mini|Gloriande de Lauzières-Themines, Stich nach Pierre Mignard 1622 Gloriande de Lauzières-Themines (* 1602 in Cahors; † 8. April 1635 in Sévérac), ab 1622 Baronesse von Arpajon, war eine adlige Hugenottin, die von Louis d’Arpajon aus Eifersucht ermordet wurde und dadurch die Vorlage für Legenden, historische Erzählungen, belletristische Umsetzungen und künstlerische Bearbeitungen bis in die Jetztzeit hinein lieferte. mini|hochkant|Lauzières-Thémines

Herkunft Gloriande de Lauzières, Marquise de Thémines, besser bekannt als Gloriande de Thémines, war die älteste Tochter von Pons de Lauzières, Marquis de Thémines und Marschall von Frankreich, sowie seiner Frau Catherine d’Ebrard-de-Saint-Sulpice.

Die Familie Lauzières war eine der reichsten des Quercy. Pons de Lauzières war von Heinrich IV. zum dortigen Sénéchal und Gouverneur ernannt worden und hatte die katholischen Ligisten daran gehindert, sich in Rouergue und im Haut-Languedoc zu behaupten. Unter der Regentschaft Maria de’ Medicis hatte er 1616 den französischen Marschallsstab erhalten und war seitdem als der Maréchal de Thémines bekannt. Seine Provinz Quercy grenzte an die Provinz Rouergue, deren hugenottischer Gouverneur, Jean V. d’Arpajon († 1634 in Calmont, kurz nach Abschwören vom calvinistischen Glauben), Baron von SévéracEintrag. geneanet.org; abgerufen am 16. März 2021. und Brusque (aus einer der ältesten Familien in Rouergue, seit 1592 Gouverneur ebendort), mit dem Maréchal de Thémines gut bekannt war (beide waren ehemalige Kampfgefährten unter König Heinrich IV.). Sie beabsichtigten, ihre Allianz durch eine Verheiratung ihrer Kinder weiter zu festigen.

mini|hochkant|Wappen d’Arpajon Leben Verheiratung 1622 mini|hochkant|Gloriande de Thémines (nach P. Mignard 1622) Gloriande wurde daher schon im Kleinkindalter mit dem vierzehnjährigen Louis d’Arpajon verlobt, und man plante 1622 die Hochzeit zu feiern, wenn Gloriande zwanzig Jahre alt sein würde. Unglücklicherweise für Gloriande war ihre Mutter, Catherine d’Ébrard de Saint-Sulpice, einige Monate zuvor im Winter 1621 trauernd verstorben. Im Alter von etwa fünfzig Jahren hatte sie ihre drei anderen Kinder innerhalb eines Jahres sterben gesehen: Ihre Tochter Claudine de Lauzières war bei der Geburt des zweiten Kindes aus ihrer Ehe mit Jean III. de Gontaut, Comte de Cabrerets,dessen Vater war Jean II. de Gontaut-Cabrerets, Baron von Gramat, 1652 gefallen in den Hugenottenkriegen während der Schlacht bei Dreux in Toulouse gestorben. Ihr ältester Sohn Antoine de LauzièresAntoines Tochter Suzanne († vor 1654) heiratete später, am 26. März 1634, Charles de Lévis (1600–1649), den Enkel des protestantischen Heerführers Graf Ventadour († 1591), einem Kampfgefährten des Abel de Pierre-Buffière. Aus dieser Verbindung erwuchsen keine Nachkommen. war im September 1621 bei der Belagerung der Hugenotten von Montauban gefallen, der jüngste Sohn Charles de Lauzières war im Dezember 1621 in Monheurt an Kriegswunden gestorben.

Zu Beginn des Jahres 1622 hatte Gloriande also nur ihren Vater als nahen Angehörigen (bevor dieser im September 1622 die Angebetete seines verstorbenen Sohns Charles, Marie de La Noue, die Witwe von Louis de Pierrebuffière, heiratete). Letzteres bescherte ihr zumindest eine hohe Mitgift von 120.000 Livre für die Ehe mit Louis d’Arpajon, und Gloriande erhielt hierfür auch einen Teil des Erbes ihrer Mutter.

Am 1. Februar 1622 wurde im Bischofspalast von Cahors die Hochzeit mit allem Prunk gefeiert. Danach zog das Brautpaar auf die Burg Sévérac, wo Gloriande ihre künftige Stiefmutter Jacquette de Castelnau-Caylus de Clermont († 18. Februar 1659 auf ihrer Burg Brusque)Inventaire sommaire des Archives départementales antérieures à 1790. Archives départementales de la Haute-Garonne, 1887, S. 57; online kennenlernte.

Eheleben Gloriande schenkte ihrem, wegen diverser Feldzüge meist abwesenden, Gatten fünf Kinder. Alle Geburten fanden in Rodez statt, wo das Paar ein Privathaus besaß. Zwischen den Geburten nahm Louis d’Arpajon, der im Mai 1626 zum Feldmarschall ernannt worden war, seine junge Frau öfters nach Paris mit. Dort erlebte Gloriande die Bälle am Hof des Königs Ludwig XIII. und seiner Gemahlin Anna von Österreich und lernte wohl auch den illustren Kreis um ihre Stiefmutter, die Hofdame Marie de La Noue (La Maréchale de Thémines), kennen.

1627 starb Gloriandes Vater Pons de Lauzières, der Maréchal de Thémines, in Auray als Gouverneur der Bretagne. Seine Beerdigung fand in dessen Heimatort Cahors statt. Gloriandes Familie war dem König besonders nahegestanden und ihr Ehemann Louis genoss nun ebenfalls einen raschen Aufstieg. 1633 wurde er zum Ritter des Ordens vom heiligen Geist erhoben und als Conseiller d’État nach Paris berufen, aber Gloriande folgte ihrem Mann nicht nach Paris und blieb auf der Burg Sévérac.

mini|Burg Sévérac mit Umgestaltungen mini|hochkant|Burgtor mit Renaissance-Verzierung Renovierung von Séverac mit der Großmutter ihres Mannes Dort war Gloriande im Einverständnis ihres Ehemanns mit der fortgesetzten Verschönerung der mittelalterlichen Festung zu einem der Renaissance entsprechenden Schloss betraut, woran nicht ihre eigene Schwiegermutter Jacquette, sondern vielmehr deren Schwiegermutter, Françoise de Montal (Großmutter von Louis d’Arpajon, und Witwe von Charles d’Arpajon († 1579), dem Großvater des Louis), maßgeblich beteiligt war.

Françoise de Montal (ca. 1544–1632)Ihr Vater, Dorde de Montal, doyen de Mauriac († 1556), Priester, Potonaire von Saint-Siège, Kaplan des Königs; heiratete dank eines päpstlichen Dispens (Bulle 1531) die Hugenottin Catherine de Castelnau-Caylus. Tochter Françoise de Montal übergab während der Religionskriege persönlich die Stadt und Burg Sévérac den Calvinisten. war Ehrendame am Hofe von Königin Caterina de’ Medici gewesen und hatte in ihrer Jugend die Schlösser im Loiretal kennen gelernt. Als sie 1573 Baron Charles d’Arpajonseit 1569 war Charles d’Arpajon der Kommandant der Calvinisten in Rouergue; 1586 verteidigte er Burg Sévérac erfolgreich gegen Joyeuse, Heerführer einer katholischen Armee, der im gleichen Jahr Arpajons andere Burg Beaucaire bei Nauviale nach 6 Monaten Belagerung eroberte. Le Blog de châteaux forts. (französisch) Abgerufen am 21. März 2021. im Beisein von König Karl IX. im Louvre geheiratet hatte, nahm sie bereits das Projekt auf, die mittelalterliche Festung ihres Mannes (Burg Sévérac) dem neuen Zeitgeist gemäß in ein elegantes Palais im Renaissance-Stil umzuwandeln, und ab 1579 hatte sie die Besitzrechte an der Burg. 1607 begannen die 43 Jahre andauernden Umgestaltungen, unter anderem mithilfe des Florentiner Architekten Sebastiano Gargioli. Françoise erlebte noch die Geburt ihres jüngsten Urenkels, Jean Louis d’Arpajon, im Juli 1632, bevor sie am 21. Dezember des Jahres ihr Testament verfügte und verstarb.

Missgunst der Schwiegermutter In der Zeit vor Gloriandes Hochzeit mit Françoise de Montals Enkel Louis d’Arpajon 1622, war diese auf Sévérac lange Jahre die wahre Herrin der Haushaltung gewesen, wodurch ihre Schwiegertochter Jacquette de Castelnau de Clermont, ab 19. Juli 1589 Frau von Françoises Sohn, Gouverneur Jean V. d’Arpajon (Heirat in Castelnau-Bréteneoux, gegen dessen Willen), sich zurückgesetzt fühlte und tiefe Abneigung gegenüber Françoise entwickelte.Jacquette de Castelnau war mit Louis’ Vater, Jean V. d’Arpajon, einst zum Calvinismus übergetreten, jedoch später zum katholischen Glauben zurückgekehrt. So war Louis d’Arpajon im strengen katholischen Glauben unterwiesen worden, was auch zu der Antipathie Jacquettes gegenüber der eher freidenkerischen Françoise de Montal und Gloriande beigetragen haben mag.

So fühlte sich Jacquette nun seitens Gloriande, die nach der Hochzeit 1622 die Funktion der Herrin von Sévérac direkt von Françoise de Montal übernahm, erneut übergangen und zog sich zunächst brüskiert auf ihr Schloss Castelnau zurück. Gloriande sah sich von Beginn ihrer Ehe mannigfaltigen Intrigen ihrer Stiefmutter Jacquette ausgesetzt, die, umgesiedelt in einen anderen Teil des Schlosses, missgünstig Gloriandes Renovierungsvorhaben und Kooperation mit Françoise de Montal beäugte. Bei seinen seltenen Kurzbesuchen auf Burg Sévérac wurde Louis d’Arpajon von seiner Mutter Jacquette de Castelnau-Caylus de Clermont und deren Parteigängern, vor allem Barthélemy Levesque, stets mit Beschwerden aller Art über seine Gattin überhäuft.

mini|Chateau de Sévérac Letzte Jahre ab 1633 und Ermordung In besagtem Frühjahr 1633 befand sich die Burg noch im Umbau, und Gloriande, geschwächt durch die letzte Geburt im Juli 1632, hatte es vorgezogen, ihren Mann Louis nicht zu seinen Ämtern nach Paris zu begleiten, sondern in Sévérac zu bleiben. Nach dem Tode der Françoise de Montal im Dezember 1632 lebte sie dort zumeist allein mit der grollenden Schwiegermutter, welche die Ehelichkeit von Gloriandes letztgeborenem Sohn Jean-Louis anzweifelte und zum Vorwand für schwere Anschuldigungen nahm.

Gloriande war mit etwa 30 Jahren noch jung, und ihre Schönheit hatte kurz zuvor die Barone der Nachbarschaft in das Schloss gelockt. Eingeladen auf Louis d’Arpajons pompösen Empfängen und Banketten, waren die lokalen Edelleute besonders entzückt von Begegnungen mit der Dame von Séverac gewesen. Einer der Adligen, Jean de Lauziac, hatte daher begonnen, heimlich Gedichte an Gloriande zu richten. Bezaubert von dem Verehrer, hatte diese sich auf ein Abenteuer mit ihm eingelassen. Trotz aller Diskretion wurde Gloriande von einer ihrer doppelzüngigen Gesellschafterinnen, Catherine Levesque, der Frau des Viguiers von Séverac, Barthélemy Levesque, verraten, die heimlich eine der Vertrauten von Gloriandes Schwiegermutter Jacquette war. Die beiden Frauen sammelten Beweise für Gloriandes geheime Affäre. Bei Louis d’Arpajons Rückkehr im Frühjahr 1634 verspürte Gloriande bald die ungewöhnliche Kälte seitens ihres Mannes, der inzwischen von seiner Mutter sogar schriftlich mit ihrer vermeintlichen Untreue konfrontiert worden war. Louis war tief erschüttert über den Treuebruch, und obwohl er Gloriande bislang vor allen Gehässigkeiten seiner Mutter in Schutz genommen hatte, befahl er seiner Gattin strikten Hausarrest.Abbé François Julien (1865–1938): Histoire de Sévérac-le-Château (Albi 1926) Seite 102 (online bei Gallica.bnf)

Im Winter 1634 wurde Jean de Lauziac auf der Straße von Séverac nach Rodez mit durchschnittener Kehle aufgefunden, und alle Indizien deuteten auf einen Raubüberfall. Gloriande enthielt sich zwar jeder Äußerung, als sie vom Tod ihres Geliebten erfuhr, aber begann misstrauisch zu werden. Um ihre Vorahnungen zu zerstreuen, schlug Louis vor, dass beide im folgenden Frühjahr zur Basilika Notre-Dame de Ceignac (wo die Grablege der Herren von Séverac war) pilgern sollten, um in der Kapelle der Vorfahren Andacht zu halten. Eine solche Reise war nichts Ungewöhnliches und Gloriande willigte ein. mini|Umgebung der Burg Sévérac Im April 1635 verließen also mehrere Pferdesänften, darunter eine mit Gloriande, die Burg Séverac und machten sich auf den Weg nach Montrozier in Richtung Ceignac. Louis d’Arpajon folgte mit einigen Bewaffneten zu Pferd, da die Wege wegen der Straßenräuber nicht sicher waren. Gloriande hatte ihren Platz mit der Begleiterin Catherine Levesque in der ersten Sänfte genommen. Sie bemerkte, dass etwas Ungewöhnliches passierte, als die Sänfte anhielt, und dann einen Umweg über die Höhen der Palanges aufnahm und am Fuße der Berge mitten in den dichten Wald eintauchte.Nach einer anderen Version wurde Gloriande in ein nahe gelegenes Château verschleppt und dort ermordet; vgl. H. de Barrau (1853)