Bad Münstereifel (bis 1967 Münstereifel) ist eine Stadt im Kreis Euskirchen im Süden des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie gilt als mittelalterliches Kleinod mit nahezu vollständig erhaltener restaurierter Stadtmauer und ist ein Erholungsort, insbesondere für die Bewohner der Ballungsräume Köln, Bonn, Düsseldorf und Ruhrgebiet. Seit dem 12. September 1974 ist Bad Münstereifel staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad.

Das an der Erft gelegene Grundzentrum übernimmt gemäß Landesentwicklungsplan Teilfunktionen eines Mittelzentrums und zählt 4109 Einwohner (Stand 31. Dezember 2019) im Stadtkern sowie weitere rund 13.000 Einwohner in den zugehörigen 51 Stadtteilen und Weilern. Mitte Juli 2021 wurden mehrere Stadtteile von einem schweren Hochwasserereignis getroffen.

Geographie Geographische Lage mini|links|Stadtansicht

Bad Münstereifel liegt etwa 30 Kilometer südwestlich von Bonn und rund zehn (jeweils Luftlinie) südlich der Kreisstadt Euskirchen im Münstereifeler Wald, einem Teil der Eifel, und wird von der Erft durchflossen. Es erstreckt sich auf rund 151 km² Fläche über Höhenlagen von 200 bis . Letzteres ist die Höhe des Michelsbergs, der sich als höchste Erhebung des Stadtgebiets im Nordwestteil des Ahrgebirges (weiterer Teil der Eifel) erhebt.

Das Stadtgebiet ist zu rund 60 Prozent bewaldet, etliche Waldparzellen sind als sogenannte Urwaldparzellen ausgewiesen. Über 200 Kilometer ausgebaute Wanderwege erschließen die Mittelgebirgslandschaft, die in etwa 25 Kilometer Entfernung zum Nationalpark Eifel liegt. Das gesamte Stadtgebiet gehört zum Naturpark Hohes Venn-Eifel.

mini|Michelsberg mini|Luftaufnahme (2015) mini|Lithokarte von 1897 mini|266x266px|Karte mit allen Stadtteilen

Klima Bad Münstereifel gehört zum Regenschattengebiet der Osteifel (im Lee der westlichen Hocheifel und Schneifel) und weist durchschnittliche Jahresniederschläge von 650 bis 850 mm auf (letzterer Wert rund um den Michelsberg).

Liegt Bad Münstereifel bei Südwestwetterlagen noch im Regenschatten, ändert sich dies schnell bei Nord-Nordost- und Ostwetterlagen. Durch diese Winde werden Wolken gegen die nördliche Eifel gedrückt und regnen sich als Steigungsregen (= Luv) aus. Unwetterartige Regen- bzw. im Winter auch Schneefälle sind die Folge. So geschehen beim Jahrhunderthochwasser am 14. Juli 2021, als ein Vb-artiges Tiefdruckgebiet von Nordosten durch das Aufgleiten warmer Luftmassen immer wieder neue Niederschläge auslöste und diese mit einer nordöstlichen Strömung gegen die Eifel drückte. In und um Bad Münstereifel konnten so innerhalb von 24 Stunden extreme 200 mm Regen gemessen werden.

Im Ort selbst herrscht eine jahresdurchschnittliche Lufttemperatur von 7,5 bis 8,0 °C und eine Julitemperatur von ca. 15 bis 16 °C. Die Länge der Vegetationszeit liegt bei 130 bis 140 Tagen. Der mittlere Beginn der Apfelblüte ist am 10. bis 20. Mai. Die Winterroggenernte beginnt am 29. Juli bis 8. August.

Stadtteile Viele der Stadtteile von Bad Münstereifel gehören erst seit der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen zur Stadt. Durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Euskirchen wurden am 1. Juli 1969 die folgenden Gemeinden eingegliedert: Arloff, Effelsberg, Eschweiler, Hohn, Houverath, Iversheim, Kalkar, Mahlberg, Mutscheid, Nöthen, Rupperath und Schönau.

Die Gemeinden Hohn und Nöthen gehörten vorher dem Landkreis Schleiden an. Der Ort Lingscheiderhof aus der ehemaligen Gemeinde Holzmülheim (ebenfalls vorher im Landkreis Schleiden) und Waldgebiete der Gemeinde Kirchheim kamen ebenfalls hinzu.

Die Stadtteile Bad Münstereifels mit Stand 31. Dezember 2022 sind in der folgenden Tabelle gelistet:

Stadtteil Einwohner Höhe (m) ehemalige Gemeinde Arloff 1072 221 Arloff Bergrath 110 467 Hohn Berresheim 91 396 Mutscheid Effelsberg 159 450 Effelsberg Eichen 62 348 Houverath Eicherscheid 832 316 Münstereifel Ellesheim 101 367 Mutscheid Esch 244 469 Mutscheid Eschweiler 544 397 Eschweiler Gilsdorf 111 325 Nöthen Hilterscheid 145 434 Mutscheid Hohn 356 355 Hohn Holzem 278 435 Effelsberg Honerath 53 419 Mutscheid Houverath 744 367 Houverath Hummerzheim 132 455 Mutscheid Hünkhoven 44 402 Rupperath Iversheim 1312 245 Iversheim Kalkar 410 238 Kalkar Kernstadt 3996 280 Münstereifel Kirspenich 1527 236 Arloff Kolvenbach 56 341 Hohn Langscheid 139 448 Schönau Lanzerath 101 365 Houverath Lethert 183 438 Effelsberg Limbach 91 369 Houverath Lingscheiderhof 20 366 Holzmülheim Mahlberg 634 465 Mahlberg Maulbach 153 369 Houverath Mutscheid 98 421 Mutscheid Neichen 39 426 Effelsberg Nitterscheid 192 472 Mutscheid Nöthen 721 355 Nöthen Odesheim 181 438 Mutscheid Ohlerath 172 405 Mutscheid Reckerscheid 127 491 Mutscheid Rodert 454 427 Münstereifel Rupperath 457 400 Rupperath Sasserath 223 451 Mutscheid Scheuerheck 151 440 Effelsberg Scheuren 170 365 Houverath Schönau 851 362 Schönau Soller 117 497 Mutscheid Vollmert 39 484 Schönau Wald 652 420 Houverath Willerscheid 146 439 Mutscheid Witscheiderhof 138 460 Hohn

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an das Stadtgebiet Bad Münstereifel: in Nordrhein-Westfalen Nettersheim Mechernich Euskirchen Rheinbach in Rheinland-Pfalz Verbandsgemeinde Altenahr Verbandsgemeinde Adenau

Geschichte Bereits in der Frühzeit zog es die Menschen auf den in der Nähe gelegenen Michelsberg, die zweithöchste Erhebung des Ahrgebirges. Zahlreiche Artefaktfunde von dort belegen, dass bereits in der Mittelsteinzeit (9600 bis 5500/4500 v. Chr.) Menschen als Jäger und Sammler in dieser Gegend lebten. Eine Siedlung der Jungsteinzeit (5500/4500 bis 2000 v. Chr.) ist auf einem Höhenzug bei Schönau in der Gemarkung Op de Pöhle durch Werkzeuge wie Klingen u. a. aus Feuerstein nachgewiesen. Die prähistorischen Artefakte befinden sich im Hürten-Museum in Bad Münstereifel.

Um 830 gründete der dritte Abt von Prüm, Markward, ein Tochterkloster der Benediktiner, das er „Novum Monasterium“ (= Neumünster) nannte. 844 schenkte Papst Sergius II. dem Abt die Gebeine des römischen Märtyrerehepaars Chrysanthus und Daria und Reliquien 46 weiterer Heiliger. Danach gewann das Kloster durch rege Wallfahrtstätigkeit an Bedeutung und wurde kirchlicher Mittelpunkt des Eifeldekanates. König Zwentibold von Lotharingien verlieh nach einem Besuch im Jahre 898 dem Kloster das Markt-, Münz- und Zollrecht. Um die Klostermauern herum entstand eine Siedlung, vor dem Kloster entstand ein Markt.H. Bongart: Romanisches Haus Bad Münstereifel 1167-2017. S. 7.

Das Kloster erhielt bereits im Jahr 898 Markt-, Zoll- und Münzrechte vom König Zwentibold. Solche Rechte waren im Frühmittelalter äußerst wertvoll und machten den Ort zu einem bedeutenden Handelsplatz lange bevor viele andere Städte der Region entstanden.

Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts entstanden auch im heutigen Stadtgebiet von Bad Münstereifel mehrere Siedlungen, die als Endung des Ortsnamens ein „-scheid“ aufweisen. Hierbei handelt es sich um bewaldete oder ehemals bewaldete Bergriedel.

Im 12. Jahrhundert setzte sich ein neuer Name für die Siedlung durch, Monasterium in Eiflia. Das Kloster wurde in ein Stift umgewandelt. Um 1300 baute der Graf von Jülich die Burg und errichtete die Stadtbefestigung. 1356 wurde Münstereifel Sitz eines Gerichts und der städtischen Selbstverwaltung. Es entstanden Wollwebereien, Gerbereien und Brauereien. 1454 gab der Herzog von Jülich der Stadt eine Ratsverfassung. Dem Rat gehörten sieben Schöffen und sieben Ratsverwandte an, aus deren Mitte jährlich der Bürgermeister gewählt wurde. Nach 1600 wurde Münstereifel zu einer Stadt der Gegenreformation umgebaut. 1618 kamen die Kapuziner nach Münstereifel, die auf ihrem Klosterbezirk auch eine Tuchmanufaktur errichteten und damit neue Arbeitsplätze für die in Schwierigkeiten geratenen Wollweber schufen. 1625 nahmen die Jesuiten den Unterricht des St. Michael-Gymnasiums auf. Ihre Niederlassung wurde 1649 zum Kolleg erhoben; die Errichtung der Klostergebäude erfolgte zwischen 1652 und 1674, die der Jesuitenkirche von 1659 bis 1668; das Gymnasialgebäude wurde zwischen 1724 und 1727 errichtet. Ab 1657 ließen sich die Karmelitinnen in Münstereifel nieder. Ihr Klosterkomplex wurde 1769/70 erbaut. Das von den Jesuiten erbaute St. Michael-Gymnasium war die einzige höhere Schule zwischen Köln und Trier.

Münstereifel wurde wie das gesamte linke Rheinufer im Ersten Koalitionskrieg von französischen Truppen besetzt; im Jahr 1798 erfolgte die Annexion dieses Gebiets durch die Erste Französische Republik. Münstereifel wurde zu einer Mairie (Bürgermeisterei) im Département de Rhin-et-Moselle. Hier gehörte es zum Kanton Rheinbach im Arrondissement de Bonn. Die Säkularisation der Klöster und des Stifts um 1802 durch Napoleon bedeutete einen schweren Rückschlag für das wirtschaftliche Leben der Stadt, das durch zuletzt sieben Klöster und Kirchen mit insgesamt etwa 100 Priestern, Schwestern und Laienbrüdern geprägt wurde.

Am Ende der Napoleonischen Kriege wurden die Gebiete entlang des Rheins grundlegend neu geordnet. Auf dem Wiener Kongress 1815 fiel Münstereifel mit anderen linksrheinischen Gebieten an Preußen und gehörte fortan zur Rheinprovinz des neu gegliederten preußischen Staates. Münstereifel verlor im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts politisch und wirtschaftlich an Bedeutung. Erst gegen dessen Ende brachte der Fremdenverkehr eine erneute Belebung der Wirtschaft. Münstereifel wurde 1926 Kneippkurort und heißt seit 1967 „Bad“ Münstereifel.

Am 20. Oktober 1906 besuchte Kaiser Wilhelm II auf seiner Reise durch die Eifel auch Bad Münstereifel.

Von 1901 bis 1965 bestand an der Straße nach Iversheim die Firma Hettner, die Industriebohrmaschinen fertigte. Eine solche Maschine ist als Denkmal mittig im Kreisel der B51 aufgestellt.

Nachdem Mitte der 1920er Jahre bereits Pläne für eine Motorsport-Rennstrecke am Kölner Stadtrand und im Bonner Kottenforst bestanden haben, nahm später auch die Planung eines Kurses im Stadtwald von Bad Münstereifel Gestalt an. Die Projekte wurden aus finanziellen Gründen jedoch alle verworfen, woraufhin der Nürburgring bei Adenau erbaut und 1927 eröffnet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg nutzte Adolf Hitler während des Westfeldzuges vom 10. Mai bis zum 6. Juni 1940 und während der Ardennenoffensive ab 19. Dezember 1944 das zuvor ausgebaute Führerhauptquartier „Felsennest“ in Münstereifel-Rodert. Das Oberkommando des Heeres (OKH) hatte sein Quartier in einem Bunker- und Barackenlager um das Forsthaus Hülloch.

Am 25. Dezember 1944 erlitt Bad Münstereifel den schwersten Bombenangriff. Am stärksten betroffen waren die Marktstraße und die Wertherstraße. Insbesondere das Postamt und das ehemalige Gerichtsgebäude (Haus Best) wurden zerstört. Auch der Südflügel des gotischen Rathauses wurde getroffen.

Insgesamt ereigneten sich in der Stadt 25 alliierte Luftangriffe, bei denen 53 Menschen aus der Zivilbevölkerung ums Leben kamen. 145 Soldaten aus den Orten Münstereifel, Eicherscheid und Rodert waren gefallen.Geschichte der Stadt Bad Münstereifel, Website der Stadt Münstereifel, abgerufen am 1. Mai 2021.

Münstereifel und die Umgebung wurden am 7. März 1945 kampflos von US-amerikanischen Soldaten eingenommen.Kriegsende 1945 in Münstereifel (Aus: Jahrbuch des Kreises Euskirchen 1985, S. 68–77).

Als letzter katholischer Orden ließen sich 2008 die Legionäre Christi (LC) in Bad Münstereifel nieder und übernahmen das ehemalige Ursulinen-Internat als Apostolische Schule und Noviziat.