seinen Ausstellungen und Workshops, bei Vorträgen und Führungen können sich die Besucher über das Verhältnis Mensch – Pflanze – Umwelt von seinen Anfängen bis in die Zukunft informieren. Dabei werden die Themen zwei Bereichen zugeordnet: Erwerbsgartenbau und Landschaftsbau. Der Bereich Erwerbsgartenbau behandelt den gewerbsmäßigen Anbau von Lebensmitteln wie Äpfeln, Tomaten und Kohl sowie von Zierpflanzen und Bäumen. Der Bereich Landschaftsbau umfasst die Gestaltung von Grünflächen und kann dabei ästhetische, soziale oder ökologische Ziele verfolgen. Für die Workshops und andere Bildungsangebote stehen ein Kräutergarten, Hochbeete und Gewächshäuser zur Verfügung.

In der museumseigenen App Garten+ sind aktuelle Informationen zu Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote zu finden. Außerdem ist eine virtuelle Besichtigung der Veranstaltungsräume und der Außenanlage möglich. Vor Ort im Museum leitet die App durch die neue Dauerausstellung. Sie ist mit Scanpunkten verknüpft, die Filme, Hörspiele und weitere Informationen rund um aktuelle Themen wie Biodiversität und nachhaltigen Konsum bieten. Dafür stellt das Museum ein freies WLAN zur Verfügung.

Geschichte Teile des Festungsgeländes wurden 1885 auf Initiative des Erfurter Verschönerungsvereins in eine Gartenanlage umgestaltet. Die Stadt Erfurt erwarb 1919 die Zitadelle Cyriaksburg und das Gelände, die sie für Ausstellungen und mehrere Gartenschauen nutzte. Das Gartenbaumuseum wurde 1961 gleichzeitig mit der I. Internationalen Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder eröffnet.

Im Jahre 1992 wurde eine Neukonzeption des Museums beschlossen. Verbunden damit waren Umbau und weiterer Ausbau unter Leitung des Architekten Peter Kulka. Seit 1995 ist die Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt Trägerin des Museums, hinter der der Freistaat Thüringen, die Stadt Erfurt und der Zentralverband Gartenbau e.V. stehen. Die damalige Dauerausstellung Die ganze Welt im Garten befasste sich mit der Geschichte des Gartenbaus und der Gartenkunst der Biologie der Pflanzen sowie modernen Techniken zu ihrer Züchtung, dem Anbau und der Vermarktung.Die ganze Welt im Garten. Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt, Museumsführer, 2003

Ende 2016 wurde eine Aktualisierung und Sanierung des Deutschen Gartenbaumuseums beschlossen. Ziel war, das Museum attraktiver, nachhaltiger und barrierefrei zu gestalten. Insgesamt standen dem Deutschen Gartenbaumuseum knapp 6,6 Mio. Euro zur Verfügung. Damit wurde die Dauerausstellung vollständig überarbeitet, die Außenanlagen und Haustechnik erneuert, die Energieeffizienz verbessert sowie das historische Gebäude nahezu barrierefrei gemacht. Gefördert wurde das Vorhaben von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien im Rahmen der Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Deutschland, dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, der Thüringer Aufbaubank im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft und dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Zur Unterstützung des Museums wurde vor einigen Jahren ein Förderverein gegründet.

65-jähriges Jubiläum des Gartenbaumuseums 2026 Das Jahr 2026 steht im Zeichen des 65-jährigen Jubiläums, das mit dem gleich langen Jubiläum des Egaparks unter dem Motto „Der egapark 1961 bis 2026“ zusammenfällt.

Das Deutsche Gartenbaumuseum bietet wie der Park Sonderveranstaltungen an: Chernobyl Herbarium von Anaïs Tondeur (26. April bis 21. Juni 2026) Die iga in der DDR. Geschmack und Impulse (23. April bis 11. Oktober 2026) auf der Landesgartenschau Leinefelde-Worbis 2026 iga*61. Die DDR durch die Blume (15. August 2026 bis 13. Juni 2027)

Einrichtungen

Dauerausstellung Die im Jahr 2022 neu eröffnete Dauerausstellung Garten! Vom Paradies ins Einkaufsregal beleuchtet auf rund 1.500 m² Ausstellungsfläche das Verhältnis von Mensch und Natur im Zusammenhang mit Ernährung, Medizin und Klimaschutz. Auf dem Rundgang werden die vielfältigen Themen unter anderem digital und spielerisch vermittelt. Beispielsweise berichten in einer digitalen Ahnengalerie Persönlichkeiten des Gartenbaus ihre Geschichte, und eine kinetische Pflanze veranschaulicht die Bedeutung der Fotosynthese. Das sogenannte Shoppingregal in der Dauerausstellung zeigt die Vielfalt der Produkte des Gartenbaus. Im Oktober 2022 hat die Dauerausstellung den renommierten Red Dot Design Award erhalten. Diverse Hörstationen und Do-it-yourself-Projektangebote insbesondere für Kinder ergänzen die statische Ausstellung.

Die Sammlung des Museums umfasst unter anderem historische Gartengeräte, eine Grafiksammlung sowie über 400 Pappmaché- oder Gipsnachbildungen von Obstsorten aus dem 19. Jahrhundert.

Sonderausstellungen Im Untergeschoss befindet sich seit 2023 die ehemalige Sonderausstellung Kultiviert – Ein Jahrtausend Gartenbau in Erfurt, die mittlerweile in die Dauerausstellung integriert wurde. Die Ausstellung widmet sich der wechselvollen Geschichte des Gartenbaus in Erfurt. Diese wird in verschiedenen Räumen zu den Themen Mittelalter bis Beginn der Industrialisierung, Gartenbau bis 1945 und Gartenbau 1945 bis heute vorgestellt. Neben Färberwaid und Christian Reichart, als die bekannten Leuchttürme des Erfurter Gartenbaus im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, werden auch der Anbau von Wein, Obst und Gemüse in Erinnerung gerufen. Die Leistungen privater und volkseigener Gartenbaubetriebe zwischen 1945 und 1990 sind bisher wenig beschrieben. Ihre Leistungen werden in der Sonderausstellung gewürdigt und daneben der heutige Gartenbau in Erfurt veranschaulicht. Die Sonderausstellung wurde von den Freunden der Bundesgartenschau Erfurt 2021 e.V. und dem Förderverein des Deutschen Gartenbaumuseums entwickelt.

Im Zeitraum von März bis Oktober 2023 wurde die Sonderausstellung Objekt sucht Geschichte – Eine Entdeckungsreise zum Mitgestalten gezeigt. Ausgangspunkt waren diverse Objekte, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts ins Deutsche Gartenbaumuseum kamen.

Kriegsbrunnen

Im Untergeschoss ist der Kriegsbrunnen von 1530, der bis 1914 genutzt wurde, über den alten Gewölbegang zugänglich. Oben vor dem Museumsgebäude befindet sich zudem eine Säule, in der man das Bild einer Live-Kamera des Brunnenraums betrachten kann.

Vermietung Es besteht die Möglichkeit, für Tagungen, Feiern, Workshops oder dergleichen Räumlichkeiten zu mieten. Insbesondere der ganzjährig nutzbare Kanonenhof (barrierefrei, 230 m², max. 100 Personen, überdacht, Sonnenschutz, Heizung) bietet dafür ein stilvolles Ambiente.

mini|upright|Beispiel für die Barrierefreiheit: Gewölbegang mit Treppenlift zu den Gewächshäusern Auszeichnungen

Das Deutsche Gartenbaumuseum erhielt für seine interaktive Dauerausstellung „Garten! Vom Paradies ins Einkaufsregal“ im Oktober 2022 in der Kategorie Exhibition Design den renommierten „Red Dot Design Award“, im April 2023 den „German Design Award Special 2023“ und im März 2024 mit dem „iF Design Award 2024“ in der Kategorie Innenarchitektur einen weiteren Design-Preis.

Ihm wurde im Dezember 2025 das Thüringer Qualitätssiegel „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE-Zertifizierung) verliehen. Die Auszeichnung basiert auf nachhaltigen Projekten, praxisnahen Lernformaten mit dem Schwerpunkt nachhaltige Entwicklung und bestätigt qualitativ hochwertige Pädagogik sowie die Bedeutung als außerschulischer Lernort mit Zukunftsorientierung.

Zudem ist es mit dem Qualitäts- und Komfortsiegel für barrierefreies Reisen „Reisen für Alle“ (im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz) ausgezeichnet.

Literatur Harald Bischoff: Geschichte des Deutschen Gartenbaumuseums. In: Martin Baumann, Steffen Raßloff (Hrsg.): Blumenstadt Erfurt. Waid – Gartenbau – iga/egapark. (= Schriften des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt. Band 8). Erfurt 2011, S. 360–381. Alieda Halbersma: Aus kleinen Samen kann Großes wachsen. Zur digitalen Neugestaltung des Deutschen Gartenbaumuseums in Erfurt. In: Museumsverband Thüringen e.V.: Thüringer Museumshefte. Heft 2/2021. Erfurt 2021, S. 61–64 (PDF).

Weblinks

Offizielle Website des Deutschen Gartenbaumuseums Deutsches Gartenbaumuseum. In: egapark-Erfurt.de Deutsches Gartenbaumuseum. In: Erfurt.de Deutsches Gartenbaumuseum. In: Erfurt-web.de 2021 – „Kultiviert – Ein Jahrtausend Gartenbau in Erfurt“. In: Gartenbau-in-Thueringen.de

Einzelnachweise

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