Friedrich Wilhelm Schmidt oder im militärischen Sprachgebrauch zur Unterscheidung Schmidt-eins (Schmidt I.) (* 12. April 1786Franz von Zychlinski: Geschichte des 24sten Infanterie-Regiments, Bd. II. Mittler (A. Bath), Berlin 1857, S. 57: „12. April 1789“; vielleicht verwechselt mit dem königlich sächsischen Generalmajor und Kommandant des Artillerie-Corps Heinrich Schmidt (* 1789; † 4. Juni 1860 in Dresden), Absolvent der Landesschule Pforta (1803–1809). in Eckartsberga im Thüringer Kreis des Kurfürstentums Sachsen; † 31. Januar 1846Neuer Nekrolog der Deutschen 24 (1848), S. 1031. in Berlin) war ein deutscher Oberstleutnant, der sich auf dem Gebiet der Provinzialrömischen Archäologie betätigte.
Leben Militärische Laufbahn Friedrich Wilhelm Schmidt war ein Absolvent des Wilhelm-Ernst-Gymnasiums in Weimar im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. In den Befreiungskriegen schloss er sich im März 1813 dem Lützowschen Freikorps anZum Folgenden Franz von Zychlinski: Geschichte des 24sten Infanterie-Regiments, Bd. II. Mittler (A. Bath), Berlin 1857, S. 57f. und rüstete im April während der russisch-preußischen Besetzung von Dresden als Leiter des dortigen Werbe-Büros 400 Freiwillige aus. Im Juni wurde er Offizier. Unter General Ludwig von Wallmoden-Gimborn kämpfte er in der Russisch-Deutschen Legion der Nordarmee bei Lauenburg, Vellahn, Zarrentin, Kogel und Seedorf. 1814 nahm er an der Belagerung von Jülich teil. Er gehörte 1815 dem 25. Infanterie-Regiment „von Lützow“ der Preußischen Armee an und wurde in der Schlacht bei Ligny unter Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher schwer verwundet. Friedrich Wilhelm Schmidt galt als „ein sehr unterrichteter Offizier“ und besuchte ab Oktober 1816 die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, die den Status einer Universität besaß. Im Juni 1818 trat er zum 24. Infanterie-Regiment über, das zu dieser Zeit in Frankfurt (Oder) lag.
Zur Vorbereitung einer Geschichte des siebenjährigen Krieges, die der Große Generalstab ab 1824 herausgab,Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (IV. HA, Rep. 15 A Großer Generalstab, Kriegsarchiv der Kriegsgeschichtlichen Abteilung 6. Vorarbeiten zum Generalstabswerk Siebenjähriger Krieg). bereiste Schmidt im Auftrag des Chefs des Generalstabs Generalleutnant Karl von Müffling genannt Weiß die Schauplätze der Feldzüge von 1756 und 1757Offiziere des großen Generalstabs (Hrsg.): Geschichte des siebenjährigen Krieges, in einer Reihe von Vorlesungen, mit Benutzung authentischer Quellen, Bd I. Die Feldzüge von 1756 und 1757. Dietrici, Berlin 1824 (Google-Books). in Sachsen (Schlacht bei Roßbach), Thüringen und Franken zu militärischen Recherchen.Franz von Zychlinski: Geschichte des 24sten Infanterie-Regiments, Bd. II. Mittler (A. Bath), Berlin 1857, S. 58. Auch die Schlachtfelder von 1813 bei Großbeeren, Dennewitz und Leipzig sowie die 1813/14 belagerten Festungen Wittenberg und Magdeburg wurden von ihm inspiziert. Als Premier-Lieutenant (Oberleutnant) wurde Schmidt durch „Allerhöchste Cabinetts-Order“ vom 30. März 1820 zum Großen Generalstab versetzt.
Preußischer Generalstabsoffizier Als Generalstabsoffizier wurde Schmidt verschiedentlich an andere Standorte abgeordnet, so 1821 bis 1830 als Capitän i. G. nach Trier (abgestellt zur Dienstleistung beim 30. Infanterie-Regiment,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1825. Wilhelm Dieterici, Berlin 1825, S. 95 (Google-Books).Johann Leonardy: Die angeblichen Trierischen Inschriften-Fälschungen älterer und neuerer Zeit. Fr. Lintz, Trier 1867, S. 54 (Google-Books). Direktor der Divisionsschule,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1828. Wilhelm Dieterici, Berlin 1828, S. 99 (Google-Books). 1828/29 beauftragt mit einer historisch-strategischen Aufnahme der römischen Grenzsicherungsanlagen in der Rheingegend), 1830 bis 1834 als Hauptmann i. G. „Schmidt I.“ zum Generalkommando Koblenz, 1834 bis 1838 in Berlin (1837 abgeordnet nach Süddeutschland) und 1838 bis 1842 als Major i. G. zum Generalkommando Münster, ab 1842 wieder nach Berlin (1845 Aufenthalt im Taunus).Ernst Schmidt: F. W. Schmidt's, Königl. Preuss. Oberstlieutenant, Lokaluntersuchungen über den Pfahlgraben oder limes transrhenanus vom Rhein … In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 6 (1859/60), S. 107–202, bes. S. 107–113. Er war zuletzt als Oberstleutnant Abteilungschef („Chef eines Kriegs-Theaters“) im preußischen Großen Generalstab.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1845. E. S. Mittler, Berlin 1845, S. 23 (Google-Books). Sein Vorgänger auf dem Posten war Major Heinrich von Reitzenstein,Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1841. E. S. Mittler, Berlin 1841, S. 5. sein Nachfolger wurde Oberst Friedrich Stavenhagen.Rang- und Quartier-Liste der Königlich-Preußischen Armee für das Jahr 1846. E. S. Mittler, Berlin 1846, S. 23 (Google-Books).
„Lokaluntersuchungen“ zu Kastellen, Römerstraßen, Aquädukten und Verlauf des Limes mini|links|Übersichtskarte der von F. W. Schmidt 1824 bis 1828/29 erforschten Römerstraßen an Rhein, Maas, Mosel und Saar, 1861|300px
Friedrich Wilhelm Schmidt machte anlässlich seiner dienstlichen Aufträge viele archäologische Beobachtungen – darunter im September 1838 die Auffindung der Überreste eines untergegangenen Ortes beim Lippmannshof am Rhein (bei Wesel-Bislich oberhalb Marwick), den er für das Lippeham Karls des Großen hielt, und eines Römerlagers am Annaberg bei Haltern am See.Hartmut Polenz: Die Archäologischen Sammlungen und Museen im Ruhrgebiet. In: Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, , Jg. 2002, Heft 2, S. 9–16, hier S. 12. Er führte systematisch Oberflächen-Surveys („Lokaluntersuchungen“) durch, um die Streckenführung von Römerstraßen, Aquädukten oder den Verlauf des niedergermanischen und des obergermanisch-raetischen Limes zu erforschen. Von Schmidt stammen Vorschläge zur Lokalisierung des Alenkastells Buruncum (bei Worringen) oder zur Identifizierung verschiedener Kleinkastelle (Burginatium, Alpen-Drüpt, Hillscheid, Sindringen u. a.). Er war Mitglied im Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. MünsterZeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde 2 (1839), S. 331 (Google-Books); 5 (1842), S. 332f (Google-Books). und im Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande in Bonn.Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 9 (1846), S. 176 (Google-Books). Seine Spitznamen waren „Römer-Schmidt“Johann Anton Joseph Hansen: Einige Notizen über die Schauenburg und ihre Umgebung. In: Verhandlung des Vereins für Geschichte und Alterthum zu Ottweiler 2 (1850), S. 19–33, bes. S. 24 (Google-Books). oder „Straßen-Schmidt“.Rudolf Pörtner: Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit. Städte und Stätten deutscher Frühgeschicht. Econ, Gütersloh 1959, S. 14, 384 und 429.
Schmidts Vorarbeiten seit etwa 1824 bis 1828/29 im „amtlichen Auftrag“ zu Römerstraßen und Kastellen auf dem linken Rheinufer,C. v. W. = Karl von Müffling genannt Weiß: Ueber die Roemerstrassen am rechten Ufer des Nieder-Rheins von dem Winterlager Vetera ausgehend zur Veste Aliso, über die pontes longi zu den Marsen und zu der niedern Weser. Ernst Siegfried Mittler, Berlin u. a. 1834, S. 61 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). die er in zwei Manuskripten zu den Akten des Generalstabs in Berlin gegeben hatte, wurden 1833 ohne sein Wissen und ohne seine Zustimmung von Ernst Friedrich ZwirnerAb August 1833 Kölner Dombaumeister. veröffentlicht, der als Angestellter der Oberbaudeputation Zugriff auf die Unterlagen hatte. Der historisch interessierte Geheime Bergrat und Bonner Universitätsprofessor Jacob Nöggerath gab 1834 die Anfangsabschnitte als unautorisierten Nachdruck heraus.Brief von Friedrich Wilhelm Schmidt an Jacob Nöggerath vom 12. März 1834; Friedrich Wilhelm Schmidt: Bemerkungen zu der bei Gall in Trier erschienenen Schrift des Dr. Jacob Schneider. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande 5/6 (1844), S. 383–389, bes. S. 385. Friedrich Wilhelm Schmidt hinterließ 1846 umfangreiche handschriftliche Studien, die er selbst nicht mehr hatte veröffentlichen können. Sein Bruder Ernst (Gottlob) Schmidt (1798–1877), ebenfalls preußischer Offizier, lebte im Ruhestand als Major a. D. in Kreuznach in der Rheinprovinz. Er gab 1859–1861 den schriftlichen Nachlass seines verstorbenen Bruders heraus, darunter die aufgearbeitete Untersuchung zu den Römerstraßen, und veröffentlichte Auszüge von dessen Briefwechsel über archäologische Fragen mit Karl von Müffling, Generalstabschef Wilhelm von Krauseneck und dem Dirigenten der Topographischen Aufnahmen in MünsterErnst Schmidt (Hrsg.): Zusammenstellung der(…) … in den Jahren 1838, 39, 40 und 41 in Westfalen ausgeführten Lokaluntersuchungen … In: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde Neue Folge 10 = 20 (1859), S. 259–318, bes. S. 259, 268f, 304 und 313. – gemeint ist vermutlich der dortige Katasterdirektor Peter Joseph Stierlin (1788–1845).Aus Geldern, Steuerrat, Mitglied im Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster; vgl. Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung, Nr. 85, vom December 1834, Sp. 700f (Google-Books); Peter Joseph Stierlin, Georg Schmeltzer († 1850): Topographische Karte der Kreise des Regierungs-Bezirks Münster. H. Mahlmann, Münster 1842 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Münster).
mini|Aureus des Augustus (wie Sammlung Schmidt, Nr. 554; Beispielfoto)Reinhard Stupperich: Ein Aureus des Augustus aus Haltern. In: Boreas 13 (1990), S. 168–172, bes. S. 169f und Tf. 30,1–2.|150px
Römische Inschriften