Gitta Nickel (* 28. Mai 1936 in Briensdorf, Kreis Preußisch Holland, Provinz Ostpreußen; † 18. Dezember 2023 in Werder (Havel)) war eine deutsche Filmemacherin. Sie zählte zu den wenigen Regisseurinnen in der DDR. Ab den 1960er Jahren führte sie Regie bei mehr als 60 Dokumentarfilmen, von denen viele auf Festivals liefen und zum Teil Auszeichnungen erhielten.

Leben und Wirken Gitta Nickel wuchs in Briensdorf in Ostpreußen auf, wo ihr Vater Molkereibesitzer war. 1945 zogen sie in den Harz, wo sie ihr Abitur in Blankenburg machte. Danach studierte sie Pädagogik und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und beendete dieses 1957 mit dem Staatsexamen.

Danach wurde Gitta Nickel Regieassistentin beim DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, 1959 dann beim DEFA-Studio für Spielfilme, unter anderem bei Konrad Wolf und Ralf Kirsten.Gitta Nickel DEFA-Stiftung, mit detaillierten biographischen Angaben 1963 wechselte sie zum DEFA-Studio für Wochenschau und Dokumentarfilme als Regieassistentin von Karl Gass, den sie im folgenden Jahr heiratete. 1965 drehte sie mit Wir verstehen uns ihren ersten eigenen Dokumentarfilm über einen deutsch-sowjetischen Kindergarten. Auch in den folgenden Jahren widmete sie sich zunächst vor allem weiteren Themen aus der Sowjetunion. 1970 trennte sie sich von ihrem Ehemann Karl Gass.

Mit ihrem Film Sie (1970) begann Gitta Nickel sich zunehmend dem Leben von Frauen zuzuwenden, von denen sie in den folgenden Jahren weitere porträtierte. Außerdem drehte sie Dokumentarfilme über den Arbeitsalltag in der DDR, einige auch als offizielle Aufragsfilme für die berufliche Weiterbildung. Dabei ließ sie die Porträtierten vor allem selbst zu Wort kommen und verzichtete weitgehend auf eine Kommentierung. Sie drehte auch einige Porträts über Kündtler über Künstler wie Konrad Wolf für das DDR-Fernsehen.

Gitta Nickel war Mitglied der SED., mit biographischen Details. Sie war seit 1969 Jurymitglied beim Internationalen Dokumentarfilmwochen in Leipzig, und 1973 Juryvorsitzende des Internationalen Kurzfilmfestivals in Tampere in Finnland. Seit 1972 gehörte sie dem Vorstand, seit 1977 dem Präsidium des Verbands der Film- und Fernsehschaffenden der DDR an. Von 1980 bis 1984 war sie Präsidentin den Nationalen Dokumentar- und Kurzfilmfestivals in Neubrandenburg.

Das Filmmuseum Potsdam stellte 2016 ihre Preise der Goldenen und Silbernen Tauben vom Dokumentarfilmfestival Leipzig aus, das Zeughauskino in Berlin ehrte sie 2026 zu ihrem 90. Geburtstag mit einer Retrospektive.

Filmografie (Auswahl) 1965: Wir verstehen uns 1967: Sibirien, mein Haus 1968: Lieder machen Leute 1969: Hier und dort 1970: Sie 1971: Palucca / Gret Palucca 1971: Im Märzen der Bäuerin … 1972: Heuwetter – Geschichten aus Hohenselchow 1972 und 1963 1973: Die Söhne der Thai 1974: Paul Dessau 1975: … und morgen kommen die Polinnen (Fernsehfilm) 1976: Das ist einfach mein Leben 1976: Die May 1977: Konrad Wolf (TV-Film) 1980: Verbrennt nicht unsere Erde 1981: Manchmal möchte man fliegen 1982: Gundula, Jahrgang ’58 1984: Renate Holland-Moritz 1986: Wenn man eine Liebe hat... 1987: Wie ein Fisch im Wasser 1988: Zwei Deutsche 1989: Den Wind auf der Haut spüren 1989: Siegfried Matthus 1996: Shalom Genossen 1999: Ich war Bürger der DDR

Auszeichnungen Für Filme (Auswahl)

Einige ihrer Filme erhielten Auszeichnungen auf verschiedenen FestivalsGünter Jordan, Ralf Schenk (Hrsg.), Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–92, Berlin 1996, S. 419 (kurzer Auszug), mit vielen Auszeichnungen (nur einige hier ausgewählt)

1970 Internationale Leipziger Dokumentarfilmwoche, Silberne Taube für Sie 1971 Internationale Leipziger Dokumentarfilmwoche, Goldene Taube für Walter Felsenstein 1972 Internationale Leipziger Dokumentarfilmwoche, Silberne Taube für Heuwetter 1973 Westdeutsche Kurzfilmtage Oberhausen, Preis der Jury des Deutschen Hochschulverbandes und Preis der AID für Heuwetter 1973 Internationale Leipziger Dokumentarfilmwoche, Goldene Taube für Tay Ho – Das Dorf in der 4. Zone 1975 Festival Prag, Preis der Intervision und Preis der Presse für Paul Dessau 1982 Nationales Dokumentar- und Kurzfilmfestival Neubrandenburg, Findlingspreis der Filmklubs für Gundula, Jahrgang 58Wieland Becker, Volker Petzold: Tarkowski trifft King Kong – Geschichte der Filmklubbewegung der DDR. Vistas, Berlin 2001, S. 438.

Persönliche Auszeichnungen 1973: Kunstpreis der DDR 1974: Nationalpreis III. Klasse 1984: Held der Arbeit 1988: Kunstpreis des FDGB für die kontinuierliche und überzeugende Darstellung der Arbeiterklasse im DokumentarfilmBerliner Zeitung vom 16. Juni 1988, S. 7.

Literatur

Grit Lemke: Gitta Nickel – Helden ihrer Zeit. In: Ralf Schenk, Cornelia Klauß (Hrsg.): Sie – Regisseurinnen der DEFA und ihre Filme. Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, Bertz + Fischer Verlag, Berlin: 2019, ISBN 978-3-86505-415-9, S. 240–247, mit detaillierten biographischen Angaben

Günter Jordan, Ralf Schenk (Hrsg.), Schwarzweiß und Farbe. DEFA-Dokumentarfilme 1946–92, Berlin 1996, S. 419 (kurzer Auszug) Hans-Michael Bock: Gitta Nickel – Dokumentarfilmregisseurin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 2, 1984.

Weblinks

Gitta Nickel Filmportal Wenn man eine Liebe hat (1986)

Einzelnachweise

Kategorie:Dokumentarfilmer Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger des Kunstpreises der DDR Kategorie:Held der Arbeit Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:SED-Mitglied Kategorie:Geboren 1936 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Frau